greenpoint 30.11.-0001, 00:00 Uhr 36 0

Nur ein Spiel für echte Männer?

Anderswo darf man sich als Homosexueller bekennen – im Fußball ist es noch ein Tabu

Der Fußball hat seit Anfang der 1990er Jahre eine erstaunliche Entwicklung genommen. Wurde er in den 1980er Jahren noch mit ungustiösen, grölenden Bierbäuchen und Gewaltexzessen in Verbindung gebracht und als Sport für Proleten bezeichnet – die Zuschauerzahlen waren in den meisten europäischen Ligen stark rückläufig –, so änderte sich das, als der Fußball als Medienprodukt entdeckt wurde und eine entsprechende Vermarktung einsetzte.

Statt der rührigen, oft auch eitlen Vereinsmeier übernahmen in den großen europäischen Ligen ehrgeizige Manager die Führungspositionen in den Klubs. Diese konnten die TV-Einnahmen unverhältnismäßig steigern, renovierten die Stadien oder bauten – wie etwa in Deutschland – mit Hilfe von Star-Architekten spektakuläre Fußballtempel, die auch Erlebniswelten des Konsums sind. Dabei eliminierten sie gleich auch die billigen Stehplätze: Der zahlungskräftige Fan ist der bessere Fan, so heißt die Philosophie.

Fußball wurde auch für die gehobene Mittelschicht gesellschaftsfähig. Der tumb stammelnde Fußballer der 1980er Jahre mit der dämlichen Vokuhila -Frisur (vorne kurz, hinten lang), dem nach dem Karriereende oft ein Dasein als Tankstellenpächter oder Trafikant blühte, hatte sich in einen smarten, fein gekleideten, rhetorisch beschlagenen Ballkünstler gewandelt. Ihm ist bewusst, dass er durch seine Gestik und sein Outfit eine bestimmte (Werbe)Zielgruppe anspricht.

Alles schön, neu und modern? Der Fußball als gesellschaftlicher Vorreiter und Trendsetter? Leider nicht. Während es in der Kunst kaum Probleme bereitet, sich als Homosexueller zu outen, es selbst in der Politik möglich ist, homosexuell zu sein, ist – obwohl statistisch unmöglich – in ganz Europa kein homosexueller Fußballprofi zu finden. Es gibt sie, aber keiner von ihnen wagt es, sich zu outen. Der Fußball hat ein Problem mit der Homosexualität.

Bei Wiener Derbys schallt nicht selten "schwuler SCR" und "schwule Austria" von der Westzur Osttribüne und wieder zurück. Auch in Deutschland sind homophobe Sprechchöre nicht unbekannt: "Arbeitslos und homosexuell, das ist der Vfl (Bochum)." Die Spieler geben sich ebenfalls schwulenfeindlich oder möchten sich zu diesem "heißen Eisen" nicht äußern. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schwule Fußball spielen können" sagte Paul Steiner, ehemaliger Verteidiger beim 1. FC Köln, bei einer Fernsehdiskussion zum Thema Homosexualität im Fußball. Michael Schütz, ein früherer Spieler von Fortuna Düsseldorf, ist ähnlicher Meinung: "Man würde gegen so einen nicht richtig rangehen, weil die gewisse Furcht vor Aids da wäre."

Aber auch die Trainer, die doch eine Vorbildfunktion haben sollten, sind oft ähnlicher Meinung. Offen homophob zeigte sich der frühere Trainer der österreichischen Fußballnationalmannschaft, Otto Baric. Der Schweizer Zeitung "Blick" erzählte er im Jahr 2004 (als er Trainer der kroatischen Nationalmannschaft war): "Meine Spieler müssen echte Kerle sein. Also können Homosexuelle bei mir nicht spielen, höchstens gegen mich." In einem Gespräch mit der kroatischen Zeitung "Jutarnji List" äußerte er sich ähnlich: "Ich weiß, dass es in meiner Mannschaft keine Homosexuellen gibt. Ich erkenne einen Schwulen innerhalb von zehn Minuten, und ich möchte sie nicht in meinem Team haben." Gegenreaktionen auf die Aussagen von Baric blieben aus. Die Sensibilität der Verbände und Vereine ist auf diesem Gebiet nicht vorhanden. Anfragen bei der österreichischen Bundesliga, dem ÖFB und dem DFB ergaben, dass das Thema Homophobie nicht wirklich ernst genommen wird. Es gibt keine Projekte zum Thema Homosexualität im Fußball.

