Sebush 27.07.2006, 19:45 Uhr 72 35

Meine Freundin ist mein Besitz

Die Sparkasse findet, dass Frauen hauptsächlich Statussymbole und Anhängsel sind. Wie krass! Bis wir Gleichberechtigung haben, ist der Weg noch lang.

Auf Seite 17 der August-Neon ist sie abgedruckt – die frauenfeindlichste Werbung, die ich seit Jahren gesehen habe. Zu sehen sind drei Fotos eines jungen Mannes im Polo Ralph Lauren-Look. Stolz präsentiert er neben seinem für Normalmittzwanziger unbezahlbaren 50er Jahre Cabrio und seinem Surfbrett („mein Boot“) seine Maus, womit er offenbar seine Freundin meint. Als ich die Anzeige das erste Mal sah, konnte ich es kaum fassen: Seine Freundin wird als sein Besitz präsentiert und durch den Kosenamen „Maus“ zusätzlich zum Anhängsel degradiert. Dagegen wirkt eine beliebige Waschmittelwerbung wie ein Fanal zur Selbstständigkeit der Frau.

Zwei Sachen macht diese Werbung deutlich: Erstens sitzen in der Marketingabteilung der Sparkasse offenbar einige erschreckend weltfremde Menschen. Und zweitens liegt in Sachen Gleichberechtigung bei uns noch einiges im Argen. Und zwar sowohl beruflich, als auch sexuell.

Die Statistiken sind den meisten bekannt – Frauen werden am Arbeitsmarkt fast überall noch immer systematisch benachteiligt. Das Gehalt typischer Frauenberufe wie Krankenpfleger und Kindergärtner ist deutlich geringer als das typischer Männerdomänen wie Bauarbeitern oder Müllmännern. Schon das ist nicht fair, denn ich würde vermuten, dass der Anspruch an erstere Berufsgruppe deutlich höher ist als an die genannten Männerjobs.

Hinzu kommt, dass in vielen Fällen auch noch immer Frauen für dieselben Jobs weniger Gehalt bekommen als Männer. Das ist zwar illegal, aber wer will schon seinen Arbeitgeber verklagen? Vor allem, da die Union erfolgreich die Möglichkeit einer Gemeinschaftsklage im Antidiskriminierungsgesetz verhindert hat.

Die Wahrnehmung der meisten Leute ist: Gleichberechtigung schreitet voran, wir haben eine Kanzlerin, die Zeit heilt alle Wunden. Wir müssen nichts tun, es wird schon von selbst besser. Und ja: Die Frauenerwerbsquote ist heute höher denn je. Doch die Struktur der Arbeitsplätze hat sich verändert: Seit 1991 haben zwar 1,8 Millionen Frauen mehr einen Teilzeitjob, dafür sind 1,6 Vollzeitarbeitsstellen verloren gegangen. Das liegt natürlich auch an der schlechteren wirtschaftlichen Lage. Aber eben nur: Auch.

Noch krasser wird die Verteilung, wenn Kinder im Spiel sind – dann arbeitet kaum noch eine Frau Vollzeit. Der Anteil an voll arbeitenden Männern dagegen nimmt sogar noch zu, wenn Nachwuchs da ist.

Ein anderer Bereich der Diskriminierung und der Sex. Ich habe mal eine interessante Statistik gelesen. Wenn man heterosexuelle Frauen und Männer nach der Anzahl ihrer Sexualpartner fragt, geben Frauen im Durchschnitt eine deutlich geringere Zahl an als Männer. Da muss also offenbar jemand lügen. Das nur auf den ersten Blick überraschende Ergebnis der Analyse war, dass Männer meist ehrlich sind und Frauen systematisch untertreiben.

