alexandra_buerger 23.01.2013, 10:46 Uhr 233 7
NEON täglich

Leck mich!

Welcher Streittyp bist du?

Streiten muss gelernt sein. Aber leichter gesagt als getan. Wie wichtig gesundes Streiten für eine Beziehung ist, zeigt eine Paar-Studie. Diese besagt, dass Ärger runterzuschlucken, anstatt den Partner zu konfrontieren, sogar tödliche Folgen haben kann. (Au weia – ich werde sterben!)

Für die Studie wurden Paare in vier Gruppen unterteilt. In der ersten Gruppe sprachen beide Partner Probleme offen an. In der zweiten und dritten Gruppe machte jeweils nur ein Partner seinem Ärger Luft. Die vierte Gruppe bestand aus Paaren, in denen beide ihren Groll über als ungerecht erlebtes Verhalten des Partners herunterschlucken.

"Der Vergleich der 26 Paare, die ihre Wut verdrängten, mit den anderen drei Gruppen ist sehr verblüffend", sagte der Studienleiter Ernest Harburg. In der Gruppe mit 26 Paaren, die Konflikte nicht offen austrugen, seien 13 Todesfälle aufgetreten, bei allen anderen 166 Paaren gab es insgesamt nur 41 Tote. Faktoren wie Rauchen, Übergewicht, erhöhter Blutdruck oder Lungen- und Herzprobleme seien bei der Auswertung berücksichtigt und die Daten entsprechend bereinigt worden, so Harburg. 

Streit ist Teil einer jeden Beziehung, aber nur sehr wenige Paare sind in der Lage, einen Streit vernünftig zu schlichten. Offene Konfrontation, wenn falsch gehandhabt, kann schnell zum Ende einer Liebe führen. Aber wie lernt man sich konstruktiv zu streiten? Ich persönlich muss mich zwingen auf meinen Partner, Freunde oder Familienmitglieder zuzugehen, um ihnen zu sagen was mich wurmt. Ich bin eher der Ärger-Runterschluck-Typ, sauge alles in mir auf wie ein Schwamm und werde immer angespannter und empfindlicher.

Genauso schlimm, wenn nicht sogar noch schlimmer, finde ich die Haudrauf-Typen (nicht bildlich gemeint), die einem im Streit die schlimmsten Beleidigungen an den Kopf werfen. Einmal gesagt, kann man so was schwer zurücknehmen.

Marshall Rosenberg empfiehlt die "Giraffensprache", die er selbst entwickelt hat, um Konflikte vor der Eskalation zu lösen. Er benannte diese Form der gewaltfreien Kommunikation (GfK) nach der Giraffe, weil sie das größte Herz von allen Landsäugetieren hat.

Der GfK liegt die Empathie und das Wissen, dass alle Menschen die gleichen Grundbedürfnisse haben, zugrunde. Das Bedürfnis nach Liebe zum Beispiel – wie der Dalai Lama auch predigt. Das Mitgefühl soll Motivation sein, sich mit seinen Mitmenschen auseinanderzusetzen, nicht Angst, Schuld, Schuldzuweisung, Drohungen oder die Rechtfertigung nach Bestrafung.

So kommuniziert man à la Giraffe:

1. Nenne die Beobachtung, über die du sprechen willst (nicht wertend)

2. Nenne das Gefühl, das diese Beobachtung in dir auslöst (differenziere Gefühl vom Denken)

3. Nenne das Bedürfnis, das die Ursache dieses Gefühls ist

4. Mache eine konkrete Aufforderung, um dieses genannte Bedürfnis zu befriedigen. (Fordere, was du willst - und nicht das, was du nicht willst)

Das hört sich ja eigentlich nicht so kompliziert an, oder? Wie streitet ihr euch? Seid ihr der Wegrenn-, oder der Haudrauf-Typ? Oder kommuniziert ihr ganz von alleine gewaltfrei à la Rosenberg?

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233 Antworten

Kommentare

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    Tipp: 'Onkel Joschi' von Georg Kreisler ; )

    26.02.2013, 00:06 von SteveStitches
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    Praktika? Alles, außer Tiernahrung!

    24.01.2013, 12:38 von Justaff
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      Oh, falscher Artikel, sorry...

      24.01.2013, 12:39 von Justaff
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    ich hab eine art, die dinge beim namen zu nennen, die beim gegenüber oft gewollt boshaft ankommt, obwohl ich es gar nicht so meine. was ich für eine objektive beobachtung halte und so ruhig wie möglich anzubringen versuche, wird als provokation/missmut/ ärger/beleidigung empfunden - vielleicht, weil ich niemanden mit samthandschuhen anfasse, auch nicht verbal (vor allem nicht den menschen, der mir gefälligst gleich viel empathie entgegenzubringen hat wie ich ihm, weil ich mir ja wünsche, dass er es auch übermorgen noch mit mir aushält). diese art der kommunikation bin ich von meinen eltern her gewöhnt. allerdings ist blut wirklich dicker als wasser. eltern können nicht einfach "leck mich" sagen und gehen. meine freunde und partner sehr wohl.


    seinen streitstil habe ich erst kürzlich in einem langen nächtlichen monolog herausgefunden: er redet nicht über gefühle. gibts tatsächlich noch.

    24.01.2013, 11:43 von misspringle
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  • 1

    Bei einem Streit kommt es eigentlich nur darauf an, möglichst viele Beleidigungen und Entgegnungen parat zu haben, um es so weit treiben zu können, dass der andere aufgibt. Nachdem Streit sollte man sich aber nicht mit seinem Sieg brüsten, sondern man sollte so tun, als sei nie was gewesen.

    24.01.2013, 11:01 von faux_IV.
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  • 1

    Reden, reden, reden und Schlüsselworte wie immer, du, nur etc. meiden.

    Mittlerweile schmeiß ich keine Teller mehr und versuch mich in die Lage des Anderen zu versetzen, das hat bisher jeden Konflikt ganz gut gemeistert.

    Und ich find Streiten wichtig, ein bisschen muss das mal sein.

    23.01.2013, 21:53 von FrauKopf
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      Bier hat sowas deeskalierendes...

      23.01.2013, 21:49 von sailor
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      Ich dachte Titten?

      24.01.2013, 11:13 von quatzat
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      Die spanischen Biere sind doch eher die Hängetitten unter den Gerstenbraugetränken.

      24.01.2013, 13:00 von quatzat
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    @ Friedhelm

    Ey Leck mich Ice Ice F, ich bin auch der Meinung, dass frau und mann nicht gar so unbedacht mit Imperativen zu sexuellen Praktiken um sich werfen sollten, wenn das kein Lösungsvorschlag für Probleme darstellen soll.  

    Ähnlich wie mit Leuten, die 20 Mal am Tag "Dings BUMMS" als Platzhalter für fehlende Begriffe verwenden und man in Zweifel kommt was ihnen wirklich fehlt.

    23.01.2013, 18:36 von schauby
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    Kommunikation ist alles. Wenn beide wirklich offen sind, regelt das schon das meißte.

    23.01.2013, 18:16 von HerrWolke
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    kamen bei der studie auch halbautomatische waffen zum tragen?

    23.01.2013, 18:08 von magnus
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