Heute im Sale: Dry Sekt
Langsam werden wir unterwürfig, bereichern uns neuer Worte von Übersee. Zerstörerisch, zukunftsweisend?
Täglich begegnen wir Wörtern, die nicht dem Deutschen entsprungen sind. Die „Flatrate“ vom Handyverkäufer unseres Vertrauens, das neue „Shopping Center“ um die Ecke oder der „Coffeeshop“ am Bahnhof, der uns die Zeit am „Service Point“ vertreibt. Uns wird erst dann bewusst, dass unsere Sprache in einer tiefen Krise steckt, wenn wir vor einer Gebrauchsanweisung hocken und nicht verstehen, was „Fixies“ oder „Updates“ sind. Erst dann, fangen wir an, zu schimpfen und fragen uns, wer sich so etwas ausgedacht hat; ob es eine Begleiterscheinung der Globalisierung ist oder doch der Drang nach Deutschlands Anerkennung auf internationaler Ebene, bleibt wohl offen.
Sicherlich ist es einerseits Amerikas Vormachtstellung, in wirtschaftlichem und politischem Hinblick. Andererseits ist es aber auch der „American Way of Life“ bzw. der „American Dream“ nach dem wir Europäer so streben und uns erhoffen, mit „Sprachgepantsche“ dem Ganzen ein Stück näher zu kommen. Ob diese Sehnsucht allerdings auf die Wörter des Alltags-Denglisch zutreffen ist fragwürdig. „Top“, T-shirt“, „outdoor-jacket“, „nordic walking“, „anti-ageing“, „styling“, wer denkt da schon an ein fernes Amerika, an eine „verschmutzte Sprache“? Niemand. Denn solang uns dieses Gepantsche Vorteile erbringt, an diesem Beispiel in Form von leicht zu gebrauchenden Begriffen, soll es uns willkommen sein. Nur wenn die Kinder dann nach Hause kommen und erzählen, sie sollen zu morgen „brain stormen“ und diese Ergebnisse in einer „Mind Map“ festhalten, fällt es uns Deutschen wieder leicht, sich zu beschweren.
Solche „Sich-Beschwerer“ haben sich zum „Verein deutsche Sprache e.V.“ zusammengeschlossen und schreiben jährliche neue Mitglieder. Die Begeisterung für den Eintritt in einen Verein, der versucht, uns einen wichtigen Teil unseres Kulturguts zu sichern, in dem er Firmen und Einrichtungen auf ihre albernen „Slogans“ aufmerksam macht, wächst. Mitglieder dieser Vereinigung rufen auf zum „Unwort des Jahres“, feiern jährlich den „Tag der deutschen Sprache“ verleihen den Titel „Sprachpantscher des Jahres“.
Die Designerin Jil Sander erhielt diese Auszeichnung im Jahre 1997 zu Recht. Denn wer will schon Sätze wie: „Ich habe verstanden, dass man contemporary sein muss, das future-denken haben muss“ hören? Genau, Niemand.
Auch wenn uns der tägliche Englisch Unterricht, der uns beim Schlendern in der „City“ geboten wird, ganz gut tut und wir uns so ein Stückchen mehr bereit fühlen, uns einer westlich angepassten Welt zu öffnen, gibt es immer noch Menschen, die die Weltsprache No. 1 nicht beherrschen und auch nicht bereit sind, diese zu erlernen. Für solche Menschen stellt die neue „Sprache“ ein echtes Problem dar. Sie sind in gewissen Lebenslagen schlichtweg eingeschränkt. . Denn ein Konsument, der im „basement“ den „dry“ Sekt im „Sale“ kaufen soll, weiß weder wo, noch nach was er suchen soll, geschweige denn ob das gesuchte Produkt nun im Angebot ist oder nicht.
Hotels werben oft mit guter „Citylage“, mit angrenzendem „Shoppingboulevard“, einer „Spa und Relax Area“ auf dem „Style und Design Wellness Floor“. Sonstige „Highlights“ werden den Gästen natürlich auch nicht vorenthalten. Und so soll keiner in seinem „Whirpool“- Vergnügen oder in der „Rainforest- Sauna“ gestört werden.
Abends wird man vom „live cooking“ unterhalten und lässt anschließend den Abend mit einer schönen Musik ausklingen, die durch das „super sound system“ ganz besonders betörend wirken soll.
Wo früher die französische Sprache als „chic“ galt und man sich für was besseres hielt, wenn man sein Kind auf den Namen „Chantal“ taufte, da ist jetzt die Englische Sprache angelangt, die unseren Männern vortäuscht, „easy-peasy“ zum „Top Manager“ aufzusteigen, wenn er die „Charts“ in seinem „briefing“ englisch erklärt.
Es ist einfach „in“ und „trendy“ den „Womanizer“ an der Ecke „smart“ anzuschauen und dann auf ein „Date“ zu hoffen. Aber ist es nicht genauso schön, sich ein „Rendevouz“ mit dem „Charmeur“ zu erlächeln oder doch ein „Treffen“ mit dem „Weiberhelden“ zu erhoffen? Es ist ja nicht so, als hätte die deutsche Sprache nicht Ersatz, für so ein Sprachgepantsche zu bieten.
Einen Versuch ist es doch wert, die nächste „Fete“, anstatt der Party zu besuchen und vielleicht „Spaß“ anstatt „Fun“ zu haben. Die „Ladys“ werden zu „jungen Damen“ und wer den Eintritt durch einen „Flyer“ vergünstigt bekommt, der... ja was sagt der dann?
