-Maybellene- 29.01.2016, 08:43 Uhr 56 3

Im Namen des Volkes?

Neon User täglich

Neulich sah ich die Dokumentar-Serie "Making a Murderer", indem der Amerikaner Steven Avery 27 Jahre seines Lebens unschuldig im Gefängnis saß bzw. noch immer sitzt.

1985 wurde er wegen Vergewaltigung zu lebenslanger Haft verurteilt. Erst 18 Jahre später konnte Avery anhand eines neues DNA-Tests endlich seine Unschuld beweisen und wurde freigesprochen.

Er verklagte die verantwortliche Behörde und Ermittler zu 36 Millionen US-Doller Schadenersatz.

2005, nur zwei Jahre nach seiner Entlassung, wurde er erneut angeklagt wegen Vergewaltigung und Mordes. In einem über monatelangem andauernden Prozess, versucht Avery erneut seine Unschuld vor Gericht zu beweisen. Zwei Jahre später wird er nochmals unschuldig und zu lebenslanger Haft, ohne Möglichkeit auf frühzeitige Entlassung, verurteilt.

Kann ein Mensch in einem Rechtsstaat wirklich zwei Mal für schwere Straftaten verurteilt werden, die er nicht begangen hat?

Die Serie erstreckt sich über 10 Folgen, die alle fassungslos machen und den Gerechtigkeitsinstinkt hervorrufen. Ich frage mich, wie hält ein Mensch so etwas aus?
Während wir Tag für Tag unser Leben leben und die to-do Punkte von unserer Liste streichen, sitzt Avery hinter Gittern.

Dieser Fall scheint viele im Netz zu bewegen, daher gibt es mittlerweile zahlreiche Petitionen, die die Freilassung von Avery fordern oder darauf abzielen Barack Obama um Hilfe zu bitten. Die Us-Regierung nahm promt Stellung: "Der Einfluss des Präsidenten reiche in diesem Fall nicht aus, Begnadigungen könne er nur in Angelegenheiten des höchsten Gerichts von Washington, D.C. oder des Militärgerichts aussprechen".

Die Serie macht eins sehr deutlich: du brauchst handfeste Beweise und gute Anwälte, sonst hast du gegen die Polizei keine Chance!



Nun zu euch:

Kennt ihr die Serie oder habt ihr von dem Fall gehört?

Wie steht ihr zu Avery?

Wart ihr selbst auch schon mal in einer ähnlichen Lage?

Glaubt ihr, dass es auch bei uns in Deutschland häufig zu solchen Fehlurteilen kommt?

Welche Erfahrungen habt ihr mit der Justiz gemacht?


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56 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Genau welchen solchen Fehlurteilen bin ich strikt gegen die Todesstrafe.

    Die Serie kenn ich, steht auf meiner To-See-Liste.
    Im allgemeinen finde ich die deutsche Justiz zu lasch, gerade im Hinblick auf sexuelle Straftaten, hier bin ich aber wahrscheinlich nicht objektiv genug.

    Guck Dir mal den Fall Mollath an, hier ging es zwar nicht um Vergewaltigung und dergleichen aber Mollath wurde 7 Jahre in einer psychiatrischen Klinik festgehalten. Man hatte ihn für unzurechnungsfähig erklärt, weil er kein Vertrauen zu den Ärzten hatte und er nicht mit ihnen sprach und somit in ihren Augen nicht kooperierte. Wenn man sich mal mit den Details des Falles auseinandersetzt, kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.

    01.02.2016, 13:41 von konsTante
    • 0

      Genau welchen solchen Fehlurteilen bin ich strikt gegen die Todesstrafe.

      Nur deswegen? Wenn also klar ist, wer der Schuldige ist, kann man ihn ggf. auch töten?

      01.02.2016, 14:29 von RAZim
    • 1

      Öhm, nö, so meinte ich das nicht. Unglücklich ausgedrückt. Selbst, wenn derjenige gesteht und die Schuld klar feststeht, bin ich dagegen. 

      01.02.2016, 17:31 von konsTante
    • 0

      Ach so. Sehe ich auch so.

      01.02.2016, 17:38 von RAZim
    • 0

      Es gibt Menschen die haben Spass am Töten, nicht nur am Töten, auch am Leiden ihrer Opfer. Sie haben genug Beweismittel gegen sich in den Opfern und am Tatort hinterlassen und sie wiederholen ihre Tat sobald sie draußen sind. Alles hat einen Preis, wer eine solche menschliche Bestie ist, soll auch den Preis für seinen Spass bezahlen.

