zzebra 30.11.-0001, 00:00 Uhr 142 2

Kamerad Kamera oder Zur Datenspende bitte!

Es grenzt an Hysterie, diese Angst vor der Datenmanie des Staats. Vom staatlichen Zugriff, der nicht schmerzt, falls er unnötig war.

Ehrlich. Mich stört es nicht, wenn per Video die gesamte Bevölkerung überwacht wird; intensives TV Glotzen soll bekanntlich verblöden, Videos überprüfende Staatsbedienstete müssen also eher bedauert, denn gebrandmarkt werden. Und: Wenn es der Sicherheit dient? Kameras an jede Ecke meinetwegen, ich liebe es, beim spazieren gehen bewaffneten Grünjacken zu begegnen, das schreckt mich nicht, im Gegenteil: es beruhigt. Kameras überall? Her damit!

Heimliche Rechnerdurchsuchungen von staatlicher Stelle sind mir auch gleich, die besseren Wichsbildchen finden sich garantiert in den Untiefen des www und das dort tonnenweise, denn auf meinem PC mit mir und dem Meer am Nacktbadestrand; spätestens seitdem Günther Verheugen im Baltikum im Adamskostüm herumspazierte, interessiert so etwas nur noch psychopathische Spanner oder die BILD-Zeitung. Was soll an nackten Körpern schon groß dran sein?

Vorratsdatenspeicherung behördlicherseits ist mir auch Pelle, wenn sie in Pullach, Berlin oder wo auch immer Platz für all das Datenmüll-Gedöns haben, bitte sehr: Ich hätte da noch etliche Megabytes an ollen Kurzgeschichten und sentimentalen Artikeln abzugeben, solch gefühlsdusseligen Kitsch, zum Gähnen albern, wem darf ich's uploaden?

Zentrale Fingerabdruck- und Passfotodatenbanken sollen bedenklich sein? Für wen? Meinetwegen dürfen sie jeden Quadratzentimeter meines Körpers einscannen, jeden Hautpartikel der Höhe und der Breite nach abmessen und, falls nötig, die Länge meines Schwanzes notieren, sie dürfen die Fläche meiner stetig wachsenden Glatze wochenweise hoch oben von Satellit aus per GPS ablichten und statistisch auswerten, ich sende ihnen sogar noch einen Siebdruck meines nackten Hinterns ein, vorausgesetzt, ich kriege es bezahlt und es geht portofrei. Ein krauses Haar, ein wenig Spucke und eine alte Socke können sie ebenfalls bekommen. Wer heutzutage wirklich an das Gen eines Mitmenschen kommen will, der kriegt es auch, und das nicht erst seit der letzten Tatort-Folge.

Jeder hat seine Leiche im Keller, die wenigsten dieser "Leichen" sind allerdings de facto interessant für den Staat, soll er doch wissen, was er will, sich daran aufgeilen, wie er will, es juckt doch nicht, es tut nicht weh, da ist ein Pieks beim Doktor lästiger, denn da muss man auch noch warten drauf. In 99% erwähnter Keller menschelt es bloß, ok, bei manchen müffelt es gewaltig, tja, und wenn schon, na und? Sonst: nichts. Allerdings verstehe ich ein paar weniger harmlose Subjekte aus der verbliebenen 1%-Fraktion, doch denen gehört genau wegen ihrer Unberechenbarkeit ordentlich auf die Finger gesehen, genau das macht die Datenerhebung sinnvoll und die Gesellschaft sicherer.

Dass dieses gewisse Klientel Furcht davor hat, weil strafrelevante Dinge aus deren Verborgenheit ans Tageslicht kommen könnten, das verstehe ich nur zu gut. Wäre ich Betroffener, ich schriee auch lauthals, damit keiner einen spiegelreflektierten Abdruck meiner gemein(schafts)gefährlichen Gehirnwindungen heimlich abspeichern und aus dem Hut zaubern kann, wenn ich krumme Finger kriege. Aber so?

Lieber Staat, bitte hol dir meine kompletten biometrischen Daten, den genetischen Fingerabdruck und den Neuronenscan meiner Psyche, archiviere das alles und buchte mich ein, wenn ich wirklich der gesuchte Mörder, Erpresser oder Terrorist bin, damit ich mich und alle anderen vor mir selbst schütze, aber falls nicht: Lass mich einfach in Ruhe mit dem ollen Kram und füttere die Medien besser mit Rock-Längen, Dieter Bohlen und Flachfußball; das heitert immerhin mehr auf als solch Spektakel.

