Streicherin 06.07.2007, 19:41 Uhr 12 8

Kopfüber in die Hölle und zurück

Was ich gerade so denke über das Leben.

Würde man einen Fotoapparat auf mich richten, der umgepolt wäre mein Inneres zu fotografieren, so bekäme man ein buntes, farbenfrohes Bild... bis auf ein paar dunkle Stellen auf dem Negativ.

Mir geht es eigentlich ganz gut. Ich wohne in einem westlichen Land, ich habe ein Bett, Freunde, die mich akzeptieren wie ich bin. Ich bin gesund und stehe am Anfang meines Lebens. Allen Freunden geht es gut, keiner ist nennenswert krank. Ich kann mich glücklich schätzen.

Und doch fühle ich mich leer. Als ob etwas fehlen würde, was man nicht benennen kann. Langeweile kann es nicht sein, auch nicht die Lust nach Abenteuer oder Spaß.

Doch wenn ich durch die Straßen meiner Stadt laufe, befällt mich eine Traurigkeit. Wenn ich sehe, wie ältere Herren und Damen mühsam von ihrer Rente leben müssen, wobei sie sich einen ruhigen Lebensabend verdient hätten. Sie haben ein Leben lang gearbeitet und mit vielen Einschränkungen leben müssen.

Wenn ich die allein erziehenden Eltern sehe, die soviel aufgeben und sich dabei selbst vergessen, um ihren Kindern das große Geheimnis des Lebens beizubringen. Und doch bewundere ich sie dafür.
Ich bewundere sie, weil sie an eine Sache glauben können.

Wenn ich Jungendliche sehe, die jünger sind als ich. Die schon am Nachmittag mit dem Bier in der einen und mit der Zigarette in der anderen Hand rumlaufen. Mit einer Traurigkeit und Mutlosigkeit in den Augen, die mir Angst macht.

Ich bekomme eine riesige Angst, wenn ich sehe, dass sich wieder viele Menschen den Rechten zuwenden. Deutschland entwickelt sich nicht weiter. Es macht den Anschein, als entwickle es sich zurück. Zurück in eine Zeit, wo man Angst haben musste seine Gedanken frei zu äußeren. Es gibt wieder Menschen in unseren Land, die Angst haben. Sie haben Angst, weil sie so sind, wie sie sind. Einfach nur Menschen, die vielleicht anderes aussehen als du und ich, anderes sprechen oder einfach nur anderes denken in manchen Sachen.

Kleine Kinder lernen aus Fehleren, scheint diese Gabe mit steigenden Alter verloren zu gehen?

Ich laufe durch die Straßen und fühle mich wie ein Fremder.

Ich bin innerlich voller Wut. Voller Wut auf die Menschen, die es verlernt haben Menschen zu sein. Sie sehen aus wie Menschen, laufen wie welche, atmen, essen und schlafen. Doch wenn ich sie reden höre, möchte ich mir am liebsten die Ohren zuhalten und wegrennen.

Sie erzählen mir Sachen, denen ich nicht zustimmen will und kann. Ich soll immer auf das hören was man mir sagt und vorschreibt.

NEIN!

Könnte ich sie anbrüllen und ich brülle sie an. Aber hören tun sie mich nicht.
Sie schließen die Augen, um nicht zu sehen, was um sie herum passiert. Sie schließen die Augen und sehen mich nicht. Zu viele, die ich davon kenne.

Was macht den Menschen zum Menschen? Die Fähigkeit Gefühle zu haben, wie Freude und Schmerz? Bin ich ein Mensch? Oder bin auch schon so einer geworden.
So einer, von dem ich hoffe, nie so zu werden?
Wenn ich Zeit finde, mache ich mir viele Gedanken, wahrscheinlich zu viele für mein Alter.

Ich laufe durch die Straßen und versuche den Menschen zuhören. Ich versuche das Leuchten zu sehen. Das Leuchten der Menschen, wenn sie von ihrem größten Wunsch oder Traum erzählen. Das Leuchten ihrer Augen.

So erzählte mir vor nicht allzu langer Zeit ein älterer Herr von seiner bereits verstorbenen Frau. Er sprach so liebvoll und mit voller Überzeugung von ihr, dass mir die Tränen kamen. Doch wer liebt heutzutage noch wie Romeo und Julia?

Es wird Zeit, das Kreuz durch zustrecken, zu lächeln und zu kämpfen. Zu kämpfen für das was man liebt, zu kämpfen für das was man träumt und zu kämpfen wofür man lebt.
Auch ein kleiner Tropfen, schlägt große Wellen im Meer und zusammen werden aus vielen Tropfen ein Meer werden.

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12 Antworten

Kommentare

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    Allein der Titel und dann noch sowas tolles...

    25.02.2008, 18:44 von kleinepiratin
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    Ich kommentiere mal mit einem meiner Lieblingszitate von Hesse. "Sie werden doch wohl nicht alle die Zweibeiner, die auf der Straße laufen, für Menschen halten, bloß weil sie aufrecht gehen und ihre Jungen neun Monate tragen? Sie sehen doch, wie viele von ihnen Fische oder Schafe, Würmer oder Egel sind, wie viele Ameisen, wie viele Bienen! Nun, in jedem von ihnen sind die Möglichkeiten zum Menschen da, aber erst, indem er sie ahnt, indem er sie teilweise sogar bewusst machen lernt, gehören diese Möglichkeiten ihm."

    16.01.2008, 18:03 von PsychoMessiah
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    kann dir in allen Punkten nur zustimmen.

    25.11.2007, 18:38 von estrellita_
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    Sehr schön geschrieben.
    Du bist nicht die einzigste Person die das denk.
    Aber einiger der Wenigen die es aussprechen,
    bzw schreiben.

    Gruß
    Quinni

    22.11.2007, 22:30 von Quinni
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    Ja ich bekomme das Gefühl wenn ich anchts eine leere straße entlang gejhe und überall in den Fenster Licht brennt. Dazu ein farbenspiel, welches aus ihren Fernsehern kommt. Sehr serh einsam sowas.

    06.09.2007, 19:20 von Felli
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    wow... wunderschöner letzter satz... ohja ich kenne glaub ich dieses gefühl der angst, das gefühl, dass etwas fehlt.... du hast das sehr toll geschrieben.. richtig gut!!

    04.08.2007, 15:38 von cumuluswolke
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    Fühl mich ertappt. Ja, das sind alles Gedanken, die mir sehr sehr bekannt vorkommen. Man fühlt sich verloren in einer verlorenen Welt.
    Und trotzdem kriegen alle, die mich nach meiner Einstellung dazu fragen oft nur die Antwort: "Der Mensch muss selbst wissen, was er tut. Aber der einsamen alten Frau von nebenan eine Stunde lang zuzuhören, macht die Welt schon ein wenig besser."

    Es gibt da noch eine Nette Aufforderung, die erscheint, wenn ich mein Handy anschalte: "Lächeln"

    Danke für diesen Text!

    13.07.2007, 11:13 von cor
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