LauraPhilomenaTheresa 31.10.2012, 02:52 Uhr 20 31

Herbst/Winter

Ein sattes Leuchten füllt die Welt, malt alles rot und golden, während - ganz kurz - die Zeit anhält, dies Schauspiel zu verfolgen.

Ein sattes Leuchten füllt die Welt,
malt alles rot und golden,
während - ganz kurz - die Zeit anhält,
dies Schauspiel zu verfolgen.

An jedem Tag erwacht das Laub
zu licherlohem Leben.
Wangen sind rot und kältetaub,
es raschelt auf den Wegen.

Aus ihrem grünen Stachelkleid
lugt die Kastanie achtsam,
als sei sie stets zum Kampf bereit,
bewehrt, gepanzert, wachsam.

Ein letztes Blatt fällt wie ein Stern,
es schwebt uns sacht zu Füßen,
neigt sich im Wind, um nah und fern
den Winter zu begrüßen.

Das Rot verglimmt am Himmelsrand,
Wehmut schleicht in die Herzen.
Kaminholz knackt, es liegt das Land
im warmen Schein der Kerzen.

Die Luft ist klar und klirrt wie Eis,
kahl steh'n die Baumgerippe.
Der Atem steigt wie rauhreifweiß-
er Nebel von der Lippe.

Bald dämpft der Schnee dann jeden Laut,
still eines Nachts gefallen.
Die Sonne spiegelt sich erbaut
in funkelnden Kristallen.

Es riecht nach Glühwein, Tee und Zimt,
es schmeckt nach Mandarinen,
wenn Nächte schier unendlich sind
und Krampusse verdienen.

Die Sterne flimmern hell und kalt
an dunklen Himmelsbahnen,
die sich entspannen, urzeitalt,
und uns zu Demut mahnen.

Die Erde knirscht bei jedem Schritt,
doch sanft gleiten die Kufen.
Nur Krähen fliegen oben mit,
währn'd sie den Frühling rufen.

Im Gehen tastet deine Hand
nach meinen kalten Fingern.
Ganz fest verschränkst du dieses Band
und lachst nur, wenn wir schlingern. 

 


Tags: Herbst Winter Gedicht Liebe
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20 Antworten

Kommentare

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  • 0

    so schön! 

    15.11.2012, 17:04 von wortwoertlich
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    *.* sprachlos träumend, wundervoll, gerade die letzten zwei Strophen...

    07.11.2012, 11:42 von LonleyHeart
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  • 0

    danke euch!

    06.11.2012, 16:58 von LauraPhilomenaTheresa
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  • 0

    du hast frühling und sommer vergessen!

    05.11.2012, 22:15 von SexyBrigitte23
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  • 0

    sehr sanft. sehr feinfühlig beobachtet. gut formuliert.
    danke!

    04.11.2012, 22:50 von sommer-haus
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  • 0

    WOW!!!!

    02.11.2012, 11:02 von words_of_juli
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  • 0

    wunderbar !!! :)

    02.11.2012, 10:22 von nielinneh
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  • 5

    "währn'd ich an der heizung lehn
    in fleecedecken gehüllt
    - das letzte dope is aufgeraucht,
    die wohnung zugemüllt -

    erscheint von fern ein stiller klang
    in marzipan getunkt,
    sterne falln mir auf den kopf,
    dass es nur so funkt.

    die heizung wird nun abgestellt,
    die rechnung war zu teuer,
    wir schlingern aus der bude raus,
    wir breiten ungeheuer.

    auf der straße issees leer,
    ich habe es geahnt,
    der winter steht nun vor der tür,
    ich bin jetzt vorgewarnt."


    01.11.2012, 17:58 von lavish
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  • 0

    ich liebe die letzte strophe.
    aber auch ohne die wäre dieses gedicht von vorn bis hinten grandios.
    wunderschön. so leicht zu lesen. die worte fliegen einem regelrecht zu.
    kompliment!

    01.11.2012, 17:41 von wir_sommer_wiese
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  • 1

    hab noch nie einen Stern fallen sehen. wie kann man das mit nem Blatt vergleichen?

    01.11.2012, 17:16 von Surecamp
    • 1

      hab' ich mich auch gefragt. den vergleich mag ich nicht.

      02.11.2012, 11:23 von Buttercup12
    • 0

      Ich bin davon ausgegangen, dass es sich um die Form handelt. Zum Beispiel von einem Kastanienblatt.

      12.11.2012, 23:08 von VickyWichtel
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