Wahrscheinlich werden wir immer wieder auf Begrifflichkeiten stoßen, die im Englischen einfach freundlicher klingen. Solange wir nicht anfangen, englische Adjektive zu deklinieren oder Verben zu konjugieren soll uns dieses Vergnügen vergönnt sein. Doch, ich habe „gedownloaded“ oder "heaviere Sachen“ klingt schlicht und einfach falsch.
Versucht doch mal, die Sätze in euren Worten zu sagen, in eurer Sprache. Tut etwas für den Erhalt unserer Sprachenvielfalt. Und das „open- air event“ wird nicht mehr zum „Highlight“ sondern zu einem „Konzert im Freien“, das einen "Höhepunkt" garantiert.
Da sag mal einer noch, dass das nicht „cool“ klingt.





Kommentare
Sprache ist und war schon immer flüssig, Goethe selbst gilt als einer der Einführer neuer Wörter. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass auch schon damals viele drauf geschimpft haben. Im Übrigen findet man auch deutsche Begriffe in anderen Sprachen wieder.
13.01.2010, 11:59 von Riku_HanaWas für eine Diskussion hier!!! Jeder will unbedingt seine Meinung so aussagekräftig wie möglich darstellen und überließt dabei mal eben jegliche Differenzierung der anderen Kommentare.
03.01.2010, 22:51 von heinrusIch habe da mal eine Frage, die gar nicht mit der Bewertung der Anglizismen zu tun hat, sondern lediglich nach deren Fülle gerade in unserer Sprache sucht. Wie hier zuvor schon mal erwähnt (finde den Kommentar jetzt nicht wieder) fällt es auch Ausländern, die als Touristen nach Deutschland kommen, auf, dass gerade im Deutschen viele englische Wörter zu finden sind. Warum sind wir so viel "anfälliger" für das Englische? Es mag zwar auch in anderen Sprachen vom Englischen Gebrauch gemacht werden, aber es scheint, dass wir Deutschen darauf besonders stark eingehen. Sei es (wie einige hier behaupten) vielleicht nicht in unserer Alltagssprache, so aber doch in der Werbung, die die Anglizisemen auch nur beinhaltet, da sie bei uns offensichtlich gut ankommt - die Fülle der Beispiele, die hier mal eben in den Beiträgen gegeben werden, bestätigt die Wirkung der Worte aus den Werbungen eindeutig!
Um hier gleich mal allen vorwegzunehmen, was vielleicht auf so mancher Zunge liegen mag: Ich selbst bin mir etwas unschlüssig, habe meine Meinung noch nicht ganz gebildet. Also meint bitte nicht, aus Randbemerkungen in meinem Beitrag irgendwelche Tendenzen, nein sogar Meinungen feststellen zu können, wie es ja schon zu Hauf getan wurde (wer meint denn, aufgrund einer schlichten Meinungsäußerung der deutschen Sprache gegenüber einen Nazi erkennen zu können, wie es oben bereits geschehen ist - nur mal so als Denkanstoß...!)
Amen!
23.12.2009, 01:23 von Mollys.DamenbartDie deutsche Sprache hat so viele schöne, gute und sinnvolle Beschreibungen und unglaublich viele Synonyme für einzelne Begriffe; Also wozu alles verenglischen?
@Mollys.Damenbart Also "Amen!" zum Artikel!
23.12.2009, 01:24 von Mollys.DamenbartEs gibt auch ausländische Wörter die eingedeutscht wurden und bereits im Duden steh´n, also ist es nicht ganz falsch, wenn man Nicht-deutsche Wörter sagt.
20.12.2009, 12:39 von indieanerrEs gibt auch ausländische Wörter die eingedeutscht wurden und bereits im Duden steh´n, also ist es nicht ganz falsch, wenn man Nicht-deutsche Wörter sagt.
20.12.2009, 12:39 von indieanerrVom feeling her hatte ich ein gutes Gefühl...
18.12.2009, 12:19 von sailorschrecklich ist einzig und allein die mischung aus deutsch und englisch, deutsch und spanisch, deutsch und französisch, sprich: die mischung aus fremd- und muttersprache. In der Wissenschaft, wie im Alltag, sollte man nur zu fremd- und fremdsprachenwörtern greifen, sofern sie ein komplexes konzept einleuchtend und treffsicher auf ein wort reduziert zusammenfassen. wörter hingegen, die mit einfachheit durch ein deutsches ersetzt werden können, sollte man nicht – manisch-zwanghaft - durch ein fremdwort ersetzen. Zumal der gebrauch eines unnötigen fremdwortes, schnell den eindruck erweckt, als wollte der sprecher etwas unspektakuläres, banales, oder langesweiliges aufwerten. als quintessenz entsteht somit für den zuhörerer –sofern er denn in der lage ist, für sich die intention des sprechers zu entlarven- der eindruck, als wolle jemand, der mit fremdwörtern um sich schmeißt, auch sein ego bauchpinseln.
18.12.2009, 09:48 von istmirdochegal@istmirdochegal Genau. Fazit: Face the facts - aber hinterfrage die Motivationen. ;-)
18.12.2009, 11:07 von LudwigMartinHauptsache ist doch, das Denken geht weiter.
die hundertausendste Anglizismen-Beweinung auf der Startseite? Wirklich?
17.12.2009, 21:30 von sohaltDann doch liebe Liebeskummer oder Abtreibungsdiskussion.
Ups, Komma vergessen!
16.12.2009, 21:02 von Nicole.