die.sturm 06.10.2009, 08:12 Uhr 3 0

Herkunft und Wurzeln

Diese Geschichte beginnt bereits vor meiner Geburt, als ich noch nicht einmal direkt ein Gedanke war...

Mit den Gedanken ist das nämlich so eine Sache; sind sie erstmal da, hinterlassen sie oft bleibende Eindrücke. Und so mancher Gedanke an körperliche Hingebung und Vergnügen manifestierte sich im ewigen Kreislauf des Lebens in Form von Zeugung und – oh Wunder- einem neuen Erdenbürger.
So soll es auch sein.
Ich bin jedenfalls. Ob das so geplant war oder nicht- danach frag ich nicht- ich bin einfach da.
Meine Mutter war jedoch gleich zu Beginn der Schwangerschaft von dem Mann getrennt, der seinen Samen dazu gegeben hatte. Sie liebte bereits einen anderen Mann-- meinen Vater. Ich möchte das gerne besonders hervorheben, denn es gibt für mich keinen anderen Vater als den, der mich aufzog- und das wie sein eigen Fleisch und Blut.
Lange Zeit hatte ich jedoch keine Ahnung von den Umständen, die mich in diese Welt hinein katapultierten: Und dann - vor wenigen Tagen, anlässlich unseres Interviews - stellten SIE mir und somit auch ich mir zum ersten Mal die Frage, ob es nicht besser gewesen wäre, hätte ich nie davon erfahren... Eine merkwürdige Frage, denn hätte es tatsächlich einen Unterschied gemacht?! Ich bin der Mensch, der ich heute bin- wäre ich ein anderer? Weiß man´s? Mir fehlte es an nichts. Oder etwa doch? Ich reflektiere in diesen Tagen sehr Viel, was Jahre ruhte. Einfach wird es nach all der Zeit nicht- ich lebte mit dem was war und grämte mich nie lange.
Sie, Frau Hummel, brachten mich dazu, darüber nachzudenken, was wäre wenn...Ja, was wäre gewesen, wenn ich es nicht damals erfahren hätte? Sicherlich wäre es zu keinem auffallendem Ereignis gekommen, vielleicht, nachdem meine Eltern getrennt waren, hätte ich wegen des BaföG mal genauer in meine Geburtsurkunde geschaut, weil dort ja „Vater unbekannt“ steht-- dann hätte mir ja was auffallen müssen. Aber es hätte mit Sicherheit nicht des Tode meines Vaters bedurft, bevor ich von der Wahrheit Kenntnis erhalten hätte. Das Nachdenken darüber bringt mich meiner Meinung immer näher: Es darf kein solches Geheimnis geben, welches über einem Kind schwebt, ohne, dass das betroffene Kind wissend damit auf wächst und damit umzugehen versteht!!! Und Kinder, die mit etwas ganz natürlich aufwachsen, denen kommt auch nicht seltsam daran vor, wenn man davon spricht. Es war falsch, was meine Eltern getan haben, in dem sie mir alles verschwiegen ( und in dem Sinne rede ich in erster Linie von mir, zu meinem leiblichen Vater komme ich noch.)
Unwissenheit ist Lähmung und erkennt Rechte ab. Was mich wütend gemacht hat, als ich damals in meinem Kinderzimmer mit meiner Mutter jenes Gespräch führte, da war alles mit einem Mal anders, und dennoch war nichts vollends erledigt oder erklärt. Wie ein Schweben zwischen den Welten.
Ich bin nicht die leibliche Tochter meines Vaters – und ich war DAZU noch nicht mal adoptiert worden von ihm!?!?!„ Es ist einfach nicht dazu gekommen!“ Und warum nicht? War alles andere wichtiger?! Was soll es für Gründe geben für ein Unterlassen einer solchen Handlung?! Da saß ich...in meinem Kinderzimmer und doch war ich in diesem Moment um Jahre gealtert. Scheinbar.
Unverstanden und nicht verstehend. Als Zwölfjährige, die selber gerade die schwere Phase des eigenen Erwachsen Werdens durchlebt- ich hatte nicht lange zuvor meine erste Menstruation erfahren, zu meinem Leidwesen, wie ich dazu gestehen muss. Und als Frühreife war das alles zu viel für mich. Warum hat niemand mit mir geredet? Ich meine WIRKLICH geredet, denn das Bisschen, das meine Mutter mir sagen konnte oder wollte, war ungenügend, ließ so Vieles offen.
Ich war ratlos. Was war da los? Wut und Unverständnis für die eigenen Eltern haben meine kleine Welt in diesem Moment erschüttert. Und das Gefühl, dass ich es ein wenig immer schon „geahnt“ hatte-- nicht konkret, eher wie in George Lukas` Star Wars..., als Prinzessin Lea erfährt, dass sie und Luke Skywalker Geschwister sind. Sie sagt: „Ja, ich weiß. Irgendwie hab ich es schon immer gewusst.“.Unerklärlich Und doch bestätigte sich in jenem Moment eine Ahnung. Ich war ein Kind, und je mehr ich mich zurück versetze in das Damals, umso näher komme ich meinem gegenwärtigen Selbst. Ob es tatsächlich so viel an mir geprägt hat? JA, das erkenne ich jetzt. Das ist gut so. Sicher wird es noch lange dauern, bis ich es auch verstehen kann.
