Kopfschütteln, nichts als Kopfschütteln
Sie blickte kurz auf, fixierte die Kellnerin: Ach, kann ich auch Schwarzbrot zum Rührei haben? Und Tomaten auch? Und gerne ein Ei mehr.
Ich kam sieben Minuten zu früh an. Der Himmel war bedeckt, nichts von einer Herbstsonne an der Alster zu sehen. Sie stand schon vor dem Café. Sie hatte ihr Mobiltelephon in Händen und schaute nicht in meine Richtung, kurz überlegte ich wieder umzudrehen. Aber in diesem Augenblick schaute sie mich an und diese Option hatte sich damit erledigt. Es wäre auch gemein gewesen und außerdem war ich neugierig. Ich erreichte ihren Standort, lächelte und küsste sie auf die Wange. Da bin ich.
Warum hatte ich überhaupt über ein Umdrehen nachgedacht? Ich weiß nicht, es war ein spontaner Gedanke gewesen. Sie sah gut aus, aber anders als ich es erwartet hatte. Wir gingen hinein und setzten uns in den ersten Raum, in die Ecke auf rotes Kunstleder. Das Gespräch begann ein wenig stockend. Es gibt Situationen, da verflüchtigt sich meine Eloquenz plötzlich und unerwartet. Dies war eine solche Situation.
Sie fragte, ob ich auch etwas frühstücken wolle und ich verneinte. Nein, dachte ich mir, essen mag ich nichts. Und die junge Kellnerin mit dem Schild Azubi an der schwarzen Bluse kam an unseren Tisch und fragte nach unserem Begehr. Sie bestellte einen frisch-gepressten Orangensaft und einen Café latte, ich einen Assam, dann klingelte ihr Telephon. Und die junge Kellnerin wartete. Schließlich war alles geklärt, sie schaute noch einmal in die Karte und sagte: Gibt es denn Brot zum Rührei? Ja? Ich hätte gerne Schwarzbrot dazu. Und - können Sie auch Tomaten hinzufügen? Ja? Danke. Ach, und ich hätte gerne ein Ei mehr.
In diesen wenigen Augenblicken war sie durchgerutscht, durchgefallen. Innerlich konnte ich kaum aufhören, mit dem Kopf zu schütteln. Menschen, die ständig Sonderwünsche haben sind mir ein Gräuel. Zu häufig ist dieses Sonderwünsche formulieren - und formulieren ist eine moderate Formulierung - Ausdruck von Respektlosigkeit, von Überheblichkeit.
Wir unterhielten uns weiter, ihr Essen kam und sie suchte den Tisch nach Pfeffer ab. Nur ein Pfefferstreuer war auf der Tischmitte platziert. Entschuldige, sagte sie, dann stand sie auf, suchte die Bedienung und kam mit einer Pfeffermühle zurück. Ich mag diesen Pfeffer in den Streuern einfach nicht.
Gerade dreißig Minuten waren vergangen, es war Zeit zu gehen. Wir zahlten (und ich zahlte nicht für sie - no) und verließen das Café. Draußen verabschiedeten wir uns, alles Gute, sie ging zu ihrem überdimensionerten Volvo Geländewagen und ich um die Ecke. Ich drehte mich nicht noch einmal um und sah nicht zur Seite als sie vorbeifuhr.



Kommentare
Sonderwunschformulierer ! Ha, ein passendes Wort für diese Menschen. Pfeffermühle, pah.
20.07.2012, 19:43 von Tanea