Ich mag den warmen Kuss vom kalten Bier (Teil 1)
„Jens, du hast ein Rad ab – ohne Scheiß! Du kannst doch jetzt nicht alles hinschmeißen.“
Ich mag den warmen Kuss vom kalten Bier (Teil 1)
„Jens, du hast ein Rad ab – ohne Scheiß! Du kannst doch jetzt nicht alles hinschmeißen.“
„Ach ja, wer sagt das?“
„Ja, willst du nicht mal so langsam an Familie denken? Andere in deinem Alter haben schon Haus und Kinder.“
„Was interessieren mich die Andern? Außerdem, die Andern, was ist das schon, was die da haben? Ne Doppelhaushälfte, 180.000 Euro Schulden, Frau am Herd, zwei schreiende Goofen, nen Volvo und einen Hund. Nein danke! Deren Höhepunkt im Jahr ist 10 Tage Mallorca in nem total überfüllten 3-Sterne-Schuppen. Und er, er ja, der wartet nur noch auf seine Rente. Eh komm, Alter, da ist das Leben doch schon fast gelaufen. Kein Wunder kriege ich in meinem verkackten Job alle sechs Wochen ne Scheidung auf den Tisch.“
„Ruf mal die Bedienung, ich will noch eins.“
„Für was hälst du mich, für deinen Pressesprecher? Ruf doch deine scheiß Bedienung selber.“
„Warum bist du denn so aggressiv?“ fragt Alex, und dreht, suchend nach der echt scharfen Kellnerin, den Kopf.
„Komm mir jetzt bloß nicht auf die Seelenklempnertour!“ erwiedere ich und frage mich selber, ob ich wirklich aggressiv bin.
Doch plötzlich werden meine Gedanken von einem wunderbaren Geruch, der in meine Nase dringt, unterbrochen. Ich interpretiere diesen Geruch als Bodylotion mit Pfirsichduft.
„Darf es noch eins sein?“ fragt mich die Bedienung und sieht mich dabei an. Sie hat braune Kulleraugen und ihr schwarzes Haar ist zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.
„Ja bitte, ich nehm noch eins.“
„Noch eins?“ stört Alex unser Techtelmechtel, „Du musst doch noch fahren!“
„Jetzt krittle nicht ständig an mir rum, das kann ich heut echt nicht gebrauchen. Sag der Lady lieber mal, was du noch trinken willst.“
Ich komme zu dem Entschluß, dass ich nicht aggressiv bin, Bodylotion mit Pfirsichduft beruhigt mich.
„Was willst du denn machen?“ bricht Alex die Schweigeminute.
„Ich will Schriftsteller werden.“
„Da muss man doch studiert haben.“ klugscheißert Alex rum.
„Wieso musst du ständig meine Autorität in frage stellen?“
„Ja von was lebt ein Schriftsteller?“
„Alex, ein Schriftsteller verkauft Bücher.“ klugscheißer ich mit.
„Und von was willst du leben bis dein Buch fertig ist?“
„Wer bist du, mein Buchhalter?“
„Wenn ich dir mal einen Tipp geben darf, arbeite bei der Allianz ganz normal weiter und schreib dein Buch in deiner Freizeit.“
„Alex, hast du Kartoffeln auf den Ohren? Ich will kein Versicherungsvertreter sein, der Bücher schreibt. Ich will nur Bücher schreiben.“
„Das ist genau das Gegenteil von dem, was du ursprünglich vorhattest.“
So langsam werde ich echt sauer.
„Alex, das Leben ist eine lange seltsame Reise. Und manchmal muss man den Kopf ausschalten, dann sagen einem die Eier wo es lang geht. Und außerdem leben Schriftsteller in Bars, da kann ich gleich nebenher als Barkeeper arbeiten, bis sich mein Buch in die Bestsellerlisten katapultiert“
Aber Alex gibt so schnell nicht auf: „Arbeite doch lieber als Rettungsschwimmer, wir haben Sommer!“
„Sag mal, sehe ich aus wie eine Bratwurst, oder warum gibst Du ständig deinen Senf dazu?“
„Jens, ich meine es doch nur gut. Wo ist eigentlich die spanische Bierprinzessin mit unserem Getränk?“
„Alex, ich weiß, ich will dir was sagen: Du bist mein bester Freund, Du bist immer für mich da und ich bin dir unendlich dankbar für alles. Ich will, dass unsere Freundschaft das ganze Leben hält, und mein erstes Buch werde ich dir witmen. Ich will das so!“
In diesem Augenblick ist mein Freund sichtlich gerührt und es löst in mir eine große Portion Emotionen aus, ihn so zu sehen. „Und ich sag dir noch was, Alex. Das Leben ist hart, aber ich bin härter. Ah, da kommt unser Bier.“
„Jens, ich weiß gerade irgendwie nicht was ich sagen soll... weißt Du eigentlich, dass viele unsere Freundschaft bewundern?“
„Eh, wo warst Du so lange, wir haben dich vermisst.“ lächle ich die Biergöttin an. Aber die ist nicht auf ihren süßen Kopf gefallen und erwiedert: „Vorfreude ist die schönste Freude, oder nicht? Hier ihr zwei.“ - „Tausend Dank!“
Alex fragt mich: „Wie soll denn dein Buch heißen, weißt Du das denn wenigstens schon?“
„Ja klar, der Titel wird lauten „Ich mag den warmen Kuss vom kalten Bier. Wie findest Du das, Alter?“
„Prost“






Kommentare
:D anders! aber coole dynamik
03.07.2010, 12:31 von Majali86Ich bin Buchhalter und trinke gerade ein Bier - mein Traum - soviel Geld zu haben um ein Buch zu schreiben - hmmmmmm - jetzt weiß ich wieso wir uns verstehen :-)
03.07.2010, 00:30 von iloveparis@iloveparis ich auch!
03.07.2010, 12:03 von Al_Soprano