Wie lange ich mich so verwirrt fühlte kann ich nicht sagen, denn das Leben geht ja bekanntlich weiter und der Alltag hält so manche Überraschung für Kinder und Jugendliche bereit. Eines kann ich aber mit Bestimmtheit sagen; ich konnte zu meinem Vater nicht mehr Papa sagen...Es war etwas zerbrochen in dieser Beziehung, etwas ohnehin sehr zartes. Er konnte nicht reden, was mir so sehr fehlte. Leider. Anstatt mich beiseite zu nehmen und „sein“ Mädchen zu umarmen hat er alles andere getan. Nein, das Reden war noch nie seine Stärke. Seine Geschenke an Weihnachten waren hingegen immer ein wenig üppiger als erwartet ausgefallen. Das machte mich traurig- und ich ging mehr und mehr meine eigenen Wege. Kann man seine Liebe derart unter Beweis stellen? Ich verstehe ihn ja heute, aber damals fiel es mir schwer. Mir kam es nach dieser Zeit so vor, als dass ich so leicht auf niemand mehr zählen konnte; am besten, ich verlasse mich auf mich selbst. Auch meine Mutter wähnte ich stets „in die Tasche gesteckt“ zu haben....Der Trugschluss einer trotzigen Tochter...Das kann nur mit Enttäuschungen und viel Lehrgeld enden, weil ich als Jugendliche ja gar nichts abschätzen kann. Und so rannte ich oftmals in die dicksten Fettnäpfe und mit Wonne immer wieder vor Wände. Als Charaktereigenschaft ist mir das erhalten geblieben....so lerne ich ( wahrscheinlich nicht nur ich )am ehesten. Ein bisschen schmeckte es ja nach Verrat- und ich nahm daraus die Unerträglichkeit von Lügen mit ins Leben.
Ein Kind der Liebe, das bin ich wohl, denn gab es doch nie Veranlassung daran zu zweifeln. Ich darf mit Freude erwähnen, dass ich mit meiner Familie eine tolle Kindheit erlebt habe; mein Bruder und ich genossen die Bilderbuchkindheit ( bis sich unsere Eltern trennten). Es war immer für alles gesorgt, wir hatten eine prima Gemeinschaft innerhalb der Familie und der Nachbarschaft...Die herrlichsten Sommer konnten wir im Schoße dieser Umgebung sorglos verbringen. Für mich wird das stets in bester Erinnerung bleiben. Es fühlt sich warm an, wie die schönen Sommertage, die wir am Gemeinschaftspool hatten. Parties, die erfrischend waren wie das ungeheizte Wasser, wenn man nach der Schule hinein hüpfen konnte. Und wenn ich im Sonnenlicht meine Bahn tauchte, dann war ich rundum zufrieden mit der Welt. Jene Schwerelosigkeit ist heute noch der Balsam, der mich heilt. Da kann ich abtauchen im buchstäblichen Sinne.
Die nächste große Station soll dann auch die Trennung der Eltern und somit der gänzliche Zusammenbruch der heilen Welt sein. Dieser enorme Einschnitt brachte nicht nur mich erneut ins Wanken. War ich doch bereits volljährig, aber so wenig auf das echte Leben da draußen vorbereitet.
Das Abitur hatte ich ja dann absolviert, aber der vorgedachte Lebensweg schien mit einem Mal wie weggeblasen; das Studium kam mir ja gar nicht mehr in den Sinn. SINNLOS. So war das Leben. Orientierungslos. Mein Bruder war mit meinem Vater zurückgeblieben, ich war bald auch für meine Mutter der letzte Stein im neuen Lebensweg; mich musste man noch gut in einer eigenen Wohnung unterbringen, dann konnte es eigentlich mit dem neuen Lebenspartner in neuer Umgebung, weit weg von allem „Alten“ endlich weitergehen....Das war bitter, nur empfand ich es damals gar nicht so. Doch, es war hart. Verdammt hart. Ja, irgendwann muss sich jeder auf eigene Beine stellen, das kann man erwarten, wenn man volljährig ist. Nur hat niemand gefragt, ob ich dazu bereit bin. Nur meine Tante und mein Onkel haben sich immer gesorgt. Haben erkannt, wie schlimm es im Grunde auch für mich war- es schien ja so, dass ich tough genug bin, aber das war ich mitnichten. Die verständnisvolle, intelligente junge Frau war weder bereit für ein eigenständiges Leben, noch gerüstet für die Zukunft. Mama, leider ist das die traurige Wahrheit. Durch den neuen Lebensgefährten meiner Mutter kam ich dann auf die Frage nach meinem leiblichen Vater. Und so erfuhr ich zum ersten Mal seinen Namen. Doch mehr wurde daraus dann nicht. Wie bei einer Platte, die beim Abspielen durch einen Krater einen Sprung macht--- man geht hin und hebt die Nadel ein Stückchen weiter wieder in die Rille. Mein Leben sollte eine akademische Richtung einschlagen, nicht mit minderbemittelten Jugendlichen bei einer Maßnahme zur Berufsfindung zwischen stoppen!! Ich lies die Trauer um mein verlorenes Leben jedoch nicht zu; ganz alleine war ich ja auch nicht, denn ich hatte damals einen Freund. Nur war dieser Freund auch der Einstieg