Warum das so ist, ist klar. Ein Mann wird von seinen Geschlechtsgenossen bewundert, wenn er viele Partnerinnen hatte und von Frauen zumindest nicht besonders negativ gesehen. Bei Frauen ist das anders – sie gelten als Schlampen und zwar bei beiden Geschlechtern. Und was ist das für eine Ungerechtigkeit? Ich habe das Gefühl, dass dieses Phänomen in Deutschland besonders ausgeprägt ist. Zumindest erscheint mir in England, wo ich derzeit lebe, sexuell offensives Verhalten von Frauen deutlich akzeptierter.

Ähnlich verhält es sich mit homosexuellen Frauen. Während schwule Parteichefs und Oberbürgermeister inzwischen problemlos akzeptiert sind, dürften die Gerüchte über Annette Schavans sexuelle Vorlieben ihr die Chancen auf das Amt der Ministerpräsidentin in Baden-Würtemberg gekostet haben.

Die Frage ist: Wer ist schuld? Warum gibt es in Skandinavien, Großbritannien und den USA deutlich mehr Chancengerechtigkeit als bei uns? Die naheliegendste Antwort ist: Die Männer. Und ganz falsch ist das ja auch nicht. Wir könnten uns ja auch sagen, dass es uns egal ist, wie viele Partner die eigene Freundin vor einem hatte. Wir könnten es akzeptieren, wenn unsere Partnerinnen genauso viel verdienen oder sogar noch mehr. Dass viele das nicht tun, zeigen die meisten Umfragen.

Vieles liegt aber auch gesamtgesellschaftlich im Argen. Es sind ja nicht zuletzt auch Frauen, die über „Schlampen“ herziehen. Und auch eher Frauen, die Vollzeit arbeitende Mütter als Rabenmütter sehen. Auch der soziale Druck auf Männer ist nicht zu unterschätzen. Ein Mann, der für seine Kinder Teilzeit arbeitet, wird schnell nicht mehr ganz ernst genommen.

Ein weiteres Hindernis: Feminismus hat in Deutschland einen ausnehmend schlechten Ruf. Kaum eine Frau würde heute von sich sagen, sie wäre Feministin. Denn das klingt nach Männerhass und unrasierten Achseln. Einige Feministinnen haben in den 70ern und 80ern natürlich das ihre zu diesem Bild beigetragen. Hinzu kommen aber vor allem Medienstereotype. Und das ist ein Problem – es ist für moderne Frauen schwer, die Probleme klar zu artikulieren, ohne gleich als Feministin verschrien zu werden. Und wenn Probleme nicht richtig artikuliert werden, werden sie schnell übersehen.

Und zuletzt haben wir auch noch ein Strukturproblem. Das Ehegattensplitting sorgt dafür, dass es sich oft nicht lohnt, wenn mehr als ein Ehepartner voll verdient. Und bei den derzeitigen Verhältnissen ist es fast immer die Frau, die dann lieber Zuhause bleibt.

Was also ändern? Das Ehegattensplitting sollte abgeschafft und durch drastisch ausgeweitete Betreuungsangebote ersetzt werden. Daneben müssen wir vor allem Umdenken. Geschlechtergerechtigkeit ist kein automatischer Prozess, er muss im Gegenteil bewusst gegangen werden. Vielleicht werde ich das auch mal bei meinem nächsten Sparkassenbesuch erwähnen.

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72 Antworten

Kommentare

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    Ein Mann wird von seinen Geschlechtsgenossen bewundert, wenn er viele Partnerinnen hatte und von Frauen zumindest nicht besonders negativ gesehen. Bei Frauen ist das anders – sie gelten als Schlampen und zwar bei beiden Geschlechtern. Und was ist das für eine Ungerechtigkeit?

    Ich habe da mal eine interessante Theorie gehoert... ein Schluessel der viele Schloesser oeffnet ist gut, ein Masterschluessel, ein Zentralschluessel.
    Aber ein Schloss, dass sich von vielen Schluesseln oeffnen laesst, ist ein mieses Schloss.
    Aus diesem Grund sind Frauen eben die Schlampen. Aber ich finde das Ganze ziemlich ...geistig beschraenkt.

