Kirche ist für mich wie Sex
Wie wär's denn damit: Statt über den Weltjugendtag zu streiten, erinnern uns daran, dass Religion was ganz Intimes ist - so wie Sex.
"Der Gentleman genießt und schweigt", sagt man. Warum sich dieses ehrenwerte Credo nicht auch in Sachen Religion etablieren konnte, bleibt mir unverständlich. Mal ehrlich, wollen wir wissen, ob es Gott gibt? Ja. Wollen wir sterben? Nein. Was bleibt uns also? Warten! Warum das Warten nicht so erträglich wie möglich gestalten? Ich jedenfalls lebe philosophisch relativ eindimensional. Wenn ich morgens die Haustür hinter mir schließe, versuche ich zu lächeln. Komme ich abends zurück, versuche ich das Gleiche. Solange das klappt, kann das Dasein allzu schlimm nicht sein.
Klar, dann kommen wieder die, die sagen: Dir ist wohl alles egal? Ich könnte antworten "Ja". Es wäre so schön einfach. Aber ich würde lügen. Nur: Wer frotzeln will, der soll frotzeln. Wer sich angegriffen fühlen möchte, ist herzlich eingeladen. Ändern wird er nichts. Möchte er aber etwas ändern, dann soll er das tun. Er braucht es mir nicht einmal zu sagen. Ich werde es schon merken. Von seinem Glauben überzeugen, muss er mich dazu nicht. Denn eines ist mir in diesem Punkt besonders bewusst. Er weiß nicht mehr als ich.
Wenn man den Christen etwas vorhalten kann, dann eines: Das Missionieren war keine gute Idee. Wer das verstanden hat, sieht auch die übrigen Akzidentalien des Lebens viel, viel ruhiger. Linksblinker auf der Autobahn zum Beispiel bremse ich schon lange nicht mehr aus. Würden sie verstehen? Nö, sie würden sauer.





Kommentare
ich glaube ihr habt den weltjugendtag ein bisschen seehr aus einer perspektive gesehen. Klar waren da ein paar Ausgeflippte dabei (bei der WM hätte man über die nur gelächelt), aber es waren Menschen die offen über etwas reden konnten, was andere nur noch in ihrem stillen kämmerlein interessiert. Und wegen dem Papst sind die meisten da nicht hin, die mit dem Ben-e-detto, das waren ja wohl die Italiener ;-)
24.08.2006, 09:54 von Elena_crosstoller Text.
25.08.2005, 17:19 von SplinterIch würde das Versagen der Christen nicht nur auf das Missionieren beziehen, sondern auf jede Religion und jeden Versuch, sich über oder durch sie zu äußern, ausdehnen. Wie Wittgenstein fein festgestellt hat, handelt es sich bei der Religion - bestenfalls - um einen Teil des "Mystischen" in der Welt, über das man nicht reden sollte, weil es auf keine Frage eine eindeutige Antwort gibt. Darauf spielt in deinem Text ja auch die Frage in Bezug auf die Existenz Gottes an. Man kann glauben, woran man will, aber scheinbar leidet der Mensch an der Krankheit, damit nicht zufrieden zu sein, sondern es möglichst noch anderen aufzudrücken zu wollen.
@Boebi
24.08.2005, 20:43 von pajamaach ja? du glückliches menschenkind. ich saß im wagen gefangen und war auf dem weg zur arbeit. hatte gerade geparkt und schrieb eine sims. da kamen sie an. argh .. "come on, sing with us .." rüttelten am wagen, klopften auf das dach und so. ich dachte ich spinne! ich fand das doch argh krass.
@lallef
23.08.2005, 01:53 von pajamainteressante gedankenwelt hast du da - auch der untertitel gefällt. ;o)
@JuliaLH-747
das sind zufälligkeiten / vorkommnisse ;o)
@Beobi
bei scrabbel behindern sie einen allerdings nicht so sehr im straßenverkehr oder rütteln an deinem wagen und versuchen dich zwangs zu bekehren *jamma*
Klasse
21.08.2005, 11:07 von 9amir9Mir gefaellt der Text auch... Wenn mir jetzt noch jemand erklaeren koennte, was "Akzidentalien" sind, bin ich gluecklich *lach*
21.08.2005, 03:47 von JuliaLH-747