in ein Leben mit Betäubungsmitteln. Weil er täglich kiffte, nicht so wie ich gelegentlich mal einen Joint rauchte, so führte dies zu einem vermehrten Konsum meinerseits.. Das macht alles dumpfer. Und erträglicher. Aber auch ärmer. Und sinnlos, weil trostlos. Das klingt nach sozialem Abstieg. Das war es auch. Sozialhilfeempfängerin war ich ja bereits durch den Umzug in das fremde große Krefeld, am Rande des Ghettos.. Es ist erniedrigend. Auch eine der Erfahrungen, die ich mir lieber erspart hätte. Aber überaus bedeutsam für mein weiteres Leben. Wäre ich nicht dort in diese Wohnung gezogen, hätte ich den Vater meiner Tochter niemals kennen gelernt, also gäbe es auch Lucy nicht.
Ich war gerade mal zwanzig- und hatte Null Orientierung. Ich bin jedoch von Natur aus ein Stehaufmännchen. Und die Maßnahme des Arbeitsamtes bei den Euro Schulen Krefeld rüttelte mich wach. Ein Anruf- und ich hatte ein Praktikum bei einem Industrie- und Werbefotografen. Ein Glück. Die nächste Station war die Ausbildung zur Gestaltungstechnischen Assistentin am Berufs Kolleg Glockenspitz. Ich blühte auf. Die ganze Zeit kein Gedanke an meinen leiblichen Vater. war alles weit weg. Die Heimat. Die geliebten Menschen. Die gewohnte Umgebung. Das erste Jahr der Ausbildung war vorüber. In der Zwischenzeit hatte ich den Lucy´s Vater kennen gelernt, der mich nachhaltig beeindruckte. Er war älter, erfahrener, viel reifer, und ich fand ihn faszinierend. Aber er war auch der Anlass, dass ich meine Ausbildung mehr und mehr vernachlässigen sollte. Nicht seine Schuld. Die „Familie“ war weit fort ( weit, das hieß für mich 10 km!!!), niemand, der mich mal beiseite nahm....böse Falle. Ich war mit Anfang Zwanzig zu naiv. Und eingebildet. Und schwupp- schon war ich ausgeschult! Ich hätte mir in den Hintern beißen sollen, nein, ich lag mit selbigem schön mit diesem Mann lieber im Bett als mich um meine Angelegenheiten zu kümmern.
Die Katastrophe war komplett mit der Schwangerschaft. Denn gerade hatte ich das Gespräch mit dem Jahrgangsstufenleiter der Schule, damit ich das letzte Jahr wiederholen konnte, da war ich SCHWANGER. Bodenlos. Ein Horror-Tripp. Ich wollte doch NIEMALS Kinder. Niemals wollte er Kinder. Kein Gedanke mehr an die Ausbildung, denn auf meine Anfrage auf Rat und Hilfe seitens der Schule, bekam ich eine Beglückwünschung. Perfekt. Ich saß in der Tinte. Ganz tief. Das ungeborene Leben in mir habe ich so lange mit mir alleine ausgemacht, verdrängt zunächst, der Vater durfte es nicht erfahren, ich lag mit ihm im Bett--- und hoffte, jeden Tag aufs Neue, er möge es nicht bemerken. Doch irgendwann war es unumgänglich. Ich wollte auch dringend nach Hause, was ich als das bezeichnete war meine Heimatstadt. Weg von der Gegend, in der ich kein Kind aufziehen wollte. Um Himmels willen. Schnell musste es gehen. Meine Familie hatte von der Schwangerschaft ziemlich spät erfahren. Meinen Bruder hatte ich mit der Top-Secret-Info anscheinend überlastet. Der hatte sich zwischenzeitlich bei meiner Tante erleichtert. Und wieder sprach niemand. Auch ich nicht. Jedenfalls nicht sofort. War zu sehr mit meinem Zustand beschäftigt- und was der geliebte Mann zu sagen wird. Es war ein wenig die Hölle auf Erden. Dabei sollte diese Zeit der reifenden Frucht im Mutterleib doch intensiv und besinnlich sein. Ich flüchtete. Ich ging einige Zeit zu einer Freundin in den Haushalt. Ein paar Wochen danach war das Baby nämlich schon da. Und die ersten Monate war alles gut. Wider Erwarten. Auch mit Lucy´s Vater. Ich war eine Mama. Eine Verschnaufpause, wie sich herausstellen sollte. Mein Umzug zurück nach Kempen. Erleichterung. Meine vier Wände in der Nähe zum Rest der Familie. Meine Tante und mein Onkel waren der halbe Rest. Und ein Segen. Denn das junge Glück wurde rasch auf die Probe gestellt.
