hani_traeumt 12.02.2010, 01:16 Uhr 6 3

Kollektive Idiotie

Es hat wieder begonnen - 5 Tage Horror

Es hat wieder begonnen - 5 Tage Horror für alle die, die mit Karneval nichts am Hut haben.
Es wird sich geübt im "Bützen", Trinken und Torkeln.
Mein Tag beginnt um halb sieben, der Magen ist leer, jedoch passt nur eine Tasse Kaffee hinein, meine Laune ist grenzwertig. Der Blick aus dem Fenster ist wenig verheißungsvoll, Minusgrade und Schneegriesel..."Moment, welcher Tag ist heute?", schießt es mir durch den Kopf. Schmerzlich werde ich daran erinnert: Es ist Weiberfastnacht, die jecke Zeit hat begonnen.
Mit getrübter Stimmung begebe ich mich raus ins trübe Wetter, warte schlotternd auf den Bus, endlich eingestiegen erscheint alles noch normal. Auf dem Fußweg zur Schule hin wächst die Spannung: "Was wird heute noch so alles passieren?" Wenig unauffällig haben sich drei Mittelstufenschüler hinter einer Garage positionniert und konsumieren soeben illegale Substanzen, der Geruch ist selbst zwanzig Meter gegen den Wind unverkennbar.
Der Blick auf den Schulhof ist wenig erheiternd: Müll, leere Bierflaschen und eine Horde Unterstufenschüler, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, als Eisbären verkleidet eine silberne Lautsprecherbox mit dem neusten i-phone-Modell draufgeschnallt und dem Dauernervtöter "Disko Pogo" durch die Gegend zu tragen. Die Laune sinkt proportional zum steigenden Anblick des Grauens.
Ich betrete die Mädchentoilette, wenig überrascht nehme ich die leeren Klopferfläschchen, Sektflaschen und geleerten Flachmänner auf Waschbecken, Heizung und Toilettenpapierspender wahr. Hauptkonsumenten sind wohl Minderjährige.
Der sonst niveaugeladene Geschichtsunterricht wird durch ständige Autocorsos und Polonaisen gestört, der Wahnsinn klopft unaufhaltsam gegen das Innere der eigenen Schädeldecke. Mathe verläuft nicht anders, ich bin froh, als ich endlich die Schule verlassen darf, genug habe ich von betrunkenen Schülern, zurecht genervten Lehrern und dem Vlksgrauen "Disko Pogo". Auf dem Heimweg überdenke ich das anstehende Mittagessen, an das so mancher Karnevalsbesucher wohl auch lieber gedacht hätte, bevor er die erste Flasche Vodka geöffnet hat.
Mit einigen Freunden ausgestattet mache ich mich auf zum "Brunnen", der sich mittlerweile zum traditionnellen Treffpunkt alkoholisierter Jugendlicher etabliert hat. Am Brunnen beginnt eine Art Minenlauf: Der Boden ist übersät von Glasscherben und Müll, die Haltbarkeit der geliebten Schuhe wird hiermit auf die eiserne Probe gestellt.
Ich treffe bekannte Gesichter, das einzig Störende ist, dass sie mir nicht mehr bekannt sind: Sie sind sternhagelvoll. Ich bin sternhagelnüchtern.
"Und das ist auch gut so!", denke ich mir, als ich die Jugend näher betrachte: Um 13 Uhr treffen die ersten Krankenwägen ein, Polizei und Ordnungsamt versuchen vergeblich, die Leute vom Trinken abzuhalten, vergebliche Liebesmüh.
Durch die Straßen streifend stelle ich mir einige Fragen:

Was bringt Jugendliche dazu, an Karneval alle Prinzipien und Werte für Alkohol über Bord zu werfen?
Kennen sie die eigentliche Bedeutung von Karneval und sind sie sich im Klaren, dass die tausend und abertausend Gehirnzellen, die sie sich im Laufe der vergangenen Stunden aus dem Hirn getrunken haben nicht einfach mir nichts, dir nichts, ersetzt werden können?

Restlos entnervt verlasse ich den Ort des Geschehens und komme nun zu einem Fazit:
Wer sich betrinken will, darf das gerne tun, das Jahr hat immerhin 365 Tage, etliche Wochenenden und Feiertage, an denen alles getan und gelassen werden kann, was einem gerade so im Kopf vorschwebt. Aber all diese alkoholgesteuerte Geilheit auf fünf Tage zu projizieren, ist lächerlich. Man macht sich zum Affen, verkleidet sich im besten Fall auch noch als einer ( somit würde die Problematik der zuletzt anstehenden Identifizierung aufheben ), hat keine Kontrolle über sich, über die anderen noch weniger, und wacht am nächsten Tag mit Kater auf.
Alles Dinge, die niemand braucht.
Genauso wenig, wie "Disko Pogo" ohder ähnlicher Party-Schranz gebraucht wird.
Nur was tun gegen die kollektive Idiotie, die sich mittlerweile zur Volkskrankheit ausweitet? Mit gutem Beispiel vorangehen und versuchen, Karneval zu ignorieren? Ein netter Versuch, nur eigentlich sinnfrei, wenn man bedenkt, dass man mitten in der Karnevalshochburg lebt. Zu Hause sitzen, lesen und sich in Gedanken über die lustig machen, die bei Eisestemperaturen in ihren Miniröckchen und den zerrissenen Nylonstrumpfhosen darauf warten, sich mal wieder ordentlich die Kante geben zu dürfen?

Ich entscheide mich für Punkt zwei, nehme entspannt mein Buch in die Hand und warte auf bessere Zeiten. Und die werden kommen, immerhin daueert Karneval nur 6 Tage an, dann ist alles vorbei.
Hoffentlich!

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6 Antworten

Kommentare

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    Ein dreifaches HELAU auf alle KrankenwÄgen :D

    12.02.2010, 09:22 von AnnaEcke
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      @AnnaEcke Ich geh dieses Jahr als Rechtschreib- und Grammatiknazi (inspired by Kocdings...kann mir den Namen nicht merken). Praktisch ist das, denn es braucht keine Maskerade.

      12.02.2010, 09:24 von AnnaEcke
    • 0

      @AnnaEcke Ich geh rot!

      12.02.2010, 09:37 von quatzat
    • 0

      @quatzat fehlt dir nur noch ne armee...

      12.02.2010, 09:38 von AnnaEcke
    • 0

      @AnnaEcke http://tinyurl.com/yemx4qf

      12.02.2010, 09:52 von quatzat
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    wie recht du hast :)

    12.02.2010, 08:56 von JTG
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    Startseite.

    12.02.2010, 02:09 von Steifschulz
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    ahhh okay. jetzt verstehe ich. mein abend verlief ähnlich. auch ohne karneval

    12.02.2010, 02:01 von IceIceFriedhelm
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