Putzfimmel ante portas
Besuch bekommen ist etwas tolles. Freunde, Bekannte, Verwandte, Hausverwalter, Gerichtsvollzieher, ständig will irgendjemand zu Besuch kommen... Aber!
Mal abgesehen vom Gerichtsvollzieher, der eher unangemeldet erscheint, sagen die anderen vorher Bescheid. Dann heißt es: lieber schnell die Bude aufräumen! Alles saugen, wischen, Klo putzen, Betten machen, Müll wegschaffen, durchlüften und den Wäscheberg beiseite räumen. Damit auch keiner den Eindruck bekommt, hier würde jemand "wohnen"! Aufräumen dauert seine Zeit. Und es macht keinen Spaß. Aber es muss ja sein ...
"Muss es?" - "Ja!", sagt die Freundin.
Der Mann ist mit der Gesamtsituation eigentlich auch so zufrieden, beugt sich aber dem Willen seines Weibes. Man will ja keinen Ärger haben. Missmutig und begleitet von lautem Gepolter wird der Staubsauger neben dem Schrank rausgezerrt. Der Geräuschpegel ist dabei das Zeichen des passiven Widerstands. Leiser geht es einfach nicht ?
Dabei überlegt er, wie nervig und anstrengend es eigentlich ist, wenn ständig jemand anderes vor der Türe steht. Dem gestressten Menschen bleibt bei all der Aufräumerei ja gar keine Zeit mehr irgendetwas schmutzig zu machen! Dieser latente Putzfimmel, der in uns allen steckt, selbstverschuldet oder fremdbestimmt, ist im Grunde total ätzend.
Vor allem die Weiblichkeit scheint dafür sehr anfällig zu sein, während Männer die Verschmutzung ganz gut ignorieren können. Frauen haben eine andere Wahrnehmung von Schmutz. So ähnlich wie Bienen, die Blumen auch in ganz anderen Farben sehen. Genauso sieht die Frau den Schmutz in den grellsten Farben strahlen, neongrün und zitronengelb. Das tut ihnen in den Augen weh. Kein Wunder, dass der Dreck unbedingt weg muss.
Männer sind zum großen Teil mit der sogenannten "Dreckblindheit" gesegnet. Y-Chromosom sei Dank. Hinzu kommt eine wahre Meisterleistung des überlegenen männlichen Gehirns, welches über komplizierte Mechanismen verfügt, um den Schmutz automatisch aus dem Blickfeld zu tilgen. Für den Mann erscheinen die Badezimmerfliesen strahlend weiß und schön. Die Frau denkt beim gleichen Anblick an fiese Akne und Hämorrhoiden. Um so verwunderlicher, dass ... Moment mal, bitte.
"Ja-a, ich komm gleich! Fang doch schon mal mit dem Bad an."
Also, wo war ich? Genau, das Bemerkenswerte an der Sache ist eigentlich ...
"Ich sitz gar nicht den ganzen Tag vor'm Rechner! Ich saug' den blöden Teppich ja!"
Also, das wird wohl nichts mehr. Gerne würde ich diesem spannenden Thema noch weiter nachgehen, aber morgen kriegen wir Besuch und alles sieht aus wie Sau. Und naja, ich muss jetzt den Teppich saugen und ...
"Schon gut, ich komm ja!"






Kommentare
hehe, bei uns lautet die Regel: Wenn's zuerst nervt der muss es wegmachen!
29.09.2010, 09:49 von Arcadium@Arcadium Iiiiiiih
29.09.2010, 09:59 von BrokenPigeLaut deiner Definition bin ich ein Mann =D
05.09.2010, 17:11 von NachtjaegerinCoooool
Ich habe in meiner letzten WG mit einer Putzkranken zusammen gewohnt. Freitag konnte sie nie etwas unternehmen, da Freitag Putztag war, Sonntags war auch schlecht, Mittwoch ebenso. Und immer wenn sie gestresst war oder schlechte Laune hatte, musste der arme Staubsauger herhalten! Sie scheute sich auch nicht, ebendiesen an Silvester um 1 Uhr zu zücken, mit den Worten "macht euch doch nichts aus, wenn ich schon mal kurz durchsauge, oder?".
04.09.2010, 18:06 von nyx_nyxAuf jeden Fall eignen sich solche Putzzwänge hervorragend um Gäste/Menschen zu vergraulen.
Meine Schwester hat auch einen Putztick, aber nicht ganz so krasser Art. Ich selbst bin zwar schon reinlich und stubenrein, aber ich lass mich auch ganz gern mal von der männlichen Blindheit anstecken. Ich sterbe nicht, wenn ich mal nicht dazu komme, sauber zu machen. Nächste Woche tut's das ja schließlich auch noch. Es sei denn, es kommt Besuch! :)
Ach.
04.09.2010, 12:18 von starla_sangueIch bin weiblich und besitze diese angeblich männliche Fähigkeit auch, Schmutz zu übersehen. :D
Ich finde Menschen mit Putzfimmel komisch und stimme Tapejunkie voll und ganz zu - Kinder aus Sagrotanhaushalten werden um einiges leichter krank.
Solange die Wohnung nicht aussieht wie eine Müllhalde, es nicht so riecht, nichts schimmelt und Essensreste sofort in den Müll kommen und der Müll regelmässig rausgebracht wird usw...(sprich grundliegende, gesunde und nicht übertriebene Hygiene) ist alles völlig ok.
In supergeputzen- und aufgeräumten Haushalten fühl ich mich immer so fremd. :-s
männer.. frauen.. gene.. aha.
03.09.2010, 23:30 von RedSonja"Teilweise lade ich mir absichtlich Leute ein, damit ich weiß, dass ich es auch wirklich mache, ist eine wirksame Methode."
03.09.2010, 19:12 von HeartwritingHey das ist meine Methode und die hat ich patentiert!!
hihi^^ stimmt, aber leider bin ich das arme weibchen!
03.09.2010, 15:43 von steve-steffi"Der Mann ist mit der Gesamtsituation eigentlich auch so zufrieden, beugt sich aber dem Willen seines Weibes. "
03.09.2010, 13:55 von frl_smillaDa hab ich aufgehört zu lesen. Muschiknechterei ist sooooo 90er.
@frl_smilla mein gott, vielleicht machte er es einfach ihr zuliebe, was hat das mit muschiknechterei zu tun? evt etwas unglücklich formuliert. man bricht sich nichts ab, wenn man auf den anderen mal eingeht und über seinen schatten springt....
03.09.2010, 23:43 von GluecksaktivistinSehr gut! ^^ Ich hab zwar eher so nen weiblichen Putzfimmel, aber trotzdem super Text!
03.09.2010, 12:53 von OnestoneEtwas pauschal ausgedrückt ist es schon, wenn auch lustig.. Mein Freund zB ist Sauberkeits- und Ordnungsfanatiker, wenn in meinem Zimmer zu viel staub liegt, fühlt er sich direkt unwohl...
03.09.2010, 12:45 von BrittaSonne