Juliie 03.09.2012, 16:38 Uhr 3 2

Schweiß

...Oder auch Grau.

Schwarz. Sie wird gerne getragen, diese Farbe, die doch keine ist. Aber das ist ihr egal. Absorbiert sie doch sofort jegliche noch so unbekümmert auf sie einprallenden Lichtstrahlen. Frisst und verschlingt sie unbarmherzig und gierig mit einem Mal. Sich in ihr spiegeln? Nicht möglich. In der Dunkelheit sind selbst die widerwärtigsten Schatten und Schwächen nicht sichtbar, nein, sie verschmelzen einheitlich mit ihrer Kulisse. Diese scheint düster, bleibt jedoch stets elegant und durch ihre einnehmende Stärke faszinierend. Und verschluckt alles gnadenlos, das sowieso nicht gezeigt werden will.

Weiß. Die Reinheit. Sie wünschte, sie wäre eine Farbe und kann es doch niemals sein. Sie vereint, im Gegensatz zum Schwarz, alle Farben in sich. Doch es waren zu viele. Der Versuch, sie allesamt zu reflektieren, scheiterte kläglich. Und so ergibt ihre Gesamtheit einen Schimmer von weißem Nichts. Doch das ist es letztendlich, das tragische Schicksal der Weiß: Sie ist nichts. Und auch wenn sie ab und an bereit ist, für einen altertümlichen Brauch die Beine breit zu machen und sich zuweilen als billiger Statist für den Hintergrund einer bunten Szene hergibt - So unschuldig, wie sie zunächst wirkt, ist sie gar nicht.

Schwarz und Weiß mögen sich nicht besonders, nein, sie hassen sich. Während Schwarz den ständigen Versuch von Weiß, alle mit ihrer unermesslichen Weisheit zu überstrahlen, verabscheut, kann Weiß einfach nicht verstehen, dass Schwarz in allem immer nur die düsteren Seiten sehen will. Auf Grund dessen haben beide stets nur eines im Sinn, wenn sie aufeinander treffen: Einander zu vernichten. Und so versucht ein jeder pausenlos, den anderen für sich einzunehmen. Im ewigen Licht existieren keine Schatten, dessen ist sich Weiß sicher, in grenzenlose Dunkelheit dringt kein Licht, denkt dagegen das Schwarz. Und so kämpfen die beiden einen Kampf, den niemand gewinnen kann. Dabei sehen sie nicht, dass sie ohne einander nicht existieren könnten.


Während sich die zwei so vehement an ihrer Einzigartigkeit festkrallen, schleicht sich derweilen ganz unbekümmert und auf leisen Pfoten ein zaghaftes Grau ein, das, je nachdem, wer von ihnen gerade lauter brüllt, heller oder dunkler ausfällt. "Ekelhaft, dieses schleimige, ausdruckslose Grau. Zum Teufel scheren soll es sich!"
- Darin sind Schwarz und Weiß sich unversehens einig. "Langweilig und fade kommt es daher, ein Pseudo-Kompromiss zwischen zwei Extremen, deren Natur niemals vereinbar sein wird."

Und in all ihrer Wut auf dieses ängstliche, angepasste Grau, das sie mit vereinter Kraft wegzuscheuchen versuchen, bemerken Schwarz und Weiß nicht einmal, dass sie sich eigentlich sehr ähnlich sind. Stattdessen schweigen sie letztlich, sich gegenseitig verabscheuend und ins Leere blickend. Ihre Verzweiflung jedoch bleibt.


Und am Ende steht es da, das verachtete, trostlose Grau. Betrachtet Schwarz und Weiß und kommt nicht umhin, ihre Blindheit zu betrauern.


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3 Antworten

Kommentare

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  • 1

    So Gedankenspiele mag ich auch, nur meine Assoziationen sind mittlerweile nicht mehr die aus dem Text.

    Schwarz-weiß halte ich ja für eine sehr starke Kombination - sie lenkt den Blick auf die Formen. Schwarz - das sind Rahmen oder Grundierungen, auf denen andere Farben oder Weiß aufliegt.

    Sehr gern mag ich auch die Kombination aus schwarz, weiß und einer kräftigen oder einer schönen zarten Farbe (nicht grau).

    18.09.2012, 10:53 von LudwigMartin
    • 0

      Interessante Assoziationen! Hat mich jetzt spontan an die Gestaltpsychologie erinnert, du hast völlig recht.

      Und rein farblich hab' ich sie ja auch sehr gern. :)

      18.09.2012, 12:45 von Juliie
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  • 1

    Wie schade, dass dieser Text bisher so unbeachtet blieb. Ich hoffe, ich kann das ändern indem ich ein wenig Rot einstreute ;-) Grau ist der heimliche Sieger, ich mag es sehr, denn es kann sehr vielfältig sein.

    18.09.2012, 09:12 von Mrs.McH
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