Borussia 26.06.2007, 15:52 Uhr 0 0

Mal was ganz Banales: Das Wetter

oder: Wie der diesjährige Siebenschläfer in mir die Hoffnung auf einen erträglichen Sommer nährt.

Mehr denn je fällt mir dieser Tage auf, dass meine Mitmenschen mit ihren Ansichten über "schönes Wetter" und "Sch...wetter" meilenweit von mir entfernt sind. "Schönes Wetter" bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch: Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, was die Ozonschicht hergibt, es ist so warm, dass man sich alle Klamotten vom Leib reißen kann. Bei Wetterprognosen wie "auch die nächsten Tage strahlt die Sonne vom Himmel, kein Wölkchen trübt das Sommervergnügen" strahlen meine Kollegen mit der Sonne um die Wette, es wird großflächig gebräunte Haut zur Schau getragen, "so könnte es von mir aus das ganze Jahr sein" hört man allenthalben.

Was für ein Alptraum. Wenn die Wettervorhersage mehr als 25 Grad in Aussicht stellt, befällt mich Panik. Andere mögen dabei an laue Biergartennächte, nackt sonnen im Park und Wochenenden an der Ostsee denken - mich überkommen dabei beklemmende Gedanken an schwitzende Menschen in der S-Bahn, die nichts von der Existenz von Deo wissen, an mit Hitze aufgeladene Straßen, Bürgersteige und Häuserwände, die verhindern, dass es nachts auch nur einigermaßen abkühlt, an grelles, belästigendes Licht, gegen das eine Sonnenbrille nur unzureichend hilft, an das permanente Kratzen in meinem Hals, das sich ab einer bestimmten Ozonbelastung zuverlässig einstellt und mich dauerhusten lässt, an Nächte, in denen man vor Hitze nicht schlafen kann.

Aber jetzt, pünktlich zum Siebenschläfer, scheint die Wetterfee ein Einsehen zu haben. Während sich um mich herum die Mienen verfinstern und nur noch von "Mistwetter" die Rede ist, komme ich aus dem (heimlichen) Strahlen gar nicht mehr heraus. Endlich! "Mein" Wetter! Der Himmel ist so angenehm grau, dass man richtig gucken kann und nicht geblendet wird. Nachts schlafe ich wie ein Bär, weil es so schön kühl ist. Vorhin war ich draußen, einkaufen - was für ein wunderbares Licht! Ein paar wenige Sonnenstrahlen gegen ein Gebirge aus schwarzen Wolken, die Luft herrlich feucht, ein bisschen Wind - so könnte es von MIR aus das ganze Jahr über sein. Ich brauche keine Temperaturen jenseits der 20 Grad. Alles, was ich gerne tue, macht bei den jetzt herrschenden Temperaturen viel mehr Spaß: Tischtennis spielen, Rad fahren, Sex nicht zu vergessen, selbst Alltägliches wie Einkaufen - wo bitte ist der Reiz da dran, wenn einem bei jeglicher körperlicher Aktivität schon nach ein paar Minuten die Zunge aus dem Hals hängt? Wenn man nicht mal kuscheln mag, weil der andere - genau wie man selbst - so viel Wärme wie ein Heizstrahler absondert? Und überhaupt: Braun werden will ich auch nicht. Was so hübsch daran sein soll, wie ein Grillhähnchen auszusehen, verstehe ich bis heute nicht.

Ich weiß, ganz normal ist das nicht. Jedenfalls wird mir für meine Wettervorlieben nur Unverständnis entgegen gebracht. Sogar den Groll von manchen Kollegen habe ich mir schon zugezogen wegen meiner Ansichten. Also freue ich mich jetzt eben heimlich - und im internet.

Danke, Siebenschläfer!

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