Schattenwind 30.11.-0001, 00:00 Uhr 11 6

Ich bin Vegetarier.

Und trotzdem nur normal nervig.

Ich bin 18 Jahre alt. Weiblich, blond, blauäugig. Pseudointelligent und Möchtegernextrovertiert. Ich bin viel. Und Vegetarier.

Ich esse kein Fleisch und keinen Fisch. Ich kaufe nur Kosmetik, die keine tierischen Inhaltsstoffe enthält oder die auf Tierversuche verzichtet. Ich kaufe kein Leder oder Pelze. Ich spende jeden Monat 5€ an eine Tierschutzorganisation und 5€ an eine privater Initiative zum Kaninchenschutz.
Wenn mich Freunde und Bekannter nach meiner Motivation zum Vegetarier-Sein fragen, halte ich keine Vorträge.

Ich bin Tierfreund, nicht Missionar.

"Ich finde es falsch, dass ein Tier sterben muss, nur damit ich ein paar Minuten sein Fleich genießen kann.“, sage ich dann meistens. Das ist die Wahrheit in Kurzform.

Bis vor einem halben Jahr war ich die Fleischesserin in unserer Familie. Ich habe Fleisch geliebt. Und wie bei den meisten habe ich dieses Stück Fleisch nicht als Stück von einem Tier angesehen, sondern einfach nur als lecker. Wenn ich wirklich darüber nachgedacht habe, was ich da esse, wollte ich schnell wieder zu denken aufhören. Zweimal habe ich auch mit Vegetariern gesprochen, weil ich wissen wollte, wie es ist, dieses fleischlose Leben. Die haben mich dann mit euphorischen Bekehrversuchen zurück in die Arme meines Lieblingsburgers bei McDonalds getrieben.

Mein Schlüsselerlebnis war ein Video, das ich zufällig im Internet gefunden habe. Es zeigte eine "humane" Schlachtmethode in Ausführung an einem Schwein. Dann war es vorbei mit dem Fleischessen. Ich bekam diese Bilder nicht mehr aus meinem Gewissen. Ich verkünde meiner erstaunten bis entsetzten Familie meinen Entschluss und duldete keine Überredungsversuche. Am Anfang zweifelte ich an meiner Willenskraft, heute sind schon einige Monate ins Land gegangen und ich habe durchgehalten. Ich verzichte wirklich. Der Gedanke an Fleisch bringt mich nicht zum Kotzen und wenn gewünscht, bereite ich es auch zu. Aber ich möchte nicht unterstützen, dass Tiere getötet werden. Ich bin dagegen, dass Tiere für minderwertig gehalten werden. Ein Schwein muss sterben, weil es nicht intelligent genug ist, dass sein Leben unantastbar wird? Es gibt bestimmt Menschen, die nicht so intelligent sind wie ich und die töte ich auch nicht und hätte auch ganz schön was dagegen, wenn mich klügere Menschen essen wollten.
Das ist einer meiner Beiträge zu einer besseren Welt.

Wenn man mich fragt, warum ich mein Spendengeld nicht in Projekte für Kinder investiere, habe ich kein stichhaltiges Argument. Irgendwo muss ich anfangen. Wenn man mich fragt, ob ich Fleisch essen würde, bevor ich verhungere, dann lache ich und sage: "Dann würde ich sogar dich essen."
Manche fühlen sich provoziert, wenn man nur sagt, man sei Vegetarier. Rechnen mit Moralvorträgen und mehr als einem gehobenen Zeigefinger. Und sind dann ganz erstaunt, wenn man sich beim Essen mit den Beilagen begnügt und sonst einfach seinen Mund hält. Manchmal, die zunächst auf dem Kriegspfad mit mir waren, stellen dann sogar Fragen.

Es ist mir nicht egal, was andere tun. Wie sie sich Menschen und Tieren gegenüber verhalten. Aber ich mische mich nicht ein. Ich möchte vielleicht als Beispiel dienen und durch mein Verhalten zum Nachdenken bewegen. Aber mein Vegetarier-Sein und mein Engagement für Tiere ist nicht meine Ersatz-Religion. Dafür ist es auch schon fast zu selbstverständlich.

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11 Antworten

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    toll, du sprichst mir aus dem herzen :) ich bin auch erst seit kurzem "fleischlos glücklich", mein schlüsselerlebnis war ähnlich. ich habe auch die erfahrung gemacht, dass man gar nicht viel erklären muss.allein der entschluss regt deine mitmenschen schon zum nachdenken an.

    17.02.2012, 21:51 von Dropsknopf
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    Hm. Eine Einstellung die mir sehr bekannt vorkommt. Das haben wir alle doch schon oft in dieser Weise gehört, oder?

    Aber von wem ? Seltsamer Weise tritt dieses Phänomen von "ich esse keine Tiere" besonders zwischen 14-20 bei weibl. westeuropäischen Gymnasiasten, politisch eher links auf. Ab 35 entschliesst sich kaum einer mehr dazu. Männer sowieso selten und ab 30 geht es dann mit, "naja Fischstäbchen dann doch" wieder los.

    Ich weiss, das ist pauschal und es gibt bestimmt zahllose andere Einzelbeispiele, aber von dem Typ oben kann ich nach eigener, subjektiver empirischer Forschung sagen: davon gibt es am meisten.

    Aber warum ? Sind alle anderen keine Tierfreunde? Oder können sie besser verdrängen? Die unappetitlichen Bilder kennen wir ja alle....

    Es muß anscheinend noch etwas zur "Tierfreundschaft" hinzuzkommen, was das auslöst. Aber was?

    03.01.2008, 11:35 von Tim123
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    Ein herrlicher unaufgeregter Beitrag zum Thema Mensch-sein-lassen. Du tust keinem weh mit deiner Einstellung, deinem Tun: im Gegenteil, durch die gelassene Art und Weise ist das Vorbild für jegliche Lebensführung. Kants kategorischer Imperativ. Ohne jeglichen missionarischen Eifer. Gefällt mir außerordentlich.
    :)
    zz.


    30.12.2007, 12:52 von zzebra
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      @[Benutzer gelöscht] Fische sind auch Tiere.
      Das mit den Fischen finde ich angenehm konsequent.

      28.12.2007, 14:18 von sailor
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    Du musst Dich nicht rechtfertigen...

    28.12.2007, 13:12 von sailor
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      @sailor nicht nur das, sailor. sie müssen auch die tiere selbst im wald erlegen. mit bloßen händen. hehe.

      29.12.2007, 07:13 von NeonBlond
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      @[Benutzer gelöscht] aber jungs, die kein fleisch essen find ich dann doch komisch.

      28.12.2007, 11:07 von zuckerpuppe
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      @zuckerpuppe Ich finde nur Jungs, die kein ROHES Fleisch essen, komisch.
      Alles Weichscheißer...

      28.12.2007, 13:12 von sailor
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    ich mag den text. ihr seid doch blöd ;)

    26.12.2007, 01:35 von NeonBlond
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