Im Glaskasten
Heute ist wieder einer dieser Tage, an denen mir das mit dem Ignorieren nicht gelingt.
“Wie meinen?”
“Wie ‘wie meinen‘? Sind wir hier ‘bei Hofe‘ oder was?”
“Ühühühühühü...“ kicherst Du. Dieses Kichern, das mir wie üblich zeigt, dass Du mal wieder nicht geschnallt hast, dass das kein Witz war. Meine Güte gehst Du mir auf die Nerven. “Sooooo...“ Ich versuche wegzuhören... Versuche Dich weg zu ignorieren.
“Und wieder eine Akte geschlossen!” triumphierst Du und schaust kurz zu mir rüber. Ich sehe es nicht. Aber ich spüre es. Ich weiß es inzwischen auch einfach.
Mist, heute ist wieder einer dieser Tage, an denen mir das mit dem Ignorieren nicht gelingt. Ich schaue absichtlich nicht auf, murmele mir nur ein kurzes “Mmh” raus...
Als wenn ich das nicht schon selbst gemerkt hätte, dass 'DU mal wieder eine Akte geschlossen hast‘. DU hast null Ahnung wie vorhersehbar, wie durchschaubar Du bist.
Jedes verdammte Mal, wenn Du eine Akte schließt, geht das gleiche Prozedere los. Du sichtest noch einmal alle Papiere, aber wirklich alle, Blatt für Blatt. Erst dann greifst Du zuerst zu Deinem Tacker, anschließend zum Locher. Dann betrachtest Du Dein “Werk“. Und guckst dabei beseelt wie der erste Mensch...
“Ich habe Feuer gemacht. ICH habe Feuer gemacht”.
Scheiße man, Du hast nichts
anderes als Deinen verdammten Job gemacht! Und zwar genau nach den Vorgaben,
wie es zu sein hat. Nicht einen Millimeter weichst Du davon ab. Genauso wie
Dein Tacker und Dein Locher immer genau ausgerichtet an der genau gleichen
Stelle stehen. Manchmal verschiebe ich sie heimlich ein Stück. Aber Du denkst
immer, dass waren die Putzfrauen und schüttelst nur stumm und missbilligend mit
dem Kopf. Mir traust Du ja nichts Bösartiges zu. Ich glaube, du denkst sogar
ich mag Dich. Du bist so armselig. Ansonsten ist Dein Schreibtisch leer.
Du “brauchst” sonst nichts. Deinen Kugelschreiber mit "persönlicher Namensgravur" trägst Du
immer bei Dir. Du steckst ihn sogar ein, wenn Du in die Kantine gehst. Wenn Du
aufs Klo gehst, vergisst Du aber meistens ihn einzustecken. Weil Du nämlich ein
“Einhalter” bist. Hast Du mir mal in alkoholgeschwängerter Laune auf dem
Sommerfest erzählt. Und dann musst Du immer sooo dringend, dass Du alles stehen
und liegen lassen musst. “Ich genieße dann immer dieses erleichternde Gefühl,
das ist unbeschreiblich. Das stellt sich halt nicht ein, wenn man direkt dem
ersten Harndrang nachgibt. Ühühühühühü...“
Zur Strafe für diese nicht erwünschte Information wollte ich mir eigentlich Deinen heißgeliebten Gravurschreiberling einmal in den Arsch schieben und dann wieder zurück legen. Ich habe es gelassen, da ich mich damit mehr selbst bestraft hätte. Jedenfalls alles was normale Büromenschen sonst noch so benutzen, “brauchst” Du nicht. Du stehst auf Minimalismus. Haha, würde ich auch behaupten, wenn ich nur so ein armseliges Würstchen wie Du in der Hose hätte.