Und wie ich so bisweilen durch die Innenstadt laufe, kommen mir wieder jene Gedanken an meinen leiblichen Vater: ich sehe da diese junge Frau, von der ich annehmen konnte, sie sei möglicherweise meine Halbschwester. Und das nagte und nagte. Mein Privatleben wuchs sich leider in die falsche Richtung aus; es hab zunehmend Probleme. Ich wollte mehr aus meiner bisher verkorksten Karriere und dem Leben machen...wozu hab ich denn den Grips, nur zum Windeln wechseln allein sicher nicht. Mittlerweile suche ich eine größere Wohnung, denn ich will es noch einmal probieren mit der Ausbildung. Dazu brauch ich aber meinen eigenen Rückzugsraum, Lucy ist bereits im Kindergarten. Und ich trenne mich von ihrem Vater. Eine Erlösung. Zeit, um wieder zu mir selbst zu finden. Nach enormer Gewichtszunahme meldete sich die Bandscheibe mit Schmerzen. Der Druck war überall zu groß. 2004 fand ich den Anlauf: Die Tests für die Ausbildung hatte ich erneut bestanden, die Mappe erfolgreich eingereicht. Nun sollte eine Mutter-Kind-Kur helfen, dass ich das alles einigermaßen gesund zu Ende bringe. Wieder leben. Aufatmen. Endlich unter Menschen, wenn ich dort auch die Oma war. Es gab Tage, da schlief ich abends mit meinem Kind im Bett zusammen ein, weil ich so erschöpft war. Aber glücklich. Diese Zeit war geprägt vom Lernen, da war wenig Zeit für Anderes. Auch nicht für Gedanken an meine Herkunft. Aber die Vorläufer bahnten sich an. Mein guter Einstieg in die Ausbildung setzte sich fort. Und sogar das Verhältnis zu meinem Vater empfand ich mittlerweile als verbessert; es war ja sein einziges Enkelkind, dass ich geboren hatte. Zwischenzeitlich hatte auch er sein Glück wieder gefunden, es kam zu einer Annäherung, die ich mir so sehr wünschte. Nach Weihnachten 2005 sollte ich ihn jedoch das letzte Mal sehen dürfen. Denn im Januar 2006 verstarb er ganz plötzlich.Und das traf mich tief. P apa, ich vermisse Dich. Das wollte ich Dir damals sagen; ich tat es nicht, ich umarmte Dich nicht, wie es mein Impuls gewesen war. So vieles bleibt für immer ungesagt. Du wärst sicher stolz auf mich gewesen, als ich es endlich geschafft hatte. Wenn jemand geht, für immer geht, dann bleibt ein leerer Raum zurück. Ich konnte nicht aufhören zu weinen, endlich konnte ich trauern, bei meinem Onkel war ich leider nicht fähig Die Familie schwindet. Es werden immer weniger. Wie geht es weiter?
Das Leben geht weiter. Muss es. Aber wie? Langsam erreiche ich den Punkt, an dem es mehr und mehr an Bedeutung bekam, dass ich etwas in meinem Leben erledigte. Etwas, dass nun mal keiner sonst für mich erledigen konnte. Mein Vater ist tot. Er kann mir nichts mehr erklären. Und die Fragen wurden seltsamerweise immer lauter in mir. Ich sah in der Stadt die junge Frau, die inzwischen selber Mutter ist, und mich drängt es, zu ihr hin zu gehen, sie anzusprechen....“Bist Du die Tochter von...?“ Sie war es nicht, aber das erfahre es später erst. Doch sie war greifbar, nah, echt und in meiner Nähe. Von meinem leiblichen Vater weiß ich nur, dass er woanders lebte. War damals weggegangen aus Kempen.
Es dauerte aber noch einmal drei Jahre, ehe ich den wirklichen Kick bekam, und es rumorte derart in mir....die kleinsten Puzzle-Teilchen fügten sich in Form von Informationen zusammen. Ich ziehe den Menschen immer mehr aus der Nase....das Wenige, das ich erfahre schürt die Neugierde.
Und als ich mich dann 2007 bei diesem regionalen Online-Portal anmeldete, da war eine Lawine in Gang gesetzt worden, die lies sich nicht mehr aufhalten.
Das Gesicht dieser jungen Frau hatte etwas an sich, ich kann es nicht erklären. Ihr Profil besuchte ich etliche Male. Sie zog mich an, stieß mich aber auch ab. So konfuse Gedanken und Gefühle überkamen mich...Und als ich zu anderer Gelegenheit ihren Nachnamen erfuhr, da war mir alles klar!!! Das muss sie sein, sie ist meine Halbschwester. Sie war ganz nah, im nächsten Ort. Greifbar.Von da an war es reinste Taktik, wie ich mit ihr Kontakt aufnehmen sollte, wollte, musste.
Und wie schwer hab ich mich getan....Diese ausfürliche Mail zu schreiben, die eine gemeinsame Bekannte als Vermittlerin weiterleitete. Aber es funktionierte. Als ich zwei Tage später abends DEN Anruf bekam, fiel ich aus allen Wolken. Es war Aufregung, obwohl ich ganz ruhig war in dem Moment .Es war richtig. Und gut.....wir erzählten uns unseren Lebensweg gegenseitig. Und stellten zum Teil unheimliche Parallelen fest. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Schritt getan habe. Es ist, als würde nun endlich etwas zur Ruhe kommen, das mich immer umtrieb. Das wird alles. Die Zeit bringt es hervor. Und ich will auch IHN bald treffen. Bald. Aber es hat keine Eile. Stephie wird bald heiraten. Ich werde dabei sein. Und ich werde ihn spätestens dann kennen lernen.
Ich hatte den Großteil meines Lebens Zeit, mich mit den Gedanken zu befassen. Er muss das alles in wenigen Wochen verarbeiten. Wie alle Beteiligten. Wir sind Fremde. Nie gekannt. Auch das wird die Zeit bringen, ich bin sicher. Auch, falls es kein familiäres Verhältnis wird, es wird alles so kommen, wie es soll. Und ich habe endlich Frieden.

