DonTimon 14.11.2012, 00:16 Uhr 45 1

Menschenfeind.

Eine Hasstirade auf die Menschheit und mich.

Hank hates you all. Und ich tue das auch. Ich verabscheue die Menschheit. Je mehr ich mich mit Menschen und ihrem pervertierten Konstrukt einer Gesellschaftsstruktur beschäftige, also probiere über den Tellerrand hinaus zu schauen, desto mehr schürt das meinen Hass. Hinter jedem Schein steckt ein Trug, hinter jedem Dr. Jekyll ein Mr. Hyde und jede noch so gute Idee scheitert doch letztlich am Menschen.


Sei es das alljährliche Stürzen von durch Westmächte eingesetzten und ausgerüsteten Tyrannen unter Inkaufnahme zahlreicher Zivilistenopfer oder auch nur die Tatsache, dass deutsche Kleiderspenden den afrikanischen Markt überfluten und die dortige Textilindustrie zerstören, während Firmen mit passenden Namen wie Profittex daran Millionen verdienen. Ich bin mir sicher, ich verstehe nicht einmal einen Bruchteil dessen, was in dieser Welt vor sich geht. Und alle sehen zu. Der Mensch verdient es gehasst zu werden, einschließlich mir. Die Welt könnte so schön sein ohne uns. Eben das ist der Grund, warum ich die Menschheit für ihre Naivität und Leichtgläubigkeit verabscheue. Daher stellt sich bei mir regelmäßig ein Würgereiz ein, wenn ich die verbalen Ausdünstungen besagter Mitmenschen hören oder lesen muss. Und vielleicht kratzt bei dir nun auch schon die Galle am Gaumen. Na dann: Willkommen auf der dunklen Seite der Macht! 

Ich lebe in einer Stadt, die man wohl als Zentrale des schwarzen Kanals betrachten kann. Eine Stadt, die mich hasst und die ich hasse – und dafür liebe, dass ich sie hassen darf, weil weder ich zu ihr noch sie zu mir passt. In jedem Fall treibt sie Menschen wie mich zur Provokation anderer, zwangsläufig eckt man an. Ich habe nicht mitgezählt wie oft das vorkommt, aber was ich zählen konnte, war der Wein, der in den letzten Tagen in meinem Gesicht gelandet ist. Weißer geschüttet und roter gespuckt. Damit bin ich wohl an einem Punkt angelangt, an dem sich die meisten fragen würden: “Was mache ich falsch?” Mich hingegen wundert das überhaupt nicht.

Stattdessen kann ich wenige Tage später vergnügt die in einer Gruppennachricht via Social Network halbveröffentlichte Einschätzung meiner Person lesen. Demnach darf ich stolz verkünden, dass sich mein Wesen wie folgt beschreiben lässt: 

Was glaubst du eig wer du bist, würstchen? Wenn es je in deinem leben mal zur notwendigkeit von kondomen gekommen wär, dann müsste man dir gratulieren. Aber XXS- kondome müssten eigens für dich hergestellt werden. Als allererstes solltest du mal darüber nachdenken, ob die liga in der du gerade spielst, nicht ne nummer zu groß für dich ist. Du bildest dir ein, du seist ein ganz großer, dabei kannst du mir nur leid tun. Dein geltungsbedüfnis ist kaum zum aushalten und deine selbstwahrnehmung hat nichts mehr mit realität zu tun!!! Vllt sparst du dir in zukunft mal deine eckeligen kommentare gegenüber mir und meinen freunden. 

Da bin ich doch noch ganz gut weggekommen. Vermutlich ließen sich damit sogar noch ein paar Dates auf Akademiker.de abstauben. Ich entschließe mich dieses Manifest der Selbstprojektion dennoch durchzuarbeiten. Das offensichtliche Problem der Person mit Jungfräulichkeit ungeachtet, widme ich mich dem wohl wichtigsten Punkt der Liste und tippe bei Google “xxs kondome” ein. Na, das nenne ich mal Minderheitenschutz. 
Tatsächlich hat sich damit auch schon der spannendste Teil erledigt. Während ich mein Geltungsbedürfnis und die Nachricht unkommentiert mit einem Klick auf das X beende, wundere ich mich, dass ich darüber weder lachen noch weinen muss. Es berührt mich schlicht nicht. Entweder besitze ich überhaupt kein Geltungsbedürfnis oder ebendiesem ist bewusst, dass meine Geltung bei anderen nicht von derartigen Oberflächlichkeiten abhängt. Leute, die mich besser kennen sind noch immer meine Freunde und auch auf einer Party bei der mehr Wein auf meinem Körper als darin gelandet ist, gibt es noch immer ein Mädchen, das mich freiwillig küsst oder Arm in Arm mit mir einschläft. Jemand zu sein, der polarisierend auf sein Umfeld wirkt, ist mir immernoch lieber als jemand, der es allen recht machen möchte. 
Ich verbringe die nächsten zwei Minuten damit, mir Gedanken darüber zu machen, ob ich mir Gedanken darüber machen sollte, mir Gedanken über meine Selbstwahrnehmung zu machen. Leider komme ich zu dem Schluss, meine übersteigerte Selbstwahrnehmung ließe derartige Selbstreflexion überhaupt nicht zu. Zudem besteht noch immer ein gewaltiger Unterschied zwischen Fremdwirkung, dargestellter Selbstwahrnehmung und tatsächlicher Selbstwahrnehmung. Niemand fremdes kann überhaupt Aussagen über die eigene Wahrnehmung treffen. Zu guter Letzt kann und wird Selbstwahrnehmung niemals etwas mit Realität zu tun haben. Und was ist schon Realität? 