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142 Antworten

Kommentare

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    Wirklich Sinn macht es hier mit dir schon lange nicht mehr. Wer sich einladen lässt, ist selbst schuld.
    Ende.

    zz.

    21.05.2007, 14:15 von zzebra
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    @zzebra

    Ich frage mich, wie Du eigentlich liest.

    "... nicht allerdings darauf, dass du weiterhin überzeugen möchtest."

    Ich habe in meinem letzten Kommentar tatsächlich von diesem Vorhaben Abstand genommen und darauf angespielt, mit welcher Ausdrucksweise man welche Reaktionen einfährt. (Der Begriff Schwanzlänge kommt im Text vor, und zwar als Beispiel. Ne Metapher ist was anderes.)
    Willst Du mir also nochmal sagen, daß dieses Anliegen angekommen ist?
    Wäre ja fein.

    "nicht deinem aufdringlichen missionarisch-apodiktischen (Meinungs-)Bildungsauftrag"

    Den Nachweis, daß ich mich diesbezüglich von Dir unterscheide, hätte ich gern einmal. Ich habe meine Meinung geäußert sowie die Meinung und den Stil Deines Artikels bzw. Deiner Kommentare kritisiert. Später auch lächerlich gemacht durch Übertreibungen. Ein Stilmittel, welches Du von Beginn an eingesetzt hast. Wo ist also meine Mission?

    "Die Beantwortung nicht zielführender Beiträge ist kein Indiz für Qualität"

    Nö. Hab ich auch nicht behauptet. Macht aber offensichtlich eher Sinn, nicht zielführende Beiträge zu schreiben, weil diese eben beantwortet werden. Purer Opportunismus ist das von mir.

    "Mehrheiten überzeugt man bisweilen selbst durch exaltierte Panikmache, in dem Punkt stimme ich dir sogar zu."

    Kann mich nicht an eine diesbezügliche Äußerung von mir erinnern. Ich weiß nicht, ob Du es mitbekommen hast, aber: Ich vertrete durchweg eine andere Meinung als die im Artikel vertretene, inkl. des Themas Panikmache.

    "kann man nicht davon ausgehen, dass eine Mehrheit an Kommentaren hier zugleich eine Mehrheit im Lande ist."

    Eben GENAU das schrieb ich in meinem letzten Kommentar.
    Weswegen ich hier keinen mehr überzeugen muß. Aber im off, im RL (wie auch immer) wird das ein Thema bleiben. Und gerade, weil ältere Leute sich oft koventionell informieren, unterliegen sie schnell den Begründungszwängen von Regierungs- und Sicherheitspolitikern.

    "Ich erinnere: Das Thema drehte sich erst um Schwanzlängen, als..."

    Ja, da hast Du recht. Ich hab in diesem Begriff auch lediglich einen Aufhänger für grundsätzliche Kritik am Stil des Textes benutzt.

    Und ich bringe es nochmal auf den Punkt: DU machst in Deinem Text und in Deinen Kommentaren andere Meinungen lächerlich oder verächtlich. Von Beginn an. Du lädst quasi zu nicht zielführenden Kommentaren ein.

    21.05.2007, 13:54 von LudwigMartin
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    @Luma:

    Es sei noch einmal daran erinnert, dass eine Meinung nicht durch die Masse der sie vertretender Menschen an Überzeugungswert gewinnt (eine Million Fliegen könne nicht irren...), sondern durch deren Inhalt. Dein Schauplatzwechsel auf primäre Geschlechtsmerkmale lässt also auf vieles schließen, nicht allerdings darauf, dass du weiterhin überzeugen möchtest.

    Im übrigen: Was welche Rolle spielen soll und was nicht, sei dahingestellt, das sollte jedem selbst zur Entscheidung gelassen werden, nicht deinem aufdringlichen missionarisch-apodiktischen (Meinungs-)Bildungsauftrag. Ich nehme deine persönliche Einschätzung aber dennoch hiermit zur Kenntnis.

    Die Beantwortung nicht zielführender Beiträge ist kein Indiz für Qualität, in diesem Fall dienen sie wohl eher einem wie auch immer gearteten Unterhaltungszweck. Meinungsbildende Prozesse laufen immer wieder mit persönlichen Befindlichkeiten ab, gereizt wie du reagierst, ist dies das beste Indiz.

