nuescht 23.12.2014, 20:36 Uhr 34 3

Nicht mein Thema

Und das steht auch nicht auf der Agenda.

Lieber Manuel,

da uns keine unbezwingbare Vermeidungsstrategie einer "Freundschaft" trennt, wie du sie haben wolltest, kann ich dir ja diesen offenen und ehrlichen Brief schreiben. Also wenn du stehst, setz dich hin und stell die Kaffeetasse ab, sonst könntest du etwas kleckern beim lesen.

Und dabei ist das was ich dir schon die ganze Zeit ins Gesicht sagen wollte so eine selbstverständliche Banalität des Lebens, dass sich die oberen Zeilen für einen aufgeklärten Menschen in die Absurdität verlieren, Aufklärung nicht nur im Sinne einer umfassenden Allgemeinbildung, sondern auch eine soziale und emotionale Aufklärung, die das Zusammenleben in den meisten Gesellschaften so viel angenehmer gestalltet als in dieser hier. Und diese kann man leider weder käuflich erwerben, noch kann man sie in einem klassischen Bildungsinstitut erlernen.

Das funktioniert nur in einer relativ intakten Gesellschaft mit komplexen zwischenmenschlichen Verknüpfungen, wo sich niemand so leicht aus der Gesellschaft emotional verabschieden und geistig trennen kann. In einer solchen (zugegebenermaßen nicht idealen) Gesellschaft lebt es sich wie im Urschlamm, du wirst hinein gesogen, du wirst schmutzig, es ist laut und es ist warm und du bist so sehr damit beschäftigt das tägliche Leben zu meistern, dass der Mensch schon sehr früh die Scheu vor Kontakten zu neuen Menschen verliert und da verschmilzt die Gesellschaft zu einer großen Familie, der Mensch steht im Mittelpunkt.

Aber du wirst vermutlich immer noch nicht ganz verstehen können, was ich meine und die Nase rümpfen darüber, weil es so fremd und südländisch klingt, da kann ich dir nur empfehlen hier für ein paar Jahre aus zu wandern und dich in den "Urschlamm" zu begeben. Du wirst Seiten an dir entdecken, von denen du nichts wusstest und auf einmal entwickelst du Sehnsüchte, die vorher nicht existierten und du stehst Morgens auf und lächelst, ganz ohne Grund.
Du hörst die Schreie der Kinder in deiner unmittelbaren Umgebung und sie fühlen sich plötzlich natürlich und selbstverständlich an, niemand muss die Babies oder die Kinder zum Schweigen bringen, 'lasst sie doch brüllen Ihr Banausen', wirst du sagen wollen und dann staunst du über dich selbst.

Ich weiß, du würdest bei einem persönlichen Gespräch bereits jetzt gelangweilt und unruhig solche Sprüche klopfen wie: "Das ist nicht mein Thema." oder "Joa jedem das Seine, nech?" und das alles perlte an dir und deinem Teflon-Herzen ab. Beinahe alles prallt an dir ab, du bist so ignorant wie dir deine Umgebung vorgelebt hat. Bloß nicht streiten, bloß nicht involvieren und immer locker von der Hüfte, im seichten Gewässer bist du zuhause. Und einmal im Jahr spenden und hier und da Bio und Fairtrade kaufen passt dir wunderbar in den Kram, da wirst du noch unantastbarer.

Wenn ich dir nur hätte die Tiefen der Menschlichkeit zeigen können in den Jahren unserer Freundschaft, wärest du wohl jetzt hier mit mir im Iran und wir würden uns in diesem wunderbaren Tehraner Café unterhalten und lachen, aber leider blieb mir am Ende nur der Abschied und dieser Brief an dich.

Ich wünsche dir, dass sich eines Tages etwas durch die Teflonschicht deines Herzens bohrt und du das "Leben" kennen lernst, so wie ich und die meisten anderen auf diesem Globus. Dann freue ich mich über einen Brief von dir.




Bis dahin, gehab dich wohl.


