Voll.Des.Lobes 30.11.-0001, 00:00 Uhr 43 4

Ob ich dich leiden kann oder nicht sagt dir mein whatsapp Verhalten

Kommunikation ist nicht einfach mehr Kommunikation. Das medial-kommunikative Handeln mittels Technik verändert uns. Unsere Zwischenmenschlichkeit.

Gibt es eigentlich noch Menschen ohne Mobiltelefon? Gefühlt nicht. Zumindest nicht in meinem direkten und erweiterten Umfeld. Und wenn, dann handelt es sich hierbei um marginale Ausnahmen. In unserer aktuellen Geschwindigkeitsgesellschaft ist diese Tatsache aber auch nicht weiter erstaunlich. Die diversen Möglichkeiten die uns die siliciumbetriebenen Handflächenbausteine heutzutage bieten sind enorm und ohne jeden Zweifel hochgradig verführerisch. Informationsbeschaffung, Entertainement, ab und an auch mal Ablenkung und natürlich das anfängliche Steckenpferd an Nutzen: mobile flexible Kommunikation. Die Historie des Handys, ausgehend von backsteinähnlichen Nokiamodellen bis hin zum New Generation All is possible Smartphone, ist sicherlich noch vielen von uns bekannt - wenn wohl auch eher gedankenhintergründig, denn die technischen Entwicklungen vollziehen sich rasend. Da ist manchmal schnell vergessen, dass man sich vor nicht allzu langer Zeit glücklich schätzen konnte wenn auf seinem Display zwei bis drei SMS-eingetippte Wörter durchgängig im Sichtfeld zu erkennen waren. Von Farbdisplays ganz zu schweigen. Und hier steckt meines Erachtens eine Gefahr: die Technik lässt uns vergessen, dass es auch ein Gestern, und ein Vorgestern gab. Sie lässt uns denken ohne sie ginge es nicht mehr und das erschreckende an der ganze Sache ist: betrachtet man sich als Individuum in einem gesellschaftlich-geschlossenem System, welches wir nunmal sind, hat sie sogar Recht! In gewisser Weise haben wir dementsprechend also technische Raffinesse, ja den Nutzen, den uns die Technik zweifelsohne gibt, gegen ein Stück persönliche Freiheit eingetauscht. Die Freiheit ohne Technik an unserem Gesellschaftssystem problemlos teilzunehmen. Eine weitere, auf diesem Phänomen basierende Gefahr, ist in meiner Betrachtung jedoch weitaus bedenklicher: das blinde blackboxartige Vertrauen in unsere Technik. Ich gebe hierzu ein Beispiel: man fährt mit dem Auto von Punkt A zu Punkt B, den man noch nicht kennt. Früher hat man sich die Route vllt. noch bei Google Maps vor Abfahrt angeschaut oder ausgedruckt, Zeiten davor vllt. sogar in einem Reiseatlas geblättert. Mit der heutzutage weitverbreiteten Navigationstechnik muss man sich solch' nervigen Dingen nicht mehr widmen - man muss sich damit nicht mehr beschäftigen, denn die Technik des Navis wird's schon wissen und mir die Aufgabe des wie komme ich von Punkt A zu Punkt B zweifelsohne abnehmen. Viele sagen vllt. ist doch ganz praktisch, so spare ich Zeit mit der Vorabrecherche und kann diese in andere Dinge (wie bspw. meinen fb Status angeben) investieren. Gut, meinetwegen nimmt das Navi damit etwas an Arbeitsaufwand ab. Aber die Frage die sich mir stellt ist: was nimmt einem die Navigationstechnik schleichend bei jedem mal wo man sie nutzt ebenfalls ab? Ich verrate es euch: sie nimmt einem die eigene Kompetenz zu Denken. Und nicht nur das nimmt sie einem. Sie nimmt einem darüber hinaus das Vertrauen in sein eigens über die Jahre angesammeltes Wissen.  In manchen von mir miterlebten Beifahrersituationen nimmt es sogar die erschreckende Form an, dass die autofahrende Person nicht mehr darin vertraut, dass wenn man drei mal rechts abbiegt, wieder auf der Straße ist von der man gestartet ist. Es wird sicherheitshalber lieber das Navi mit dem Straßennamen gefüttert und dieses führt einen dann drei mal rechts abbiegen (um den Block).

