init-admin 10.09.2009, 11:09 Uhr 0 0

In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Und wie fandest du "Falsches Lob", "Betonpolitik" und "Wiederholungstäter"?

Falsches Lob

Marokkos König verbietet eine für ihn vorteilhafte Meinungsumfrage.
Dass sich Politiker nicht von Meinungsumfragen beeinflussen lassen sollen, fordern Leitartikler in Deutschland immer wieder. Mohammed VI., König von Marokko, hat diesen Wunsch etwas zu wörtlich genommen. Eine repräsentative Umfrage zum zehnjährigen Thronjubiläum ergab, dass 91 Prozent der Marokkaner zufrieden mit der Arbeit ihres Königs sind, vierzig Prozent sind sogar sehr zufrieden. Das sind Werte, von denen demokratisch gewählte Staats- und Regierungschefs wie Angela Merkel, Nicolas Sarkozy oder Barack Obama nur träumen können. Doch Marokkos Monarch verbat die Veröffentlichung der Zahlen. Polizisten beschlagnahmten noch in der Druckerei das Magazin, das die Umfrage in Auftrag gegeben hatte. Als kurz darauf die französische Tageszeitung »Le Monde« über die Ergebnisse berichtete, durfte die Zeitung in Marokko nicht verteilt werden. Der Grund für die Zensur war nicht, dass Mohammed VI. wütend darüber war, dass neun Prozent seiner Untertanen ihn geringschätzen. Über die Monarchie, erklärte der Innenminister, werde vielmehr gar nicht diskutiert, auch nicht in Form von Umfragen. Auch nicht, wenn diese noch so positiv sein sollten. Bernd Kramer

Betonpolitik

Rio de Janeiro baut Mauern um seine Favelas.
Berliner Mauer, Israelischer Schutzwall: Die Idee, gesellschaftliche Probleme mit Hilfe von Steinen und Mörtel zu lösen, übt auf die Mächtigen dieser Welt einen großen Reiz aus. Mindestens dreizehn Zementbollwerke lässt die Stadtverwaltung von Rio de Janeiro derzeit um ihre Favelas bauen. Offiziell soll so das unkontrollierte Wachstum der Slums eingedämmt und der angrenzende Wald geschützt werden. Deshalb könne man auch nicht von »Mauern« sprechen, argumentieren die Betonverfechter, vielmehr handle es sich bei den drei Meter hohen Bauwerken um »Ökobarrieren«. Fadenscheinige Argumente, sagen die Kritiker, unter ihnen Stadtteilpolitiker, Intellektuelle und der Literaturnobelpreisträger José Saramago. Die Favela Doña Marta beispielsweise, wo die Bauarbeiten schon fast abgeschlossen sind, sei in den letzten Jahren nicht gewachsen, sondern geschrumpft. Wahrscheinlicher ist, dass nicht die Natur geschützt werden soll, sondern die Reichen: Die zukünftig ummauerten Viertel liegen im noblen Süden der Stadt, zwischen Copacabana und Zuckerhut, nur einen Steinwurf von Touristenhotels und den Villen, Gärten und Swimmingpools der Oberschicht entfernt. David Klaubert

Wiederholungstäter

Schottland lässt die Opfer von sexuellem Missbrauch im Stich.
Kinder sind nicht nur die Opfer von sexuellem Missbrauch - sondern manchmal auch die Täter. In Schottland hat die Polizei in den letzten fünf Jahren fast 500 Anzeigen wegen Vergewaltigung registriert, bei denen Minderjährige die Beschuldigten waren. Neunzehn Angeklagte waren zehn Jahre alt oder jünger. Das Klischee vom ekligen Onkel oder notgeilen Sportlehrer als Sexverbrecher, das die Boulevardzeitungen zeichnen, gibt nicht die ganze Realität wieder. Oft ist der Täter ähnlich arm dran wie das Opfer. Eine Studie des britischen Innenministeriums zeigt, dass sieben von zehn Kindern, die sexuelle Straftaten begingen, vorher selbst sexuell missbraucht wurden. Man könnte nun meinen, dass es deshalb besonders wichtig sei, minderjährige Opfer psychologisch intensiv zu betreuen und ihnen zu helfen, ihr Trauma zu bewältigen. Die schottische Regierung scheint offenbar anderer Ansicht zu sein. Drei von vier Behandlungszentren, die sich auf die Therapie von Opfern sexueller Gewalt und Jugendlichen mit auffälligem Sexualverhalten spezialisiert haben, sind in den letzten Jahren geschlossen worden. Die Wartezeiten für die Aufnahme liegen zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Constanze Haslacher

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