Arvid


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34 Antworten

Kommentare

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  • 1

    ~unbezwingbare Vermeidungsstrategie einer "Freundschaft"~ :) Toller Text und gutes Thema.  

    27.12.2014, 19:22 von grins
    • 0

      Vielen Dank! :)

      Wünsch dir einen guten Rutsch ins Jahr 2015. Wer hätte gedacht, dass wir 2012 noch überleben... ;)

      27.12.2014, 23:32 von nuescht
    • 0

      :) die Mayas hatten wahrscheinlich doch etwas anderes im Sinn? Vielleicht finden die Nostradamus- Forscher bald mal ein neues Ziel, ich bin da gar nicht auf dem Laufenden...

      Ich wünsche dir auch einen guten Rutsch in ein gesundes 2015 (möglichst nicht mit dem Auto auf spiegelglatten Straßen wie bei mir heute früh)

      29.12.2014, 18:37 von grins
    • 0

      Ja die Mayas haben nur eine große Veränderung vorrausgesehen.

      Und ich denke sie haben gar nicht so Unrecht damit, wenn man an die rapide Klimaerwärmung, die schnelle Vernetzung der Menschen über dem ganzen Globus und die Kulturelle und Kulinarische Vielfalt denkt. Wenn´s so weiter geht und die Intellektuellen nicht wie früher aus dem Dorf gejagt werden, damit man schön in Ruhe Krieg führen kann, wird nochmal was aus der Menschheit.

      :)

      29.12.2014, 18:41 von nuescht
    • 0

      ich weiß zwar manchmal nicht so richtig wieso, hab aber meinen Optimismus zum Glück auch noch nicht verloren :) lg  

      29.12.2014, 18:45 von grins
    • 1

      Hab den Brief an Manuel gerade nochmal gelesen. Ich finde ihn genauso toll wie voriges Jahr. 

      Herzliche Beziehungen zwischen Menschen gibt es aber auch ohne Zwang und Not. Es sind wahrscheinlich nicht so viele, aber es gibt sie. Oberflächliche Freundschaften, die ein ehrliches Feedback zur eigenen Person verbieten, erstarren und sterben. Vielleicht erkennen die Manuels und Manuelas irgendwann, dass Teflon-Herzen kalt und einsam machen und eine innere Leere erzeugen? Auch ohne Zwang und Not? 

      19.12.2015, 15:47 von grins
    • 1

      Ja sich über harte Zeiten oder eine kaputte Welt zu beschweren ist leicht, aber in der Wüste Rosen zu pflanzen ist das was unsere Welt bisher gerettet hat.


      Der Beste Satz, der mir dazu einfällt ist von Martin Luther: "Selbst wenn du weißt, dass Morgen die Welt untergeht, geh in den Garten und pflanze einen Baum." 

      Ohne Hoffnung und die Affinität für eine bessere und menschlichere Welt, wird sich auch niemals etwas ändern. Daher ist Träumen und hoffen das, was Schönheit in diese Welt bringt. Teflon-Herzen sind manchmal nötig, um zu überleben, aber wir müssen auch lernen ohne sie aus zu kommen. 

      Frohe Weihnachten wünsche ich dir schon mal im Vorraus. 

      19.12.2015, 18:35 von nuescht
    • 1

      ja und außerdem weiß ja zum Glück niemand wann und ob die Welt nun wirklich untergeht :) Also noch viel Erfolg beim Begrünen und bunt einfärben der Wüsten.

      Ich wünsche dir auch schon mal frohe Weihnachten.
      Wo ist denn Parsapura? Klingt nicht sehr nach Europa? liebe Grüße 

      21.12.2015, 19:30 von grins
    • 0

      Parsapura bedeutet "Stadt der Perser", ein uralter Name für die untergegangene Zivilisation, die wir einst im Iran hatten, bevor der Islam alles verwüstet hat.


