likokosnuss 06.09.2011, 19:37 Uhr 0 0

Ich würde dir gerne meine Freiheit zeigen

Jeder hat ein Recht auf Freiheit, nimm sie dir, halt sie fest und gib sie nicht mehr her!

Freiheit, was ist das?

Für mich ist Freiheit, den Alltag hinter sich lassen zu können, ein- und auszuatmen, ohne Angst haben zu müssen, dass jemand einem die Luft verwehrt, der Geruch nach einem Sommerregen, über Löwenzahnwiesen zu laufen, die Natur zu lieben, riskante Gedanken fassen und aussprechen zu dürfen, das Leben in seiner ganzen Fülle zu genießen.
Ich gehe raus, hole die Zeitung hoch, betrachte das graue Haus neben meinem und sehe eine Frau im Wohnzimmer auf Knien beten.

Die Frau in Hausnummer 21 würde bestimmt ganz anders über meine Frage denken. Für sie ist Freiheit die Zeit, in der ihr Mann arbeitet, in der sie sich im Haushalt völlig verausgaben kann, in der er schläft und sie seine Atemzüge zählt, sowie aber auch die Augenblicke, die sie nutzt, um nachzudenken. Darüber nachdenken, ob sie je frei sein wird oder wie sie sich wehren könnte, das macht sie nicht in seiner Gegenwart. Die Frau steht auf, hält den Blick gesenkt, sieht dann jedoch ein Wesen, das für sie nur so von Freiheit, ihrer Sehnsucht, strotzt.

Das kleine Mädchen, das an der Hand ihrer Mutter die Straße entlangläuft, kennt eine ganz andere Freiheit, es ist die unschuldige, stets fröhliche, grenzenlose Freiheit. Freiheit ist für sie, Papas kleines Mädchen zu sein, Schmetterlinge zu fangen, die Grenzen auszuprobieren, Lieder in Tonlagen und mit so viel Energie zu singen, das kein Erwachsener dieses jemals nachahmen könnte. Das Mädchen springt mit ihrem Bauernzopf, den ihre Mutter ihr zuvor im Wartezimmer des Kinderarztes gemacht hatte, fröhlich neben ihr her, bleibt jedoch plötzlich stehen. Ihre Mutter geht weiter, stoppt dann ebenfalls, nimmt die traurigen Augen ihrer Tochter wahr, kramt in ihrem Portemonnaie, drückt ihr Münzen in die Hand. Das Mädchen schaut dem Mann neben ihr auf dem Boden ganz tief in die Augen, legt ihm die Münzen in die rauen, kalten, kaputten Handflächen, richtet sich wieder auf.

Der Mann, verblüfft, schaut in die Augen des Mädchens. Sie zeugen von Treue. Wie ein so kleines, junges Mädchen so erwachsen erscheinen kann, bleibt ihm unerklärbar. Sie erinnert ihn an seine Tochter und er fragt sich, was sie wohl gerade macht. Freiheit ist für ihn, an seine Tochter denken zu dürfen, ohne sich dabei schlecht zu fühlen, sich so geborgen fühlen zu dürfen, wie es nur geht, Wärme zu spüren von fremden Menschen, allein schon, indem sie ihn aufrichtig anschauen. Die Münzen der Kleinen fühlen sich nicht falsch an, sie hat sie ihm mit Liebe überreicht. Es tut ihm im Herzen weh, dass er die Münzen weitergibt, aber letztendlich ist es bloß ein materielles Gut. Der Angestellte im Coffee-Shop hat Augenringe, versucht seine Traurigkeit nicht zu zeigen und setzt ein überzeugendes Lächeln auf. Als er ihm die Münzen übergibt berührt die raue, kalte, kaputte Hand des Alten die junge, warme, makellose Hand des Angestellten. Der Mann verlässt den Coffee-Shop, die Münzen und der Junge bleiben zurück.

Ob sein Vater ihn jemals beachten wird, weiß er nicht. Wie schön es wäre, wenn er doch nur akzeptieren würde, dass er sein Sohn ist. Seit fünf Monaten hat er nun schon diesen Job, sein Vater weiß nichts davon. Es war eine Art Test, damit er erkennt, ob sein Vater sich für ihn interessiert oder nicht. Zuhause hat er nur Stress, er flüchtet sich in seinen Job, kennt nichts anderes mehr. Freiheit ist für ihn, eine Pause zu haben, durchzuatmen, aber auch, zufriedene Menschen um sich zu haben, die ihre Hoffnung in ihn setzten, wenn sie nach einem Tagestief wieder Aufschwung brauchen.


Freiheit, was ist das? Sie ist subjektiv und nicht allgemein begreif- oder definierbar, sie richtet sich nach der Person, den Umständen und den Bedingungen. Jeder hat ein Recht auf Freiheit, nimm sie dir, halt sie fest und gib sie nicht mehr her! Kämpf um sie und sing zusammen mit der Frau in Hausnummer 21, dem kleinen Mädchen mit dem Bauernzopf, dem alten Mann von der Straße, dem Angestellten des Coffee-Shops, Cat Stevens und mir:„Well, if you want to sing out, sing out. And if you want to be free, be free.“!

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