      03.02.2016, 00:03 von FrankFrangible
    • 0

      Jupp. Lebenslänglich.

      03.02.2016, 16:25 von RAZim
    • 0

      RAZim - wärst du einverstanden wenn die Gegner der Todesstrafe alle
      Kosten für 'Lebenslänglich' übernehmen? + Alle Opferkosten wenn
      ein Wiederholungstäter nach den 15 Jahren 'Lebenslänglich', wieder
      seinem Hobby fröhnt. Oder ausbüchsen kann und sich die freie Zeit mit
      seiner Art von Spass vertreibt.

      Jetzt werde ich bestimmt wieder
      in die rechte Ecke gestellt, weil die meisten Deutschen Demokratie und
      Todesstrafe nicht in Einklang bringen können. Ist Japan keine
      Demokratie?

      Auf den Einwand: Derjenige, der den Mörder
      hinrichtet ist wieder ein Mörder. Nein, er ist lediglich
      Vollzugsbeamter, der einen ordentlichen Job machen soll. Bedeutet: Er
      ist verantwortlich, dass der Verurteilte einen schmerzfreien Tod stirbt.
      So wie der Richter verantwortlich ist, dass er die Schuld und die
      Unschuld des Angeklagten genügend geprüft hat und nicht so lax wie in
      den USA. Zum Beispiel sind Geständnisse, laut den Forschungen von Julia Shaw, wertlos.

      Ja, die Todesstrafe dient nicht der Abschreckung, sie dient der Prävention.  

      04.02.2016, 00:14 von FrankFrangible
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  • 1

    Ja ich könnte jetzt über das Iranische "Justiz-System" sprechen, aber den Namen hat es sowieso nicht verdient, da gibt es keine Gerechtigkeit. 


    In Deutschland wird mir zu sanft und lasch mit den Vergewaltigern umgegangen und ich finde es furchtbar, dass Kapitalverbrechen teilweise schärfer geahndet werden als Personenschäden. 

    Ein bekanntes Beispiel davon ist, wenn man einen Polizisten haut, kann man für 2 Jahre in den Knast kommen, aber wenn man ein Polizeiauto anzündet mit nem Molli, kann man für 5 Jahre in den Knast kommen.

    Letzten Endes bin ich froh in einer Demokratie zu leben, zumindest solange sie noch währt.

    31.01.2016, 11:14 von nuescht
    • 0

      Naja... das Polizeiauto ist danach unwiederbringlich zerstört, der Polizist hat vielleicht eine rote Backe...... wie will man denn verschiedene Taten miteinander vergleichen? Das finde ich ist schon schwer genug.

      03.02.2016, 16:01 von Tanea
    • 0

      Das Auto ist ein Ding, das sowieso versichert ist, aber der Polizist ist ein Mensch, der auch von Schlägen ein seelisches Trauma erhalten kann...


      Ich finde es ist auch unmöglich diese Dinge miteinander zu vergleichen und deshalb sollten jenige, die einen Polizisten angreifen, viel viel viel härter bestraft werden, genauso wie jene, die nachweislich eine Frau belästigt und/oder vergewaltigt haben.

      04.02.2016, 10:40 von nuescht
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  • 0

    Maybellene - "Welche Erfahrungen habt ihr mit der Justiz gemacht?" Meinst du speziell die amerikanische (USA)?

    31.01.2016, 01:43 von FrankFrangible
    • 0

      Nein, mit der deutschen Justiz oder der österreichische oder wo auch immer du Erfahrungen gemacht hast ;)

      31.01.2016, 08:11 von -Maybellene-
    • 0

      Aber du weißt, dass es zwischen unserer und der amerikanischen einen sehr großen Unterschied gibt? (Beweisführung)

      01.02.2016, 23:59 von FrankFrangible
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  • 1

    jedes urteil birgt das potenzial des fehlurteils.

    recht ist ein gesetzter maßstab der beurteilung.
    welche alternativen könntest du anbieten?


    30.01.2016, 12:32 von ga
    • 0

      jedes urteil birgt das potenzial des fehlurteils.
      Die Beweise und die Schuldanerkenntnis spielen dabei 'ne große Rolle.
      Wenn die Beweise eindeutig sind und der Angeklagte die Schuld gesteht, ist das potenzial eines Fehlurteils sehr gering.
      Bei obigem Fall sieht das hingegen ganz anders aus.
      Zumal Avery häufig um einen erneuten Prozess gebeten hat, diese aber immer wieder abgelehnt wurden.
      Bei solch schwierigen und nicht eindeutigen Urteilen, bin ich für einen erneuten Prozess.