Seit drei Jahren sitzen wir jetzt so zusammen. Früher gab es Einzelboxen, ich habe das so genossen. Aber dann haben Sie irgendwoher so einen dämlichen Coach engagiert, der meinte dieses Einzelkämpfertum sei nicht gut für das Betriebsklima. Pffft... “Zu zweit sollte man schon sein, nicht wahr.” Ja, sagt man ja auch bei Meerschweinchen, niemals alleine halten. Alles, aber auch alles haben sie dann umstrukturiert und diese “Teamarbeitsplätze” geschaffen. Immer 2 Schreibtische zusammen und gegenüber, drum herum ein Haufen Glas. Poster und Bilder ankleben strengstens verboten. Verdammter Glaskasten. Alle Teams sitzen jetzt in solchen Glaskästen. Wie in den modernen Zoos. Leider war ich im Urlaub als die Teams zusammen gestellt wurden.... “Wir haben Deine Sachen schon mal eingeräumt, gelle. Kannst direkt anfangen.” Falsche Schlangen! Mir ist schon klar, dass ich auf der Beliebtheitsskala nicht sehr weit oben stehe, aber dass sie mir das antun... Jetzt sitze ich hier mit Dir, dem Dinosaurier der Abteilung. “Von dem können Sie noch eine ganz Menge lernen“... Blablablubb.
Von Dir altem Sack lerne ich
nichts mehr. Da gibt’s nix. Im Gegenteil, DU fragst mich dauernd aus, willst ständig
von mir wissen, was denn heutzutage so “in” sei. “Man muss ja mit der Zeit
gehen, ne? Sonst nimmt die Zeit einen mit! Ühühühühühü...” “En Vogue” willst du
sein. Das wird täglich schlimmer. Aber Du hast tatsächlich auf mich gehört, als
ich Dich zu H&M geschickt habe. Das war ein Scherz. Und ein Eigentor, denn
leider habe ich Dich jetzt schon zwei Mal dort getroffen. Aber besonders
schlimm wird es, wenn Du Dich in
Pseudo-In-Ausdrücken versuchst, seit neuestem mit diesem “Wie meinen?”. Das
werde ich dir noch austreiben, du Witzfigur. Die “Nicht-wirklich“-Phase ist zum
Glück vorbei.
Seit Du Deinen Englischkurs angefangen hast, wiederholst du auch
gerne die Sätze noch mal, in mehr oder weniger einwandfreiem Oxfordenglisch.
Angeber, brauchen wir für unseren Job doch gar nicht. Trotzdem wolltest Du
einen reinen “Englischsprechtag” bei uns einführen. “Haben wir doch alle was
davon... Ühühühühühü... You can say you to me! Ühühühühühü....” Du bist so lächerlich, wenn Du Dich darum bemühst
“locker flockig”, wie du es nennst, zu sein. Sagst “Good morning” oder
“Yes, Sir”. Auch zu mir. So als würdest Du
mich besonders respektieren. “If you make so far I see black for you!” Irritiert hast Du mich angeschaut. Hat ein bisschen
gedauert... 3-2-1... “Ühühühühühü... Das ist ja lustig. There have you but fun with me
maden! Ühühühühühü....!” Ich war
fassungslos, fast komatös. Besonders gerne
sagst Du seitdem “Sorry“. “Sorry, die Akte wurde
bereits geschlossen, da kann man jetzt nichts mehr machen... Sorry, aber leider
ist der Kollege schon außer Haus... Sorry, das hat wohl die Kollegin vergessen
mich in Kenntnis zu setzen...” Klar, dass sich Dein "Sorry" immer nur auf die
Fehler anderer bezieht. Du machst ja keine, bist ein Perfektionist.
Dein Telefon klingelt. Wie clever Du bist, hast Dein Telefon so eingestellt, dass es intern anders klingelt als extern. Wolltest Du bei mir auch so einstellen. Ich hab’s dir verboten. "Ich lass mich gern überraschen." “Ja ja, das ist auch eine Variante das Leben aufregend zu gestalten, nicht wahr? Ühühühühühü...” Mir wird schlecht. “Ja, ich halt’s kaum aus, so aufregend ist das." “Ühühühühühü...“ Ich sag Dir nicht, dass ein Blick aufs Display genügt. Aber Du hast ja auch so Probleme mit den Augen. “Die Bildschirmarbeit, seit so vielen Jahren“. Armes Kerlchen. Aber so unclever bist du vielleicht doch nicht: Hast sogar einen besonderen Klingelton eingestellt, wenn die Chefsekretärin anruft. Dann wirst Du immer ein bisschen blass um's Näschen und - ich lach mich innerlich jedes Mal schlapp - stehst auf und stramm. Na ja, was man bei Dir so als stramm bezeichnen kann.
