jang 15.04.2008, 11:15 Uhr 2 2

Interview mit modernen tantrischen Guru

Interview mit Guru Eleven anlässlich eines „Est-meet-West“ - Happenings in Pondicherry, 2007

Paula: Guten Tag Herr Guru Eleven. Sie sind bekannt als moderner Tantrischer Guru. Könnten sie uns sagen was ist unter dem heutigen Tantra zu verstehen?

G11: Im Grunde ist darunter die Steigerung der Liebesfähigkeit zu verstehen, oder genauer gesagt das Beschleunigen der Steigerung der Liebesfähigkeit.

Paula: Das ist ja interessant. Wie genau gehen sie dabei vor?

G11: Also das ist ein sehr komplexes und kompliziertes Verfahren. Sehen sie im Leben entwickelt sich, vorausgesetzt es verläuft einigermassen normal, die Liebesfähigkeit auf natürliche Weise. Sie heiraten aus Liebe eine schöne junge Frau und mit der Zeit machen sie Kinder. Für jedes weitere Kind entwickeln sie mehr Liebesfähigkeit. Wenn sie jetzt diesen natürlichen Prozess beschleunigen wollen, dann heisst das erstmal nichts anderes als die so genannte Normalität ein wenig zu verlassen und sich in eine andere Betrachtungsweise bzw. Lebensweise einzulassen. Hier beginnt bereits Tantra.

Paula: Also sind wir eigentlich schon von Natur aus Tantriker?

G11: Ja genau. Alles ist Tantra. Sie können es wenden und drehen wie sie wollen. Sie kommen immer auf das gleiche hinaus. Beim Tantra geht es um Transformation der Lebens- bzw. der Sexenergie. Der Unterschied besteht lediglich im bewussten Zutritt zu dem was sowieso schon lange mehr oder weniger vorhanden ist.

Paula: Wie sieht dann der „bewusste Zutritt“ aus? Reicht es wenn ich einfach nur einen Kurs in Tantra besucht habe und mich Tantriker nenne und oder gehört einiges mehr dazu?

G11: Viele nennen sich Tantriker, aber wenn sie genauer hinschauen sind jene noch sehr weit davon entfernt von dem was eigentlich Tantra aus macht. Ich würde sagen, dass sich heutzutage hier im Westen viele therapeutische Sexspielereien ganz gut mit dem Begriff „Tantra“ verkaufen lassen. Dennoch sind solche Sexspielereien eigentlich für einige Teilnehmer und Teilnehmerinnen schon der erste Schritt freier und liebevoller mit Sexualität umzugehen.

Paula: Was sind dann in ihren Augen die Grundvorrausetzungen um sich überhaupt in Tantra einzulassen?

G11: Das ist eine sehr wichtige Frage. Erst einmal alle Eigenschaften die ein spiritueller Aspirant auf den geistigen Weg braucht. Das wären neben den Willen zum Guten, Ehrlichkeit, Teamspirit auch Durchhaltevermögen und Mut. Wenn ein menschlicher Charakter diese Grundqualitäten zu einem Grossteil verinnerlicht hat, dann hat er grosse Chancen auf dem tantrischen Weg enorme Fortschritte zu machen.

Paula: Das ist aber einiges. Aber in Grunde haben wir all diese Werte ja in unserer christlichen Erziehung.

G11: Die Werte sind vorhanden. Aber schauen wir was die Statistik sagt bezüglich des Wertes Ehrlichkeit. In mehr als 50% der Paare wird dauerhaft fremdgegangen. D.h. dauerhaftes über mehrere Jahre den eigenen Liebespartner betrügen. Oder, das Durchhaltevermögen hat in den letzten Jahren deutlich nachgelassen. Paare bleiben durchschnittlich nur noch 6 Jahre zusammen. Vor 25 Jahren waren es noch 20 Jahre im Durchschnitt. Sie sehen hier vielleicht keine Probleme, aber gesamtgesellschaftlich sind das weniger gute Entwicklungen. Bedenken sie nur die seelischen Probleme der ganzen Scheidungskinder.

Paula: Ja, dass ist wirklich keine gute Entwicklung. Was würden sie als tantrischer Guru empfehlen? Was sollen die Menschen machen?

G11: Ich denke als erstes sollten die Menschen den Knoten der Sexualität in Griff bekommen.

Paula: Was heisst das?

G11: Das heisst, dass sich die Menschen erst einmal darüber im Klaren sein sollen was alles mit dem Thema Sexualität zusammenhängt und wie unmenschlich die Beziehung zur Sexualität trotz sexueller Aufklärung tatsächlich gelebt wird. Im Grunde könnten wir von einer allzu nötigen Qualitätsverbesserung sprechen.

Paula: Können sie ein konkretes Beispiel nennen?