Vertrauensverlust in sein Wissen und seine Fähigkeiten.
Überträgt man dieses Phänomen von der Navigationstechnik auf die des Smartphones kommt ein weiterer Verlustzustand zu tragen: der der Kommunikationsabgeschnittenheit. Welch dramatische Ausprägung diese Verlustangst annehmen kann beschreibt die Online-Ausgabe der Welt in einem Bericht vom Juli 2012 mit dem Titel:  "Viele Handynutzer verfallen ohne Gerät in Panik" (http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article107911735/Viele-Handynutzer-verfallen-ohne-Geraet-in-Panik.html)

Die Einbindung der Technik in sein tägliches Leben ist kein absolut neues Phänomen. In welchem Ausmaß der Technik jedoch Einlass gewährt wird und wie stark man sich von ihr unterstützen lässt liegt an dem Nutzen von jedem einzeln selbst. Schnell kann aus dem Unterstützen ein Kontrollieren werden. Ebenso schnell kann aus dem Gefühl der Unterstützung ein Gefühl von Abhängigkeit entstehen. Besonders auf dem Funktionsfeld der Kommunikation kann Technik viel untergraben und unter den Teppich fallen lassen, was gerade für das zwischenmenschliche Interagieren von Nöten ist. Verabredungen, Diskussionen, Banales aber auch Intimitäten werden heutzutage bspw. in einem großen Maße über die Kommunikations-App whatsapp transportiert. Sie ist kostenlos, funktioniert schnell von überall und multimedial. Man kann Einzelpersonen oder direkt bestimmt Freundesgruppen erreichen. Es wird mit Informationen um sich geworfen wie es einem gefällt und von wo es einem gefällt. Mit der Dauer der Benutzung entsteht im Gegenzug der eigenen Informationsfreigabe ein Gefühl von Informationsdurst. Was macht der Gesprächspartner, der Bekannte, der Freund? Nachrichtenerhalt und Online-Zeiten werden bspw. bei whatsapp in dem Chatfenster angegeben. Plötzlich lässt sich auch ohne auf Nachrichten zu reagieren oder etwas zu sagen eine Aussage treffen. Nachricht wurde erhalten aber nicht geantwortet. Ich bin online aber melde mich nicht. Was habe ich gestern nachts um 03 Uhr noch whatsapp-online gemacht? Mein whatsapp Verhalten sagt dir ob ich dich leiden kann oder eben nicht.

Auch wenn man mittlerweile die Funktion der Online-Zeiten bei whatsapp ausschalten kann, so bleibt trotzdem die grundlegende Veränderung von zwischenmenschlicher Kommunikation bestehen. Die Unverbindlichkeit. Das Fehlen von Mimik und Gestik (auch wenn 1000 verschiedene Smileyarten versuchen diese zu kopieren und zu ersetzen). Die Schwierigkeit Missverständnissse aufzuklären. Neuer erweckter Kontrollierzwang. Die (unausgesprochene aber dennoch teils verlangte) Verpflichtung einer ständigen Verfügbarkeit. Und schließendlich noch das Gefühl alle zu kennen aber im End-Effekt vllt. dann doch keinen so richtig zu haben.


Tags: whatsapp, Gesellschaft, Internet, handy, navi, navigation, mobil, information, online, app, Kontrolle
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43 Antworten

Kommentare

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  • 2

    Bei WhatsApp online sein und nicht antworten is das neue "Leck mich am Arsch!" ...furchtbar!

    20.05.2013, 14:28 von HappyMelli
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    • 0

      Naja ich würde sagen so ganz kann man sich dem ganzen nicht entziehen, aber ich habe echt auch keinen Bock permanent von meinem Adressbuch gestalkt zu werden.

      20.05.2013, 15:03 von HappyMelli
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      Na dann Herzlichen Glückwunsch!

      20.05.2013, 15:11 von HappyMelli
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      Halte es auch nicht für selbstverständlich, dass man sich dem ganzen komplett entziehen kann. vllt. erläuterst du ja mal dein vorgehen Paris.

