SunFeather 27.03.2012, 15:35 Uhr 1 1

Mind the Gap

Bitte beachten Sie den Bereich zwischen Maskenball und Ehrlichkeit

Der Bahnhofs Vorplatz war wie immer vollgestellt mit einem Labyrinth aus Fahrrädern. Das Mittägliche treiben war gerade vorüber und die neuen Zeitungen wirkten im Laden irgendwie seltsam verstaubt, dem Strudel der Menschen, de ihr Gleis suchten oder einen Geliebten Menschen den sie abholen wollten war ich entflohen und stand in der Nachmittagssonne mit meiner Rucksacklast einfach da. Ich war alleine auf dem Gleis und der Zug  sollte war ausnahmsweise pünktlich, aber eben erst in einer Viertelstunde einfahren. Ich habe mich schon immer gefragt, ob nicht das Mikrofon stetig den Ansagen diesen beiläufigen nichtssagenden Tonfall beimischt, die Anzeigetafel wie von selbst zum wackeln bringt.

Die Minen der Fahrgäste wirkten alle gleich und ich fragte mich, ob ich den Menschen übersehen hatte der beim einsteigen Masken verteilt hat. Ließ man an der Tür die Heiterkeit zurück oder wurde sie von der angesagten Lücke zwischen Zug und Bahnsteig verschluckt. Und wieso haben manche vor ihr am Ende doch keine Angst und retten Kuscheltiere aus ihr?

Lächelnd ein weiteres Mal die besorgte Mine des Schaffners abgewunken, drei Wagen weiter sei doch noch Platz. Er konnte mich nicht überzeugen. Keiner konnte das, der Mittelgang war meine Heimat für diese Stunden. Ich fühlte mich hier wohl, es kam provisorischen vier Wänden gleich und keiner sozialen Büchse aus Glas. Alle Formen und Farben vertreten und doch war da noch der Unterton, der bittere Beigeschmack und der Geruch nach Grau, wie durch die Lüftung ins Abteil gebracht.

Gewürzt mit vollgestellten Mittelgängen, ruhelosen Kindern, melodischem und unmelodischem Raunen und belegten Sitzplätzen. Versalzen mit Reisegruppen, vorzugsweise mit Wein oder Sekt bepackt, ganz sicher aber dringt durch die Frischhaltefolie ein beißender Geruch von frischen Frikadellen und Keksen und zusätzlich noch der neueste Schwank aus Arbeit, Leben, Partnerschaft oder warum die kleine Emma aus der Nachbarschaft nun doch schon wieder ein neues Fahrrad hat.

Die Lehne von zwei aus zehn Plätzen streikt, ihre Art des Widerspruchs, den sie nicht beim lustlos angebotenen Kaffee mit Schweigen oder unverständlichem Gemurmel in den Bart oder die frisch übermalten Lippenstiftmünder aussprechen kann. Du wirst fast gezwungen, die gleiche Mine aufzusetzen. Du erinnerst dich an dieses eine Lied, „Es ist so egal, wo die anderen jetzt sind“ drängt es sich ins Gedächtnis und bleibt. Doch wieso schreibt dieser schlaue Kopf erneut, dass die Gruppe nur so schnell ist, wie das schwächste Glied, oder auch eine Kette nur vollständig funktioniert. Erwartungen an Fahrgäste werden mit Erfüllungen gefüttert, anfassen der Notbremse und der Tür während der Fahrt verboten. Am Ziel will man bleiben, doch zunächst eigentlich gar nicht aussteigen, denn die Masse lässt keinen Platz für dich. Masken aus Gleichgültigkeit, Stress und selten Freude drängeln und schubsen auf dich ein, lassen keinem Atemzug Raum. Da ist sie wieder, die Lücke und du nimmst die Hürde im vollen Bewusstsein, ehrlich und ohne Schein.

 

 

 

 

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Kommentare

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    Inhaltlich mag ich den Text sehr und auch die Stimmung kommt ganz rüber. Ich finde, den solltest du dir unbedingt nochmal vornehmen, weil er etwas geschliffen, wirklich gut wäre. Es sind ein paar Fehler drin, z.B. die Mine sollte Miene sein ;-) Was mir aufgefallen ist, auch bei deinen anderen Texten, ist dass du gerne mal Gedankensprünge machst, die es dem Leser etwas schwer machen. Wenn man weiterliest, erklärt es sich zwar immer, aber man muss sich schon relativ konzentrieren und es lässt sich dadurch nicht flüssig lesen. Ein bisschen liegt das aber auch an den teilweise ungewöhnlichen Satzstellungen, die ich aber trotzdem gut finde, weil sie den Text "anders" machen und konsequent durch den ganzen Text gehen. Du hast übrigens auch einen Wechsel in der Perspektive (von "ich" zu "du"). Also alles nur meine bescheidende Meinung ;-)

    05.01.2013, 10:51 von Mrs.McH
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