      Ich sage bewusst, Parsapura, weil ich nicht diese heutige Wüste als meine Heimat ansehe, sondern die grüne und menschliche Welt, die hoffentlich noch zu meiner Lebzeit wieder kommen wird. Im Grunde sind wir nicht-moslemischen Perser aktuell ohne Heimat. 

      "Morgen in Parapura." ;)

      21.12.2015, 19:51 von nuescht
    • 0

      ich versuche manchmal mit dem Bild das Religionschaos in meinem Kopf zu sortieren. Bekomme es aber leider trotzdem nicht immer hin. Welche Religion war denn vor dem Islam hauptsächlich in Persien? War das eine jüdische Gegend?  


      21.12.2015, 20:12 von grins
    • 0

      Auch wenn das genaue Datum zur Entstehungsgeschichte unserer persischen Religion fehlt, wir hatten unsere ganz eigenständige monotheistischee Religion vor dem Islam. Und auch Heute gibt es eine kleine Minderheit, die diesen Glauben praktiziert, im Iran, Pakisten und auch in Indien (Hat mit den abrahamitischen Religionen nichts zu tun):


      https://de.wikipedia.org/wiki/Zoroastrismus

      Ich bin aber ein Agnostiker, also habe ich mich komplett von Religionen frei gemacht. Es geht mir nur darum, diese Welt menschicher und friedlicher zu machen, so weit es in meiner menschlichen Macht steht.

      21.12.2015, 21:44 von nuescht
    • 0

      hab Zoroastrismus gleich mal gegoogelt. Den Namen vom Begründer habe ich natürlich schon mal gehört. Sonst ist da bei mir aber leider nichts weiter hängengeblieben und ich hätte den Namen nicht zuordnen können. Danke für die Info :) Ich finde es unheimlich schade, das die alten Ideen und Religionen fast völlig verschwunden sind. Bestimmt waren auch bei den keltischen Mythologien die in Europa vor der Christianisierung im Umlauf waren, viele Weisheiten dabei, die die Welt in ihrer Gesamtheit gesehen haben. Die neueren Religionen sind in ihrer Grundidee wahrscheinlich auch nicht das Problem von dem ganzen Streit und Chaos, sondern was die Menschen daraus machen. Wenn es Pflicht ist irgendwo dazuzugehören, würde ich mich auch zu den Agnostikern zählen. "Gott ist Liebe" steht über einigen Kirchentüren. Das kann ich nachvollziehen und das würde so als Zusammenfassung auch zu deinem Ziel passen....    

      23.12.2015, 16:22 von grins
    • 0

      Im Falle von Europa kann man sagen, dass das Christentum in den meisten Fällen eine Bereicherung war. Gerade die Germanen waren ziemlich barbarisch und haben sehr heftige Menschenopfer gebracht. Kannst gerne "Blutadler" googlen und dich schlau machen. Auch die Gallier, Wikinger und Basken waren sehr heftige Kriegerkulturen. Rom und Griechenland waren unter den wenigen Lichtpunkten in der Geschichte Europas und dann kam die Schreckensherrschaft dr Kirche unter dem Namen Jesu, die mit ihm überhaupt nichts zu tun hatte und bis Heute kann ich nicht behaupten, dass es viele "Christen" gibt, die Jesus wirklich verstanden haben.


      Im Falle von Persien, war der Islam eine unfassbare und heftige Verschlechterung. Die persische Kultur war bis vor 4000 Jahren eine matriarische Kultur (also Frauen haben geherrscht) und Zarathustra hat dann die Gleichberechtigung von Mann und Frau eingeführt. Und vor 2700 Jahren hat der erste persische Großkönig Xerxes (Kurosch auf Persisch) die erste und älteste Menschrechts-Charta der Menschheit in Stein meißeln lassen und danach sein Königreich aufgebaut, die Schutz von Minderheiten und anderen Religionen versprach und den Menschen viele Rechte einbrachte.

