Mein Leben ist ein alter Hollywood Film. Ein Klassiker, keines dieser Massenprodukte die heute aus der ehemaligen Traumfabrik kommen. Ich spiele die Hauptrolle. Ihr anderen alle seit Nebenrollen und Statisten. Seitdem ich das so sehe, ist mein Leben gut. Es "läuft", wie man bei uns sagen würde, oder auf Denglisch - der "Flow" ist da. Ereignis reiht sich an Ereignis, Dinge passieren, mit mir, um mich herum. Gute Dinge, schlechte Dinge. Drama, Action und große Gefühle. Alles ist solange gut bis etwas schlechtes passiert. Das ist typisch für meinen Film des Lebens, den schließlich lässt sich dieser nicht so richtig einem Genre zuordnen.
Vielleicht wäre es einfacher, wenn ich das Drehbuch kennen würde. Aber ich bin nur Schauspieler, kein Regisseur. Wer genau Regie führt, das ist nicht ganz klar. Auf dem Klappstuhl steht was von "Gott", aber blicken lassen hat sich der auch noch nicht am Set.
Überhaupt ist dieser Film stilistisch gesehen eine sehr merkwürdige Mischung; Manchmal fühle ich mich James Dean, und dann wieder wie Humphrey Bogart, nur das die Vernunft einem heute Filterzigaretten aufzwingt..
Für den begeisterten Cineasten ist es leichtes, zu verstehen wie der Regisseur sich eine Szene wünscht. Welche Emotionen und Reaktionen er von seiner Hauptbesetzung erwartet. Freude, Trauer, bitterer Zynismus. Fatalismus und Kontrollverlust à la Californication, oder düstere, groteske Schatten in der Melancholie eines frühen Film Noir. Solange der Soundtrack gut ist, werden auch die Szenen ihre Wirkung nicht verfehlen. Tom Waits. Warren Zevon. Motörhead.
Ein Freund von mir aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten legte mir einst einen wichtigen Satz ans Herz: "If you do crazy shit, crazy shit will happen to you." Du musst nur den Stein ins Rollen bringen, und schon fängt die Kamera an zu drehen und die Handlung entwickelt sich. Um eine glaubhafte Performance abzugeben und das Publikum zu begeistern musst du dich mitreisen lassen vom Strudel der Ereignisse. Die Kontrolle an den mysteriösen Regisseur abgeben und die Dinge nehmen wie sie kommen. Jede Chance ergreifen, in jeder Szene Herzblut geben, sich auf die verblassten Größen in diesem Geschäft zurückbesinnen und dann diesem entstehenden Meisterwerk deine ganz eigene persönliche Note aufzwingen. Am Ende geht es nämlich nicht um das ganze Außenrum - Es geht nur um den Hauptdarsteller.
Tags: der Film meines Lebens, der Sinn des Lebens
Kommentare
"Klappe eins, Kameramann bin ich, mach meine beiden Augen auf, dann ist die Kamera an. Der Film Roger läuft seit 1974, jeder Tag Premiere, Wiederholungen gibt's nicht..."
13.08.2012, 13:53 von Max-Jacob_OstDas Thema gefällt mir und doch habe ich das Gefühl das etwas fehlt - vielleicht die Szenen und Geschehnisse die zu diesen Gedanken führen?! Ich frage mich: Was ist hier alles passiert?
11.08.2012, 22:15 von Miss.ButterflyAber ich bin auch oftmals zu detailverliebt ..
inhaltlich gut, genau mein denken, u.a. "wer immer versteht, was er tut, bleibt unter seinem niveau", allergings verfolgt mich seit geraumer zeit folgender spruch " Tja, und die Moral von der Geschicht`:
11.08.2012, 02:54 von laylalaniWenn Du Dir selbst vertraust
und an Deine Träume glaubst und Deinem Stern folgst, dann wirst Du
trotzdem von Leuten übertroffen, die ihre Zeit damit verbringen, hart zu
arbeiten und zu lernen und nicht so faul waren."
(Terry Pratchett)
...
Ich frage mich gerade, ob ich das besonders lustig oder besonders dämlich finden soll ;-)
10.08.2012, 23:09 von Mrs.McH
Es ist in jedem Fall angenehm pragmatisch...
13.08.2012, 14:10 von sailorIch fand den Text auch gut, bis mir schlecht wurde...
Oder sowas...