Wenn Du läufst ziehst du ein Bein nach. “Alte Kriegsverletzung. Ühühühühühü...” So alt bist Du nun auch wieder nicht, auch wenn Du irgendwie so riechst. Ich glaube ja eher Du bist vor lauter Geilheit aus dem Puff gestolpert. Aber immerhin hast du damit einen sicheren Arbeitsplatz, elendiger Arschkriecher. Behindertenstatus. Am Arsch. Mir ist schon lange aufgefallen, dass Du oft gar nicht so sehr humpelst. Nur wenn die Chefs in der Nähe sind, ist es sehr ausgeprägt. Ich habe Dich vor einiger Zeit anonym beim Medizinischen Dienst angeschwärzt. Hat leider bisher nix gebracht. Na abwarten. “Ich harre der Dinge die da kommen” würdest Du sagen. Aber Du bist behindert, definitiv. Im Kopf. Was stimmt mit Dir nicht? Und was habe ich verdammt noch mal verbrochen, Dich jeden Tag ertragen zu müssen?
Na stimmt ja so gar nicht.
Einmal pro Woche darfst Du ja immer einen “Homeofficetag” einlegen. Das sind für
mich die schönsten Tage, an denen mache ich auch niemals blau. Das sind für
mich und ca. 10% der Abteilung auch die ruhigsten Tage, weil wir dann nämlich
immer alle unsere Telefone auf Dein Firmenhandy umleiten. Und Du Schnarchnase
raffst es nicht. Du wunderst Dich immer nur über die vielen Anrufe. Am Anfang,
als Du den Homeofficetag immer am Montag genommen hast, dachtest Du, es läge am
Wochentag. So hast Du den Dienstag mal ausprobiert. Dann den Mittwoch.
Donnerstag. Freitag. Jetzt bist du wieder beim Montag. Und bleibst dabei. "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ühühühühühü...” Du bist wirklich nicht das hellste Licht im Hafen.
“Soooooo.... Dann kümmern wir uns mal um das nächste Schätzchen, nicht wahr?”
Wieder dieser erwartungsfrohe Blick in meine Richtung. Ich weiß was jetzt passiert. Du stehst kurz auf, machst Deine “Rückenübungen für das Büro”, schaust Dich durch die Glasfronten einmal in der Abteilung um und setzt dich wieder mit einem selbst zufriedenen Grinsen. Vorher schaust Du nämlich immer noch zu mir rüber und misst die Höhe meines offenen Aktenberges und vergleichst ihn mit Deinem. Das ist Dein persönlicher Schwanzvergleich. Idiot. Du hast bis heute nicht geschnallt, dass mein Arbeitsmotto lautet “Sei schlau, stell Dich doof“. Klar bin ich immer im Rückstand, weil ich im Rückstand sein will. Du wirst es nie kapieren. Du nimmst die nächste Akte in die Hand und versuchst mit Deinen mausgrauen Äugelein die Falldaten auf dem Aktendeckel zu entziffern. Egal was drauf steht, es folgt immer, wirklich immer, ein Seufzen. “Oh man“... rutscht mir raus.
“Wie meinen?” Ich verdrehe
die Augen. “Nix!” “Ühühühühühü.... Habe ich mich wohl mal wieder
angesprochen gefühlt. Sorry! Obwohl ich ja jetzt schon seit 3 Jahren weiß, dass
Du zu Selbstgesprächen neigst.” Da hast Du ausnahmsweise mal recht. Ich brappel
öfters so vor mich hin. Immer ganz leise, so dass dem Genuschel kaum wirkliche
Worte zu entnehmen sind...
“DustinkigeralterSackwarumfällstdunichtum
undverrecksterbärmlichduwiderlichesWürstchen...”