    Mehrheiten überzeugt man bisweilen selbst durch exaltierte Panikmache, in dem Punkt stimme ich dir sogar zu.

    Mehrheiten in einem Forum sind nur dann maßgeblich, wenn sie unabhängig, übergreifend und umfassend getroffen wurden. Da dieser Artikel in der Versenkung ruht, kann man nicht davon ausgehen, dass eine Mehrheit an Kommentaren hier zugleich eine Mehrheit im Lande ist. (Hinweis: Siehe die vielen älteren Menschen, deren Grundbedürfnis nach Sicherheit ein etwas anderes ist als das des Klientels hier. NEON-User sind, auch wenn sie es oft so formulieren, nicht der Meinungs-Nabel der Welt.)
    Es sei denn: siehe Absatz vorher.

    Deine Unernsthaftigkeit betreffs deines Schwanzlängenbeitrags, um mir eins auszuwischen - ich erinnere: im Artikel dient diese Erwähnung nur als Bild, Metapher - ist allerdings in deinem eigenen Gästebuch weit besser aufgehoben. Ich erinnere: Das Thema drehte sich erst um Schwanzlängen, als ein paar damit Problembehaftete (aus Argumentationsenge?) näher darauf eingingen. Na... wer's nötig hat...
    *schulterzuck*

    Mit besten Grüßen
    dein amüsierte zzebra

    21.05.2007, 09:58 von zzebra
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    Das liebe bibliophilie ist ja das Dilemma.

    Ich finde wenn wir dieses anfangen zu tun muessen wir uns zwangslaeufig mit allem beschaeftigen wessen wir uns gerade nicht so zu wenden. Doch das taten wir unbewusst "absichtlich". Wir wollten uns bis jetzt nicht damit auseinandersetzen. Und tun wir es nur ein bisschen reisst die leine und alles steht vor uns.

    Wir muessten einsehen das die Medizin nicht wirklich besser geworden ist. Sie ist so gut das wir mit unserem Lebensstil genauso alt werden wie auch schon vor 2500 Jahren. Aristoteles wurde aelter als 70 Jahre. Zu dieser Zeit trug es sich zu das man Pornos ueber Vasen zur Schau stellte. Alles schon mal dagewesen oder nur nicht wirklich fortschrittlich geaendert?

    gruss que

    20.05.2007, 08:34 von que_che
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    Zur Abkühlung der scheinbar leicht erhitzten Gemüter:

    "1984" von George Orwell

    Altbekannte Lektüre, die es jedoch auf den Punkt bringt. (Für manche) Ein Nachteil: Der Kommentar umfasst dann etwa 380 Seiten.

    Mir kam es in diesem Meinungsaustausch (das war er nur) so vor, als sei die Zukunft ein wenig unbeachtet.
    Natürlich ist die momentane Situation wenig "gefährlich", doch sollte der Prozess beachtet werden.

    Denn die Richtung ist eindeutig.

    19.05.2007, 23:33 von bibliophile
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    Ob meine Kommentare zielführend oder (ir)relevant sind, spielt bei diesem Text und diesem Diskussionstil wirklich keine Rolle mehr.

    Immerhin werden meine nicht-zielführenden Beiträge wenigstens beanwortet - im Gegensatz zu den anderen. Ich hab mich ernsthaft aus dem Inhaltlichen hier verabschiedet, weil Du in einem Recht hast: es gilt nicht, jeden Provokanten zu überzeugen, sondern darum, Mehrheiten darauf aufmerksam zu machen, daß Grundrechte in Gefahr sind.

    Und wenn ich mir die Mehrheiten hier im Forum anschaue, kann ich sagen, daß hier nichts weiter zu tun ist. Im echten Leben vielleicht eher...

    Viel Spaß noch beim Geikeln und Feixen über die potentiell kriminellen Angsthasen! :-)

    19.05.2007, 12:52 von LudwigMartin
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    @HerrCarson:
    Der deutsche Staat funktioniert weitaus zuverlässiger als die Summe seiner Individuen, die jeden Schatten, den ein Gesetz wegen dessen Kontrollunfähigkeit wirft, ausnützen, um zu bescheißen. Diese graue Betrügermasse, die seit zig Jahren im Wesen und den Gehirnen der deutschen Bürgermasse fröhliche Urständ hält (siehe elftes Gebot) gilt es zu organisieren gilt. Wie die Historie zeigt, ist der Staat wie wohl nicht perfekt organisiert, aber weit zuverlässiger als seine Bürger, denen Nischen-Anarchie immer dann lieb ist, wenn sie davon profitieren, aber nach dem Rockzipfel Staat greifen, wenn es ihnen mies geht. Das Missverhältnis zwischen Liebe zum organisierten Haufen und feistem Schlupfloch-Gelächter wirft die Beobachtungsmanie auf.
    :)

