Herzgesteuert 17.10.2012, 19:49 Uhr 2 7

Konjunktiv

Bedeuten die grenzenlosen Möglichkeiten denn nicht auch grenzenlose Freiheit?

Sollte. Wollte. Könnte. Würde. Müsste. Hätte. Wünschte.

… Tausend Möglichkeiten, aber keinen Plan. Viele einladende Wege, doch weder Ehrgeiz noch jenen Tropfen Herzblut, sie zu gehen.

Generation maybe. Privilegierte. Beschenkt mit einer unbegrenzten Anzahl an Möglichkeiten, von Geburt an. Vielleicht nicht Geld, vielleicht nicht Status, allerdings mit der Aussicht, alles aus unserem Leben machen zu können, wenn wir es nur wirklich wollen.

 Aber was wollen wir?

Ausbildung? Studium? Festanstellung? Selbstständigkeit? Familie? Oder doch lieber aussteigen? Erstmal abschalten. Rauskommen. Statt an der eigenen Verwirklichung zu basteln, schnorrt man die Eltern um einen Zuschuss für die nächste Rucksacktour durch Asien an. Bloß nicht dem Leben stellen! Man will nicht mehr erwachsen werden – oder es zumindest so lange hinauszögern wie möglich. Peter-Pan-Syndrom. Der aktuelle Zeitgeist und die Mentalität lautet: "Alles ist möglich! Live your dream. Yes, you can."

Doch was fehlt uns? Eine Vision? Energie? Zeit?

Wir schlafwandeln durch eine vernetzte Welt voller Möglichkeiten und fühlen uns verunsichert angesichts der Fülle von Alternativen. Wir wollen Lebenskünstler sein, doch ein postmodernes "Anything goes!" hat uns überrumpelt, und jetzt wissen wir nicht mehr weiter. Wir haben uns in eine Mentalität des „Entweder-oder“ verrannt, die uns zum Verhängnis wurde. Wollen immer überall dabei sein und haben Angst, etwas zu verpassen. Kriegen mit Mühe und Not ein "vielleicht, mal sehen" zustande. Ein Irrweg. Der Mut zur Entscheidung ist wieder gefragt.

Alles was uns fehlt ist also Mut?

Doch woher nimmt man Mut in einer Zeit ohne Vorbilder, ohne Ideale? In einer Zeit, in der Selbstverwirklichung nicht mehr so funktioniert, wie man sich das einmal erhofft hatte? Eine Zeit, in der alles möglich ist, die die Menschen aber hilflos überfordert. Anders sein. Sich abheben von der Masse. Bloß nicht Mainstream sein. Unsere Generation ist zerfasert. Von einem übergroßen Individualgedanken ergriffen, der uns letztendlich jedoch allein durch die Gegend irren lässt.

Alles nur Luxusprobleme?

Bedeuten die grenzenlosen Möglichkeiten denn nicht auch grenzenlose Freiheit? Aber wo Ordnung, wo Schwerpunkte legen, in einer Welt, in der theoretisch ALLES möglich ist? Vor einem Horizont unendlicher Konjunktive? Aus Allmacht wird Ohnmacht. Eine Entscheidung für etwas bedeutet fast immer auch ein „Nein“ zu etwas anderem. Wer sich nicht entscheidet, muss also auf nichts verzichten?

"Auf nichts verzichten" – das ist der neuen Leitspruch. "Abnehmen und auf nichts verzichten. Sparen und auf nichts verzichten. Eine Leben für alle, die auf nichts verzichten wollen." Doch ist das möglich? Ein Leben ohne Verzicht? Heißt es nicht, wir sind die Summe unserer Entscheidungen? Und wer sind wir dann, wenn wir nicht mehr in der Lage sind zu entscheiden?

Ein Konjunktiv?

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2 Antworten

Kommentare

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    Auch ich finde, die Gedanken gut, und nicht aufdrängend oder gar nervend, auf den Punkt gebracht. Ich will auch gar nicht weiter auf den Text eingehen, und die Worte so belassen, denn im Endeffekt, hast du es gut umschrieben; das große Ganze.

    17.10.2012, 23:02 von topfbluemchen
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  • 1

    Ziemlich gut auf den Punkt gebracht! Niemand scheint sich mehr für etwas entscheiden zu wollen aber ist es nicht so dass wir und dadurch selbst so viel Vorenthalten. Ständig im Konjunktiv wird auf die Dauer anstrengend und kann meiner Meinung nach nicht zu einem glücklichen Leben führen. Natürlich sollte jeder seiner Träume leben,Aber selbst dafür Bedarf es einer Entscheidung. 

    Danke für den Text!

    17.10.2012, 22:48 von ifLoveWasAWord
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