G11: Zum Beispiel habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Menschen die einen so genannten tantrischen Kurs besucht haben nicht einmal wissen was „guter Sex „ bedeutet. D.h. woran können sie überhaupt erkennen, dass sie guten Sex machen. In den Zeitschriften stehen zum Beispiel tonnenweise gut Sextipps, aber wenn sie die lesen sind sie nicht schlauer. Das Anwenden eines Sextipps heisst noch gar nichts. Die Denkweise des durchschnittlichen Menschen bezüglich der Sexualität entspricht meines erachten, dem eines vorpubertierenden Jungens. Eher nervös und zappelig und wenig verantwortlich und bewusst.

Paula: Das ist aber ein harter Vergleich. Wie kommen sie darauf?

G11: Schauen sie sich die Statistik an. Angefangen von dem Umgang mit den sexuell übertragbaren Krankheiten, über die Anzahl der ungewollten Kinder, oder der Kuckuckseiern, bis hin zu der extremen Menge an Sexualverbrechen, den Klitorisbeschneidungen und so weiter und so weiter. Sie sehen, dass es in diesem Bereich nicht gerade liebevoll und verantwortungsvoll zugeht. Möglicherweise heisst es deswegen im Westen „in Liebe fallen“ anstatt „in Liebe steigen“.

Paula: O.k. , dass ist mir jetzt klar. Aber noch mal zu dem guten Sex. Was sind die Anzeichen für guten Sex. Woran merke ich, dass ich guten Sex hatte.

G11: Dafür gibt es mehrere Hinweise. Ich will hier nur einige nennen. Sie strahlen z. Bsp. nach dem liebeserotischen Spiel einige Tage vor Gesundheit. Sie sind weniger krank und haben ein Gefühl, sie könnten Bäume ausreissen. Sie haben eine hohe Konzentrationsfähigkeit, arbeiten effektiv und zielgerichtet. Ihre Freundin strahlt während und nach dem Liebesakt wie ein Honigkuchenpferd. Ihre Augen leuchten. Sie hat gute Laune und zwar nicht nur kurz danach, sondern die ganzen nächsten Tage noch. Sie freut sich, sie wieder zu sehen und ist optimistisch gestimmt. Sie selbst fühlen sich überhaupt nicht müde, eher wie erhoben und haben wie ihre Freundin glänzende Augen und eine angenehme Körperspannung, einen klaren Verstand und Lust am Leben.

Paula: Das habe ich zwar schon mal erlebt, aber leider zu selten. Woran liegt das?

G11: Die meisten Menschen habe das erlebt wenn sie sehr verliebt waren. Dann ist der Sex am süssesten und am himmlischsten zugleich. Die Lebenskunst besteht nun darin diesen gigantischen Genuss zu steigern oder zu veredeln. Die meisten Menschen betrachten diese Erlebnisse als bedeutend, was sie ja auch sind, aber es geschieht unbewusst, keiner weiss so recht welche Zutaten es benötigt um zu einen so hohen Genuss wieder zu kommen. Instinktiv weiss jeder, dass es was mit Liebe oder Verliebtheit zu tun haben muss. Aber vermutlich geben sich die meisten mit dem kleinen sexuellen Genuss zufrieden. Wenn das nicht so wäre, dann würden die Menschen wahrscheinlich mehr danach fragen und forschen und Nobelpreise für die stärkste Liebesfähigkeit vergeben.

Paula: Aber was kann ich tun um wieder zu dem Genuss aus den jungen Jahren zu kommen? Oder wie kann ich noch mehr Genuss beim liebeserotischen Spiel erleben?

G11: Grundvoraussetzung für ein qualitätsvolles liebeserotisches Spiel ist die Liebe. Jeder weiß, wenn er verliebt ist oder im Zustand starker Liebe ist, dann ist das liebeserotische Spiel viel intensiver, viel beglückender, tiefer und nachhaltig befriedigender. Wichtig ist auch die Dauer eines solchen Liebesaktes. Auf dem Weltkongress der Sexuellen Gesundheit in Paris 2003 wurde bekannt gegeben, dass das Liebesverhältnis bei den französischen Studenten durchschnittlich 6 Minuten dauert. Ein qualitätsvolles liebeserotisches Spiel sollte nicht unter 45 Minuten dauern. Als Mann ist das nicht immer einfach, aber mit ein wenig Training, indem Sie am besten immer wieder rechtzeitig Pausen kurz vor der Ejakulation einlegen, dürfte das kein Problem werden. Bei den Pausen sollten sie sich maximal entspannen und die Liebe, die sie für ihre Freundin empfinden strahlen lassen, wie als wenn sie frisch verliebt wären. Nehmen sie sich also viel Zeit. Richtig guter Sex ist selten.

Paula: Also wenn ich mehr Liebesfähigkeit habe, habe ich dann auch besseren Sex?