Das mit dem Duzen ist auch so eine Sache. Außer mit dem Seniorchef, duzt Du Dich nur mit mir. Nicht von Anfang an. Nein, Du wolltest mich ja erst mal kennen lernen. Das hast Du mir beim “Teambuildingevent” im Kletterwald gestanden. Aber jetzt, nachdem wir beide, nur aneinander gesichert, durch die Bäume gekraxelt sind... “Jetzt habe ich ja am eigenen Leib erfahren, dass ich DIR vertrauen kann! Ühühühühühü...” Ich hatte es tatsächlich nicht übers Herz gebracht loszulassen, einer meiner größten Fehler, wie ich heute weiß. Seitdem duzt Du mich. Schamlos. Denn ich hatte Dein Duzangebot erst mal abgelehnt. “Aus Respekt vor dem Alter und Ihrer Kompetenz...” Da warst Du ganz gerührt. Auf der nächsten Weihnachtsfeier hast Du mich dann leider doch rumgekriegt. Es läge Dir ja doch sehr viel an einer Teamarbeit auf Augenhöhe und ich solle Dich doch bitte endlich duzen. Oder Dich wenigstens beim Vornamen nennen. Hast Du echt geschickt angestellt, denn ich war ja eigentlich nicht mehr zurechnungsfähig in diesem Moment. Das ist jetzt 2 Jahre her. Aber inzwischen ist es eigentlich okay für mich. In Gedanken hatte ich Dich ja sowieso schon immer geduzt. “SIE schwanzgesteuerter Vollpfosten” zu denken wäre mir merkwürdig vorgekommen.
“Ich habe mich für Dich ja
auch mal erkundigt...” Machst Du auch gerne: etwas für mich recherchieren.
Einmal habe ich Dir, im Überschwang eines mir heute nicht mehr erklärbaren
Mitteilungsbedürfnisses, von meinem Zeckenbiss erzählt. 2 Tage später hast Du
mir feierlich eine selbst geschriebene 37-seitige Abhandlung zum dem Thema überreicht. “Ich
habe da mal alles zusammen getragen, was Du in so einer Situation wissen musst.
Natürlich runter gebrochen auf das Wesentliche. Ühühühühühü...” Eigentlich wäre
das generell ja eine sehr nette Geste, aber alles was von Dir kommt, nehme ich
wirklich nur sehr, sehr ungern in die Hand. Seitdem ich gesehen habe, wie Du in
Gedanken versunken am Kopierer standest und in aller Seelenruhe in der Nase förmlich
herumgewühlt hast. Muss ein hartnäckiges kleines Scheißerchen gewesen
sein. Aber geschmeckt hat’s wohl, Du hast danach sehr zufrieden gelächelt.
“Ich habe mich für Dich ja auch mal erkundigt, wie bedenklich dass mit Deinen Selbstgesprächen ist. Im Internet habe ich so einen Selbsttest gefunden, den habe ich mal für Dich gemacht...” Was hast Du Flachpfeife an dem Wort Selbsttest nicht verstanden?? “Das Ergebnis ist natürlich jetzt nicht wirklich aussagekräftig, da hättest Du den Test ja selbst machen müssen...” Ach? Geht doch! “Und ich verstehe ja auch meistens nicht, was Du da so selbst mit Dir besprichst. Aber ich denke, wenn es nicht mehr wird, brauchen wir uns da keine Sorgen zu machen.” Wir?? Ich muss gleich kotzen. “Ühühühühühü...” Ich will Dich ankotzen.
Ich schließe die Augen,
versuche mich nicht aufzuregen. Denke an Sonne, Strand und Meer... “Oh oh...” höre
ich von gegenüber. “Ist wohl gestern wieder spät geworden, was? Ühühühühühü...”
Ich öffne nur ein Auge und schaue Dich mit Todesverachtung an. “Oh... Ach Sorry! Hast Du wieder Deine gemeinen Kopfschmerzen?” Ich nicke betont gequält. Ich blende
Dich aus, beide Augen wieder geschlossen und beame mich in meine Welt, denke an
Mauritius... Wärme... Wellenrauschen... Einsamkeit...
