Sag, wie frei willst Du sein?
Vor einiger Zeit sah ich im Bahnhofsmilieu einen Mann, den unsere Gesellschaft umgangssprachlich wohl "Penner" nennen würde.
Breitbeinig auf einer Bank saß der Mann und reckte seinen Kopf gen Himmel: "Ich bin frei", rief der Mann. "Ich bin frei!"
Als Jugendlicher beschäftigte ich mich sehr mit Menschen, die "Platte machen". Fragend stand ich vor dem Schrecken jeder Leistungsgesellschaft, "abzurutschen".
Am Ende fand ich Antworten auf den "Buzzer" meines Weckers, der mich Werktag für Werktag im Bewusstsein entsetzlicher Unfreiheit erwachen ließ.
"Wer nichts schafft, braucht auch nichts zu essen!" So mag man mir den Teller entreißen, sollte ich meinen Arbeitsdienst einstellen. Umgekehrt jedoch, wenn ich wenig Wert auf Mahlzeiten lege, mich figurbewusst allein zur täglichen Speisung bereitfinde, sollte kein Volksempfinden mir das Mehr an Freiheit neiden: Wer nichts isst, braucht auch nichts schaffen.
Wobei ich den geringsten Widerstand von meinem Gewissen erwarte: Stets wird es verlogen genug sein, im Nachhinein für mein Handeln die ehrvollsten Gründe zu finden.
Manch ein Mönch, der seine Wege fegt, ja keinen Käfer zu zertreten, mag sich gar entehrt fühlen von meiner leichtfertigen Art, mir Gewissen zuzugestehen.
Freiheit, zu pennen wie ich will, ist also genug. Und es ist menschenmöglich, jahrelang als Penner die Zeche dafür zu bezahlen.






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