Münzränder: Hannover Gentrifizierung
... ich mag Deutsche, aber ganz ehrlich, wenn die alle so auf einem Haufen wohnen, das sieht ja wirklich nicht so schön aus.
Ich mag Hannover. Ach, ist das nicht schön? Eine Moschee mitten in Hannover?
Ihr dachtet alle das ist ein Witz? Nee.
Ich wohne ja gerade bei meiner Freundin Steffanie gegenüber der ehemaligen Marktkirche und bin heute vom Ruf des Muezzins wach geworden. Die Islamische Gemeinde in Linden-Nord hatte schon vor langer Zeit einen Antrag gestellt und nun wurde er umgesetzt, die Marktkirche heißt nun Marktmoschee. Die wenigen übriggebliebenen Christen in dieser Stadt haben sich nicht getraut zu protestieren.
Pascal, der Sohn von Steffi spricht gebrochen Deutsch, kann sich aber mühelos mit mir auf Türkisch unterhalten, er ist der einzige mit deutschen Eltern auf dem Schillergymnasium und nächsten Monat wird dort Türkisch als offizielle Schulsprache eingeführt, Pascal wird keine Schwierigkeiten haben, dem Unterricht zu folgen, da sind wir alle sehr froh.
Steffi hat ein wenig Angst, sich bald nicht mehr mit Pascal verständigen zu können, aber ich habe ihr versprochen, ihr ein wenig Türkisch beizubringen, dann versteht sie auch wieder das Fernseh- und Radioprogramm, das ja jetzt per Mehrheitsvoting ausgestrahlt wird und fühlt sich nicht mehr ganz so schlecht und einsam zu Hause. Muss ja auch meinen Beitrag zur Integration leisten.
Sie wird von den Nachbarn in Ihrer Gegend ausgeschlossen und ich habe ihr vorgeschlagen, vielleicht doch ein Kopftuch zu tragen, dann wird sie nicht sofort als deutsche erkannt, auch die rituelle Waschung habe ich ihr schon beigebracht und nächstes Jahr lassen wir Pascal beschneiden, wegen des Schwimmunterrichts.
Im Klinikum-Nordstadt und im Agnes Karl haben sie jetzt eine eigene Abteilung dafür eingerichtet und werben gerade mit Beschneidungswochen über Ostern. Auf dem Werbeplakat steht in Großbuchstaben: Eier finden leicht gemacht, Beschneidung zum Sondertarif. Die wissen mittlerweile auch, wie sie die Lobby für sich gewinnen können. Stephan Weil wird mit seiner öffentlichen Beschneidung auf dem Marktplatz den Anfang machen, um andere zu ermutigen und zu zeigen, dass es gar nicht weh tut. Zuerst hatten alle noch bedenken, ob so ein deutscher Oberbürgermeister nicht zu provokant ist, aber Hannover ist ja modern.
Das Schillergymnasium hat schon eigene Plätze reservieren lassen in vorderster Reihe, die wissen eben was gut ist. Ist ja auch Ostern und Jesus war ja auch beschnitten, back to the Roots. Herr Weil wird das ganze Geschehen außerdem auf seiner Homepage streamen und Frau Weil hält derweil Händchen. Damit es in Großaufnahme auch noch hübsch ausschaut, wird vorher noch Ostereifarbe verwendet.
Aber zurück zu Steffi.
Steffi bekommt vom Arbeitsamt vielleicht sogar einen Sprachkurs finanziert, Türkisch oder Arabisch, weil sie ja als deutsche schwer vermittelbar ist, so eine Chance, habe ich gesagt, muss man ergreifen. Und Steffi hat glücklich genickt, ja, so eine Chance muss man ergreifen.
Bis dahin, habe ich ihr bei meinem Onkel Ali im Lebensmittelmarkt einen Schwarzarbeitsjob besorgt, dort bekommt Sie 3,50 die Stunde und sie kann die hübsche Souterrain-Wohnung bei ihm im Untergeschoss beziehen, wenn sie 2 Mal die Woche das Treppenhaus putzt. Wählerisch kann man ja heutzutage als deutsche nicht mehr sein habe ich gesagt und Steffi hat stumm genickt.
Ach, die Steffi, die ist wirklich nett für ne Deutsche. Und Onkel Ali hat gesagt, er fühle sich jetzt richtig gut, Randgruppen müsse man ja fördern und an den komischen Essensgeruch in seinem Treppenhaus werde er sich schon gewöhnen können. Sie solle nur Aufpassen nicht zu oft deutsch zu sprechen, damit sein Vater, also mein Großvater sich nicht belästigt fühlt. Aber der meint dass ja nicht böse. Er wäre sogar bereit dem Pascal die Koranschule zu finanzieren, nach der Beschneidung natürlich und das ist ja wirklich großzügig von ihm.
Die wollen jetzt einige deutsche umsiedeln in andere Wohnviertel, Gentrifizierung nennt man das, das ist was ganz feines, das nützt zur Verschönerung von Siedlungen, hey, ich mag Deutsche, aber ganz ehrlich, wenn die alle so auf einem Haufen wohnen, das sieht ja wirklich nicht so schön aus. Da bringt auch die gesetzliche vorgeschriebene Höchstzahl von Gartenzwergen im Vorgarten nicht viel. So eine Gentrifizierung hatten die ja in der Nordstadt auch mal gemacht, hat ja auch gut funktioniert.
Auf der Fuhsestrasse, hab ich mir sagen lassen, steht so ein Heim leer, vielleicht kann man da ja Wohnraum für Randgruppen reaktivieren. Man muss ja helfen wo man kann und Integration ist so wichtig heutzutage.
Ich mag ja Hannover.






Kommentare
"beschneidungswoche über ostern", ich könnte schreien! und dann? fröhliche eiersuche. ideen haben die leute...
24.10.2010, 14:21 von lavish