Ein bisschen Farbe in die deutsche Bundesliga bringen neben Corny Littmann, dem schwulen Präsidenten vom FC St. Pauli, einige schwule Fanclubs, etwa die 2001 gegründeten Hertha Junxx, die über 60 eingeschriebene Mitglieder, aber kaum mehr als ein Dutzend aktive Fans haben. Oder die Stuttgarter Junxx, die Rainbow-Borussen, die Karlsruher Wildpark-Junxx und die Dynamo-Junxxs aus Dresden. Sie sind aber Kämpfer auf einsamem Felde.

Vielleicht bedarf es der Fiktion, um die realen Verhältnisse zu verändern. So handelt die Filmkomödie "Männer wie wir" von dem schwulen (Amateur)Fußballtormann Ecki, der nach einem Fehler in einem entscheidenden Spiel zum Sündenbock gestempelt wird und sich bei dieser Gelegenheit auch gleich outet, was zum Vereinsausschluss führt. Daraufhin fordert er Revanche und organisiert ein schwules Fußballteam. Auch in "Abblocken", einem Kriminalroman von Dan Kavanagh (ein Pseudonym von Julian Barnes), spielt ein schwuler Fußballtormann die Hauptrolle. Und schließlich geht es auch in der englischen TV-Serie "Footballer's Wives" um schwule Spieler und eine lesbische Präsidentin, die ein Zwangsouting verhindern will.

Auch die Ablichtung der englischen Fußball-Ikone David Beckham im Schwulenmagazin "Attitude" mag das Tor zu einem natürlicheren Umgang des Fußballs mit Schwulsein ein Stück weit geöffnet haben. Solange aber die Verbände und Clubs das Problem nicht wahrhaben wollen und keine Aktionen gegen Homophobie setzen, werden die schwulen Fußballprofis weiterhin dazu gezwungen sein, ihren Klubkollegen und der Öffentlichkeit ein heterosexuelles Leben vorzulügen.


Tags: Schwul & Lesbisch
36 Antworten

Kommentare

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    "Ich finde ja, dass man sich bei diesem Text eher auf die Aussage die hinter dem ganzen steckt konzentrieren sollte, nicht etwa, ob er von jemand anderem Geschrieben ist."

    sowas kann eigentlich nur jemand sagen, der noch nie wirklich stolz auf eine eigene leistung war :)

    enjoy the sun
    steppo

    02.07.2006, 19:46 von the_steppo
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      @the_steppo Na ja, das strotzt aber jemand vor Weisheit, dass schon in so jungen Jahren. Also lustiger Steppo, du scheinst nicht verstanden zu haben, was ich meine, die Aussage, zu betrachten, das obwohl du mich sogar noch zitierst! – Du hängst auch noch im Sandkasten, was deine Gefühlswelt da betrifft: „Ich bin stolz, weil ich die größere Sandburg habe!“ – Einem Autor geht es meist nicht um sich selbst, sondern um das was er zu sagen hat, der Fokus liegt auf etwas ganz anderem! – Aber bitte, manche Menschen sind da hat resistent!

      08.07.2006, 13:07 von istmirdochegal
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      @istmirdochegal Ja also ich denke auch das es gerade bei solchen Themen es darum geht, dass der Text möglichst viele Menschen erreicht und sie sich mal gedanken darüber machen sollten!

      08.07.2006, 13:27 von acerios
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    ja ja es soll auch schon menschen geben haben, die sich an eisenbahn schienen gekettet haben um auf etwas aufmerksam zu machen und es war trotzdem illegal!

    02.07.2006, 11:40 von acerios
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      @[Benutzer gelöscht] aber wäre der text ansonsten online gegangen?