      Das alles und einige große Bibliotheken voller Wissen haben die Araber niedergebracht und mit ihrem barabarischen "Scharia" ersetzt, die absolut frauenfeindlich ist und aus der Steinzeit stammt. Baghdad (heute die Hauptstadt von Irak) war die letzte persische Stadt, die die Araber nicht komplett zerstört haben und das Wissen aus dieser Bibliothek haben die Kriegerstämme aus der Wüste gestohlen und unter ihrem Namen weiter verbreitet und auch nach Europa gebracht.

      Es gibt nicht EINE gute Sache, die mit dem Islam nach Persien kam, nicht eine!

      Vergleiche zwischen Christentum und Islam sind in dem Fall absolut nutzlos, weil Europa eine ganz andere Geschichte hat als Asien. 


      Nein Religionen sind die Geißel der Menschheit und sie fesseln unsere Freiheit. Wenn wir wirklich diese Welt befreien wollen, darf die Religion nicht in unserem Weg stehen. Wer zu Gott beten will, kann es Zuhause tun und seine Religion vor der Tür abgeben, wenn er rauskommt. Relikte aus der Steinzeit haben nichts mehr in unserer Welt zu suchen, außer im Privatleben von Menschen. 

      23.12.2015, 17:42 von nuescht
    • 0

      du kennst dich ja richtig gut aus mit den verschiedenen Religionen auf dieser Welt. 

      Menschen sind wahrscheinlich von Natur aus ziemlich aggressive Wesen, die darauf aus waren ständig neue Gebiete und Lebensräume zu erobern. Für die Sippen, die vor Millionen von Jahren jagend und sammelnd durch die Gegend zogen, gab es wahrscheinlich gar keine andere Möglichkeit als fremde Sippen zu töten und zu vertreiben um das eigene Überleben zu sichern. Ich kann mir auch gut vorstellen, das ein fähiger Kriegsgott damals etwas sehr nützliches war ;). Religionen wie das Juden- oder Christentum oder der Islam waren dann wahrscheinlich dafür gedacht, ein friedlicheres Miteinander der Menschen zu organisieren. Hat aber leider nicht geklappt sondern die Ideen wurden im Gegenteil als Vorwand für Kriege und Unterdrückung benutzt. Die Machtgier in einigen Menschen stammt wahrscheinlich auch noch aus der Zeit der Neandertaler. Wenn es zu wenig Nahrung gab, war das Überleben manchmal eben nur für den Aggressivsten und Stärksten gesichert. Schade, dass Menschen so ein Verhalten nicht abstellen können, wenn es nicht mehr erforderlich ist. Du schreibst Zarathustra hat die Vorherrschaft der Frauen abgeschafft, Religionen wie das Christentum und der Islam haben dafür gesorgt, dass es nicht bei einem friedlichen Miteinander geblieben ist, sondern Männer die absolute Macht übernommen haben...  Aber weißt du, ich glaube es gibt in der heutigen Zeit immer mehr Menschen, die alte Traditionen, Verhaltensweisen und Überlieferungen in Frage stellen. Dann bleiben vielleicht irgendwann nur solche Sachen übrig, die niemandem Schaden? 

      27.12.2015, 12:25 von grins
    • 0

      Ich kann nur hoffen, dass irgendwann nur Dinge bleiben, die keinem Schaden.


      Dafür bräuchten wir aber erstmal ein Ende dieser Doppel- und Dreifachmoral, die seit Jahrhunderten von der reichen Elite ausgeübt wird. Und nein die abrahamitischen Religionen sind nicht drauf aus, dass Menschen miteinander friedlich leben, sie wollen nur erobern und "missionieren" und leute davon überzeugen, dass ihr Gott der "einzig" wahre ist... 

      Sie bieten dir kaum Raum für eine Koexistenz. Erst als die Sekularität in Europa erkämpft wurde nach Tausend Jahre Schreckensherrschaft der Kirche, haben wir hier Religionsfreiheit gehabt in Europa, nicht während die Religion das Sagen hatte. 

