Motten/Licht
Da wo das Licht ist, sind auch die Nachtfalter. Motten. Schnaken. Sie fliegen wie Abhängige zu den Laternen.
Verheißungsschwer senkt sich die Nacht über die Welt und malt Schatten zwischen die Häuser. Es bleibt warm. Mein Herzschlag hat sich beschleunigt seitdem die Wolken mit den letzten roten Fasern des Tages geschimmert haben. In mir fühlt es sich an, als will ich mich auf einen langen Lauf vorbereiten. Adrenalin jagt durch mich, als habe ich Großes vor.
Ich laufe mit den anderen, wir sind laut, zumindest hört es sich lauter an als bei Tag. Und überall sind kleine Lichter. Straßenlaternen,
Hausbeleuchtungen. Da wo das Licht ist, sind auch die Nachtfalter.
Motten. Schnaken. Wenn es einem schlecht geht, steht man irgendwie neben sich. Und weil nichts besser ist im Moment als das zu verbergen, um den Schmerz vor mir selbst zu verstecken, besteht die Gefahr sich zu verlieren, sich doch irgendwann in den dunklen Wolken zu verennen, trotz den tollen Menschen um einen herum und dem süßen Geschmack von Abenteuer auf der Zunge.
Ich fühle mich, wie eine von den Nachtfaltern.
Dumme kleine Motten, deren einzige Sehnsucht das Licht ist. Und wenn sie ganz nah an der Lampe sind, an dieser trügerischen Wärme, halten sie es genauso wenig aus wie ich. Sie sind nicht dafür geschaffen, so nah ans Licht zu fliegen. Trotzdem. Immer wieder. Sie sterben mit einem Zischen und fallen schwarz und verkohlt auf den kalten Boden.
Ich hab nicht gemerkt, wie ich stehengeblieben bin. Die anderen sind schon weiter vorn, mit ihrer Freude auf die Nacht und den lauten Stimmen. Ich laufe, um sie einzuholen.
Wer achtet da schon auf Motten?




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