Was am Ende des Tages bleibt ist trotzdem eine Erkenntnis:

Wein im Auge brennt und wenn du der Welt einen Spiegel vorhältst, wird manchen gefallen, was sie sehen – den meisten nicht. 

Sincerely

Würstchen 

P.S.: Sollte jemand da draußen mich wirklich hassen, sei beruhigt. Ich tue es auch!


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45 Antworten

Kommentare

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    Mit Weltschmerz habe ich es auch mal probiert. Ich glaube, auf Neon wird dir hier kaum einer zuhören, weil man gerade die Schmerzen dieser Welt in die gleichnamige dort hinausrufen möchte. Leider kackt dann der Text auch wieder ab dem Punkt ab, als es um die eigene Befindlichkeit geht. Naja...

    15.11.2012, 14:33 von marco_frohberger
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    Ich verstehs schlicht nicht.

    Alle doof, blöder Kommentar und dann zieht man sich über Tage daran hoch?
    Und was hat dieses so tun als wäre es einem egal, mit dem ersten Absatz zu tun?

    Bin ich da zu simpel gestrickt?

    14.11.2012, 13:16 von FrauKopf
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    Hat jemand nen Grill parat?

    14.11.2012, 12:42 von quatzat
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      Eigentlich war es weniger ein Aufregen, denn "Es berührt mich schlicht nicht.", sondern mehr der Versuch einer Beleidigung etwas wahres und wirklich wertvolles abzugewinnen. Und vielleicht behält die Autorin in punkto Selbstwahrnehmung doch recht?

      14.11.2012, 12:38 von DonTimon
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      Nichts verpasst, kein Löschtier.

      14.11.2012, 12:48 von DonTimon
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      Stimmt ganz genau!

      14.11.2012, 12:33 von DonTimon
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      Du hast recht....die Photos sind echt der Hammer...da werden sich die neon Groupies mit unglücklichem Herz drauf stürzen.
      Ansonsten finde ich das ein lobenswertes Projekt.

      14.11.2012, 09:57 von cosmokatze
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      trotzdem...irgendwo steckt im Text ein bißchen Autobiographie drin...

      14.11.2012, 10:03 von cosmokatze
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      Genau Mrs., warum eigentlich nicht ?

      14.11.2012, 10:09 von cosmokatze
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    • 0

      Ja mit der Autobiographie ist das ja immer so eine Sache. Etwas muss drin stecken, aber wieviel?


      Interessant auf jeden Fall, das der Text hier in den Kommentaren die gleichen Reaktionen auslöst, die er zuvor beschreibt und sich dafür schon selbst verurteilt.

      14.11.2012, 12:42 von DonTimon
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    • 0

      Tut mir leid, dass ich beim Tippen ein s verschlungen habe! ;)

      14.11.2012, 13:11 von DonTimon
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    »Niemand fremdes kann überhaupt Aussagen über die eigene Wahrnehmung treffen.«

    Doch. Es gibt teile der 'Selbswahrnehmung', die dein Selbstbild formen, ohne, daß du dir dessen bewusst bist. Das können nur andere artikulieren.
    Auch wenn das jetzt a bissl paradox klingt...

    14.11.2012, 09:08 von sailor
    • 0

      Ich glaube, das musst du mir genauer erklären.

      14.11.2012, 12:45 von DonTimon
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      Du blendest Aspekte deines Selbst aus, weil sie dir nicht passen. Trotzdem sind sie da und Teil deiner Persöhnlichkeit. Diesem blinden Fleck der Selbstwahrnehmung kannst kannst du nur näher kommen, indem du dich mit anderen (die diese Aspekte sehr wohl wahrnehmen) austauschst (falls du das möchtest).
      Damit vervollständigen andere das Bild deines Selbst. Und sie treffen Aussagen, die dir in deiner Selbstwahrnehmung weiterhelfen.

      14.11.2012, 19:00 von sailor
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      "Und sie treffen Aussagen, die dir in deiner Selbstwahrnehmung weiterhelfen."


      Genau, aber nicht unmittelbar über meine Selbstwahrnehmung. Auch wenn ich mir meiner Fremdwirkung und damit evtl. meinem blinden Fleck bewusst bin, bleibt dieser bestehen.

      (Ich habe mich dazu entschieden, genauere Ausführungen über die Trennung von Fremdwirkung und Selbstwahrnehmung sowie dem Selbstbild als Konstrukt der Identitätsstiftung des Ichs zu unterlassen. vgl. Lacan)

      14.11.2012, 20:33 von DonTimon
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      Bisste dir ja nicht bewusst, weil die Fremdwirkung ja wiederum in den Köpfen der anderen ist.

      Das sehen wir mal wieder: Es geht nur gemeinsam.

      :)



      14.11.2012, 20:41 von sailor
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    Und Du glaubst, Du kannst es ihr heimzahlen, indem Du Deine Einschätzung ihrerseits hier online stellst ?

    Die Alte hat Dich echt erwischt, was ?

    14.11.2012, 08:52 von cosmokatze
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    • 1

      Allerdings nach dem Einwand der Mrs' oben, muß ich davon ein bißchen Abstand nehmen.

      14.11.2012, 09:58 von cosmokatze
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