Klarheiten - getrübt, dehnbar und diffus.
"Oder sollte ich mir sogar eine Japanerin mit einer leicht hypersexuellen Veranlagung suchen, die womöglich noch relativ gut Sushi zubereitet?"
Einst las ich in einem Zeitungsbericht, es ist sicherlich schon viele Jahre her, dass ein reges Sexualleben mit vielen wechselnden Sexualpartnern, statistisch bewiesen, für ein längeres und gesünderes Leben sorge.
Dass Japaner mit gutem Abstand eine deutlich höhere Lebenserwartung hätten, als wir sie verbuchen können, dass sie gar die höchste Lebenserwartung von allen hätten, erfuhr ich einige Zeit später. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen und recherchierte nach Informationen über das Liebesleben unserer Mitmenschen aus dem ganz fernen Osten.
Wie sollte ich diese Informationspaarung also deuten?
Natürlich ist mir bewusst, dass die Meeresluft und eine auf Fisch basierte Ernährung sicherlich großen Einfluss auf diese Statistiken haben, auf die Lebenserwartung aber sicherlich
Der Duft von Fisch wird schließlich in den meisten Nasen dann doch als eher unangenehm empfunden.
Aber wie sollte ich meine neu erlangten Erkenntnisse werten?
Sollte ich mein Sexualleben stark antreiben?
Zugegeben, in letzter Zeit lief diesbezüglich reichlich wenig,
Oder sollte ich mir sogar eine Japanerin mit einer leicht hypersexuellen Veranlagung suchen, die womöglich noch relativ gut Sushi zubereitet? Vielleicht hilft mir eine Anzeige im Internet weiter.
Kürzlich erst habe ich in einem Online-Nachrichten-Portal gelesen, dass das Internet laut einer Studie, alles in Allem, für ebensoviel CO-2 Austoß verantwortlich sei, wie der gesamte Flugverkehr weltweit.
Damit rechnet man doch nun wirklich nicht.
Internet also fernöstlicher Segen oder uns grillender Fluch?
Sollte man es also doch besser meiden?
Aber was würde dann mit dem bequemen Einkaufen von zu Hause aus, mit dem wissenschaftlichen Austausch, mit Nachrichtenverbreitung,
Aber wie schaffe ich es dann meine Japanerin für Leibesgelüste zu finden, geschweige denn sie einfliegen zu lassen?
Neulich erzählte ich einem Freund, dass ich mir mein Gewissen reinkaufte, indem ich einen mittelgroßen Betrag an bedürftige Kinder in Afrika spendete, für Kleidung, Nahrung und Medizin.
Er erklärte mir eindrucksvoll, dass ich auf diese Weise mehr Menschen töte und nicht rette.
Tatsächlich sei ein Massensterben durch Hunger ein natürlicher Regulationsprozess, der dafür sorgt, dass die beschränkt vorhandenen Lebensmittel irgendwann für alle Mägen reichen.
Wenn ich also diese von Armut gekennzeichneten Länder mit Lebensmitteln unterstütze, verbessere ich den aktuellen Zustand, was, wenn viele diesen Weg gehen, dafür sorgt, dass sich die Population der dort ansässigen Menschen stark vergrößert.
Ein Erfolg in der Momentaufnahme.
Wie Schuppen fiel es mir von den Augen und ich war schockiert, dass ich offenbar am Tode so manch vielleicht sogar noch ungeborener Menschen Schuld trage.
Selbstverständlich suchte ich Organisationen, die in die Infrastruktur der armen Länder investieren, wissentlich im Internet.
Schließlich gibt man den Menschen für lediglich einen Tag zu Essen, wenn man Ihnen einen Fisch fängt, lehrt man sie allerdings das Fischen, ernährt man sie ein Leben lang, scheinbar sogar ein langes Leben lang.
Dabei überlege ich mir schon seit einiger Zeit mir endlich mein erstes iPhone zu holen, weil Apple ja doch nicht Ruhe gibt, ehe jeder Erdenbewohner ein solches besitzt. Meine japanische Glücksfee befindet sich ja schon länger in der Zielgruppe dieses Konzerns, doch wird sich auch Apple maßgeblich am Aufbau einer sich selbst tragenden Infrastruktur in ärmeren Ländern weltweit beteiligen, um seine Ziele zu erreichen? Vielleicht sollten sie endlich an einer sinnvollen, einer Anti-Krebs-App arbeiten.
Steve Jobs hätte sicherlich keine Einwände gehabt.
Denkbar wären natürlich auch Aufkleber auf den Handys, wie man sie ebenso auf Zigarettenpackungen findet, wie in etwa:
"Telefonieren fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu", was das Verkehrsamt schon lange predigt, oder "Häufiges Telefonieren mit Handys kann zu Gehirntumoren führen. Rufen Sie mich also nicht wegen jedem Schwachsinn an!"
Ohnehin hasse ich es zu telefonieren.
Als Mann ist man bekanntlich nicht multitasking-fähig und während eines Telefonats an das solche mit ganzer Aufmerksamkeit gebunden, was zur Folge hat, dass man sich kaum auf etwas anderes konzentrieren kann, um anderen, vielleicht wichtigeren oder angenehmeren Dingen nachzugehen, was letztendlich auch der Grund dafür ist, weshalb ich wesentlich lieber schreibe.
Meine lebensrettende Japanerin werde ich demnach sicher nie kennenlernen, dafür aber den einen oder anderen €uro übrig haben, um in die Zukunft so manch anderer Menschen zu investieren, deren Probleme so gewaltig sind, dass sie sich wahrscheinlich niemals mit solchen Dingen beschäftigen, wie ich es aktuell tue.




Kommentare
Du drückst so wunderbar das Paradoxon unserer Zeit aus.
Hey danke^^
14.02.2012, 18:35 von MiguelStinsonEmpfinde diesen Text hier allerdings auch als meinen gelungensten...
.. aber... naja... Geschmackssache :)