gerdah 17.04.2019, 10:19 Uhr 0 0

Paris der 30er Jahre: Fotos von Armenvierteln bis zur Piaf

Die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (rem) und das Centre Pompidou zeigen einen Schatz der Fotografie-Geschichte im Forum Internationale Photografie.

„Die unersättliche Kamera“ präsentiert das umfangreiche Schaffen des Fotografen Gaston Paris (1903-1964).

Die Ausstellung ist der Auftakt einer engen Kooperation zwischen den beiden Institutionen und feiert in Mannheim Premiere. Danach können Interessierte die Bilder in der französischen Hauptstadt anschauen. Die Schirmherrschaft hat Ihre Exzellenz, Anne-Marie Descôtes, Botschafterin der Französischen Republik „Ganz großartig“ kommentiert sie die Ausstellung. Sie kam aus Berlin nach Mannheim und nutzte die Gelegenheit, den Reiss-Engelhorn-Museen einen Besuch abzustatten. „Das facettenreiche Werk des Fotografen ist eine Entdeckung für mich“, so Descôtes. Zusammen mit Generalkonsulin Catherine Veber, rem-Direktor Prof. Wilfried Rosendahl und Kurator Prof. Claude W. Sui tauchte sie in die Welt des Gaston Paris ein.  

Armenviertel und Mannequins

Gaston Paris war ein sehr bekannter Reporter in Paris in den 1930er Jahren. Er lichtete mit seiner Kamera das Lebensgefühl der pulsierenden Seine-Metropole ab. Gaston beherrschte viele Themen und Sichtweisen: Tänzerinnen der Folies Bergère, die Akrobaten im Zirkus, die Armen der Pariser Vorstädte oder die Mannequins der Surrealisten. Er hielt Stahlbauten, Zuchthäuser und Stars des französischen Chansons etwa Edith Piaf im Bild fest. Gaston Paris setze alle perfekt in Szene.

 


Kiki de Montparnasse (1901-1953) war eine feste Größe der Pariser Bohème, Sängerin, Schauspielerin und Modell berühmter Maler.
© Gaston Paris / Roger-Viollet 

Er meisterte den Spagat zwischen den verschiedenen Genres mühelos. Wie ein Schwamm zog der Autodidakt die Stilrichtungen seiner Zeit ein, zeigte das „Neue Sehen“ mit extremen Perspektiven auf und lichtete mit seiner Mittelformatkamera oft surrealistisch anmutende Motive ab.

Schillerndes Bild von Paris und der französischen Gesellschaft

Mit Reportagen in französischen illustrierten Zeitungen schuf Gaston Paris ein schillerndes Bild von Paris und der französischen Gesellschaft vor dem Zweiten Weltkrieg. Seine Aufnahmen prägten das legendäre stilbildende Magazin „VU“. Für dieses waren viele namhafte Fotografen etwa Henri Cartier-Bresson, Brassaï oder Robert Capa tätig. Die Ausstellung gewährt einen Blick in das noch junge Feld des Bildjournalismus.

Bilder erzählen Geschichten

Gaston Paris erzählte mit seinen Bildern Geschichten. Er war ein Fotograf des Spektakels, immer auf der Suche nach Sensationen, die am Kiosk das Interesse des möglichen Lesers weckten. Nach dem Zweiten Weltkrieg führten ihn Reportagen ins besetzte Deutschland und Österreich. Einem Kaleidoskop gleich nähert sich die Ausstellung dem Fotografen Gaston Paris an, über dessen Lebensgeschichte nicht viel bekannt ist. Vintage-Abzüge, Pressebilder, Veröffentlichungen in der „VU“ und Projektionen verbinden sich Facette um Facette zum eindrucksvollen Schaffen einer der großen Figuren der Fotografie-Geschichte. Dank der Kooperation zwischen dem Centre Pompidou und den Reiss-Engelhorn-Museen wird der Fotograf einer größeren Zahl von Interessierten nähergebracht.

Die Schirmherrschaft der Botschafterin unterstreicht die Bedeutung dieses deutsch-französischen Projekts. Zum ersten Mal wird eine gemeinsame Ausstellung mit dem Centre Pompidou zuerst in einem anderen Museum gezeigt. „Das ist für uns ein Ritterschlag“, betont Rosendahl. „Für seine unermüdliche Unterstützung beim Zustandekommen dieser Kooperation sind die Reiss-Engelhorn-Museen dem Honorarkonsul der Französischen Republik Folker Zöller zu großem Dank verpflichtet.

Fotografie bildet einen Schwerpunkt der rem

Der Bereich Fotografie ist ein wichtiger Schwerpunkt der Reiss-Engelhorn-Museen. Mit dem Forum Internationale Photographie und ZEPHYR – Raum für Fotografie befinden sich gleich zwei renommierte Ausstellungsforen zu diesem Thema unter dem Dach der rem. Wechselnde Ausstellungen beleuchten spannende Aspekte von der Pionierzeit des Mediums bis hin zu zeitgenössischen Positionen. 

Die Sonderausstellung „Gaston Paris: Die unersättliche Kamera“ ist bis 30. Juni 2019 im Forum Internationale Photographie, Museum Zeughaus C5, der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim zu sehen.


Tags: gaston paris
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