Butterdohle 31.10.2011, 20:41 Uhr 0 0

I'm a hater / Hass ist tanzbar

"Ich habe euch was mitgebracht: Hass, Hass, Hass!" singt ein sächsischer Möchtegernrapper, dessen Namen ich vergessen habe. Nicht so seine Worte...

"Ich habe euch was mitgebracht: Hass, Hass, Hass!" singt ein sächsischer Möchtegernrapper, dessen Namen ich vergessen habe, nicht so seine Worte...

Diese sächsich grappten Unworte haben sich fest in meiner Erinnerung verhaftet, sind sozusagen kleben geblieben, eingebrannt, ohne dass ich Fan wäre jemals werden würde oder mir diesen hohlen Song je wieder anhören würde.

Doch das Thema, Hass, ist in meinem Kopf ins Rollen gekommen und ich kann nicht mehr aufhören, darüber nachzudenken. Immer wieder ertappe ich ertappe mich dabei, wie ich Hass-Gedanken gegen andere Menschen empfinde.

Fasziniert beobachte ich mich dann dabei, wie ich eingehend die hasserzeugenden Menschen mustere und mir vorstelle, wie ich sie mit roher Gewalt genüssslich zermatsche, vielleicht mit der Unterseite meines Feuerzeugs, einem gespitzten Kuli oder doch lieber mit dem Absatz, damit ich ihre Hass-Fresse endlich nicht mehr sehen muss.

So zum Beispiel neulich der schmierige alte Bahnhofswart: Nachdem der Schienenersatzverkehr und der damit verbundene Umweg und die verlängerte Fahrzeit mir ohnehin schon keine gute Laune gemacht hatten, fiel diese nochmal akut ab, als beim Ankunft des bescheurten Schienenersatzbusses, direkt beim Betreten des Bahnsteigs die S-Bahn gerade abfuhr und die nächste erst in ewigen 9 Minuten kommen sollte.

Beim Umrunden des Bahnwärterhäuschens entdecke ich plötzlich den schmierigen Stationswart. Schleimig shakernd umwarb er zwei ältere Damen, anstatt seiner Arbeit nachzugehen und zwischen den Anschlüssen zwischen Zug und Ersatzverkehr zu vermitteln.

Ich konnte es kaum glauben und setze mich direkt neben die drei und begann ihn ganz unverhohlen eingehend zu beobachten. Doch anstatt pikiert seiner Arbeit nachzugehen, wie ich insgeheim erfhofft hatte, schien ihn mein Aufmerksamkeit in seiner Show nur noch mehr zu animieren.

Er schimpfte auf die Deutsche Bahn, lobte die Zeiten der Staatsbahn und schien dabei völlig zu vergessen, dass auch er in seiner lächerlichen Wollpullover-Uniform mit der ausgewaschenen rosa-roten Bahnwärter- Mütze "Deutsche Bahn" war. "Die machen doch heute alle, was sie wollen! Unglaublich ist das..." tönte der Alte auf seiner bescheidenen Bahnsteig-Bühne.

Ich reiße ihm die Mütze vom Kopf und zerre ihn an seinen fettigen Haaren, die ungepflegt und schlecht gefärbt viel zu lang darunter hervor gequollen sind mit seinem dumm-dreisten Schädel auf den kalten Beton. "Hast du eigentlich schon mal daran gedacht deine Arbeit zu machen, Alter?" frage ich ihn freundlich aber bestimmt, nachdem ich seinen Kopf mit meinem Absatz im Ohr auf dem Bahnsteig eingekeilt habe.

Doch anstatt auf meine Frage zu antworten, will der Idiot plötzlich losquieken wie ein abgestochener Eber, ich trete schnell dreimal zu und er schweigt wie ein frommes Lamm. Dickes Fettleber-Blut quilt aus seinen Ohren auf den grauen Beton und fließt träge entlang der Fugenritzen.

Den Omis hat es komplett die Sprache verschlagen und das frivole Grinsen, das vorher ihr Gesicht zierte, ist blankem Entsetzen gewichen. Sie sitzen immer noch wie gebannt auf ihren billigen Logenplätzen.

Nachdem ich mir den Schuh an seinem Pulli abgetreten habe, gehe ich wie paralysiert ganz ruhigen Schrittes vom Bahnsteig, der sich im vorderen Bereich nun schon gefüllt hat, über die Treppe nach oben und sehe schon drei wartende Taxis für mich bereit stehen. Im Rücken höre ich leise wimmernd und immer lauter werdend das Rufen einer der Alten. Hilfe, Hilfe wir brauchen einen Notarzt!"

Ich steige hinten in das vorderste Taxi ein und grüße freundlich den Fahrer. "Wo darfs denn hingehen junge Frau?" Ich fahre nach Hause und gehe erst mal duschen vom Stress dieses Versuchs einer Bahnfahrt.

Als ich mich beruhigt habe und abends im Club vor dem DJ in der ersten Reihe gebannt seiner Arbeit zuschaue, explodiert mein angestauter Hass in unbändiger Freude und ich schlage erneut mit aller Wucht auf den Schädel des Bahnwärters ein.

Hass ist tanzbar und das ist auch gut so, denn niemand wird dabei verletzt. Und der Rest ist nur im Kopf.


Tags: Amok, Phantasie, Hater, ausrasten
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