Okay, alles wieder gut. Ich
bin wieder zurück aus meinem Tagtraum. Eigentlich sollte ich Dir altem Saftsack
dankbar sein, diese kurzen Tagträume habe ich ja Dir zu verdanken und sie haben
wirklich etwas sehr befreiendes. Ja, es ist ungünstig, dass ich dabei die Augen
schließe. Du und alle anderen Kollegen glauben aber inzwischen, dass ich unter
chronischen Kopfschmerzen leide. Ist gar nicht mal so schlecht. Macht das
Blaumachen oft einfacher, wenn aus meinen Kopfschmerzen eine schlimme Migräne
geworden ist. Also weiter geht’s, ich müsste gleich fertig mit meiner Akte
sein, immerhin zwei von sieben geschafft, dann Feierabend. Du hast inzwischen
auch aufgehört zu labern, Du wirst meistens gegen Nachmittag etwas ruhiger. Dem
Duracellhasen gehen die Batterien aus.
Wo ist mein verdammter Kugelschreiber? Ordnung willst Du mir ja auch unbedingt beibringen. Ja, es stimmt, ich verlege ständig etwas, mein Schreibtisch ist das reinste Chaos. “Ordnung ist das halbe Leben, nicht wahr? Ühühühühühü...” Noch so etwas, was Du nicht lassen kannst. Lebensweisheiten zu verbreiten. “Oh, der frühe Vogel fängt den Wurm?” trötetest Du mir entgegen als ich einmal sehr früh, also noch vor Dir, am Arbeitsplatz war. Ich habe Dir nicht gesagt, dass ich direkt von einer etwas außer Kontrolle geratenen Party gekommen war. An diesem Tag musste ich dann auch wieder auf die Migräne zurückgreifen. Du hattest natürlich vollstes Verständnis, als ich um 10 Uhr wieder gegangen bin. “Gesundheit ist das höchste Gut!” Du selbst bist ja so gut wie nie krank. Du hälst Dich “fit”, ernährst Dich “ausgewogen”. Gerade wieder hast Du Deine verdammte Rohkostphase. Und Du schnallst einfach nicht, dass ich niemals etwas Essbares von Dir annehmen würde, wenn Du mir immer wieder und wieder Deine Tupperbox mit Deinen dünnen, trockenen Klavierspielerfingerchen entgegen hälst und mir Deine selbst geschnittenen Karotten- Zucchini- oder sonst was Sticks anbietest. Aber es ist schon faszinierend, sie haben wirklich alle die gleiche Größe und Form. Irgendwann schiebe ich sie dir quer und trocken in den Arsch.
Ich durchwühle mein
Papierchaos und suche meinen Kugelschreiber. Und wo ist der verdammte Tipp-Ex-Roller? Ich
habe mal wieder mehrere Häkchen in die falsche Spalte gesetzt, ich darf nicht
vergessen das noch zu korrigieren. Die Idee mit dem Peilsender, die Du kürzlich
mal hattest, ist vielleicht wirklich nicht schlecht. Du Oberverpeiler. Was ist
das denn? Ein Blutfleck mitten auf der Akte. Sieht frisch aus. Ich greife mir
automatisch an die Nase. Bitte nicht schon wieder dieses Nasenbluten. Mist, das
ist mir schon mehrfach passiert. Leider tropfte es auch einmal auf externe Originaldokumente, die wieder raus sollten.
Ich musste die Akte dann liegen lassen, bis das Blut getrocknet war. Aber der
Tipp-Ex-Roller hatte irgendwie ein Problem mit Blut. “Das musst Du
unbedingt mal untersuchen lassen. Das fängt ja nicht ohne Grund an einfach zu
bluten. Naja, wir geben hier halt alles, gelle? Blut, Schweiß und Tränen... Ühühühühühü...
Oh sorry!”
Mmh, das ist aber jetzt schon ein
bisschen mehr Blut als sonst... Ich mache meine Schublade auf um nach einem
Taschentuch oder Kleenex zu suchen, als das Gekreische losgeht. Erschrocken
schaue ich hoch, hinter der Glasschreibe unserer Teambox stehen die Kollegen
und schauen mich entsetzt an. Oder schauen sie den Dinosaurier an? Ihre Blicke
scheinen zwischen uns beiden hin und her zu schwenken. Lustig, sie sehen fast so
aus wie Zuschauer beim Tennisspiel. Du wirst noch nicht wieder... Es geht hartnäckig
das Gerücht um, dass Du vor vielen Jahren mal beim Wichsen unterm Schreibtisch
erwischt wurdest. Damals als es noch die Einzelboxen gab. Mir wird schlecht bei
dem Gedanken. Ich schaue an mir runter, meine Nase muss wohl schon etwas länger
geblutet haben, kein Wunder, dass die so kreischen. Sieht ein bisschen nach
Schlachttag aus. Peinlich, aber meine Güte, kein Grund zur Panik. Ich schaue zu Dir rüber. Ach. Da ist er ja, mein
Kugelschreiber. Er steckt in Deinem Kopf.
