alexandra_buerger 24.01.2013, 10:57 Uhr 139 1
NEON täglich

Praktikamühle

Steckt ihr auch gerade in der Praktikamühle?

Heute morgen habe ich einen unheimlich amüsanten Blogpost gelesen. Beim Lesen konnte ich mir das Lachen kaum verkneifen. Judith Holofernes (von Wir sind Helden) schreibt darüber, wie sie in einem Café in Kreuzberg einen Bewerbungsmarathon mithört und empört sich darüber, wie arrogant der Interviewer seine drei überqualifizierten, sympathischen Bewerberinnen behandelt.

Lieblingszitat:
"Fröhlich und völlig unangemessen selbstbewusst – so sagt es des Arbeitsgebers Sack – fängt das Mädel an zu referieren. Sie sei ja eigentlich schon rather overqualified for a simple Praktikum, und ob es denn an der Bezahlung was zu rütteln gäbe, weil, you know, mal ehrlich?

Und innerhalb eines fünf Minuten–Gesprächs darf ich nun unfreiwillig Zeugin der gesamten Igittness des modernen Arbeitsmarkts sein, dem linkshändigen Brechen eines aufgeweckten jungen Menschen, dem Zerplatzen der IT –Blase im Kopf jenes sympathischen Mädchens."

Ich fand es so unterhaltsam, weil es meinen Bewerbungsprozess widerspiegelt. In einem meiner letzten Vorstellungsgesprächen fragte mich mein Interviewer: "Frau Bürger, ich habe mir ihren Lebenslauf angeschaut, er ist nicht schlecht. Warum haben sie noch keinen Job?" Da blieb mir erst mal die Spucke weg. "Wenn du meinen Vita so gut findest, warum gibst du mir dann keinen?" hätte ich mal antworten sollen. 

Wir sind die Praktikageneration. Viele Einsteiger-Jobs bekommt man heute nur, wenn man Praktika absolviert hat. (Variiert von Branche zu Branche). Zu einem gewissen Grad macht das auch bestimmt Sinn. Wenn man noch im Studium ist zum Beispiel. Oder wenn man es als Chance sehen kann, um herauszufinden welche Richtung man genau einschlagen will. Aber wie ist das, wenn Praktika plötzlich anfangen Einstiegsjobs zu ersetzen? Für viele Absolventen bedeutet das die finanzielle Katastrophe. Aber ohne Praktika keine Aussicht auf einen Job. Also Augen zu und durch, auch wenn das bedeutet an den Wochenenden die Nächte als Kellner/in durchmachen zu müssen, um die Miete für das WG-Zimmer zahlen zu können? 

Wie habt ihr den Übergang zwischen Studium und Job gemeistert? Steckt ihr vielleicht auch gerade in der Praktikamühle? Oder habt ihr euch schon eine Taktik zurechtgelegt, wie ihr dem schlecht bezahlten Praktikum-Marathon entgeht? 

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139 Antworten

Kommentare

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  • 0

    leider wahr!
    gemeistert wurde mit elternhilfe. für ein praktikum, bei dem ich 9std am tag fünf bis sechs tage die woche gearbeitet habe, und irgendwann aufgeforder wurde, ich sollte doch sechs bis sieben tage die woche so viel arbeiten habe ich daraufhin abgebrochen, die angekündigten 150€ /monat sind nie aufgetaucht.
    naja, es gab sehr leckeres essen da, und ein dach überm kopf. braucht man eigentlich mehr?

    28.01.2013, 14:41 von exuasiai
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  • 3

    Arbeit gehört bezahlt.

    24.01.2013, 20:43 von WieSieSehnSehnSieNix
    • 0

      vor allem weil Praktikanten genauso eingespannte werden und nicht nur mal eben die Kaffeekanne nachfüllen!

      24.01.2013, 23:33 von Tora
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  • 2

    Ein Berufsanerkennungsjahr ist auch ein Praktikum. Mein erstes und da in einer anthroposofischen einrichtung auch mein schlechtbezahltestes.