      Es gibt aber auch ein paar Ausnahmen in der Geschichte der Menschheit. Es gab und gibt ein paar afrikanische Stämme, die sehr friedlich und auf Koexistenz aus waren/sind, die Aborigines in Australien haben auch in Harmonie mit der Natue gelebt, sowie ein paar Südamerikanische Stämme. 

      Deshalb denke ich, dass wir Menschen sein können, was immer wir wollen, wir sind nicht verdammt dazu uns gegenseitig um zu bringen oder unendlich zu wachsen auf Kosten unseres Planeten. Wir müssen nur aufhören, uns immer weiter ein zu reden, dass diese imperialistische und brute Art zu leben alternativlos sei und dass es "natürlich" wäre und anfangen diese brutalen und animalischen Urinstinkte in uns zu bekämpfen, anstatt der anderen Menschen.

      Da können uns aber keine Religionen bei helfen, nur gesunder Menschenverstand und so viel Empathie und Mitgefühl wir entbehren können.

      27.12.2015, 15:34 von nuescht
    • 0

      Religionen könnten beratend zur Seite stehen. Leider wurden und werden sie allerdings oft von Menschen mit Doppel- und Dreifachmoral missbraucht um egoistische Zwecke zu erfüllen und Macht über andere Menschen zu erlangen. Ohne Religion würden sich solche Menschen aber wahrscheinlich auch nicht vernünftiger verhalten. Sklaverei war früher für viele Menschen auch ohne das falsche Alibi einer Religion völlig normal.

      Ich denke auch, dass Menschen sein können wie sie wollen und nicht dazu verdammt sind, sich gegenseitig zu bekämpfen und ihre Umwelt zu zerstören nur weil es in der Vergangenheit meistens so war und ganz gut funktioniert hat. Ich überlege mir manchmal wie viele Dinge auf dieser Welt völlig unnötig produziert werden. Wenn ich mir dann aber vorstelle, das alle diese Dinge, die eigentlich niemand braucht plötzlich nicht mehr hergestellt werden, gäbe es im Moment ein riesiges Heer von Arbeitslosen. Die lebensnotwendigen Dinge wären zwar trotzdem noch ausreichend vorhanden, es könnten sich aber nicht mehr alle leisten. Ich glaube unsere Gesellschaft braucht noch einige Jahre um teilen zu lernen.....     

      28.12.2015, 12:23 von grins
    • 0

      Nee leider sind Religionen auch keine gute Beratung, zumindest dann nicht wenn du ein erfülltes und glückliches Leben führen willst, ohne ständige Gewissensbisse und Schuldgefühle. Die abrahamitischen sind da ganz spezialisiert, du bist als Mensch gleich als sündiges Wesen abgestempelt und alles was Spaß macht, ist oder führt in eine Sünde. Darum bist du als streng gläubiger Mensch ständig damit beschäftigt diese Tretminen auszuweichen und hast keine Zeit mehr, dir eigenständige Gedanken zu machen.


      Ich habe die Bibel und den Koran mehrfach gelesen, letzteres habe ich sogar mal zur Hälfte auswendig gelernt, weil es dafür Pluspunkte gab in meiner iranischen Schule, also ich weiß, dass die Unterschiede darin nur minimal und von optischer Natur sind. Also der größte Unterschied ist, dass im Koran steht, dass Alkohol verboten ist und in der Bibel nicht. Die Kernfragen des Lebens werden sehr ähnlich menschenfeindlich und auf diesen EINEN wahren Gott gerichtet beantwortet und wer ein bisschen historische Recherche betreibt, findet viele dieser Geschichten abgewandelt in völkischen Erzählungen aus dem ganzen Nahen Osten. Da kommt die Bibel nämlich her und nicht aus Europa und Jesus hat wahrscheinlich eher ausgesehen wie ich und war nicht weiß und blond. 

      Klar werden Religionen wie alle guten Ideen (wie der Kommunismus) von machthungringen Menschen missbraucht, das ist nichts neues, aber nach meinen jahrelangen Bemühungen aus den abrahamitischen Religionen irgendwas sinnvolles raus zu holen, bin ich verzweifelt gescheitert und bin dann Agnostiker geworden.
       