      30.01.2016, 13:30 von -Maybellene-
    • 0

      reprise

      30.01.2016, 17:14 von ga
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  • 0

    noch einen Antwort mehr erwünscht?

    Eigentlich sollte ich Fragen,..bereit zur Diskussion?

    30.01.2016, 11:00 von neuzeit
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  • 3

    mir behagt der stets so kritische Blick auf das amerikanische Justizsystem nicht. Selbstverständlich ist es kritisierenswert, aber unser eigenes ist es nicht minder.

    Die inakzeptabel hohen Hürden für ein Wiederaufnahmeverfahren nach rechtskräftigem Urteil im Strafprozess haben viel Fehlurteile in Deutschland umkorrigierbar gemacht, es ist in D weitaus schwieriger, ein Verfahren im Strafrecht nach Verurteilung wieder aufzurollen als bspw. in Amerika. Einen Rechtsgrund gibt es dafür nicht.
    Noch weitaus schwieriger sind die Grauzonen am "Rande" des Strafrechts, also die Einweisungen in den Maßregelvollzug oder der Freiheitsentzug durch Einweisung in die Psychiatrie nach PsychKG. Hier werde von gehetzten, überforderten weil hierin unerfahrenen Richtern im Bereitschaftsdienst jeden Tag grobe Fehlentscheidungen getroffen die für die Betroffenen fatal bis traumarisierend sind. Gerade im Bereich des täglich hundertfach angewandten PsychKG fehlt es an ausreichender Zahl ausreichend gebildeter und geduldiger Richter. Man braucht wirklich nicht nach Amerika zu schauen, um sich über die Justiz zu empören.

    29.01.2016, 21:26 von CharlesDreyfus
    • 0

      Hier werde von gehetzten, überforderten weil hierin unerfahrenen
      Richtern im Bereitschaftsdienst jeden Tag grobe Fehlentscheidungen
      getroffen die für die Betroffenen fatal bis traumarisierend sind.

      Da würde mich interessieren, woher du diese Informationen hast.

      30.01.2016, 08:25 von -Maybellene-
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  • 1

    KEIN SPOILER. An alle die die Serie noch nicht gesehen haben: hier geht es nicht um ein einfaches Fehlurteil. Dieser Fall ist außergewöhnlich schrecklich – auch wenn Steven Avery vormals schon mal (zu recht) verurteilt wurde, ist er vermutlich kein Schwerverbrecher! Hier geht es um Beamtenwillkür und Manipulation von Beweismitteln auf höchster Stufe! Die Dokumentation ist für mich schlüssig und zeigt auf, dass man sehr wohl an Averys Schuld zweifeln sollte. Ein weiteres Indiz dafür, sind Aussagen ehemals Geschworener von dem Fall die sich nun an das Kamerateam gewendet haben.

    29.01.2016, 18:09 von cleewa
    • 0

      und wie urteilst du nun?

      29.01.2016, 20:30 von JackBlack
    • 0

      ..auch wenn Steven Avery vormals schon mal (zu recht) verurteilt wurde, ist er vermutlich kein Schwerverbrecher!

      Meinst du damit das Urteil von 1985 wegen Vergewaltigung?

      29.01.2016, 20:39 von -Maybellene-
    • 1

      in dubio pro reo.

      29.01.2016, 22:07 von Freyr
    • 0

      Nein ich meine natürlich nicht das Urteil wegen Vergewaltigung. Sondern andere Delikte aus seiner Jugend: Einbruch & Diebstahl, Tierquälerei, Störung der öffentlichen Ordnung etc … das sind keineswegs Kavaliersdelikte, die ich verharmlosen will! Allerdings hatte Avery keinen fairen Prozess: wie kann es denn sein, dass Personen die sich noch einige Tage zuvor vor Gericht erklären mussten (und nicht konnten!), Personen die mit einer Strafe zu rechnen haben (zb sehr hohe Schadensersatzzahlungen), warum man Avery 1985 (bewusst!) unschuldig inhaftiert hat, ein paar Tage später bei der Hausdurchsuchung zu dem Mordfall in dem Avery (sofort) als Hauptverdächtiger galt auf seinem Grundstück anwesend sind. Okay, dieser Satz ist kompliziert... ich hoffe trotzdem verständlich und zeigt wie absurd diese ganze Geschichte ist!

      30.01.2016, 14:11 von cleewa
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  • 5

    Neulich sah ich die Dokumentar-Serie "Making a Murderer", indem der
    Amerikaner Steven Avery 27 Jahre seines Lebens unschuldig im Gefängnis
    saß bzw. noch immer sitzt.

