thesecretsuhide 08.04.2009, 19:40 Uhr 29 13

Ora et labora

Zum Lernen ins Kloster? Über eine Entscheidung dafür.

Das erste Mal las ich vom Leben im Kloster auf Zeit in der Zeitung. Dort übernachtete eine junge Familie im Kloster, wenn sie Fahrradtouren durchs Land machte. Sie verglich es mit einer Art Jugendherberge. Sie zahlte ihre Übernachtung und versorgte sich selbst. Ich fand die Idee sehr unspektakulär. Zu wenig Action, dachte ich, dazu noch täglich beten. Ich gehe nur an Heiligabend in die Kirche, und das auch nur meiner Oma zuliebe.

Doch der Idee vom Leben im Kloster auf Zeit lief ich erneut über den Weg. Diesmal in einer Jugendzeitschrift. Dort berichteten drei Jugendliche über ihre unterschiedlichen Beweggründe, das Leben im Kloster zu testen.
Der erste war ein junger Mann, der die Übernachtung im Kloster nutzte, um sich so eine Europatour erlauben zu können. Er zahlte in ausgesuchten Klöstern nichts für seine kurzzeitigen Übernachtungen von maximal zwei Tagen, sondern half entweder stundenweise in der Küche oder im Garten aus.
Die zweite war sich noch nicht sicher, ob sie sich ein Leben als Nonne vorstellen könne. Sie nutzte einen mehrwöchigen Aufenthalt im Kloster, um sich diesen Gedanken gründlich durch den Kopf gehen zu lassen und den Alltag im Kloster kennen zu lernen.
Die dritte war eine junge Studentin, die ihren Aufenthalt nutzte, um ihrem Alltag zu entfliehen und sich auf ihre Magisterarbeit zu konzentrieren.

Fast zeitgleich entwickelte sich ein fast unheimlicher und doch gar nicht neuer Trend. Subjektiv empfunden durch Hape Kerkelings Buch "Ich bin dann mal weg" wurde der Jakobsweg zum Kult. Pilgern wurde nicht nur unter tief religiösen Menschen zum neuen Hype. Immer mehr gingen auf und davon, in der Hoffnung, sich selbst irgendwo am Straßenrand zu finden.
Ich fand das ziemlich lächerlich. Innere Ruhe, mich selbst oder meine Mitte zu finden, klang für mich zu sehr nach Euphemismus.
Pilgern war für mich die christliche Art der Meditation, das Yin und Yang der Katholiken und Wellness des Papstes.

Dann folgten meine Vorbereitungen zum Abitur. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich ein bischöflisches Gymnasium besucht habe, dessen Schulträger das Bistum Aachen ist. Religionsunterricht und schulische Gottesdienste gehörten zu meinem Alltag. Während meiner Vorbereitungsphase zum Abitur legte man uns die Idee nah, vor den Prüfungen für zwei oder drei Wochen in ein Kloster zu gehen, um dort konzentriert zu lernen. Und ich erinnerte mich an die junge Studentin und ihre Magisterarbeit.

Mehrere Wochen wälzte ich den Gedanken. Gehört es sich überhaupt in ein Kloster zu gehen, wenn man nicht an Gott im religiösen Sinne glaubt? Ich durchforstete das Internet und sprach mit den Nonnen in meiner Schule und auch mit meinen Mitschülern.
Zuerst dachten alle meine Mitschüler, ich hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank, würde morgen mein Gelübde ablegen und keusch leben wollen.
Selbstverständlich sahen die Nonnen das vollkommen anders. Die wollten, dass ich mein Gelübde ablege und keusch lebe.

Doch mich reizte etwas anderes: die Ruhe und das Wissen der Mönche und Nonnen. In einem Kloster für zwei Wochen konzentriert zu lernen. Für mich und die Zelle zu sorgen, für meinen Unterhalt arbeiten zu müssen. Als ich dann erfuhr, dass ich nicht beten muss, sondern mich nur an die jeweiligen Regeln des Ordens binden muss, entschied ich mich dafür.

Zu Hause, so bin ich sicher, würde doch das Handy gehen. Oder das Haustelefon. Da gibt es das Internet. Da gibt es die Sonne und die Freunde, die doch noch abends ein Bier oder zwei oder drei trinken wollen. Ich bin mir sicher, dass wir all das auch tun werden - nach den anstehenden zwei Wochen. Ich habe die letzten Wochen genug getrunken. Der Sommer ist lang. Zwei Wochen Vorbereitung können nicht schaden.