    Ansonsten hast du vollkommen Recht, Frauen werden in Berufstechnischen Sachen immer diskriminiert, weil sie von Natur aus eben schwanger werden koennen. Geschaeftsfuehrer, die nach diesem Kriterium entscheiden, denen sollte man was ganz gewisses entfernen mit den Worten 'hiermit ist die Chance kleiner, dass ihre Angestellte schwanger wird' :D

    17.02.2011, 23:27 von -Shushu-
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    übrigens gibt es auch in Skandinavien Beschwerden. Eine Autorin aus Stockholm (Maria Sveland) hat ein Buch geschrieben mit dem Titel "Bitterfotze". Es beschreibt die Situation in Schweden und, dass auch hier nicht alles perfekt ist.

    09.04.2009, 08:41 von Nyckelpiga
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    Toller Artikel... Aber WO ist nun DEIN Problem !??
    Ratlos : Alexander....

    16.05.2008, 20:05 von Alexander13
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    noch nie einen so schlechten, undurchdachten, in klischee sich wälzenden und schlecht recherchierten beitrag gelesen. irgendwelche statistiken aufzuzählen macht kein gutes argument, gegen alles gibt es gegenstatistiken. nützlicher wäre es statisken zu hinter fragen und deren gründe aufzuführen, wurde nicht gemacht.
    zum thema diskriminierungen in der sexualität würde es einiges bringen, sich mit der biologie in diesem bereich zu befassen, dann würde verhindert werden, falsche aussagen als die warhheit zu interpretieren.

    das es immer noch so viele menschen gibt, die eine eine nicht erreichte emanzipation glauben, und die gründe für gewisse sachen nicht woanders suchen ist arm und spiegelt einen großteil der bevölkerung wieder.
    engstirnig an der oberfläche kratzen anstatt die wahren gründe herauszufinden ist einfacher und verträglicher..leider so nicht richtig. das ist das gleiche wie mit dem BILD-lesen.
    in deutschland herrscht eine chancengleichheit, alles andere ist inkorrekt und genauso war wie die these, dass ausländer den deutschen die arbeitsplätze wegnehmen..naja wer's glaubt..

    chancengleichheit ist NICHT gleichmacherei!!!

    27.08.2007, 10:11 von janthekillaaah
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    sehr guter text.
    gut begründet, argumente differenziert aufgeführt.
    quellen wären schön.

    13.08.2007, 16:04 von SinaOlsson
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    ...was ist denn gegen das "hausmütterchen" zu sagen??
    ich glaube das problem liegt eher dabei, dass u.a. dieser "job" unterbwertet ist, sonst würden nicht so abfällige kommentare fallen...

    06.06.2007, 12:33 von janthekillaaah
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    tjaja. ich als angehende frau kann dir zwar zustimmen, muss aber sagen, dass die frauen da selbst ran müssen. wer emazipiert und gleichberechtigt sein will, der muss dafür was tun. wer sich als hausmütterchen wohl fühlt, dem sei´s gegönnt.

    01.06.2007, 13:25 von enfant.terrible
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    @ktty - find ich aber witzig, dass uns anscheinend die selben artikel interessieren ;)

    HIER IST WAS ECHT DISKRIMINIERENDES:
    Die neue DMAX Werbung, der Claim - man staune:

    "Fernsehen für die tollsten Menschen der Welt: MÄNNER"

    ...und dabei war dmax einer meiner lieblingssender ;(

    04.04.2007, 17:56 von Wolkenschaf
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    klasse. vielen dank!
    und wenn der artikel von einer frau geschrieben worden waere, dann haette es wieder geheissen "ach die frauen machen aber auch aus allem nen elefanten und muessen auf allem ewig runhacken"
    danke!
    und ps: darf ich dich heiraten :)

    28.03.2007, 09:21 von ktty
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