      Und seit dem geht´s mir richtig gut und immer wenn ich eine gute Tat vollbringe oder jemandem den Tag verschönere, mache ich es für mich, weil es mir Spaß macht und nicht für irgendeinen ausgedachten Gott und das nächste Leben. Ich lebe hier und jetzt und das Leben hier ist mir viel wichtiger und dieser Planet und die hungernden (50000 sterben jeden Tag an Hunger ) und leidenden, aber auch die reichen und ignoranten Menschen sollten unsere Aufgabe sein und nicht Karma oder der Paradies. 

      Ja ohne Religion würde es genauso Verbrechen geben, aber durch diese abrahamitischen Religionen haben diese Verbrecher sehr nützliche Werkzeuge gefunden und die Verbrechen, die im Namen von Christentum und Islam begangen wurden sind tausendmal höher und schlimmer (weil auch länger an der Macht) als alles was Hitler und die möchte gern Kommunisten und sonstige Schwachmaten sich geleistet haben.

      Ehrlich ich sehe keinen Sinn in Religionen, außer dass sie gute Werkzeuge sind, um die Massen zu regieren. Mann kann auch zum Gott beten, direkt ohne Umwege, sich bedanken für die Gaben und helfen diesen Planeten sicherer und schöner zu machen.

      Dafür braucht man weder ein uraltes Buch, noch einen Propheten. Und wer sowieso ein Arschloch sein will, der wird es auch als "Gläubiger" bleiben. 

      28.12.2015, 18:47 von nuescht
    • 0

      ich selbst habe mich noch nicht sehr intensiv mit Religionen befasst. Ich bin zwar getauft und war als Kind in einer evangelischen Christenlehre, habe dort aber keinen Glauben an Gott gefunden. Mein Vater hatte kein Problem damit, dass ich mich nicht konfirmieren lassen wollte. Er hat auf jeden Fall nie verlangt, dass ich mich in eine Kirche stelle und ein Glaubensbekenntnis ablege, obwohl es gelogen gewesen wäre. In meinem Freundeskreis sind aber einige Christen und ein Moslem, die wirklich an Gott/ Allah glauben. Sie sehen in ihm aber nicht die EINE und strenge Autorität, der das ganze Leben untergeordnet werden muss. Sie haben sich aus den uralten Geschichten wahrscheinlich andere Sachen herausgesucht, die ihnen im Alltag irgendwie Halt geben? Hast du dich auch schon mal mit dem Hinduismus oder Buddhismus beschäftigt? Ich glaube es ist etwas ganz seltenes, dass man erst als Erwachsener einen Glauben zu Gott findet. Die meisten haben ihren Glauben wahrscheinlich als Kind von ihren Eltern übernommen.      

      29.12.2015, 19:11 von grins
    • 0

      Ja ich kenne auch nur überwiegend wunderbare und ehrbare Moslems und Christen in meinem Umfeld, sowohl im Iran als auch hier in Deutschland.


      Darum ging es mir aber nicht in den oberen Zeilen. Ich beschrieb, was die Religionen mit den Menschen anstellen und was ihr wahrer Inhalt für die Menschheit bedeutet bzw. was sie uns bisher angetan haben. Diese Tatsachen kann man nicht leugnen.

      Ja der Glaube wird meistens vererbt, deshalb ist es ja so sinnlos für einen Glauben zu kämpfen/töten oder zu sterben. Es ist doch purer Zufall, wo du geboren wirst und nur deshalb weil man dich gehirn-gewaschen hat und emotional von einer Kultur bzw. von einem Glauben abhängig gemacht hat, sollst du nun dafür töten und sterben?! 

      Das ist für mich die pure Definition von Barbarei und vom Geist der Steinzeit. Da ist nichts gutes drin vor zu finden. 

