GoettinUndHeldin 21.03.2013, 13:45 Uhr 1 2

Ich und die ewige Stadt

Erst wenn du mich anerkennst, sagt Rom, und thront königsgleich in seinem Ursprung, erst dann werde ich dir mein Zepter überreichen.

Grauer Himmel, doch Sonne in mir. Obwohl ich weg will, weit weg, Fernweh mich zerfrisst. Sehnsucht, will ans Meer - von vermeintlicher Freiheit träumend.
Und trotz alle dem, hier bin ich. Menschen um mich herum, sehe sie. Schwer zu sagen, wer von ihnen ein Gewehr im Kopf trägt und wer ein Gedicht. 
Beobachte sie und begreife aufs Neue, dass ich hier nie angekommen bin. Kein Hafen für mich. Bleibt nur die stürmische See des ewigen Suchens.
Dieses Land zu grau, zu kalt. Die Menschen so ohne Farben, manchmal. Tue ihnen Unrecht, ich weiß. Auch hier gibt es Farben. Auch hier gibt es Lächeln. Aber bin aufgewachsen mit den Küsten des Mittelmeeres, mit der beständigen Sehnsucht nach den überfüllten Straßen Roms, die so voller Leben sind. Immer wenn ich dort war, war die Zeit begrenzt, lebte ich mit dem Wissen um den baldigen Abschied.
Und doch, immer bin ich wiedergekehrt in die ewige Stadt. Sonnenuntergänge auf der Piazza, abends. Rom in rotem Glanz.
War noch Kind, als ich mein Herz an diese Stadt verlor, in der man, hat man Fantasie, das Meer riechen kann.
Diese staubige, schmutzige Stadt die mich nie losließ und die mir fehlt, sobald ich ihr den Rücken kehre.
Bin niemals angekommen, aber Rom war immer Zuhause. Hat mir in meiner ewigen Unruhe Ruhe gegeben, einen Raum, in dem es um nichts anderes geht, als darum, das Glück sich in Pfützen spiegelt, Sonne.
Manch einer versteht meine Liebe zu dieser Stadt nicht, dieser Stadt die laut ist und stinkt, diese Stadt alter Kirchen und Ruinen, Elend und Luxus, der Palmen und Pinien, der rasenden Taxis und Menschenmassen. Doch habe Straßen Roms gesehen, die das echte Leben zeigen. Nirgendwo habe ich das wieder gefunden. Die kleinen Gassen mit den Wäscheleinen zwischen den Häusern und alte Frauen die aus dem Fenster mit ihren Enkeln schimpfen und dann doch lachen müssen.
Auch in Rom weinen Menschen, gewiss, auch diese Stadt ist von Leid und Unglück nicht verschont. Aber ich war Teil der Familie, wo immer ich hinkam. Im Grunde ist es einfach die Authentizität, die mich berührt.
Rom ist eine schwierige, egozentrische Stadt. Man muss sich auf sie einlassen, um sie wirklich zu verstehen. Ihr Chaos leben.
Rom ist Lebenskraft für mich an kalten Tagen. Sammle schöne Momente, wann immer ich dort bin - für die dürren Zeiten und die grauen Winter Deutschlands.
Erst wenn du mich anerkennst, sagt Rom,  und thront königsgleich in seinem Ursprung, erst dann werde ich dir mein Zepter überreichen.
Muss Lächeln. Mein Herz dort, meine Seele hier. Vielleicht bin ich doch angekommen, nur anders.
Die beklommene Atmosphäre der Dankbarkeit. Dass ich lebe. 
Erzähle eine Geschichte von trockenem Asphalt, noch sonnenwarm, auf den ein Abendregen fällt. Wir laufen barfuß. Es riecht nach Sommer. 
So ist das, Rom und ich. 
Eine Stadt, die ewig wartet und ein Mensch, der ewig wiederkehrt. 

2

Diesen Text mochten auch

1 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 1

    ein schönes bild, was ich da lese. 

    21.03.2013, 18:58 von jetsam
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare