konisabri 19.03.2010, 12:13 Uhr 1 0

Kurzinfo CHECKED OUT!!!

MYTHOS STEWARDESS

Mythos Stewardess - zwischen Himmel und Hölle
 
 
Der Mythos Stewardess beschäftigt die Gesellschaft seit Jahrzehnten. Für fast jedes Mädchen ist es nach wie vor der Traumjob schlechthin:
In wunderschönen Uniformen freundliche Passagiere bedienen, die Traumländer dieser Welt besuchen, interessante Menschen kennen lernen und vielleicht sogar den Mann fürs Leben finden.
Dies ist meine Geschichte! Von tatsächlichen Höhen aber noch viel mehr Tiefen.
 
Eine Abrechnung mit der Respektlosigkeit!
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Ende der Achtziger.
Meine wilde Zeit in New York und Miami nahm vorerst ein Ende. Punkrock und Backstage-Partys gehörten zwar weiterhin zu meinem Leben, aber um meinen Alltag wunschgerecht gestalten und finanzieren zu können, brauchte ich eine Aufgabe So wurde ich Stewardess.
Das Berufsbild war verlockend. Immer wieder als das Absolute in den Medien dargestellt, hatte ich nun die Möglichkeit das Leben in den vollsten Zügen zu genießen.
Ein Jetset-Leben - in den schönsten Hotels dieser Welt residieren, die Traummetropolen dieser Erde besuchen - eine immerwährende Schatzsuche nach den ultimativen Kicks im Leben.
Ich wurde süchtig nach Entdeckungen: die coolsten Clubs, die hippsten Vintage-Shops und die schrillsten Leute in der jeweiligen Stadt. Mein Sammelsurium an Entdeckungsraritäten katapultierte mich in Richtung Trendsetterin, da ich meine gesammelten Reiseinformationen inklusive sämtlicher Adressen und Kontakten an Auserwählte weitergab. Die Inspiration manifestierte sich in meiner Persönlichkeit und weckte meine Kreativität.
 
Doch die anfänglich gelebten Träume zerplatzten wie Seifenblasen. Die Flüge wurden billiger, die Aufenthalte kürzer, der Service knapper, die Stimmung immer schlechter, so dass die Klasse der Masse weichen musste. Ich beobachtete die „Ultra-Normalen“, die „Angepassten“, die über den Wolken ihre Moral-Vorstellungen und ihre Benimm-Regeln über Bord warfen. Ein Augenzeugenbericht ohne jegliche Verschönerung.
Statt herein schreitender wohlwollend nickender Persönlichkeiten kamen alkoholdurchtränkte Gestalten mit neonfarbenen All-Inclusive-Bändchen an Bord, um ihren zweiwöchigen Urlaub in der Dominikanischen Republik zwischen Hotelzimmer und Hotelbar mit „endlich wieder deutschem Bier“ gebührend ausklingen zu lassen.
 
„Prrrost und Salud!!!“
 
„Danke“ und „Bitte“ wurden aus dem deutschen Wortschatz gestrichen und da man generell nicht mehr in ganzen Sätzen sprechen mag, eignete ich mir die Kunst an aus verschiedenen Wortbausteinen eine Bestellung zu erraten.
 
„Tomatääää…….!!!“
 
Ganz schlimm waren die Möchtegern-Sky Dumonts, die zumindest optisch ein Upgrade erlangen konnten und in den Genuss der besseren Klasse kamen.
 
„Champagner für alle!“
 
Nehmen wir auch noch das Beispiel Thailand-Flüge: Entweder den Bluttest auf dem Gabentisch mit der dazugehörigen Medikamentenkollektion für die Ehefrau oder direkt den Komplettaustausch gegen 50 Jahre jünger.
 
„Nein – den Altersunterschied sieht man gar nicht!“
Mit Nickelbrillen ausgestattete Birkenstockmütter in violettfarbenen Pullovern, die nach dem Komplett-Zuschiss der Windel, diese in die Sitztasche drücken, unbeeindruckt von der herausquellenden Schokoladenoptik, die sich warm durch die frisch manikürten Stewardessenfinger beim Abräumen ergoss.
„Kann ich Ihnen noch ein Dessert bringen?“
 
 
Die Jahre vergingen wie im Fluge und nach fast 19 Jahren Stewardessendasein überkam mich der Wille mich aus dem engen Korsett der einschränkenden Atmosphäre, des immer Freundlich-Seins, des nicht vorhandenen Biorhythmus’ und den ständigen Jetlagqualen zu befreien.
 
Jeder konnte sich das Fliegen mittlerweile leisten und der Glamour vergangener Tage endete in den blauen Plastikmüllsäcken der Airlines dieser Welt.

http://www.myspace.com/atomicsabri

 
 

1 Antworten

Kommentare

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    Gibt es da nicht auch welche, die eh nur für die 1. Klasse eingesetzt werden? Kann frau sich auf sowas nicht gezeilt bewerben?
    Ansonsten Hut ab, ich hätte das keine 19 Jahre durchgehalten. Aber mein Traumberuf war es nie...

    19.03.2010, 14:32 von sun-chan87
    • 0

      @sun-chan87 Hey Danke für Deinen Kommentar-Man arbeitet in allen Klassen und auch in ALLEN Klassen gibt es Spinner und Leute mit schlechtem Benehmen!
      Die Unarten einiger Passagiere an Bord und auch die Respektlosigkeit untereinander musste mal gesagt werden!
      Das war der Grund für Checked out!
      Eine Psycho-Verarbeitung meinerseits-ohne ws zu ändern wird es aber sicherlich Beulen hinterlassen!
      Cheers Sabri

      19.03.2010, 15:01 von konisabri
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