Bennetvdl 17.01.2019, 18:04 Uhr 2 2

Lieber schlechtes Essen als kein Essen

Es ist Januar, die Promis fahren in den Dschungel. Es wieder die Zeit, sich besser zu fühlen, weil es anderen schlechter geht. Aber nur ironisch.

Der Januar ist der schlimmste aller Monate, weil es im Januar zwar schon länger Winter ist, und sich langsam niemand mehr wundert, dass die Sonne länger weg als da ist, aber bei vielen erst jetzt die Winterdepression reinballert. Spätestens jetzt, wo die Weihnachtsbäume von Männern mit gelben Westen aber ohne politische Forderungen entfernt werden, ist wirklich nur noch Winter. 


Um dieser alljährlich wiedererscheinenden Krankheit zu entkommen, um ein bisschen Licht und Wärme in der eigenen Gedankenwelt zu verbreiten, hat jeder seine eigenen Wege gefunden. Während es manch einer mit Vitamin-D-Tabletten versucht, haben die Marketingabteilungen der Unterhaltungsindustrie schon längst ermittelt, was der durchschnittliche Deutsche wirklich braucht, um die Zeit zu überbrücken, bis es wieder grüner und wärmer wird, bis wieder authentischer Good-Life-Content auf unseren Lieblingsplattformen geteilt werden kann.


Im Januar fahren die Promis nach Australien in den Dschungel, essen Abend für Abend Geschlechtsteile von Kängurus, lassen Vogelspinnen auf sich herumwandern und weinen dabei sehr viel. Dass diese Promis in Wirklichkeit in erster Linie Menschen sind, die mal siebter oder elfter Sieger in einer Datingshow geworden sind, ist nebensächlich. Sie scheinen schließlich allesamt Träger von genug Strahlkraft zu sein, um Unmengen an Hobby-Unterhaltungskritikern begeistern zu können. 


Der einfachste und schnellste Weg, seine eigene missliche Situation als gar nicht mehr so dramatisch einzuschätzen, der besteht darin, anderen dabei zuzusehen, wie es ihnen schlechter geht als einem selbst. Das wissen wir seitdem wir gelernt haben, dass der Spinat im Kindergarten zwar mal wieder echt scheiße schmeckt, aber es irgendwo Kinder gibt, die jetzt saugern diesen Scheißspinat hätten. Und wenn wir den Promis, denen normalerweise auf so unfaire Weise das Geld und die Lebensfreude hinterhergeworfen wird, dabei zusehen, wie sie eklige Dinge tun, es ihnen schlecht geht und noch dazu sehr dumme Dinge von sich geben, deren Rezitation sich jeden Lacher im Freundeskreis sichert, dann ist für eine Weile wieder Sommer in unseren Herzen. 


Ja, ich weiß, das Dschungelcamp wird von allen natürlich nur ironisch geguckt, denn wir sind alle zu gebildet und zu oft geil brunchen, um sich total ernsthaft von Trash-TV unterhalten zu lassen. Nur frag ich mich, worin der Unterschied besteht. Wenn man sich ironisch mit seinen Freunden zum IBES-Abend trifft, ironisch den Sekt kaltstellt und sich ironisch über andere Menschen erhebt, dann mag das zwar ironisch passieren, aber es passiert ja alles trotzdem, oder? Der Ironie-Claim ist lediglich der Versuch, sich selbst von amoralischen Handeln freizusprechen. 


Ich wünsche allen noch einen ironischen Restjanuar und freue mich auf die Zeit, in denen wieder komplett ernstgemeint zum See gefahren wird. 


Tags: Dschungel, IBES, Dschungelcamp, Ich bin ein Star, RTL
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2 Antworten

Kommentare

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    Hahahaha, gut geschrieben! Mehr!!!

    17.01.2019, 21:31 von Gluecksaktivistin
    • 1

      Japp. Fetzt.

      28.01.2019, 15:41 von Steifschulz
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