Schlag auf Schlag
Kapitel 2. "(...) Rostiges Blut. Und es war nicht mehr meins."
Der Moment der Ruhe war vorbei und schon wurde die weiße Tür mit einem heftigem Ruck aufgestoßen. Im Türrahmen stand die Krankenschwester, die ihm den Weg zu Zimmer 21 gewiesen hatte. Sie schrie, als sie mich sah, denn das Blut tropfte von meinen geballten Fäusten und ich starrte sie direkt an. Noch bevor sie ein zweites Mal zum Schrei ansetzen konnte, war ich mit einem Satz über das Bett gesprungen und packt sie am Hals. Als sie panisch versuchte sich zu wehren, schlug ich ihren Kopf mit voller Wucht gegen den Türrahmen. Sie wurde sofort bewusstlos. Ich erinnerte mich daran, dass Vater einmal genau das gleiche mit meiner Mutter getan hatte; die Krankenschwester würde auch wieder aufstehen.
Ich packte die Frau unter den Achseln und zerrte sie in den Raum, schloss die weiße Tür und lehnte mich gegen die Wand. Ich musste nachdenken. Sie würden mich einsperren. Diesmal gab es kein Nachsitzen, keinen Tag im Jugendgefängnis, keine lange Predigt von einem dieser Sozialhelfer. Diesmal war es ernst. Ich war nicht überrascht, dass es passiert war - was man bekommt, dass gibt man - aber es ging trotzdem alles ziemlich schnell. Plötzlich wurde ich wütend darüber, dass ich es nicht besser geplant hatte. Warum habe ich mir keine Zeit gelassen? Doch ich beruhigte mich sofort wieder. Nächstes Mal. Mit einem Lächeln betrachtete ich Robert und dann die Krankenschwester. Auf dem Schild stand, dass sie Linda hieß. Linda. Die Krankenschwester. Schade, dachte ich, du warst nur ein unschuldiges Miststück, aber wer am falschen Ort zur falschen Zeit ist, dem kann man nicht helfen. Allerdings heißt das nicht, dass du mich schon vergessen darfst!
Ich ging in das angrenzende Bad und nahm das Glas von dem Spülbecken. Dann schlug ich es mit einer kurzen Bewegung gegen den Nachttisch und betrachtete die scharfen Kanten. Eine Erinnerung, die dir zeigt wie die Welt wirklich ist. Eine Narbe die dich mit mir verbindet, so wie ich durch meine, mit meinem Vater für immer verbunden sein werde. Langsam fuhr ich mit meinem Zeigefinger die scharfen Kanten ab. Der blutige Wecker tickte.
Ich wusch mir die Hände und das Gesicht und suchte in dem kleinem Koffer von Robert nach einer Jacke. Ich fand eine, doch sie war zu klein und so begnügte ich mich mit der blauen Baseball-Cap. Ich ging zur weißen Tür und lauschte. Schritte. „Hat jemand Linda gesehen?“, rief eine tiefe Stimme über den Flur. Die Antwort konnte ich nicht hören. Ich öffnete behutsam die Tür, drehte mich nach links und ging den Flur entlang. Ich starrte auf den Boden und ging direkt zu der Tür, die zum Treppenhaus führte.
Der Arzt ging einmal den Flur auf und ab, doch er konnte Linda nicht finden. „Wo ist diese elende Faulenzerin schon wieder?“, fragte er sich und stemmte wütend seine Arme in die Seiten.
Mit einem Mal verharrte er. Da war etwas, obwohl er nicht wusste was seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Er ging den Flur entlang, wich dem Jungen aus der ihm entgegen kam, blieb dann stehen und schaute sich noch mal um. Der Türrahmen. Er ging zu der Tür, Nummer 21 und öffnete sie langsam. Sofort entdeckte er das Blut am Türrahmen. Es war bis nach unten gelaufen und sickerte nun in die weißen Sandalen des Arztes. Er stürmte in den Raum und erfasste mit einem Blick das Grauen. Der Patient Robert Walland schien nicht mehr zu atmen, seine Hand hing schlaff vom Bett. Fassungslos betrachtete er die blutige Spur an der Wand. Linda. Er rief nach Hilfe und stürzte dann zu der geschlossenen Badezimmer-Tür. Er riss sie auf und war mit einem Schritt bei der Badewanne, in der die Krankenschwester lag. Er fühlte ihren Puls und atmete erleichtert auf, als er ihn spürte. Erst da bemerkte er was außer der großen Platzwunde auf ihrer Stirn noch passiert war. Mit kranker Gewalt war der jungen Frau eine „21“ in das helle Fleisch geschnitten worden. Die Zahl befand sich direkt über der linken Brust; direkt über dem Herzen. Er war Chirurg, er wusste dass diese Narbe für immer bleiben würde, aber sie atmete und er war sich sicher, dass sie überlebt.
Ich verließ das Krankenhaus. Laufend. Schaute mich nicht mehr um und blieb erst stehen als ich keine Luft mehr bekam. Ich musste überlegen. Ich war in Gefahr und auf mich allein gestellt. Meine Hand ballte sich um die Glasscherbe in meiner rechten Hosentasche. Es war nicht anders als Zuhause. Aber ich war auf der anderen Seite.






Kommentare
und, wo ist Teil 3? :) ist ja schon eine zeit her
28.07.2010, 14:28 von SpotlessMind1988@SpotlessMind1988 mach ich auf jeden fall...will ja auch wissen wie es weitergeht ;)
28.07.2010, 14:43 von Junger_Faustkopfkino läuft..echt gut geschrieben!!
24.04.2010, 21:02 von weAreAnimalspuh...
09.03.2010, 12:08 von sun-chan87(besser geschrieben als das 1.)