Indisponiert
Der Morgen graut; die Party ist vorbei und nüchtern bin ich auch nicht mehr. Doch es warten noch Herausforderungen auf mich...
Ich bin
ja eine überzeugte Singlefrau. Viel ist mit dieser Spezies auch nicht mehr anzufangen
oder ich bin einfach zu launisch. Aber manchmal könnte ein Mann
im Haus nicht schaden. Wie ein Hammer, der im Werkzeugkasten liegt
und den man nach Gebrauch wieder zurücklegt und
verschließt.
Zum Beispiel, wenn man auf einer Party zu
viel getrunken hat. Eine Dame ist nie betrunken, sondern nur
indisponiert.
Für den Weg nach Hause gibt es freundliche
Taxifahrer. Die Haus- und die Wohnungstür kann ich auch immer
problemlos öffnen. Da haben ja nur die absoluten
Gelegenheitstrinker Schwierigkeiten. Auch im stark indisponierten
Zustand bewältige ich aufrecht die Treppen. Notfalls ziehe ich
die Pumps aus, um dann am frühen Nachmittag nach dem Erwachen
festzustellen, dass ich mir die Strumpfhose durch zwei Laufmaschen
ruiniert habe, die an den Fußsohlen entstanden sind.
Aber
ein Problem gibt es: den Reißverschluss meines Kleides. Da ich
oft Etuikleider trage, lässt sich diese Hürde kaum umgehen.
Und wo liegt die Schwierigkeit? Man greift im schwankenden Zustand
hinter den eigenen Rücken und versucht, den Reißverschluss
herunterzuziehen. Hat man den Reißverschluss zu fassen
bekommen, dann geht es nur mühsam vorwärts. Irgendwann
erreicht man eine Stelle, die man als "toten Winkel"
bezeichnen könnte. Ich bleibe stecken, bin außerdem dabei,
das Gleichgewicht zu halten, aber nichts geht mehr. Ich versuche, den
Reißverschluss wieder in die Ausgangslage zu bugsieren oder den
Stoff des Kleides herunterzuziehen. Was am Abend nach der Arbeit
mühelos gelingt, ist jetzt nicht mehr so einfach.
Jetzt
wäre ein Mann hilfreich. Nein, nicht um mich in den Arm zu
nehmen, sondern um das Kleid zu öffnen. Jetzt tut es mir doch
leid, dass ich zuletzt dem hübschen Kollegen XY einen Korb
gegeben habe.
Sollte es gar nicht klappen, hilft nur das
stillose Ausziehen über Kopf. Allerdings, wenn ich indisponiert
bin, habe ich Angst vor der Dunkelheit. Ich habe dann immer das
Gefühl, mein Kleines Schwarzes wird zu einem endlosen dunklen
Tunnel.
Denn eine Dame sollte nie in dem Kleid aufwachen, in
dem sie ausgegangen ist. Und schmecken die Drinks auch noch so gut -
frau zeigt Haltung. Das ist mir bis jetzt immer gelungen. Ausrutscher
oder Filmrisse - ein Unding. Und die weiblichen Leser hier wissen,
dass man sich noch abschminken sollte.
Und bei der nächsten
Shoppingtour kaufe ich endlich ein Kleid ohne Reißverschluss.
Tags: Kleines Schwarzes




Kommentare
Endlich mal eine ehrlich.
28.03.2012, 22:12 von Rostfrei"Jetzt
wäre ein Mann hilfreich. Nein, nicht um mich in den Arm zu
nehmen, sondern um das Kleid zu öffnen."
Ich mag den Text.
Danke!
02.04.2012, 03:46 von Amira
23.02.2012, 13:03 von KokomikoAber auch im indisponierten Zustand muss sich frau benehmen...
24.02.2012, 01:07 von AmiraSelbstverständlich. Da hast Du Recht.
24.02.2012, 21:34 von KokomikoAha.
23.02.2012, 10:47 von justanotherpicturejo
23.02.2012, 10:53 von Gluecksaktivistin