    Nach dem Berufswechsel ein weiteres Praktikum. Bei den Wertpapierhändlern.


    Seitdem brauch ich kein Praktikum mehr. Jetzt hab ich's endlich geschafft

    24.01.2013, 17:36 von TAFKAW_reloaded
    • 1

      mit mitte 50 endlich geschafft und bei den papierhändlern angekommen.

      geil!

      24.01.2013, 20:20 von H-C
    • 0

      nichwahrnich?


      kohle, koks und edle nutten inklusive


      sie müssen mal ihre daten gewissenhafter sammeln und analysieren. ich bin doch nicht mitte 50.......aber ich seh so aus......das macht die harte, steinige Karriere

      25.01.2013, 11:18 von TAFKAW_reloaded
    • 0

      ich hab gar nichts gesammelt, ich hab dich nur letztens gesehen und dabei für nen kurzen moment gedacht: "vater, bist du's?"

      dann mal weiter frohes schaffen.bis zur rente hastes sicherlich nich mehr weit.

      25.01.2013, 11:54 von H-C
    • 0

      Danke, dir auch.


      ein glück kann ich 20 jahre vorher aufhören. hab tierisch schmotten mit getreide deals gemacht

      25.01.2013, 11:59 von TAFKAW_reloaded
    • 0

      20 bevor der sargdeckel zufällt?

      wann hasten die getreidedeals gemacht, bei deinem praktikum vor 2 jahren?

      25.01.2013, 12:43 von H-C
    • 0

      nee, also pass mal auf, details sind wichtig. Praktikum war vor 10 Jahren, da konnte ich mir noch Fehler erlauben. Wetten auf Rüstunsrelevante Emittenten und son Zeugs...aber ich hab dazu gelernt und hab mit Rohstoffen und auf den Raw-Nutrition Gebiet fett performanced 

      25.01.2013, 14:22 von TAFKAW_reloaded
    • 0

      mein deutsch ist aber immer noch schlecht


      edit rutsch drüber


       'rüstungsrelevante' und 'auf dem Raw-Nut....'

      25.01.2013, 14:24 von TAFKAW_reloaded
    • 0

      ja, deutsch ist wohl nicht ganz unwichtig, zumindest hier.

      details sind mir ansonsten sowas von egal, hatte mich nur etwas amüsiert, dass der dienstälteste neonuser doch noch etwas zum thema praktika & co besteuern konnte.

      dann verteile mal schön weiter das geld in richtung deiner finca auf lanzarote um.

      25.01.2013, 14:31 von H-C
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  • 1

    ich wollte Grafiker werden und hab mich zum Mediendesigner ausbilden lassen für teuer Geld (welches ich von der KfW erhilt und immer noch abzahle). Leider hatten noch weitere gefühlte 150 Millionen andere Menschen meines Alters die selbe Idee. Ein Praktikum hab ich gemacht, wurde wie Dreck behandelt, hab fast nichts dabei gelernt und als ich mich mit einem Creative Director unterhielt der schon seit 10 Jahren keine Freizeit mehr hatte und grade über sein Kokain-Problem hinwegzukommen versuchte entschloss ich mich diese Karriere an den Haken zu hängen. 

    Bis heute nicht bereut. Lebe aber auch nicht mehr im Grafiker-überfluteten Berlin sondern in Irland (und das schon seit vor dem Banken Zusammenbruch)

    24.01.2013, 16:54 von Schmalzstulle
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 1

    Angeblich haben wir ja Fachkräftemangel: Je nach Publikation fehlen Akademiker aus MINT-Fächern und neuerdings fehlen auch ausgelernte Azubis in sonstigen Berufen. Nun frage ich mich, warum dann die Einstiegsgehälter nicht steigen und warum es nach wie vor Zeitverträge und Zeitarbeitsfirmen in diesen Bereichen gibt. Schreibt doch mal dem BDI...

