Nihilistin 01.02.2007, 22:56 Uhr 43 12

Ich bin Patriotin

Der deutsche Film hat in den letzten Jahren eine riesige, tolle Wandlung vollzogen. Dennoch ist er bedroht. Gebt ihm eine Chance

In der letzten Zeit bin ich ziemlich patriotisch geworden. Ich habe mir wohl einfach mal die Floskel "Das Gute ist so nah" zu Herzen genommen. Ich habe unendliche Diskussionen über Amerikanisierung geführt. Ich gebe zu, ich habe mir heute "Das Streben nach Glück" angesehen und er hat mir gefallen. Der Film hatte eine Botschaft. Allerdings habe ich mich in diesen 120 Minuten einfach nur berieseln lassen.

Letztes Jahr, es ging auf Nikolaus zu. Nina und ich sitzen im Kino und sehen "Ein Freund von mir". Der Film ist gerade angelaufen, vielleicht seit fünf Tagen im Kino und trotzdem sitzen wir alleine in diesen kleinen Saal. Ein kleiner Saal, kein großer, wie die Hollywood-Blockbuster einen bekommen.

Warum ist das alles so? In meiner Wut und meiner Arroganz schiebe ich es auf die bedauernswerte Verdummung der Leute. Der deutsche Film und das deutsche Theater haben in den letzten Jahren einen großen Schritt nach vorne gemacht. Das Niveau und die schauspielerische Leistung in deutschen Filmen können amerikanische Filme weit übertreffen. Einen Vorteil hat es, dass wir diesen ganzen Saal für uns haben: Wir können diskutieren. Und wir kommen wieder zum deutsch-amerikanischen Vergleich. Denken! Ich sehe und werde zum denken verführt. Deutsches Kino ist diskussionswürdig, verdammt noch mal. Der deutsche Film ist wie ein Berliner. Ich beiße hinein und weiß nicht, was mich erwartet. Das ist so wunderbar.

Sind das die Gründe, warum wir alleine im Saal sitzen? Weil ich nicht weiß, was mich erwartet und vielleicht sogar noch denken muss? Das ist meine Befürchtung. Mich beschleicht das Gefühl, dass unsere Filmindustrie einen Hauch von Snobismus mit sich herumschleppt. Ob begründet oder nicht muss jeder für sich selbst entscheiden. Jedenfalls habe ich im Gespräch mit Hollywood-Fans oft das Gefühl, dass sie denken, die Fans deutscher Filme und die Schauspieler seien sowieso alle irgendwie abgehoben und würden auf einem Wölkchen schweben.

Das kann alles stimmen, aber dennoch denke ich, dass die heimischen Filmbühnen immer noch den Mief der schlechten Produktionen in den 80ern mit sich herumschleppen müssen. Warum geben so viele den deutschen Filmen keine Chance? Ich bitte euch einfach nur zu realisieren, dass die Tatort-Krimis wirklich keinen Maßstab setzten und die Zeiten der Schwarzwaldklinik und Filmen wie „Manta Manta“ vorbei sind. Es ist eine neue Ära angebrochen und es wurde unglaublich viel dazugelernt. Ich bin ein Fan der neuen und modernen deutschen Film- und Kulturszene und hoffe als Theaterschauspielerin auf mehr Toleranz und mehr Denkfreudigkeit.

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43 Antworten

Kommentare

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    Ja, bin auch Fan deutscher Filme geworden.
    Regt viel öfter zum Nachdenken an, auch weil er wirklichkeitsnäher ist und man sich mehr damit identifizieren kann, es eingängiger wirkt.

    Auch wenn sich das Image in den letzten Jahren ja schon wesentlich gebessert hat sind die meisten deutschen Kinoproduktionen, die Aufmerksamkeit bekommen ja doch eher Filme wie die Otto-Zwergen Filme, irgendwas schlechtes mit Uwe Ochsenknecht, Veronica Ferres oder Heiner Lauterbach oder jetzt dieser Bundeswehr-Film mit Axel Stein. Schade, dass da Filme wie "Junimond", "Das Weiße Rauschen", "Der Wald vor lauter Bäumen" oder "Die Innere Sicherheit" oder zuletzt "Der freie Wille".
    Generell sind eigentlich die Film der "Debüt im Ersten" Reihe zu empfehlen oder auch sonstige jüngere, deutsche Filme die leider oft im Nachtprogramm des NDR, WDR oder BR verschwinden.

    27.08.2007, 20:04 von Waterloo
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    Manchmal sehe ich das eher anders herum:
    Ich finde es schrecklich, dass vor allem die Filme, die sich mit der unrühmlichen deutschen Geschichte beschäftigen, im Ausland gelobt werden. Ich meine, es ist richtig, sich mit seinem Land (Geschichte, Kultur u. a.) auseinanderzusetzen, aber es ist so, als wenn man immer noch von uns erwartet, dass wir sagen:
    Oh ja, ich entschuldige mich dafür, was alles in Deutschland schief gelaufen ist. Und dafür bekommen wir dann den Oscar (oder zumindest eine Nominierung).