      21.05.2013, 00:22 von Voll.Des.Lobes
    • 0

      Ja... das fänd ich ehrlich gesagt auch interessant!

      21.05.2013, 08:53 von HappyMelli
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    • 1

      Ich finde dein Vorgehen gut Paris. Und kann verstehen, dass du keine Lust mehr auf diese Extremmassen-Bekanntschaften hattest (5000 + halte ich auch für nicht den Ottonormalfall). Ein komplettes "Aussteigen" aus den Social Networks kann ich in deinem Fall auch nachvollziehen. Jedoch bezweifele ich, dass die Geschwindigkeitsgesellschaft vor deinem Handy als Telefoniergerät oder deinem E-Mail Account halt macht. Sicherlich verstärken fb, twitter, whatsapp und treiben es auf die Spitze, aber dem Kommunikationszwang lässt es sich wohl auch mit deiner Weise nicht entkommen.

      21.05.2013, 21:53 von Voll.Des.Lobes
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    • 0

      krkr... naja am Ende ist es ja wichtig, dass es dir damit gutgeht! ABer bewundernswert, ich schaff das nicht! Aber will ich ja auch garnich!

      22.05.2013, 19:22 von HappyMelli
    • 0

      Du sagst es Melli, im Endeffekt schaut man dass man die Technik zu dem Maße nutzt, dass sie einen mehr gibt als dass sie einen stresst. Die Grenze ist da manchmal verwischend und es kann sich schnell in das Gegenteil umkehren. Von daher ist das Bewusstmachen im Umgang mit der alltagsintegrierten Technik meiner Meinung nach enorm wichtig.

      30.05.2013, 13:39 von Voll.Des.Lobes
    • 1

      Ich muss gestehen, dass ich mich manchmal auch im Netz verliere. Gerade wenn es spannende Unterhaltungen mit Usern gibt, oder ich irgendwas recherchiere... man hat ja die Möglichkeit das komplett in seinen Alltag einzubauen. Laptop, Smartphone, PC auf Arbeit... im Prinzip kann man die ganze Zeit online sein. Das verführt! Ich maßregele mich dann selbst um mich wieder ein bisschen abzugrenzen. Ich glaube man darf einfach nicht aus den Augen verlieren, dass das wahre Leben offline stattfindet. Wenn man es nicht schafft es ordentlich zu dosieren, sehe ich einen solchen "Entzug" auch als notwendig an! Gerade bei Jugendlichen z.B.... Internetsucht ist schon lange ein großes Thema und darf nicht unterschätzt werden.

      30.05.2013, 14:15 von HappyMelli
    • 2

      Da hast du vollkommen Recht Melli. So sehe ich das auch. Die Verlockung ist riesengroß und mittlerweile auch schon wie du richtig sagst allgegenwärtig und vor allem auch fast für jeden erschwinglich. Manchmal frage ich mich wie lange es noch dauert bis man es auch gesellschaftlich akzeptiert, dass das Leben auch online verflochten ist. Ich entsinne mich dabei an einen Satz von Bill Gates, schon vor einigen Jahren, er sagte im Sinngehalt etwas wie: "In ferner Zukunft wird es nicht nur mehr die Unterscheidung von arm und reich in dem unseren Verständnis geben, sondern auch eine Klassenunterscheidung in Menschen die vernetzt (online) sind und welche die nicht-vernetzt (offline) sind." Und ich denke an der Aussage ist was dran - was ganz elementares sogar. Von daher denke ich, ist es wichtig, mit dem Technik-Phänomen umgehen zu lernen. Gerade bei den Kindern sollte man vor Vornherein das Umgehen trainieren. Ich bin ebenfalls für medienpädagogische Maßnahmen und Seminare (Unterrichtsstunden) in den frühen Schulklassen.

      30.05.2013, 14:36 von Voll.Des.Lobes
    • 0

      Schön, dass du meinen Kommentar magst Kinghabibi ... aber magst du auch den dazugehörigen Text würde mich mal interessieren ;-) Liebe Grüße

      29.07.2013, 22:07 von Voll.Des.Lobes
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  • 1

    Ach, Gottchen...

    Und was tust Du dagegen?

