Letzte Ausfahrt Hamburg
„Sie haben Ihr Ziel erreicht“, sagt die neue Stimme Gottes, der wir alle widerspruchslos Folge leisten.
Es ist soweit. Ich schreite ein letztes Mal durch mein Zuhause. Besichtige die ausgebrannten Ruinen der Luftschlösser, die einst in meiner Gefühlswelt errichtet wurden. Nun herrscht ihrer statt Anarchie der Emotionen. Die verbrannte Erde, die ich zurücklasse staubt unter den Reifen als ich losfahre. Alles was mich ausmacht, passt in einen Kleintransporter. Ich fliehe ohne mir Bescheid zu sagen. Lasse mein Selbst einfach ratlos zurück. Zuhause ist die Herdplatte noch an. Dort kocht sie weiter – meine Wut.
Mit nur einer Wahrheit, wurde alles andere zur Lüge. Ich fiel durch den doppelten Boden unserer Beziehung. Ein Netz aus leeren Versprechungen fing mich auf, während der andere Hase aus dem Hut meinen Applaus kassierte.
Nach der dritten Wiederholung berauscht sich das Radio an Schweigen. Ich beobachte die Kamikazefliegen, die an der Scheibe zerschellen. Ein Schlachtfeld der Natur gegen die, mit 120 km/h, fortschreitende Technik. Wenn der Mensch die Umwelt in die Knie zwingt, dann unterwirft er sie sechsspurigem Flüsterasphalt um die Todesstille genießen zu können.
Jeder Kilometer eine Steigerung von Freiheit. Ich passiere Dorfstolz auf braunen Metallschildern. Hegel-, Schiller,- Goethestädte. Riesen im Land der Kleingeister, wo jeder als Denker gefeiert wird, wenn er einen klaren Gedanken gefasst bekommt.
Automatisiertes Pissen in Sagrotan-getränktem Ambiente. Ich überfahre dunkle Spuren ins Jenseits, die an anonymen Holzkreuzen enden. Lastwagen donnern kreischend an mir vorüber. Sirenengesang in der Odyssee meines Lebenswegs. Sie sind beladen mit bizarren Bauteilen einer sich selbst zerstörenden Zivilisation. Zu beiden Seiten wachsen dürre Ungetüme aus dem Boden. Quijote Mühlen, die den frischen Wind ins Land treiben.
„Sie haben Ihr Ziel erreicht“, sagt die neue Stimme Gottes, der wir alle widerspruchslos Folge leisten. Zwei schwedische Sperrholzmonster in einem weißen Raum bilden mein neues Daheim. Ich schlage meine Wurzeln in den Boden und beginne mich an Adoptivmutter Erde zu laben. Es wird wohl noch einige Zeit dauern bis die Bitterkeit verschwindet und die süßen Früchte des Lebens erntebereit für mich sind.






Kommentare
Find ich gut. Da kommt Stimmung rüber, auch wenn es teilweise ein, zwei Metaphern oder Bilder zu viel sind. Aber das lässt eintauchen in die Situation.
28.07.2012, 19:55 von Lady_HopeÜbrigens- Wilkommen in Hamburg! Is ganz schön hier.
Als Nahmenschtext gut und nah dran. Hier empfinde ich die Metaphern, in die ein Kopf seinen Zynismus verpackt eher noch als zu wenig. Machen mir aber jede für sich die Station sichtbar. Wenn der Autor das wirklich erlebt, hat er bestimmt das Notizbuch mit Bildsätzen voll. Die Situation klingt nach Kreativerfordernissen pur.
Als Autorentext ist es mir etwas überladen (sagt einer, der Metaphern über Absätze schreibt. Dauernd.) Aber sparsam. Das eine oder andere Bild überlagert ein wenig den Ton der Außengeräusche und die Beleuchtung der Szene und lenkt damit ab.
Auf jeden Fall mittenrein. Gut angebaut.
27.07.2012, 12:59 von Kokomikogenau so! danke.
27.07.2012, 15:00 von GluecksaktivistinPuh! Krieg der Metaphern oder was?
27.07.2012, 00:27 von justanotherpictureDie Erwähnung Hamburgs finde ich unnötig, soll das Leser ködern?
26.07.2012, 21:28 von frl_smillaDer Stil funktioniert als Fortsetzungsgeschichte.
NOT!
Das ist ja sowas von Wortgewaltig. Ich bin gespannt was da noch kommt.
26.07.2012, 20:39 von jetsamdu bist ja auch ironisch !
27.07.2012, 08:18 von Surecampmanchmal?!
Manchmal "like" ich ja auch deine Texte.
27.07.2012, 09:27 von jetsamHaha, witzigerweise finde ICH diesen nun besser als die zuvor :) Alles ein bisschen arg dramatisch, aber wenn Du es so empfindest oder Dir ein Bedürfnis ist, es so auszudrücken, ist es gar nicht kritisierbar. Schreibst Du weiter? Über das Ankommen und die ersten Tage, Wochen? Fände ich super. Mein Lieblingssatz dieses Textes ist:
Großartig!
26.07.2012, 20:14 von Mrs.McH
Nun herrscht ihrer statt Anarchie der Emotionen.
26.07.2012, 16:06 von SurecampALTER!!!
Willste nicht mal zur Abwechslung ein paar Metaphern einbauen?
- ja, das war Ironie!
Dann lies es doch einfach nicht, wenn's dir nicht gefällt, ALTER.
Hahahaha, du musst ein Fake sein.
26.07.2012, 18:04 von SurecampSo antworten normalerweise nur 19 jährige Mädchen, deren Tagebucheinträge ich gedisst habe.
Mein Gott bist du ein toller Typ. Dein Leben hätt ich gern. 19jährige Mädchen dissen. Voll gut. Echt. Da fühlste dich wie ein ganzer Mann, oder? Nee wirklich, Respekt. Weiter so. Aus dir wird ein ganz Großer.
26.07.2012, 18:57 von HerrDiesingerKriegst sogar ein Herzchen. Das machts einfacher beim Abspritzen auf die eigene Geilheit.
26.07.2012, 18:58 von HerrDiesingerbist voll fies :-(((
26.07.2012, 18:59 von SurecampIch will in diesem Thread alle surecamp-Kommentare herzen aber das geht nicht, die Sau hat mich gesperrt!
26.07.2012, 21:50 von quatzatich erledige das ma schnell
26.07.2012, 22:00 von frl_smillaIch diss die Mädels auch ganz gern, aber nur um sie zu ködern. Der Text erinnert mich etwas an Gunter Gabriel, nicht wirklich schlecht, aber halt letztlich doch auf billigem Fusel hängengeblieben.
28.07.2012, 22:26 von EliasRafaelDie andern fand ich z.T. ganz gut, das hier ist mir zu übertrieben und gewollt- kurz: too much.
26.07.2012, 15:31 von halbkindmfFinde ich insgesamt ein wenig schwächer als die anderen davor. War aber trotzdem nicht entäuscht.
Weiter so.
26.07.2012, 15:03 von mirror87