Sorry...




Kommentare
Oh je, da tun sich ja Abgründe auf. Ich hoffe dass es zu keinem Amoklauf kommt. Ich schwanke zwischen Heiterkeit und Fassungslosigkeit über den Hass, der sich da aufstaut.
09.11.2012, 12:41 von Cyro„Ich habe Dich vor einiger Zeit anonym beim Medizinischen Dienst angeschwärzt.“
Kin Kommentar :(
Das Fatale ist aus meiner Sicht, dass der Dino gar nicht kapiert, nicht mal im Entferntesten ahnt, was in Dir vorgeht. Und bevor sich solcher Hass aufbaut … es muss doch eine andere Lösung geben, als weiter mit dem Typen zusammensitzen zu müssen ? Andererseits ... warum dieser Hass, ein paar blöde Bemerkungen und Angewohnheiten lösen derartige Phantasien aus ? Jetzt muss ich unpassenderweise an Lonzo denken mit dem Lied „Die Dinosaurier (werden immer trauriger)“ :)
Das war nicht autobiographisch, enthält lediglich Anteile davon, aus der Kategorie "jeder hat irgendeine Leiche im Keller" :)
09.11.2012, 12:44 von Mrs.McH...nichts ist schöner, als lästige, nervige KollegInnen zu keulen - wenn es danach nicht so ne Sauerei gäbe. ;-)
09.11.2012, 11:59 von derHalbstarkeHey, danke für das Lesen einer meiner ersten Schreibversuche, freut mich sehr!
09.11.2012, 12:08 von Mrs.McH...ich lese mich so nach und nach durch und schon mal garnix zu danken. Flotte Schreibe haste allemal. ^^
09.11.2012, 12:09 von derHalbstarkeIch freu mich :)
09.11.2012, 12:44 von Mrs.McHDie würden mir alle beide auf die Eierstöcke gehen. Den älteren eventuel weniger als den/die jüngere(n).
14.03.2012, 17:39 von LeyluraLegbreakerDanke Dir fürs Kommentieren :-) Ich mag auch beide nicht besonders gern, aber habe von beiden etwas in mir und begegne beiden Typen täglich...
14.03.2012, 21:19 von Mrs.McH...ich hab mich gut amüsiert :-)..danke dafür
27.02.2012, 15:55 von AnderSindInMirDu glaubst nicht, wie mich das freut! Danke schön!!
27.02.2012, 20:18 von Mrs.McHDanke Iranique! Ich habe Dein Kommentar eben erst entdeckt, der Alert funkioniert wohl nicht immer.
14.03.2012, 21:18 von Mrs.McHFreut mich besonders, dass es Dir gefällt, weil mir vieler Deiner Texte sehr zusagen :-)
Danke Iranique! Ich habe Dein Kommentar eben erst entdeckt, der Alert funkioniert wohl nicht immer.
14.03.2012, 21:19 von Mrs.McHFreut mich besonders, dass es Dir gefällt, weil mir vieler Deiner Texte sehr zusagen :-)
Na klasse Technik... Iranique ist weg, eben war sie doch nach... dafür werden Kommentare immer noch doppelt gepostet...
14.03.2012, 21:24 von Mrs.McHWürd mich jetzt brennend interessieren ob's denn wirklich so ist, da bei deiner Arbeit.
27.02.2012, 03:25 von DalekMir ist der alte Sack nämlich trotz seiner ganzen nervigen Gewohnheiten sympathischer, nein das ist das falsche Wort- weniger unsympathisch, das beschreibt es besser- als die Zicke, die sich echt über jeden Scheiß aufregt und dem alten Mann unbedingt eine reindrücken will. Ist das gewollt so geschrieben, dass man diesen Eindruck bekommt?
