Meerjungfrau auf hohen Hacken
Ein Land, das viele gerade mal auf der Landkarte benennen können. Korea. Wer will da schon hin? Ein wirkliches Urlaubsland ist es ja nicht.
Mit Korea verbindet man intuitiv die Teilung am 38.Breitengrad in einen kommunistischen Staat im Norden und einen demokratischen Staat im Süden. Nordkorea mit dem Diktator Kim Jong Il, der so klein ist, dass er Plateauschuhe trägt, sich die Haare toupiert und grundsätzlich nur von unten fotografiert werden möchte.
Nordkorea, das gerade in letzter Zeit vermehrt durch Atomtests auffiel, um den Westen der Welt zu provozieren.
Südkorea verbinden wir höchstens mit der Fußballweltmeisterschaft 2002 und selbst dann denken wir automatisch an Japan, das auch Gastgeber war. Ja, das fällt uns spontan zu Korea ein. Nicht viel würde ich sagen.
Und dabei ist Südkorea so facettenreich. Seoul mit seinen knapp elf Millionen Einwohnern so aufregend und Jeju-do, die Hochzeitsinsel im Pazifik so verwunschen.
Gegen acht Uhr gleicht die Metro einer Knoblauchanbauzone. Knoblauch gilt dort als Heilpflanze. In Deutschland wurde das berühmte Lauchgewächs 1989 zur Arzneipflanze des Jahres gewählt, scheint aber so, als würden wir diesem Gebilde nicht ganz so viel Aufmerksamkeit schenken, wie die "Flachnasen" da drüben.
Es stinkt fürchterlich. Aber wir sind hier in einem asiatischen Land, in einem Land, in dem noch viel Wert auf Gesundheit, Geist und Natur gelegt wird. Ein Land, das sich trotz vieler Fast Food Ketten der westlichen Welt nicht in jeder Hinsicht angenommen hat.
In eine Bahn passt etwa die gefühlte Gesamtpopulation Seouls. Alles schwitzt bei einer Luftfeuchtigkeit von 90% im August. Dass die Asiaten klein sind, ist hinlänglich bekannt, dass aber alle Mädchen ab 12 hohe Hacken tragen und mir trotzdem nur bis zur Schulter reichen, war mir nicht ganz bewusst. Ich trage Shorts, ein labbriges T-Shirt und Flip Flops. Die Mädels gegenüber, neben und unter mir tragen knappe Kleider, lange Ketten. Ihre tiefschwarzen Haare sind geglättet, ihre Handtaschen gleichen einem Überseekoffer. Dank meiner Größe bin ich klar im Vorteil. Meine Nase steckt nicht unter verschwitzten Achseln. Sie atmet die leicht abgestandene Luft, die unter der Decke hängt, ein. Eine Melodie ertönt. Nichts Besonderes zwischen diesen fanatischen Handybesitzern. Mit ihrem ganzen Stolz können sie nicht nur telefonieren, sondern natürlich auch Fern sehen. Um mich herum also nicht nur aufgebrezelte Zwerge, sondern auch Medienverrückte Hühner (und Hähne) mit einem kleinen Bildschirm vor der Nase, den Steckern im Ohr und dem starren Gesichtsausdruck.
Emotionen sind hier nicht so üblich. Wieder eine Melodie. Diesmal eine andere. Puh, ich bin da. Ich scheine nicht die Einzige zu sein, die hier raus will. Also drücken und quetschen und schieben wir uns alle aus der Bahn heraus, den kleinen Weg zur Treppe entlang, vorbei an vier Milliarden Handy- und Schuhständen und schließlich die Stufen hoch, die mich auf Tageslicht und unverbrauchte Luft hoffen lassen.
Tageslicht bekomm? ich zwar zu Gesicht, aber das mit der Luft...naja. Es ist einfach diese beißende, stehende Hitze, die mich so verrückt macht. Zu allem Überfluss noch die vielen Autos, die den Smog perfekt machen.
Ich renne erstmal in den nächsten Laden. Scheint etwas Amerikanisches zu sein, steht "Coffee" an der Tür. Wunderbar, scheint ja doch jemand Englisch sprechen zu können. Aber auch hier wurde ich eines Besseren belehrt, dank Gebärden und dank meines Reiseführers, in dem ein kleines "Erste-Hilfe-Vokabular" zu finden ist, bin ich nach einer halben Stunde stolzer Besitzer eines exotischen Eisgetränks und eines Muffins. Fette Beute. Erleichtert lasse ich mich in so
einen abgefahrenen Plüschsessel plumpsen, schlürfe meinen Drink und wünsche mir, mir einen heißen Kakao bestellt zu haben. Die super Turbo Klimaanlage pustet mir einen Wind mit Minustemperaturen um die Ohren. Naja wenn ich hier mal nicht krank werde. Ich packe meine Tasche und stürme nach draußen. Eine Hitzewelle begrüßt mich. Mir doch egal. Ich habe mein Eisgetränk. Frohen Mutes will ich die Welt der Mode erkunden und suche verzweifelt nach typisch koreanischen Lädchen. Was ich auf Seouls Einkaufsstraße No.1 finde, sind Läden, die jeder kennt, die keiner mehr sehen will.