      02.07.2006, 20:17 von acerios
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      @acerios nein, wäre er mit sicherheit nicht... a

      ber wie oben schon erwähnt...greenpoint hätte auch einen text zu diesem artikel schreiben können - reflektiert von seiner eigenen sicht als schwuler. und wenn der artikel schon online gestellt wurde, hätte so ein text sicher auch gute chancen gehabt veröffentlicht zu werden..

      enjoy the sun
      steppo

      03.07.2006, 11:15 von the_steppo
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    Ich finde ja, dass man sich bei diesem Text eher auf die Aussage die hinter dem ganzen steckt konzentrieren sollte, nicht etwa, ob er von jemand anderem Geschrieben ist. Dem Autor – wer auch immer das letztendlich sein mag- fände diesen Ansatz garantiert auch besser, als euer Kindergarten – Sandförmchen-Klau - kacke! – Lest den Text, nehmt Stellung zur aussage! – Das ist es doch letztendlich worauf es ankommt. Einem Autor ist es lieber, dass sein Text gelesen und verstanden wird, als die Diskussion weshalb und wie er veröffentlicht wurde!
    Aber bitte, diese Kinderkacke passt wieder mal zu diesem komischen NEON-Verein!
    Wer auch immer das geschrieben hat: Guter Text, lustig geschrieben, schrieb weiter solche Texte und veröffentliche sie demnächst selbst hier, vielleicht kann sich dann was von der Aussage über die Kindrekackediskussion hinausretten.

    29.06.2006, 14:39 von istmirdochegal
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      @[Benutzer gelöscht] Ist unterschrieben. :)

      01.07.2006, 20:23 von Gigigolo
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    Noch ein Link zum eigentlichen Thema: http://phase2.nadir.org/rechts.php?artikel=354&print=

    28.06.2006, 18:18 von Novemberkind
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    also ich kann ja auch nur zustimmen dass das wirklich ein sehr sehr guter artikel ist...und es ist auch schön dass das mal jemand anspricht....

    ABER..das hier scheint irgendwie jeder zu überlesen... "wirklich toller text! gerechterweise solltest du jedoch den echten verfasser benennen. der heißt nämlich Peter Landerl http://www.wienerz eitung.at/ DesktopDefault.aspx? TabID=3946 &Alias=wzo&c ob=234270& amp;currentpage=0"

    das alter stimmt schonmal nicht überein bei greenpoint und peter landerl.... und es ist doch irgendwie komisch dass sich ein bekannter literaturwissenschaftler (der derzeit in frankreich lebt) auf neon einloggt und dann erstmal ein halbes jahr gar keine artikel veröffentlicht und kaum forenbeiträge schreibt...
    und dann plötzlich entschließt sich peter landerl dazu hier einen artikel reinzusetzen? und das unter einem falschen profil?...warum sollte er das tun?


    sorry...aber das ganze stinkt gradezu nach textklau! und sowas ist ne ziemlich miese sache. auch unter dem aspekt dass hier jede menge gute texte von den usern es nicht auf die frontpage schaffen und dadurch nicht die beachtung erhalten die sie verdienen...

    wenn greenpoint wieder erwarten doch peter landerl ist, bin ich auf die erklärende begründung gespannt...

    27.06.2006, 10:52 von the_steppo
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      @[Benutzer gelöscht] sowas weiß er doch sicherlich....

      da er sich aber sowieso seither nicht mehr einloggt, ist es ihm warscheinlich eh alles egal.
      lg julie

      27.06.2006, 17:37 von crocki
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      @[Benutzer gelöscht] also ich weiß ja nicht....wenn er unbedingt auf das thema aufmerksam machen wollte hätte er auch einfach den artikel nehmen können und seine meinung dazu reflektieren.
      greenpoints profil nach ist er schließlich selber schwul (vll stimmt ja wenigstens das).. und da wäre bei diesem thema die meinung von einem betroffenen doch mal wirklich interessant gewesen.

      wenn ihm das thema also so sehr am herzen liegt soll er sich selbst mal hinsetzen und darüber was schreiben und nicht so ne bescheuerte nummer hier abziehen...hab dafür nich wirklich verständnis...

      denn der werte herr greenpoint setzt ja noch einen oben drauf, in dem er sich bei leuten bedankt hat, die ihn in seinem guestbook für "seinen" text gelobt haben...und spätestens da kann man hier nicht mehr von einer missverstandenen intention reden

      sowas geht nicht klar...

