Pametnjakovic 07.11.2011, 13:45 Uhr 5 4

Sauerbraten mit Kloß

Ein Schuss aus meinem Leben.

Hinweis: Ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Als Kind wenn ich nach der Schule mit zu meinen deutschen Freunden nach Hause ging, saß ich in deren Zimmer und spielte während die gegessen haben. Ohne es erwähnen zu müssen, ich war hungrig aber ich habe nichts gesagt. Man entschuldigte sich bei mir und sagte jedes mal dass man nicht genug zum essen hätte.

Immer wenn ich dann nach dem spielen nach Hause ging habe ich dann daheim gegessen und so wie jede Mutti es eben checkt, war es bei mir nicht anders: ich habe geschlungen wie ein Schwein und dann kam auch die Frage was ich da gegessen habe. Ich war zu klein um das so richtig zu kapieren aber ich merkte dass sie stinksauer war. Die Reaktion wäre bei uns Jugos nicht anders wie die bei anderen ausländischen Mitbürgern die ohne akademischen Background aus einem nicht G8 Mitgliedsland nach Deutschland gekommen sind.

Nicht genug zum essen? Wie kann das sein? Deshalb hat meine Mutter dann beschlossen dass ich ab sofort mit meinen Freunden hier bei mir spiele, mit den nicht vorhandenen Spielsachen und um es zu toppen sagte meine Mutter sie sollen daheim einen schönen Gruß ausrichten und gab meinen deutschen Schulfreunden dann immer einen Teller Essen mit, was offensichtlich ein Seitenhieb sein sollte. SOLLTE. Normale Menschen kapieren sowas sofort und schämen sich aber nicht die deutschen Eltern meiner Freunde.

Die bedankten sich fürs Essen, nicht um irgendwie noch einen auf Arschloch zu machen, nein, es war ehrlich gemeint, was meine Mutter noch rasender machte. Sie konnte nicht verstehen wie die nicht verstanden haben was sie damit sagen wollte.

Fast forward to..etwa 7 Jahre später. Ich hatte ne deutsche Freundin. Der Vater war Ingenieur bei Siemens und meiner arbeitete auch bei Siemens, allerdings in der Produktion, das was man halt so die letzten 30 Jahre gemacht hat. Ich habe irgendwann an einem Samstag bei Ihr übernachtet aber ficken ging nich..blöde Kuh und am Sonntag war es dann soweit:

Ich durfte mit den deutschen zusammen an einem Tisch sitzen und essen. Wie es der Zufall wollte gabs Sauerbraten mit Kloß, was ich für einen guten Einstand hielt für mein erstes mal mit den deutschen an einem Tisch. Ich saß also da, unterhielt mich mit ihr, dem Vater und kleinen Bruder als dann ihre Mutter mit dem Essen kam. Mann roch das vielleicht gut dachte ich mir. Als ich dann anfing zu essen, merkte ich schnell dass das essen ja gar nicht so toll war. Es schmeckte einfach nicht gut. Ich war enttäuscht. Da habe ich mich jahrelang gefragt wie das wohl ist wenn man mit den deutschen an einem Tisch sitzt, worüber man sich unterhält und wie das Essen ist und dann das? 

Ich war schwer enttäuscht. Habe dann brav zu Ende gegessen und das wars dann. The thrill is gone. Mein Interesse an den deutschen die sich bis dato ja immer für was besseres hielten war weg, zumindest was das angeht. Danke Sauerbraten mit Kloß, Du hast mir die Augen geöffnet.

Ich weiß nicht so ganz was die Moral von der G´schicht is aber ich wollts mal loswerden. Ich denke das war das erste von zig malen dass ich kapierte dass egal was ich tue und wie sehr ich mich integriert habe, ich werde von vielen niemals WIRKLICH akzeptiert werden und mittlerweile möchte ich das auch nicht. Es ist mir einfach nur egal.

PS: mittlerweile habe ich nen echt guten Braten mit Kloß essen dürfen.


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5 Antworten

Kommentare

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    Ehrlich gesagt musste ich so ziemlich die gleiche Erfahrung wie du auch machen, und ich bin noch mal ein bisschen jünger als du und meinen Eltern hat man deren Gastarbeitereltern noch nie angesehen, falls du verstehst... Abgesehen von der unangenehmen Essenssituation wurde ich, als ich mal für ein Jahr in einem Dorf in Niedersachsen wohnen musste, 2001 (!!), da war ich in der 4.Klasse Grundschule, von meinen Klassenkameraden gefragt, wann ich und meine Familie wieder zurück in "unser" Land gehen und woher wir das Geld für so ein großes Haus haben. Die Frage erübrigt sich wahrscheinlich, warum meine Eltern es da nur ein Jahr ausgehalten haben und dann wieder zurück nach Hamburg gezogen sind... Ich könnt dir noch ganz andere Sachen erzählen. Mach ich jetzt nicht, aber das wollte ich irgendwie auch loswerden- hvala. ;)

    29.02.2012, 08:25 von el.perro.del.mar
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      budale!

      weißte, die deutschen wollen dass man sich integriert und das ist ja auch ok aber wie soll das funktionieren wenn die keinen plan haben wer ihre ausländischen mitbürger sind? Kein plan haben ist eins aber man interessiert sich ja nichtmal für die!

      der mensch ist von natur ein neugieriges wesen, wieso will man denn nicht wissen WER das ist mit dem man hier lebt? Stattdessen schaut man nur was der Nachbar für ein neues Auto hat usw.

