MiguelStinson 21.11.2011, 01:54 Uhr 1 3

Klarheiten - getrübt, dehnbar und diffus.

"Oder sollte ich mir sogar eine Japanerin mit einer leicht hypersexuellen Veranlagung suchen, die womöglich noch relativ gut Sushi zubereitet?"

Einst las ich in einem Zeitungsbericht, es ist sicherlich schon viele Jahre her, dass ein reges Sexualleben mit vielen wechselnden Sexualpartnern, statistisch bewiesen, für ein längeres und gesünderes Leben sorge.
Dass Japaner mit gutem Abstand eine deutlich höhere Lebenserwartung hätten, als wir sie verbuchen können, dass sie gar die höchste Lebenserwartung von allen hätten, erfuhr ich einige Zeit später. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen und recherchierte über das Liebesleben unserer Mitmenschen aus dem ganz fernen Osten.

Leicht verwundert musste ich feststellen, dass eben diese Japaner statistisch gesehen am seltensten sexuelle Handlungen vollführen.
Wie sollte ich diese Informationspaarung also deuten?
Natürlich ist mir bewusst, dass die Meeresluft und eine auf Fisch basierte Ernährung sicherlich großen Einfluss auf diese Statistiken haben, auf die Lebenserwartung aber sicherlich 
auch auf den sexuellen Aspekt.
Der Duft von Fisch wird schließlich in den meisten Nasen dann doch als eher unangenehm empfunden.
Aber wie sollte ich meine neu erlangten Erkenntnisse werten?
Sollte ich mein Sexualleben stark antreiben?
Oder sogar eine Japanerin mit einer leicht hypersexuellen Veranlagung suchen, die womöglich noch relativ gut Sushi zubereitet? Vielleicht hilft mir eine Anzeige im Internet weiter.

Kürzlich erst habe ich in einem Online-Nachrichten-Portal gelesen, dass das Internet laut einer Studie, alles in Allem, für ebensoviel CO-2 Austoß verantwortlich sei, wie der gesamte Flugverkehr weltweit.
Damit rechnet man doch nun wirklich nicht.
Internet also fernöstlicher Segen oder uns grillender Fluch?
Sollte man es also doch besser meiden?
Aber was würde dann mit dem bequemen Einkaufen von zu Hause aus, mit dem wissenschaftlichen Austausch, mit Nachrichtenverbreitung,
mit den vielen praktischen Gratisfilmchen oder Facebook 
und Neon.de geschehen?
Reicht es, wenn ich mich entweder auf's Internet
oder das Fliegen beschränke?
Aber wie schaffe ich es dann meine Japanerin für Leibesgelüste zu finden, geschweige denn sie einfliegen zu lassen?

Neulich erzählte ich einem Freund, dass ich mir mein Gewissen reinkaufte, indem ich einen mittelgroßen Betrag an bedürftige Kinder in Afrika spendete, für Kleidung, Nahrung und Medizin.
Er erklärte mir eindrucksvoll, dass ich auf diese Weise mehr Menschen töte und nicht rette.
Tatsächlich sei ein Massensterben durch Hunger ein natürlicher Regulationsprozess, der dafür sorgt, dass die beschränkt vorhandenen Lebensmittel irgendwann für alle Mägen reichen.
Wenn ich also diese von Armut gekennzeichneten Länder mit Lebensmitteln unterstütze, verbessere ich den aktuellen Zustand, was, wenn viele diesen Weg gehen, dafür sorgt, dass sich die Population der dort ansässigen Menschen stark vergrößert.
Ein Erfolg in der Momentaufnahme.

Fielen nun meine Hilfestellungen weg, und die der vielen Millionen anderen Spender, so gäbe es ebenso wenig Nahrung wie vorher für noch wesentlich mehr Mäuler, was unweigerlich dazu führt, dass mehr Menschen sterben, als wenn ich gar nicht geholfen hätte.
Wie Schuppen fiel es mir von den Augen und ich war schockiert, dass ich offenbar am Tode so manch vielleicht sogar noch ungeborener Menschen Schuld trage.
Selbstverständlich suchte ich Organisationen, die in die Infrastruktur der armen Länder investieren, wissentlich im Internet.
Schließlich gibt man den Menschen für lediglich einen Tag zu Essen, wenn man Ihnen einen Fisch fängt, lehrt man sie allerdings das Fischen, ernährt man sie ein Leben lang, scheinbar sogar ein langes Leben lang.

Auch Handys sind zurzeit wieder stark in die Diskussion gerückt, seitdem sie von der WHO letztendlich doch auf die Liste potenzieller Krebserreger gesetzt wurden. Man könnte nicht ausschließen, dass häufiges Telefonieren zu Hirntumoren führe oder das einfache Tragen in Hosentaschen zu Hodenkrebs, ein schrecklicher Gedanke.
Dabei überlege ich mir schon seit einiger Zeit mir endlich mein erstes iPhone zu holen, weil Apple ja doch nicht Ruhe gibt, ehe jeder Erdenbewohner ein solches besitzt. Meine japanische Glücksfee befindet sich ja schon länger in der Zielgruppe dieses Konzerns, doch wird sich auch Apple maßgeblich am Aufbau einer sich selbst tragenden Infrastruktur in ärmeren Ländern weltweit beteiligen, um seine Ziele zu erreichen? Vielleicht sollten sie endlich an einer sinnvollen, einer Anti-Krebs-App arbeiten.
Steve Jobs hätte sicherlich keine Einwände gehabt.
Denkbar wären natürlich auch Aufkleber auf den Handys, wie man sie ebenso auf Zigarettenpackungen findet, wie in etwa:
"Telefonieren fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu", was das Verkehrsamt schon lange predigt, oder "Häufiges Telefonieren mit Handys kann zu Gehirntumoren führen. Rufen Sie mich also nicht wegen jedem Schwachsinn an!"
Ohnehin hasse ich es zu telefonieren.
Als Mann ist man bekanntlich nicht multitasking-fähig und während eines Telefonats an das solche mit ganzer Aufmerksamkeit gebunden, was zur Folge hat, dass man sich kaum auf etwas anderes konzentrieren kann, um anderen, vielleicht wichtigeren oder angenehmeren Dingen nachzugehen, was letztendlich auch der Grund dafür ist, weshalb ich wesentlich lieber schreibe.

Weil ich aber für schriftliche Kommunikation auf das Internet angewiesen bin, da ich lange Wartezeiten über die Post nur zu gerne vermeide, werde ich in Zukunft wohl auf Fernflüge verzichten müssen.
Meine lebensrettende Japanerin werde ich demnach sicher nie kennenlernen, dafür aber den einen oder anderen €uro übrig haben, um in die Zukunft so manch anderer Menschen zu investieren, deren Probleme so gewaltig sind, dass sie sich wahrscheinlich niemals mit solchen Dingen beschäftigen, wie ich es aktuell tue.

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