Oder MUSSTEST du es so schildern, weils halt so ist?
Noch eine Frage: "Oh man" - dieser Ausspruch läuft mir hier so oft über den Weg, dass ich an dieser Stelle einen Nutzer eben dieser Schreibweise fragen muss- ist das jetzt Englisch, oder was? Wenn nicht, dann ergibt das einfach keinen Sinn. Da sollte dann "Oh Mann" stehen! So wie in "Mann Gottes, nimm das Kind von der Herdplatte!" oder "Das war voll geil Mann, als die Uschi (hier Körpereil einfügen) zeigte"
und natürlich auch so wie in "Scheiße Mann, versuch wenigstens das Klo zu treffen!"
Oh man- da reg ich mich jedesmal drüber auf...
Nein, lach, es ist NICHT so bei meiner Arbeit :-) Aber es sind
durchaus einige Elemente mit in den Text geflossen und wahrscheinlich
ist dieser Text auch eine Art Ventil gewesen. Ich finde interessant,
dass Du das gegenüber des alten Sacks direkt als weiblich interpretiert
hast, zumindest schließe ich das aus dem Wort Zicke. Oder kommt es
daher, daß Du von meinem Nutzernamen darauf schließt? Ich hatte gehofft,
das Geschlecht offen gelassen zu haben. Wobei ich aber inzwischen
mitbekommen habe, daß es viele nicht so gut finden, wenn Frauen aus
Männersicht schreiben und umgekehrt.
Gewollt so geschrieben, daß
man diesen Eindruck von der "Zicke" bekommt? Ist eine interessante
Frage. Ich dachte beim Schreiben eigentlich mehr an den alten Sack und
generell ist mein Schreiben leider noch nicht so hinter- oder
tiefgründig, wie ich es mir wünschen würde. Ich taste mich da gerade
erst ran. Somit ist auch die Frage nach dem MUSSTEST beantwortet. Ich
habe es so geschrieben, wie ich es, derzeit, kann. Daher bin ich
übrigens sehr dankbar für jegliche Kritik und Hinweis.
Interessanterweise hatte ich tatsächlich darüber nachgedacht ob "man" oder "Mann". Mein persönliches Oh man, was ich selbst leider auch oft ausgesprochen verwende, ist eher wie Dein
ICH
sage es zu Männern UND Frauen, für mich ist es daher eher neutral und
somit "MAN". Wenn ich so darüber nachdenke, ist diese eigentlich falsche
Schreibweise in diesem Zusammenhang eine ganz üble Angewohnheit, die
aber echt tief in mir verwurzelt ist. So tief, dass ich es unbewusst als
richtig empfinde... Also nochmals Danke für den Hinweis und die
Anregung, Mann! :-) 27.02.2012, 07:15 von Mrs.McH
Also es ist mir erstmal grundsätzlich egal, ob Frauen aus Männerperspektive schreiben, oder andersrum.
27.02.2012, 14:26 von DalekUnd ja, wahrscheinlich hab ich mich von deinem Profil dazu verleiten lassen, aber auch ohne deinen Usernamen hätte ich stark vermutet, dass das eine Frau ist.
Das mit Mauritius, den Wellen und der chronischen Migräne hat schon ein Klischeebild in mir heraufbeschworen. Hab's nochmal überflogen und festgestellt, dass du's wirklich offen gelassen hast. Liegt also an mir.
PS: Das mit dem 'sorry' ist tatsächlich ziemlich ätzend.
Cool, das ist mein persönliches Erfolgserlebnis. Also das mit offen gelassenen Geschlecht. Danke, daß Du Dir die Zeit genommen und es nochmal gelesen hast, ist ja nicht gerade kurz. :-)
27.02.2012, 20:17 von Mrs.McHSeh' ich jetzt erst... ach Du sch..... :-)
28.02.2012, 22:46 von Mrs.McH
wird zeit dass du mal nen anderen boxkollegen verlangst ;)
27.02.2012, 01:55 von adropintheoceanWieso denn ich?? :-)
27.02.2012, 07:16 von Mrs.McH