      Ja ich habe mich auch mit Buddhismus, Hinduismus und auch mit der japanischen Shintoismus bzw. der Ahnen-Ehrung der alt-chinesischen Kultur befasst. Da wir Perser ursprünglich aus Indien in die iranische Hochebene eingewandert sind und deshalb auch eine indo-europäische Sprache sprechen, sind Zarathustras Lehren ebenfalls von der indischen Kultur beeinflüsst gewesen. 

      Buddhismus hat aber auch seine Macken. Erstens stellt sich diese Religion nicht gegen das Kastenwesen in Indien und zweitens ist auch diese Religion frauenfeindich. Frauen können laut Buddha nicht ins Nirvana, ihnen fehle offenbar die spirituelle Tiefe und Kraft, um das Fleischlische zu überwinden...

      Ich habe echt keine Ahnung, was diese alten Säcke gegen Frauen gehabt haben und wieso Frauen bis heute, selbst in den "modernen" westlichen Ländern ständig unter Beschuss geraten und ihnen von vorn und hinten Beschränkungen und Nasenringe auferlegt werden... 

      Das ist mir unbegreiflich als Mann, der in einer sogenannten frauenfeindlichen Umgebung aufgewachsen ist, wobei die persische Kultur, mit der ich aufgewachsen bin, das absolute Gegenteil von dem Islam ist, der in unserem Land herrscht. Bei meinen Verwandten und Freunden haben immer noch die Frauen die Hosen an, ganz so wie es in der altpersischen Kultur üblich war und ich bin mit sehr starken und selbsständigen Frauen aufgewachsen. Meine Oma hat das Hauptgeld verdient und meine Mutter hat studiert und ist allein nach Deutschland gekommen, um hier zu arbeiten nach der Scheidung von meinem Vater.

      Für mich ist es nur selbstverständlich, dass Frauen GENAU die gleichen Rechte haben sollten, genauso viel verdienen sollten und dass sie kein bisschen weniger oder mehr Wert sind als Männer und dass man keinen Menschen aufgrund seines Geschlechts beurteilen sollte, sondern nur wegen seiner Worte und Taten. 

      Das war bei Zarathustra auch absolut klar, nur leider nicht bei 99% von anderen Religionen.

      Je schneller wir uns von den Religionen aus der Steinzeit befreien, um so leichter können wir uns eine schöne und freie Welt aufbauen. Dafür muss allerdings mehr in Bildung und Aufklärung investiert werden. Von Alleine kommt der Fortschritt nicht.

      29.12.2015, 21:51 von nuescht
    • 0

      ich weiß zwar lange nicht so viel über Religionen wie du, meine Meinung dazu ist deiner aber sehr, sehr ähnlich. Tja und mit den Nirvana, vielleicht will ich da ja gar nicht unbedingt hin? Das würde ich mir nach meinem Tod zwar ganz gern mal anschauen. Bis dahin würde ich aber lieber hier auf der Erde glücklich sein. Vielleicht sehen das die meisten Frauen ähnlich wie ich und wir verzichten lieber auf die "spirituelle Tiefe und Kraft um das Fleischliche zu überwinden"? Dann hätte Buddha das schon ganz richtig erkannt und bei uns ist Hopfen und Malz verloren ;) Das wir deshalb weniger wert sein sollen als Männer sehe ich aber nicht ein!

      Hab dieses Jahr leider keine Zeit mehr für neon. Ich wünsche dir einen guten Rutsch in ein glückliches und gesundes 2016. Ich würde mich sehr freuen nächstes Jahr wieder von dir zu lesen :-).Liebe Grüße 

      30.12.2015, 16:10 von grins
    • 0

      Nirvana ist sowas wie der Himmel beim Buddhismus. Die Alternative wäre die ewige Leere. Es gibt leider keinen Tourismus bei Religionen und du hast sowieso nie die Wahl, wohin du nach dem Leben kommst, es wird immer für dich entschieden.



      Ja ich hab glaub ich genug geklugscheißert für dieses Jahr. Wünsch dir auch einen guten Rutsch und ein tolles 2016.