    03.07.2007, 15:47 von Antje-Jimmy
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    Ich bin da auch sehr zuversichtlich. Wenn es so weiter geht, wird es sein wie beim dänischen Film - man wird meinen, der deutsche Film wäre schon immer so gut gewesen.

    27.05.2007, 19:30 von Jebens
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    Also, deiner Meinung zur Entwicklung des deutschen Kinofilms, stimme ich voll und ganz zu. Aber dass diese Filme gut sind, hat das was mit ihrem "Deutschsein" zu tun? Das ist doch eher nebensächlich. Nicht?
    Lieben Gruß

    07.03.2007, 18:59 von gurkedestages
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    der deutsche film ist doch genauso tot wie hollywood. die sind alle so bequem, man setzt sich hin, schaut zu, trinkt hinterher noch ein bier und schläft weiter. bedürfnis-befriedigung macht müde. ein anspruchsvoller film darf das nicht. er muss das bedürfnis reizen, nicht lahmlegen.

    solche filme müssen ungemütlich sein und unbequem.
    sonst sagen sie ja nichts aus und lassen uns zurückgelehnt schnarchend im fernseh- oder kinosessel liegen.

    alexander kluge und christoph schlingensief sollte man gesehen haben. dann wird einem erstmal klar, wozu ein film an sich überhaupt fähig ist.

    die tatsache, dass ein christoph schlingensief das medium film nach seinem "letzten neuen deutschen film" tief verbittert auf eis gelegt hat, ist für mich gleichbedeutend mit der sanften enscthlummerung der inovation im deutschen film.

    ist doch alles gleich. alles ein pantschiges mischmasch und .... sorry, aber EINFACH ZU GEMÜTLICH!

    10.02.2007, 13:06 von dimakt
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    Und ich muss auch widersprechen...Die Feierabendproduktionen auf Pro7 sind meistens grottenschlecht...Und billig. Allein schon die Namen der Titel...Immer Donnerstags zu bewundern.

    06.02.2007, 18:48 von Haveltaucher
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    Ich liebe deutsche Filme!
    Es gibt auch so viele tolle Schauspieler, ...Nora Tschirner, Christian Ulmen, Till Schweiger, Moritz Bleibtreu, Ben Becker und und und...hach ja, wird Zeit für MEHR deutsche Filme.
    Lg,Hanna

    05.02.2007, 22:41 von H_a_n_n_a
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    "Ein Freund Von Mir" ist meiner absoluten deutschen Lieblingsfilme, obwohl ich ihn nur einmal gesehen habe. Der Berliner-Vergleich ist sehr gut - ich sehe mir die Filme oft ohne genaue Ahnung über die Handlung an; denn selbst wenn ich weiss "worum es in dem Film geht", sagt es doch nichts darüber aus wie man ihn aufnimmt.

    Von guten Filmen nimmt man immer irgendwie was mit, man denkt nochmal drüber nach, ist überrascht... Die Szene in der Daniel Brühl im Büro sitzt löst bei mir sofort Beklemmung aus. Beim Mainstream-Film kann meistens passieren was will, es spielt sich fast immer im Rahmen meiner Erwartungen ab. Das macht auf Dauer einfältig und bequem; mehr als konsequenzenlose Unterhaltung kommt da nicht bei raus. Besonders wenn ich da an Genres wie "Ben Stiller trifft die Mutter seiner Freundin" und "Weisser Cop - Schwarzer Cop" denke.

    Als ich gestern "Italienisch für Anfänger" gesehen habe, fand ich es dann sogar sehr angenehm, ein wenig mit sehr langsamen Tempo konfrontiert zu werden. Da unterscheidet sich gutes Kino vom Fernsehen - man muss schon mitmachen und mitdenken, dann hat man auch was davon. Es provoziert eine Reaktion.

    Leider erwarten viele Menschen nach stumpfsinnigen Arbeitstagen eben so stumpfsinnige Berieselung um "abschalten" zu können. Man will nichts "anstrengendes" sehen, und wann will um Gottes willen nicht nachdenken müssen.

    Gutes Kino weist immer auch über sich selbst hinaus.
    Ein Freund Von Mir hat in mir wieder ein paar Zahnrädchen zum Laufen gebracht. Und das vor allem ohne das jemand erst groß was babbeln muss.

    Und wenn ich deiner Definition von Patriotismus folge, dann bin ich auch ein Patriot!

    05.02.2007, 19:20 von Frederik_Jurk
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    Wie recht du hast...

    allein Szenen wie in "Kammerflimmern"...Hammer.

    05.02.2007, 19:02 von Haveltaucher
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