      27.06.2006, 19:51 von the_steppo
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      @[Benutzer gelöscht] ...was das veröffentlichen der eigenen texte angeht hast du völlig recht. das kann einen echt frustrieren. is schon manchmal zum verzweifeln wenn man wieder nur ein anonymes rejected zurückkriegt.... aber das ist ein anderes thema.

      trotzdem hätte er auch so einen anderen weg wählen können..aber was solls...plagiate werden im internet wohl immer ein thema bleiben. aber solange sowas aufgedeckt wird und niemand zu (rechtlichen) schaden kommt hält sich der ärger ja noch in grenzen...

      ...ausser vielleicht für den textklauer selbst.

      enough said...joga bonito

      27.06.2006, 20:21 von the_steppo
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    also ich kann ja auch nur zustimmen dass das wirklich ein sehr sehr guter artikel ist...und es ist auch schön dass das mal jemand anspricht.... ABER..das hier scheint irgendwie jeder zu überlesen... "wirklich toller text! gerechterweise solltest du jedoch den echten verfasser benennen. der heißt nämlich Peter Landerl http://www.wienerz eitung.at/ DesktopDefault.aspx? TabID=3946 &Alias=wzo&c ob=234270& amp;currentpage=0" das alter stimmt schonmal nicht überein bei greenpoint und peter landerl.... und es ist doch irgendwie komisch dass sich ein bekannter literaturwissenschaftler (der derzeit in frankreich lebt) auf neon einloggt und dann erstmal ein halbes jahr gar keine artikel veröffentlicht und kaum forenbeiträge schreibt... und dann plötzlich entschließt sich peter landerl dazu hier einen artikel reinzusetzen? und das unter einem falschen profil?...warum sollte er das tun? sorry...aber das ganze stinkt gradezu nach textklau! und sowas ist ne ziemlich miese sache. auch unter dem aspekt dass hier jede menge gute texte von den usern es nicht auf die frontpage schaffen und dadurch nicht die beachtung erhalten die sie verdienen... wenn greenpoint wieder erwarten doch peter landerl ist, bin ich auf die erklärende begründung gespannt...

    27.06.2006, 10:49 von the_steppo
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    Ist mir dermaßen piepegal, ob ein Fußballer homo/hetero/bi oder sonstwas ist. Genauso wie´s mir egal ist, ob der Poldi nen deutschen Satz hinkriegt. Die Kerle kriegen Geld dafür, daß sie sich 90min quälen, geniale Flanken schlagen, für Spannung sorgen etc.

    Was außerhalb des Rasens geshcieht ist absolut unwichtig und keiner Erwähnung wert.

    27.06.2006, 01:59 von Romeo_Flausch79
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    Im Fussball gibt es bestimmt genauso wenig Homosexuelle wie im Vatikan. Ausserdem ist es völlig egal auf welcher Position man spielt, es kommt auf den Verein an. So.

    26.06.2006, 19:30 von Phpz
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    wäre doch eine schande wenn freddie ljungberg sich outen würde. obwohl es nicht schlimm wäre. ist ja eh schon die schwulen ikone im fußball.

    26.06.2006, 16:59 von sophisticatedchick
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    Aussagen über die sexuelle Orientierung sind beim Fussball völlig fehl am Platz. Deshalb Rote Karte - Platzverweis !

    26.06.2006, 16:40 von ulf
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      @ulf Aha. Aber ein schwuler Beckham dürfte seinen Victor trotzdem zum Spiel mitbringen und dessen Unterwäsche tragen, oder wie ist das gemeint?

      28.06.2006, 23:20 von Gigigolo
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