    @Romeo:
    Was du nicht alles raus liest, Donner auch... Hat wohl seine Gründe...
    :D

    @veit:
    Stimme dir zu. Aber allwissend ist der Staat nicht, wenn er meine Fingerabdrücke hat, ein digitalisiertes Passbild, ein paar abgehörte Telfongespräche, in denen ich mit Omma plaudere, wenn er ein paar griselige Funzelaufnahmen von mir auf einem Bahnsteig, in einem Einkaufszentrum oder am Flughafen hat, wie oben im Artikel erwähnt, darf er gerne auch noch einen Abdruck meines Hinterns haben und wissen, ob ich einen Organspendeausweis habe. Stört mich nicht.

    Aber ich bin mir bewusst, dass es Leute gibt, die das stört. Deswegen leben wir in einer Demokratie. Was dann als mehrheitsfähig durchgesetzt wird, ist dann ganz sicher Volkes Meinung, nicht wahr?
    :)

    @Luma:
    Ich weiß, dass du mich im persönlich emotionalisierten Zielfokus hast (siehe obiger Diskussionsverlauf), deswegen kann ich dich hier im Thread auch nicht mehr so ernst nehmen, wie ich es gerne möchte. btw: Meine im Artikel metaphorische Erwähnung einer öffentlichen "Schwanzlänge", muss dir wohl mächtig ins Gemächt geschlagen haben. Das war nicht meine Absicht, sry.
    :)
    Machen wir jetzt in dieser Art weiter? Macht mir richtig Spaß gerade... Und: Luma, auch diese Bemerkung eben war nicht gerade zielführend.

    *

    Nochmals:
    Was soll schlimm darin sein wenn von jedem
    - Fingerabdrücke
    - digitalisiertes Foto
    - restliche Perso-Daten wie Wohnsitz etc.
    in einem Zentralregister gespeichert sind?

    Wenn Kameras installiert sind, die bei der Aufklärung von Verbrechen helfen? (Wie bereits auf zig Autobahnen, Bahnhöfen, Flughäfen etc. geschehen)

    Wenn Gespräche mitgehört werden, die nur an Relevanz gewinnen, wenn sie verfassungsfeindlich sind oder kriminelle Absichten unterstützen?

    Der Nutzen dieser Punkte wiegt dem möglichen Schaden bei weitem auf. Wie immer IMHO.

    Daran sollte man die Diskussion festmachen. Nicht an einer wie auch immer schlechte Laune verbreitenden, weil zu ... geratenen Länge eines Fortpflanzungsorgans.
    *gröhl, feix*

    zz.

    19.05.2007, 10:51 von zzebra
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    Allein schon die Tatsache, daß es bei einem ernsthaften und grundrechteberührenden Thema plötzlich um "Schwanzlängen" geht, ist beleidigend gegenüber jedem, der sich einst gegen Totalitarität und einseitiger Machtkontrolle engagierte.

    19.05.2007, 01:32 von LudwigMartin
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    Warum so fassungslos romeo. Vor lauter davon siehst Du leider nicht das es die angesprochenen andere Seite ist, welcher Du Dich auch fuegen musst ( siehe auch aktueles Demonstrationsrecht bzw. dessen Auslegung ) der es an diesem Gefuehl mangelt. Wie auch an der sensibilitaet mitzubekommen das man solche Loesungen ebend nur Medizin sind und keine Ursachenforschung und deren beseitigung.

    Aber es ist Dir natuerlich in der meinungsfreiheit erlaubt es so zum schein zu sehen. In deiner Leistungsgesellschaft.

    gruss que

    18.05.2007, 22:25 von que_che
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    Ein Griff in mein Zeitschriftenarchiv noch:

    "Der allwissende Staat wird schnell zum allmächtigen Staat. Freiheit gibt es dagegen nur im begrenzten Staat."
    (Dieter Grimm im Interview, Die Zeit vom 17. August 06, S. 15.)

    18.05.2007, 18:00 von veit
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