Mama, ich kann Dir nicht böse sein. War ich auch nie. Du hast Entscheidungen getroffen, die alles veränderten, aber jeder Mensch hat das Recht. Das ist OK. Ich empfinde es als den Lauf der Dinge. Aber ich musste dies alles in Bewegung setzen, auch, wenn ich damit Dein Leben aufwühle, und das vieler anderer Menschen. Ich weiß, Du verstehst es jetzt. Ich will niemand verletzen. Auch Du sollst Ruhe finden. Du bist am Leben-- und nun genieße es!!! Dazu ist es da!
Ich bin jetzt frei.
--------
Liebe Frau Hummel,
ich hoffe, dass ich zumindest ansatzweise das wiedergeben konnte, was an Gefühlen darin steckt.
Es ist mehr meine Lebensgeschichte geworden, als nur die Frage nach dem leiblichen Vater hergibt.
Sie werden verzeihen, wenn manches konfus und unzusammenhängend erscheint. Bei Bedarf einfach nachfragen, ich bin grad so schön beim Erklären. Vielen Dank für Ihre Geduld, Ihre Rücksichtnahme und die Mühe. Es ist Ihr Job, aber es ist mein Leben, dass ich hier vor Ihnen ausbreite. Und ich bin sicher, es fehlt immer noch einiges.....