    Aber zurück zu mir: Ich habe ALG II beantragt und allzu unverschämte Hungerlöhne (Teilzeitgehalt und abesehbare Vollzeitarbeit) bzw. unbezahlte Praktika abgelehnt. Nach 3 Monaten Stütze hatte ich dann nen Job und dabei ist es bis heute geblieben.
    Ich habe mehrere Firmen kennengelernt und kann sicher sagen: Sie könnten es sich alle leisten, ihre Praktikanten ordentlich zu bezahlen und mehr Leute mit unbefristeten Vollzeitverträgen anzustellen. Das Geld dürfte dann eben nicht mehr für allzu teure Re-Organisationsprojekte, M&A und sonstige Spielprojekte der Vorstände ausgegeben werden.

    24.01.2013, 16:01 von Emil_Empire
    • 0

      was isn ein storno-filmdarsteller?

      24.01.2013, 16:26 von H-C
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  • 4

    ich hatte letztens in dem schaufenster eines bekleidungsgeschäftes gelesen:

    suchen langzeitpraktikanten

    sehr traurig und bezeichnend, aber wohl zumindest ehrlich.

    24.01.2013, 15:44 von H-C
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  • 0

    Kann der Gesetzgeber da nichts machen?

    24.01.2013, 14:54 von NutellaKing
    • 1

      Ja, können kann er schon, aber....

      24.01.2013, 15:00 von Dalek
    • 0

      Ich werd beim nächsten Treffen einfach mal meinem Vater davon erzählen. Der soll das dann in der nächsten Kabinettssitzung einbringen oder so...

      24.01.2013, 15:03 von NutellaKing
    • 1

      Wer bist du denn?

      24.01.2013, 15:47 von See_Emm_Why_Kay
    • 2

      Ich bin der uneheliche Sohn von Guido Westerwelle!

      Ich bin das
      Produkt einer sexuellen Identitätskrise, während seines Jurastudiums.
      Damals war mein Vater noch nicht in der Lage mit den Vorstellungen und
      Wünschen seiner Familie unzugehen, bzw. sich von ihnen frei machen zu
      können und hat dann dem entsprechend einen Matratzenmarathon durch die
      [noch] weibliche Bonner Studentenszene gestartet. Das Produkt bin ich.
      Und obwohl ich ungewollt zur Welt kam, so habe ich sie doch nicht
      ungeliebt betreten. Guido mag sich zwar als Politiker so manchen Fehler
      erlaubt haben und ist vielleicht auch nicht die hellste Kerze auf dem
      Kuchen, jedoch als mein Vater war er stehts vorbildlich und liebevoll.

      Er,
      meine Mutter und Michael kommen im übrigen sehr gut zu Recht, seit er
      endlich zu seiner Homosexualität offen steht! Wir sind eine große und
      teilweise sehr schwule Familie. :)

      24.01.2013, 16:20 von NutellaKing
    • 3

      achso

      24.01.2013, 16:27 von See_Emm_Why_Kay
    • 0

      Wenn du wenigstens der uneheliche Sohn vom Seehofer wärst... aber so, ne. Dat wird nix.

      24.01.2013, 17:24 von Dalek
    • 0

      Familie kann man sich nicht aussuchen :/

      24.01.2013, 17:27 von NutellaKing
    • 3

      Kann da der Gesetzgeber nichts machen?  :-(

      24.01.2013, 17:29 von Dalek
    • 0

      Höhö. touché!

      24.01.2013, 17:31 von NutellaKing
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  • 3

    PS: Der Nettogehalt ist ausserdem wirklich grausam in DE...unsere Praktikanten aus DE strahlen immer wie 3x Weihnachten + Geburtstag wenn sie ihren ersten Gehalt in Luxemburg erhalten. *Werbung Ende*

    24.01.2013, 13:34 von LeyluraLegbreaker
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  • »Feminismus muss in den Mainstream«

    Die Regisseurinnen Katinka Feistl und Tatjana Turanskyj setzen sich mit »Pro Quote« sich für die Gleichberechtigung von Filmemacherinnen ein.

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