      29.02.2012, 08:57 von Pametnjakovic
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    Ich kann deine Mutter wirklich verstehen und das, obwohl ich deutsche bin, wenn auch aus dem 1989 national re-integrierten teil. Aber laender und sitten mal außen vor. 
    Fuer so einen kleinen bauch, wird ja wohl genug da gewesen sein.... und ansonsten wird es ja im kuehlschrank noch mehr alternativen geben, dem freund des kindes ausgewogen den bauch zu fuellen. 
    ich mein, gerade kinder brauchen doch extrem viel naehrstoffe, damit die ganzen neuen an- und herausforderungen verarbeitet werden koennen. außerdem laesst man doch nicht einfach einen außen vor. was kennst du denn fuer leute? mir wuerde jeder bissen im hals stecken bleiben vor schlechtem gewissen. 
    und du suchst vielleicht einfach nur in den falschen kreisen nach menschlichkeit... ich hab die erfahrung gemacht, dass vorallem die, die gar nichts oder nur sehr wenig oder einst sehr viel und dann alles verloren haben, fast immer auch der sorte mensch angehoeren, die ihr letztes hemd noch teilen. vielleicht liegt es einfach daran, dass man in der situation nicht mehr so auf materielle dinge aus ist und man gerade bei zwischenmenschlich elementaren dingen, wie bspw. essen keine abstriche macht. 
    ich hab keine ahnung... ich will das ja auch gar nicht pauschalisieren, da ich nur von mir und meinem umfeld ausgehen kann und nicht weiß, wie es andernorts gehandhabt wird. aber in meinem umfeld zumindest, waescht eine hand die andere. in meiner wohnung kriegt jeder gast etwas zu essen und das nicht nur zu den hauptmahlzeiten. meine freunde duerfen sich auch jederzeit gern selbstbedienen, das hat den vorteil, dass man nicht staendig gefragt wird, ob jemand was haben darf (nach dem 2. keks spaetestens wird es einfach laestig, auch nur zu nicken ;oD) und man muss sich nicht selber bewegen. ;o) 
    Und fuer kinder gelten ohnehin sonderregelungen. die bekommen schon bei eintritt in die wohnung einen riesigen teller obst hingestellt und wenn der hunger groeßer ist, dann wird fuer alle gekocht. und jeder darf helfen. und wenn das essen dann doch mal "knapp" wird, dann wird eben beim naechsten gegessen. 

    - Und Sauerbraten hab ich in meinem ganzen Leben noch nie gegessen, geschweige dem, gekocht... Klingt aber auf jeden Fall schon von vornherein echt eklig, was definitiv ein Grund dafuer ist, dass ich das noch nie gegessen hab. ;o)

    24.11.2011, 22:25 von Insomnia291986
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      diese erfahrung da, das war für mich so ein Ding wo ich nach ein paar solcher erfahrungen als kind eine absolute antipathie entwickelt habe und dann auch keinen bock auf "die" hatte und sich das auch auf andere bereiche ausdeweitet hat, nicht nur essen.

      oder auch so ein ding, oft mussen wir kanakken draußen warten (oder man sollte um die ecke gehen und warten weil dann die nachbarn was denken würden) wenn einer unserer deutschen freunde rein ging weil dieser daheim was erledigen musste wo man bei uns dann idR im zimmer warten konnte und gespielt hat..da waren lauter so komische sachen..naja..

      bei solche sachen wird man halt schneller reif als man will.

      24.11.2011, 22:58 von Pametnjakovic
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      ja leider ist die angst vor andersartigkeit und das wahren des gesellschaftlich anerkannten scheins sehr mit dem "deutsch-sein" verwurzelt, grad bei den aelteren. also, die die jetzt oma und opa sind/werden, die generation danach war ja da schon sozialer und die nach uns folgende generation wird das problem vielleicht schon gar nicht mehr haben.... ich denke, wenn die politische und gesellschaftliche, alle sozialen schichten durchsetzende propaganda-maschinerie vielleicht irgendwann mal aufhoert, von migranten zu sprechen und einfach alle gesamtheitlich unter der kategorie "mensch" zusammenfasst und man die deutschen dazu erzieht, kontinuierlich den eigenen geistigen und sozialen horizont zu erweitern, dann waeren wir auf dem richtigen weg.... 

      24.11.2011, 23:17 von Insomnia291986
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