Hölle - Erde - Leben
Können wir die Erde ein bisschen weniger höllisch machen?
„Wir können den Himmel nicht himmlischer machen, aber die Erde ein bisschen weniger höllisch“ (Arthur West)
Betrachtet man das Gedicht ein wenig näher, erkennt man seinen Zweifel an der Welt, aber dennoch einen Funken Hoffnung. Ich beneide West dafür, dass er trotz allem Hoffnung schöpfen kann. Es klingt hart, aber meiner Meinung nach ist die Welt schlicht und ergreifend schlecht. Was sollte man daran ändern können?
Jeden Tag, wenn ich zwischen den Häusern auf den Straßen Linz entlang spaziere, einkaufen oder zum Essen gehe, sehe ich immer wieder extrem erschreckende, schlimme Szenen. Ein Penner liegt arm und krank mit leeren Augen auf den Straßen und bettelt um jeden Cent, um sich davon Alkohol zu kaufen, damit er für einen kleinen Augenblick der Welt entfliehen kann. Er merkt dabei selbst nicht, dass er in einem traurigen Teufelskreis steckt. Kinder werden von ihren Eltern geschlagen, weil sie „unartig“ oder zu laut waren. Genau diese Kinder werden später ihre Kinder wiederum prügeln und vererben somit diese Art von häuslicher Gewalt von Generation zu Generation weiter. All diese Menschen merken nicht, wie sie ihrem Umfeld oder ihnen selbst wehtun und somit ihr Leben vergeuden.
Ich glaube kaum, das Leben bedeutet, dass wir uns gegenseitig nur verletzen, ob nun körperlich oder seelisch. Wobei mir die körperlichen Schmerzen um einiges lieber sind, Fleischwunden können heilen, aber seelische Verletzungen hinterlassen immer tiefe Narben. Ein jeder von uns kennt doch den Schmerz, der einem das ganze Leben verfolgt. Jeder von uns hat schon mal geweint, nur um nicht vor Schmerzen schreien zu müssen.
Und wieso das Ganze? Weil wir alle zu dumm sind, das Leben anzunehmen. Viele Menschen schauen aus dem Fenster und machen sich Gedanken über ihren Job, ihr Vermögen, ihre Probleme. Schaue ich aus dem Fenster, und ich kann kurz meine Probleme loslassen, sehe ich den Himmel. Den unendlich weiten Himmel, der wie eine Decke schützend über uns wacht. Oder die Sterne. Als Kind dachte ich mir, ich könnte sie wirklich eines Tages ergreifen.
Doch je mehr mir im Leben widerfährt, desto weniger denke ich an diese Geschichten. Als Kind ist man noch so unschuldig, so rein. Man glaubt, alles wird eines Tages besser. Man ist naiv und vergisst seine Träume nicht. Wenn ich einen erwachsenen Menschen danach frage, was er letzte Nacht geträumt hat, wird er höchstwahrscheinlich keine Antwort darauf wissen. Ich selbst versuche mir jeden Traum einzuprägen, mir am nächsten Morgen ins Gedächtnis zu rufen. Eigentlich ziemlich kindisch, wenn man darüber nachdenkt, aber irgendwie auch beruhigend.
Als erwachsener Mensch, der ich ja im Grunde schon sein müsste, darf man nicht mehr träumen, man muss Realist sein. Das Leben eiskalt leben ohne Rücksicht auf Verluste, sonst ist man irgendwann die Person, die von jemand anderem zertrampelt wird. Man muss seine Gefühle verstecken, muss sie kontrollieren lernen. Damit man irgendwann anderen den Schwarzen Kater zuschieben kann und sich innerlich denken, Gott sei Dank bin ich nicht die arme Sau.
Ich glaube, im Grunde hat jeder ein schlechtes Gewissen, wenn er andere Menschen fertigmacht, aber er weiß es nicht besser, weil er es vielleicht nie anders erlebt hat, oder einfach zu feige ist, sich gegen den Machtkampf in unserer Welt zu wehren.
Schon als Kind habe ich es komisch gefunden, dass immer nur auf den scheinbar Schwächeren herumgetrampelt wurde und die Starken damit immer ungeschoren davonkamen. Aber nach und nach hab ich verstanden, warum sie so gemein sein mussten. Sie hatten Angst. Sie wussten, es würde von ihnen erwartet, so war es schon immer:Der Stärkere muss kämpfen um zu gewinnen bzw. zu überleben. Selbst Darwin erkannte das in seiner Evolutionsgeschichte.
Ich hasse das alles, diese Zwänge, das „Muss“. Am liebsten würde ich da nicht mitspielen, einfach wirklich so leben, wie ich es will. Aber wie sollte das gehen, wenn ich der einzige Mensch bin, der aus der Reihe tanzt? Es lehrt uns ja schon die Geschichte. dass die, die anders sind, verstoßen oder sogar getötet wurden: Die nationalsozialistische Ausradierung von Behinderten, Juden, Ausländern oder die frühmittelalterlichen Hexenverbrennungen - es gibt so viele weitere erschreckende Beispiele.
Also muss man sich in dieser Welt entscheiden: Bist du anders und ausgestoßen oder bist du wie sie? Unser Leben wird von Teufelskreisen beherrscht und das Leben selbst ist wohl der größte und mächtigste der existiert. Und das Deprimierendste daran ist, dass ihn keiner überleben kann. Einige wenige Glückliche werden es zwar schaffen, ihn für sich persönlich besser zu machen, aber für die restliche Menschheit sehe ich schwarz.
Ohne zynisch oder pessimistisch zu wirken, glaube ich, dass mehr als drei Viertel der Menschen es gut finden, wie es ist. Wieso auch nicht? Man muss nicht selbstständig denken, sondern sich einfach unterordnen. Man verwandelt sich in eine Kopie, in ein Blueprint. Alles basiert auf einem einfachen Leitgedanken der Menschheit: Niemand wird einem das Leben schwer machen, solange man selbst jemand anderem das Leben schwer macht.
Vielleicht kann man eines Tages durch viel Selbstdisziplin aller Menschen sowie durch Liebe, Respekt und Vertrauen ein besseres Miteinander schaffen. Aber ein rassistischer Gedanke, oder eine falsch formulierte Bemerkung könnte all diesen Hass auf einen Schlag wieder zurück in die Köpfe der Menschen bringen. Es ist ein Drahtseilakt, der mit dem Tod oder noch schlimmer der absoluten Gleichgültigkeit enden kann.
Es ist traurig, aber ich glaube, dass es nicht möglich ist, die Erde nicht weniger höllisch zu machen. Die einzige Hoffnung ist, dass wenn man es aus verschiedenen Blickpunkten betrachtet, die Erde für manche die Hölle und für andere der Himmel zu sein scheint.
Für mich persönlich ist es jeden Tag etwas Neues, Undefinierbares, was ja auch in gewisser Weise den Reiz am Leben ausmacht. Wenn ich aufwache und ich höre schon am frühen Morgen Vögel singen und die Sonne kitzelt mich mit ihren Strahlen, einfach alles ist gut und die Probleme sind verschwunden, dann ist es der Himmel auf Erden. Andererseits drängt mich die Welt auch oft zu dem furchterregend großen Eingang der Hölle, der mit Gleichgültigkeit und Problemen gepflastert ist. Es ist zwar meine eigene Entscheidung, ob ich mich von der Realität verschlucken lasse, aber welche andere Wahl habe ich denn?





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