Ich schließe hiermit ab. Sie werden schon klarkommen, denke ich.

LG

3 Antworten

Kommentare

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    Das gehört jetzt hier vielleicht nicht so her, aber ich lernte heute eine geile Beschimpfung:

    "Dein Stammbaum ist ein Kreis"

    Hahaha. Fand ich total gut.
    Muss ich spreaden.

    06.10.2009, 08:46 von lisbeth_salander
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    konjunktivistische parallelwelten. geiler ausdruck. danke smilla, wurde in meinen sprachschatz eingemeindet.
    :D

    liebe autorin:
    bitte nich krumm nehmen. aber so ein langes ding in der form mit dem inhalt ist ZU VIEL.
    viel zu viel.

    wenn ich mal ruhe hab, dann lese ich. wenn...

    06.10.2009, 08:43 von RedSonja
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    "Sie, Frau Hummel, brachten mich dazu, darüber nachzudenken, was wäre wenn...Ja, was wäre gewesen, wenn ich es nicht damals erfahren hätte"

    Och, Kinners, ehrlich.... Habt ihr im Leben eigentlich nichts anderes zu tun, als in konjunktivistischer Parallelwelt zu denken?

    Tut mir leid, ich les vielleicht nachher weiter, ich muss gleich mal dem Klempner jetzt die Tür aufmachen...

    06.10.2009, 08:22 von frl_smilla
    • 0

      @frl_smilla Nochmal?

      06.10.2009, 08:31 von quatzat
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