In meinem Reiseführer steht was von "Underground-shopping". Underground. Was soll das sein? Die können doch nicht diese verwinkelten, etwa 1 Meter breiten Wege unter der Erde meinen? Doch, die meinen sie. Bei uns würde man das "Unterführung" nennen. In Korea ist es das Shopping Paradies. Dass es hier nur Schuhe bis zur Monstergröße 37 gibt und ich nicht einmal mein A Körbchen in diese engen Oberteile gequetscht kriege, hätte ich ja nicht wissen können. Jetzt fühle ich mich irgendwie dick, groß. Wie ein deutscher Trampel. Kein Wunder, dass mich hier alle verdutzt angucken. Blond bin ich auch noch. Einer hat mir schon an den Haaren gezogen. Wollte mir doch glatt ein Haar ausrupfen dieser Mensch. Sind denn alle hier so komisch?
Am Abend bin ich bei einem Mädchen, Minhae, eingeladen. Sie wohnt in Suwon und ich habe sie bei einem Austausch vor ein paar Jahren kennengelernt habe. Gut, dass wir in Kontakt geblieben sind. Sie kann wenigstens Englisch. Da war ich nun also und habe ein traditionelles Korea erlebt. Ein Korea mit Gastfreundlichen Menschen, einem Abendessen auf dem Boden und sprechenden Bildschirmen an allen Wänden. Toll war dieser Abend wahrhaftig!
Nach einer Nacht, die ich auf dem Boden verbracht habe, ganz traditionell, hatte ich mir schon ein bisschen weniger kulturelles Interesse meinerseits gewünscht.
Zurück in Seoul wurde ich mir dann erst der ganzen Paläste bewusst. Paläste, die auf das Korea als asiatisches Königreich hindeuten, auf Reichtum und Macht, stehen inmitten von Wohnhäuseranlagen mit einem 20 Etagen Minimum. Man fühlt sich wie in eine andere Zeit versetzt; Die Gegenwart ist irgendwie weg. Die Vergangenheit und die Zukunft sind zugleich präsent. Aus meinen Träumen werde ich gerissen, als die Busse mit Tempo 1000 an mir vorbeizischen und ich eine Horde Polizisten mit gefährlich großen Schlagstöcken auf mich zu rennen sehe. Als sie mir näher kommen, bleiben sie verdutzt stehen. So einen außerirdischen, blonden Riesen, mit überdimensional großen Füßen haben sie wohl noch nicht gesehen. In diesem Moment merke ich, dass ich mich auf Seouls wenigen Grünflächen befinde. Dass dies allerdings verboten ist, wurde mir erst nach Lesen des Kapitels "Dos and Don?ts" in meinem Reiseführer bewusst. Ich renne weg. Die Bullen laufen mir eh nicht hinterher, die haben so kurze Beine; Ich gewinne.
Nach zwei Wochen Stadt-"urlaub" und Power Sightseeing buche ich einen Flug, der mich zu Südkoreas Honeymoon Insel "Jeju-do" bringen soll. Was mich dort erwartet, haut mich völlig aus den Latschen. Nicht, dass es hier legal betretbare Grünflächen, Schuhe in Größe 40 oder vernünftige Betten gäbe, nein das nicht, dafür gibt es hier wunderschöne Strände, Dschungelartige Wälder, Palmen, Sonne und verliebte Menschen, OHNE Handys. Es herrscht eine sonderbare Ruhe, es fahren nur halb so viele Autos, das Meer rauscht, es wütet, und die Palmen schwingen. Jeju-do mit seinen Meerjungfrauen, sogenannte Haenyeos, die zwar nicht so wunderschön wie Arielle und auch nicht halb Mensch, halb Fisch sind. Allerdings verkörpern sie Gelassenheit, eine Art von Lebensstil, wie sie mir in der Großstadt völlig verschlossen geblieben ist. Da tauchen sie nun, die 60 jährigen Schlitzaugen-Omis und bringen Meeresfrüchte an die Wasseroberfläche.