Und wenn das alles nichts bringen sollte, so bringt es doch eins: Einsicht in eine Welt, die von unserer abgeschieden lebt. Und damit habe ich letztlich jetzt schon eine Sache mehr gelernt: Erkenntnis."Wichtige Links zu diesem Text"
Kloster auf Zeit

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29 Antworten

Kommentare

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    Erfahrung ist das A und O....

    03.05.2009, 19:31 von Dina-Lisa
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    ich würde grundsätzlich nicht ins Kloster gehen. Wobei ich schon denke, dass es eine Erfahrung wert wäre, aber ich der Kirche einfach viel zu skeptisch gegenüber stehe und weiß, dass ich von anfang an mit so einer schlechten Einstellung hingehen würde, dass es gar nicht irgendwie ein positives Erlebnis werden kann. Intressant wäre es bestimmt. Aber nichts für mich.

    03.05.2009, 17:07 von Teabeea
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    Ich denke auch dass das eine wertvolle Erfahrung sein kann, würde das auch mal gern ausprobieren. Und NEIN, ich bin auch nicht gläubig und stehe der Kirche eher skeptisch gegenüber.

    Und trotzdem finde ich dass diejenigen hier, die sich so das Maul über das „ verkommene“ Klosterleben zerreisen, eigentlich gar keine Meinung dazu haben dürften. Sie haben es schließlich sicher noch nicht ausprobiert, noch nie im Kloster gelebt. Ich glaube auch nicht, dass du Sal_Paradise schon einmal in einem Kloster gewesen bist. Mit die höchsten tibetischen Tugenden sollen ja Toleranz und Respekt gegenüber dem Leben und allem sein und wenn du wirklich so lange in einem solchen Kloster warst, bin ich enttäuscht wie wenig du daraus mitgenommen hast. Ich würde sagen das war ein ziemlicher Reinfall!

    29.04.2009, 09:30 von DocTore
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    Was ist heutzutage nur mit den Kindern los?

    22.04.2009, 08:48 von Michigan_Left
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      @Michigan_Left ... fragte sich jede Generstion der Eltern seit es Menschen gibt

      22.04.2009, 09:03 von Cyro
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      @Cyro Hab noch keine Kinder, weshalb ich ja auch noch ein Kind bin...
      Ich hätte nicht mal gedacht, dass Kirchen Schulen betreiben dürfen - und wo führt das hin? Da wollen sich Leute im Kloster aufs Abi vorbereiten! Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass kirchliche Schulen sich nicht ausschließlich um die weltliche Bildung ihrer Schüler kümmern würden...

      23.04.2009, 08:48 von Michigan_Left
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      @Michigan_Left Wie jetzt .... also dass Kirchen Schulen betreiben ist doch nichts neues ?
      Aber ich gebe Dir recht ... Religion und Staat gehören getrennt, auch im Bildungssystem.
      Aber es gibt Leute die sehen das anders.

      Doch um sich für 2 Wochen mal in ein Kloster zu begeben muss man nicht irgendwie indoktriniert sein durch kirchlichen Einfluss. Behaupte ich mal einfach so : )

      23.04.2009, 14:27 von Cyro
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      @Cyro "Dann folgten meine Vorbereitungen zum Abitur. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich ein bischöflisches Gymnasium besucht habe, dessen Schulträger das Bistum Aachen ist. Religionsunterricht und schulische Gottesdienste gehörten zu meinem Alltag. Während meiner Vorbereitungsphase zum Abitur legte man uns die Idee nah, vor den Prüfungen für zwei oder drei Wochen in ein Kloster zu gehen, um dort konzentriert zu lernen."
      Da les ich aber was anderes raus...
      :-P

      24.04.2009, 23:48 von Michigan_Left
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      @oceaneyes wenn klöster das zulassen - warum nicht?

      21.04.2009, 13:00 von nutella
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    Ich würde gerne Deinen "Erfahrungsbericht" nach den zwei Wochen lesen.

    18.04.2009, 11:40 von its_me
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    ich hoffe auch auf die fortsetzung! ist auf jedenfall für mich eine anregung....

    17.04.2009, 00:30 von MeltingPhoenix
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      @[Benutzer gelöscht] Hast du nur Abitur geschrieben oder auch bestanden? Nur so, wenn ich mir deine Rechtschreibung und Sprache ansehe....Schämst du dich nicht.

      20.04.2009, 16:40 von gianas_sister
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