      30.12.2015, 19:22 von nuescht
    • 0

      ich hoffe du bist gut angekommen im neuen Jahr. Danke für die lieben Wünsche :)

      Es wäre schon schön zu wissen wie und ob das nach dem Tod weitergeht. Mit diesem Thema befassen sich ja nicht nur die Religionen sondern auch Wissenschaftler. Ich habe zum Beispiel mal vor längerer Zeit "Blick in die Ewigkeit, die faszinierende Nahtoderfahrung eines Neurochirurgen" von Eben Alexander gelesen. Wenn man einen Menschen verliert, den man geliebt hat, sind solche Vorstellungen von einem Nirvana oder Himmel oder was auch immer eine echte Hilfe. Das Menschen an denen man sehr hängt, einfach im Nichts oder einer ewigen Leere verschwinden ist fast unerträglich. Im Moment weiß es ja wirklich niemand sicher. Warum soll es denn keine Seele geben, die nach dem Tod des Körpers weiterlebt? Als Energiewelle oder so? Das es dann einen Gott gibt, der entscheidet, wie es mit meiner Energiewelle weitergeht, glaube ich aber nicht so richtig. Vielleicht war Buddha ein Mensch mit großer Fantasie und Vorstellungskraft? Ob das aber wirklich alles so ist, konnte er wahrscheinlich auch nicht wissen.......... 

      02.01.2016, 15:47 von grins
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      War ja klar, dass du wieder nur an das Eine denkst...

      xD

      Diese Frauen, unglaublich!

      27.12.2014, 10:47 von nuescht
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Ja du bist eher Keramikbeschichtung und die ist unzerstörbar, da perlt sogar ein Diamantenschleifer dran ab. :D

      Nee Flux hinter den Ohren, der Mensch versucht schon seit Jahrtausenden so zu tun, als wäre er was besseres und nicht Teil dieser Welt, aber am Ende sind wir alle doch nur im Urschlamm, früher oder später...

      27.12.2014, 17:09 von nuescht
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Aber dann wäre ja dein schöner Kommentar hier weg und das würde mich traurig machen.

      Lass doch deinen Schizophrenen Account hier und bau dir ein neues für dich allein, dann könnt ihr euch auch gegenseitig herzen und anfreunden. ;)

      28.12.2014, 01:49 von nuescht
  • 1

    hm.
    fühlt sich echt an.
    mag ich.

    25.12.2014, 14:30 von PixelAspect
    • 0

      danke sehr! :)

      25.12.2014, 14:31 von nuescht
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  • 1

    Schön hier wieder etwas von dir zu lesen.

    Brief gefällt mir sehr, kann mich sogar ganz gut hineinversetzten. Obwohls nicht mein Thema ist ;)

    25.12.2014, 11:15 von -Maybellene-
    • 0

      Ja deswegen ist der Brief hier auf Neon, ich wollte diese Worte vielen hier auf Neon mal sagen und weiß ganz genau, dass niemand das wirklich lesen will.

      In diesem Format fühlt sich aber niemand angegriffen, das ist dann doch salonfähiger.


      Wobei, Salon ist auch nicht mein Thema so.... :p

      25.12.2014, 13:19 von nuescht
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  • 2

    Die Tiefen der Menschlichkeit verhindern in gewohnter Weise mittels plumper Pauschalisierung jegliche Tiefe in der Analyse. Irgendwie das passende Gegenstück zum Pegida-Wahn.


    Frohe Weihnachten, mein Lieber.

    24.12.2014, 16:03 von EliasRafael
    • 0

      Manchmal ist Pauschalisierung ein legitimes Mittel der Sprache, um einen Standpunkt zu verdeutlichen. Mir ist schon länger bekannt, dass jeder Mensch andersartig sein kann und manchmal auch ist, das ist hier aber nicht mein Thema. ;p

      Dir auch frohe Weihnachten und danke für´s Lesen.

      24.12.2014, 17:45 von nuescht
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