Herbstsafari
Bitte steigen Sie ein, lassen Sie sich fallen, aber vor allem ziehen Sie sich warm an!
Und schon geht’s los. Vorbei geht die Fahrt an leeren Schwimmbädern, halbvollen Biergärten, überfüllten Einkaufszentren mit reizenden Menschen, ein grau in grau getauchtes Meer aus bunten Regenschirmen und einer riesigen Flut voller abgeflauter Frühlingsgefühle.
Gerade eben fühlte ich noch die Leichtigkeit des Sommers, ich schmecke sie jetzt noch wie Salz auf den Lippen. Doch die Lippen sind rissig und es brennt. Ich sehne mich nach einem Sonnenbrand und erinnere mich prompt an eine weitere Fehlinvestition diesen Sommers.
Es waren nicht nur Gefühle.
Der Typ vor mir mit den aufdringlich grellen Badeshorts öffnet das Fenster und prompt fährt mir ein kalter, eisiger Wind durch die Haare, treibt mir die Tränen in die Augen. Abschiedstränen.
Ich drücke meine Nase ans Fenster, denn da steht es. Das Relikt meines Sommers. Der Fahrer gibt Gas und wir tauchen hinein in eine schwüle Atmosphäre in Schwarz-Rot-Gold. Der Karren kommt zum Erliegen. Wie gern wäre ich jetzt in Spanien. Enttäuschungen wohin man sieht.
Die Tour nimmt ihren Lauf. Bildungsträger auf der linken. Arbeitgeber auf der rechten. Der Druck ist allgegenwärtig. Mir wird schlecht. Ich schließe die Augen.
Ich öffne sie wieder und hoffe auf ein wenig Entspannung, auf ein Stück sinnloser guter Laune. Ich lasse mich nach vorne fallen, denn der Bus bremst. Der Busfahrer dreht sich um und verkündet mit breitem Grinsen: „Ozapft is!“. Die Touristen steigen aus.
Ich drehe mich noch einmal um. Dann lasse ich den Sommer hinter mir und übe mich in Toleranz.






Kommentare
Toleranz brauchste auch auf der Wiesn.
20.09.2010, 22:20 von quatzat