    Wie fehlbar ein Justizsystem sein muss, ergibt sich bereits aus der Annahme, jemandes Unschuld mithilfe der Unbeweisbarkeit seiner Schuld beweisen zu können.
    Die Frage lautet also nicht, ob Avery unschuldig ist, sondern ob die Beweise seiner Täterschaft ausreichend waren, um ihn zu verurteilen.
    Eine eindeutige Beweislage ist seltener, als man annehmen mag und von wieviel Willkür ein Urteil (auch gelöst von jedweder Schuldzusprechung) letztlich mitbestimmt wird, verdeutlicht insbesondere das uneinheitliche Rechtssprechungssystem der USA.
    Der Fall Avery ist ein Extrembeispiel, das man dazu heranziehen mag, um Lücken im komplexen Justiz- und Strafrecht zu veranschaulichen, in einer Netfix-Dokumentarserie allerdings lediglich dazu missbraucht wird, durch eine Verquickung von Informations- und Unterhaltungsformat Betroffenheitsreaktionen zu provozieren und Verunsicherung, Wut und Ängste zu gene(ralisie)rieren.
    Jedes Justizsystem ist antastbar, Fehlurteile in die eine wie die andere Richtung sind unvermeidbar.
    Es lohnt sich gerade in diesen Tagen, einmal mehr darüber nachzudenken, dass jedes demokratische Gesellschaftsmodell Gerechtigkeit lediglich als Massenwohl definieren kann, alle Wege dorthin allerdings ohne die sachliche Be(tr)achtung des Einzelnen nicht beschreitbar werden.
    Fassungslosigkeit ist nie ein guter Krisenratgeber, Verhetzung und Meinungsmache führt zu Verunsachlichung, emotionaler Willkür und Multitracht. Entgegen geschichtlicher Überlieferungen sind es nicht die lautesten Volksschreier, die gehört und deren Stimmen maßgeblich und richtungsweisend werden, sondern die stillen Machthaber, die sich dem Kollektiv dann beugen, wenn die selbstgerechten Verängstigten nach neuer alter Gerechtigkeit rufen und die kritische, kritikfähige Masse übertönen.

    29.01.2016, 17:59 von JackBlack
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  • 2

    Nur eine kleine Anmerkung:
    Es gibt auch die sog. "falsch Negativen", d.h. in dem Falle, es werden (echt) Schuldige nicht erkannt und somit freigesprochen...Ich fürchte das passiert genauso häufig wie umgekehrt, ansonsten schließe ich mich ER an.

    29.01.2016, 16:55 von Gluecksaktivistin
    • 1

      Rein mathematischen Statistiken zufolge ist die Freisprechungsrate Schuldwahrscheinlicher sogar erheblich höher als ihr Gegentum.

      29.01.2016, 18:22 von JackBlack
    • 0

      Wieder ein neues Wort gelernt. Gegentum.

      01.02.2016, 14:31 von RAZim
    • 0

      Solange etwas nicht zweifelsfrei bewiesen werden kann ist der Beschuldigte ja Freizusprechen.

      03.02.2016, 15:51 von Tanea
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  • 2

    Serie kenne ich nicht und an Einzelfällen haeng ich mich nicht so auf. Natürlich gibt es Fehlurteile, aber wenn das Rechtssystem einigermaßen unabhängig ist, ist das ein so wichtiger Faktor für die Lebensqualität, dass auch ein paar Fehlurteile nicht mein Vertrauen erschüttern können. Ich habe eher Bedenken, ob der Normenbildung nicht an der zunehmenden Schnelligkeit und Komplexität des Lebens scheitert. 

    29.01.2016, 12:43 von EliasRafael
    • 0

      Ersetze Normenbildung durch Rechtsstaat

      29.01.2016, 12:44 von EliasRafael
    • 0

      Der Rechtsstaat pd hat die zunehmende Schnelligkeit und vermeintliche Komplexität des Lebens (der durchschnittlichen Kleinbürger) verursacht, still gefördert oder billigend in Kauf genommen. Er setzt auf Massenhysterie auf der einen und hilflose Resignation auf der anderen Seite, um, äh, Zugpferd der Verdammnis zu bleiben.
      Huch.

      29.01.2016, 18:08 von JackBlack
    • 0

      Ja, ich mein eher, dass der Rechtsstaat sich gemäß der eigenen inneren Logik entwickelt, aber den disruptiven Umwälzungen der Realität schon länger nicht mehr folgen kann, und sich in diesem Spannungsfeld zunehmend rechtsfreien Räume ausbreiten.

      29.01.2016, 21:02 von EliasRafael
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