    20.05.2013, 13:57 von sailor
    • 0

      Es mir bewusst machen. Und es ansprechen. Das machen meiner Meinung nach nicht alle wenn nicht sogar nicht viele.

      21.05.2013, 00:20 von Voll.Des.Lobes
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  • 0

    Etwas langatmig, aber trotzdem richtig. Bin selber kein Freund von Whatsapp, gerade wegen diesem Drang immer verfügbar sein zu müssen und, was mich erstaunt hast, dass du es nicht erwähnt hast: Den Drang immer gefragt zu sein. Gerade zwanghaft immer neue Nachrichten zu bekommen. Ich sehe ganz oft bei Leuten in meinem Umfeld, wie sie mich damit beeindrucken wollen, dass sie immer neue Nachrichten bekommen. Und dann ist das in 90% der Fälle der dümmste Scheiß. 
    Mich würde es nerven, deswegen hab ich auch kein Whatsapp (was auch mit Argwohn betrachtet wird). Eine Sms hat nicht den Zwang gefragt zu werden, ist persönlicher und viel wichtiger inhaltlicher. 
    Aber eigentlich geht doch nichts über das old school App "telefonieren". Das kann ein Handy ja auch noch. 
    Geb dir vollkommen recht.

    20.05.2013, 13:37 von nachtschimmer
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      da hast du natürlich recht, stimmt, diesen auswirkung gibt es natürlich auch noch dass man sich über das vibrieren der whatsapp-nachrichten sich i.wie wichtig machen möchte, oder beschäftigt wirken will. dieses reagieren und verhalten darauf kann auch schnell mal als unhöflichkeit ausgelegt werden - kam mir zumindest schonmal zu hören wenn ich über die thematik gesprochen habe. freue mich aber dass dir mein text gefällt und wegen der langatmigkeit, ja, da schaue ich doch für das nächst mal ;-)

      21.05.2013, 00:28 von Voll.Des.Lobes
    • 0

      Ich finde es ist auch unhöflich, zumindest in manchen Situation. Z.B. bei persönlicheren Treffen, ganz schlimm finde ich es, wenn man bei Dates nur an seinem Handy hängt. Bei Freunden kommt es auf den Inhalt des Gesprächs drauf an und wie oft man die Mails checkt. Bei Bekannten finde ich das voll okay, da mache ich es selber auch nicht anders. 
       

      21.05.2013, 22:55 von nachtschimmer
    • 1

      Als Tu-Was-Dagegen-Idee: ich denke es ist ganz ok wenn man bei einer solchen Unhöflich-Aktion auch mal was sagt - Ansprechen hilft vllt. dem Gegenüber es bewusst zu machen, dass er gerade in der Gegenwart was erlebt und nicht schon Zukunfts-Kommunikation machen muss ;-)

      21.05.2013, 23:12 von Voll.Des.Lobes
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    • 0

      zu lang?

      20.05.2013, 13:18 von Voll.Des.Lobes
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    • 1

      Streich mal alle Füllwörter und nebensächliche Halbsätze raus.
      Dann wird's schon knackiger.

      20.05.2013, 13:58 von sailor
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    • 1

      Wie meinen...
      Ich bin doch total lieb?

      20.05.2013, 14:03 von sailor
    • 0

      Knack!

      20.05.2013, 14:06 von TheCaptainsFiancee
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    • 0

      Weiß ich heute auch nicht so genau. Kurze und knackige Aussage halt. Bar alles, aber wirklich alles Überflüssigen.

      20.05.2013, 14:11 von TheCaptainsFiancee
    • 1

      Rettet dem Dativ...!

      20.05.2013, 14:19 von sailor
    • 2

      A propos...

      20.05.2013, 14:22 von sailor
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    • 0

      Na gut...

      20.05.2013, 14:59 von TheCaptainsFiancee
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    • 2

      Knack!

      20.05.2013, 15:30 von sailor
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    • 1

      Definitiv auch geliebt! :D

      20.05.2013, 15:43 von TheCaptainsFiancee
    • 0

      Beides! Und die Robbenbabys mit den süßen Knopfaugen.

      20.05.2013, 15:45 von TheCaptainsFiancee
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