Es ist mein letzter Abend, ich esse Oktopus. Lebenden Oktopus. Die Herausforderung hierbei ist es, die Stücke schnell herunter zu schlucken, sonst saugen sich die Beinchen an der Mundhöhle fest, im schlimmsten Fall erstickt man dran. Zum Nachtisch gibt es Ingwerwurzelsaft und getrockneten Fisch zum Drauf rum beißen.
In meinem Reiseführer hake ich den letzten "Unbedingt angucken/machen/tun- Punkt" ab und bin traurig darüber, morgen wieder nach Hause fliegen zu müssen.
Meinen Retter und einzigen Freund, der Reiseführer, gab es übrigens nur auf Englisch. Wer will auch schon nach Korea?
Ein Handbuch für Nordkorea hätte es auf Deutsch gegeben.





Kommentare
Hört sich wahnsinnig interessant an!! Ich liebe Asie und werde es sicher auch eines Tages nach Korea schaffen.
11.06.2010, 19:59 von SonnenTaenzerguter Text
@[Benutzer gelöscht] blond und immer ein wenig was zu meckern...:)
09.12.2009, 22:05 von Lillihirschwas zusammen gehoert,sollte man nicht trennen =)
09.12.2009, 16:52 von frl_smillaLonely Planet ist doch NIE auf deutsch, oder?
@frl_smilla Doch...hab den LP Kroatien hier rumstehen. Auf deutsch.
09.12.2009, 16:59 von AnnaEcke@AnnaEcke Ok, danke.
10.12.2009, 10:16 von frl_smillaGut, dann zum Text:
Langweilig.
Klingt für mich nach "Autorin am Freitag Abend allein Zuhause, gelangweilt von Fernsehprogramm, entschließt sich, Text zu schreiben, in dem sie unbedingt betonen muss, dass sie in Korea war."
Ich finde Reiseberichte immer hart schwer, weniger ist da meist mehr.
Lieber nur eine Situation herauspicken, die dann aber bitte schön detailreich.
Ach, jetzt werd ich auch noch konstruktiv.
Mist, davon werde ich von neon nicht bezahlt.
Seid doch bitte so nett und lest nach "in Korea war." nicht weiter!
Danke!
"Die Herausforderung hierbei ist es, die Stücke schnell herunter zu schlucken, sonst saugen sich die Beinchen an der Mundhöhle fest, im schlimmsten Fall erstickt man dran."
09.12.2009, 16:20 von NivXmeine güte!
Der Reisebericht besteht praktisch nur aus sehr abwertenden Klischees. Ich stimme Dunnagh zu.
09.12.2009, 15:46 von Velvette44Danke für's Mitnehmen auf die Reise ... ein paar Minuten mal gedanklich nach Südkorea.
09.12.2009, 12:15 von CyroKlischees hin oder her, es ist schön geschrieben.
@Cyro Danke Cyro:)
09.12.2009, 19:29 von Lillihirschich muss dir/ euch recht geben: Es werden viele Klischees bedient (und übertroffen) ; aber das ist doch auch das, was so aufregend sein kann.
Man hat gewisse Vorstellungen, Erwartungen (Vorurteile?!), die einen auf der einen Seite einnehmen können, auf der anderen Seite ein gewisses Wohlsein bescheren können, in einem Land, das einem zunächst so völlig fremd erscheint.
Komischer Reisebericht. Da steht jetzt nichts drin, was ich in meinem Kopf nicht in irgendeiner Klischeekiste eh gewusst hätte.
09.12.2009, 12:00 von DunnaghIm übrigen ist mir noch der Koreakrieg eingefallen ganz am Anfang des Textes. Aber das ist auch schon lang her.
@Dunnagh Na ja .. ich frage mich immer was für Klischees in Deutschland immer gern bedient werden. Man müsste mal einen koreanischen Touristen fragen ... ob er wann von Weißwurst, Kuckucksuhren, Oktoberfest und Lederhosen berichtet, von Sauerkraut, von Fachwerkhäusern, und, falls Sehenswürdigkeiten abgeklappert werden, von Schlössern und vielleicht dem Kölner Dom.
09.12.2009, 12:19 von CyroOho, Korea... lustige Geschichte so als Alien in Korea;-)! Aber lebenden Oktopus essen, das wär mir zuviel der Völkerverständigung, aber vielleicht würd ich mit mit meinen gut 1,70 m endlich mal groß vorkommen, ein Grund hinzufliegen;-)!
09.12.2009, 11:45 von FAZPS: Es heißt 'smog' nicht smok, zusammengesetzt aus smoke und fog, um noch ein wenig klugzuscheißen;-)!