G11: Genau so ist es. Mehr Liebesfähigkeit zu entwickeln ist ein komplexer Prozess. Erst einmal müssen viele falsche Vorstellungen und Glaubensansätze über die Liebe bearbeitet werden, dann müssen die ganzen Stolpersteine, die einem daran hindern mehr Liebesfähigkeit zu entwickeln aus dem Weg geräumt werden, dann erst ist der Mensch bereit für eine tantrische Schulung. Der Mensch ist dann wie befähigt durch das liebeserotische Spiel in höhere Bewusstseinszustände zu kommen. Das alles ist ein langwieriger Prozess. Sie müssen mindestens 10 Jahre mitbringen um zu begreifen worum es überhaupt tief im Inneren geht. Weitere 10 Jahre brauchen sie um das begriffene umzusetzen und den Rest des Lebens brauchen sie um weiter zu veredeln.

Paula: Verstehe, deswegen ist das Durchhaltevermögen so wichtig. Also könnte ich in 20 Jahren ein guter Tantriker werden?

G11: Viele sind gerufen und viele werden es schaffen. Davon bin ich überzeugt. Ich meine die Welt ist reif für eine gesunde Sexualität. Leider gibt es noch zu viele Stolpersteine, aber es besteht bereits in einigen Ländern eine enorme Liberalisierung der Sexualität. Wenn sie mal schauen mit welcher Selbstverständlichkeit heutzutage über Sexualität in den Medien gesprochen wird. Vor 30 Jahren war das noch nicht in der Form möglich. Früher gab es viel mehr Tabus, was den Wunsch nach Sex verstärkte, während heute mehr Freiheit besteht, was eher dazu führt, dass jeder bei sich selbst schauen muss was er eigentlich in diesem Bereich wirklich will.

Paula: Können sie noch etwas mehr zu den Stolpersteinen sagen?

G11: Einer der bekanntesten Stolpersteine ist die Eifersucht. In den Medien werden immer wieder Berichte über die enorme destruktive Kraft dieses sturmartigen Gefühls bekannt. Bisher gibt es keine sozialpsychologische Präventivmassnahmen gegen diese destruktiven Gefühlsausbrüche. Im Sinne der tantrischen Lehre dürfen solche Gefühle in Liebesfähigkeit transformiert werden. Dies geschieht am besten indem sich die Teilnehmer mit diesem Gefühl begegnen und so lernen damit umzugehen. Dazu braucht es Mut, eine gute Zentriertheit und die Konzentration auf höhere Ziele. Aber auch die Fähigkeit sich jederzeit selbst ohne Medikamente zu beruhigen. Deswegen ist das Meditieren so wichtig auf dem tantrischen Weg. Im Gegensatz zu den Tieren, die, wenn sie Angst haben von der Angst getrieben sind. Wir Menschen können unterscheiden zwischen realer Angst und neurotischer Angst. Wir können uns hinsetzen und die Angst einfach beobachten und mit der Zeit verschwindet sie, weil die Angsthormone verbraucht sind. Das ist wunderbar, diese Fähigkeit ist einfach wunderbar.

Paula: Wieso begeistern sie sich so für diese allzu menschliche Fähigkeit so?

G11: Dieses Unterscheidungsvermögen hilft den Menschen sich mit alle Arten von Gefühlen sehr intensiv zu beschäftigen und somit bewusster zu werden und somit gelassener zu werden. Bewusstheit gemischt mit Liebesfähigkeit ist der Schlüssel zu innerem Wachstum. Das macht den Menschen meditativ und glücklich. Stellen sie sich vor sie haben solche Eltern, die mehr oder weniger in einem meditativen zufriedenen Bewusstseinzustand verweilen. Sie werden ganz anders aufwachsen, ganz andere Vorbilder haben und wesentlich stabilere Nerven.

Paula: Ja ich glaube das wäre toll. Ich denke einige Zivilisationskrankheiten wie Hyperaktivität bei Kindern oder Burn-out-Syndrom bei Erwachsenen würden dann wahrscheinlich nicht mehr oder bedeutend weniger vorhanden sein.

G11: Davon können sie ausgehen.

Paula: Vielen Dank für das hochinteressante Interview.

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2 Antworten

Kommentare

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    Hast Du das geklaut, oder sehr lange, sehr viel nachgedacht?

    18.03.2012, 10:33 von AnderSindInMir
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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      @[Benutzer gelöscht] upps du gehst aber rasch in die details.. bist wohl eher ein pragmatiker

      22.04.2008, 23:43 von jang
  • Platzverweis

    Um den perfekten Kinositzplatz wird gestritten, seit es das Kino gibt. Das ist jetzt vorbei. Die Tipps aus dem August-Heft nun auch im Blog.

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