ginger.schwarz 30.11.-0001, 00:00 Uhr 2 0

Hedwig Dohm? Feminismus?

“Auch heute noch? Ja, auch heute noch.”

Es war schon bedauerlich:
ich hörte mich um im Kollegen-/Bekannten- und Freundeskreis, der, wie ich behaupten möchte, doch weitestgehend informiert und gebildet: dennoch: niemand hatte je von Hedwig Dohm (1831-1919) gehört. Erwähnte ich dann, daß sie zur ersten Generation der deutschen Frauenrechtlerinnen gehörte, dann erntete ich zwar ein „ah ja.“, allerdings mit dem unausgesprochenen Zusatz „gut, zeitlich einordnen kann ich die jetzt zwar so ungefähr, trotzdem habe ich keine Ahnung, wer das sein soll“; erwähnte ich dann des weiteren, daß sie sich nicht nur mit ihren Schriften (größtenteils feministisch, doch nicht ausschließlich), sondern auch mit Romanen einen Namen machte, die ihrer Zeit teilweise so skandalös rezipiert wurden, daß literarische und qualitative Aspekte ebendieser Romane zugunsten des vermeintlich autobiographischen Inhaltes (ergo der vermeintlich skandalösen Enthüllungen) unter den Tisch fielen, auch dann erhielt ich als Antwort ein „ah ja“ mit dem Zusatz eines unausgesprochenen Fragezeichens. Erst als ich erwähnte, daß sie die Schwiegergroßmutter, das sogenannte „Urmiemchen“, Thomas Manns war, dann erklang ein „ah ja“ mit dem, natürlich unausgesprochenen, Zusatz „Thomas Mann. Gut, der sagt mir was. Die hatte also was mit dem zu tun.“ Durch die mehr oder minder zufällige Liierung ihrer Enkelin Katia mit dem späteren Nobelpreisträger („ [dem] verdammte[n] alte[n] Antifeminst[en] und Strindbergiander“ Zitat Dohm) wird Hedwig Dohm, geborene Schleh, also zugeordnet; nicht daß diese Zuordnung tatsächlich etwas wirklich relevantes über sie aussagen würde, erblickte Thomas Mann doch erst in jenem Jahrzehnt das Licht der Welt, als Hedwig Dohm ihre ersten feministischen Schriften veröffentlichte, sich für das Frauenwahlrecht einsetzte. (Für alle, die nicht so firm sind, in welchem Jahrzehnt Thomas Mann geboren wurde oder wann die erwähnten Schriften veröffentlicht wurden: es handelt sich hierbei um die 1870er Jahre.) Also keine Rede davon, daß er was mit ihrem Tun und Schreiben, ihren Werken zu tun gehabt haben könnte, wußte er zu dieser Zeit noch nicht einmal ums ABC geschweige denn um einem Nobelpreis. Gut, sie sorgte also schon früh für Furore, ein wirkliches Forum erhielt sie aber erst zur Jahrhundertwende, als der radikale Flügel der (ersten) Frauenbewegung erstarkte und tatsächlich in Bewegung kam. Dennoch: sie wurde trotz allem gänzlich vergessen, ihr Name scheint nur mehr nur im Zusammenhang mit Thomas Mann noch den einen oder anderen Groschen fallen zu lassen (was natürlich im Zeitalter des Euros sich schon fast selbst widerspricht...; doch das nur eine Überlegung am Rande). So weit, so bedauerlich.

Um so erfreulicher ist es, daß sie wiederentdeckt wurde; nun – 88 Jahre nach ihrem Tod – sie erneut verlegt wird; zwei junge Frauen – Nikola Müller und Isabel Rohner – sie aus der Versenkung holten. 2006 erschienen die ersten Bücher der Edition Hedwig Dohm (trafo verlag Berlin), in diesem Jahr folgen zwei weitere Bände, herausgegeben von eben erwähnten Frauen. Doch nicht nur das. Diese Frauen ermöglichen es uns nun – mit Gerd Buurmann im Gespann– Dohms Stimme fast leibhaftig zu vernehmen, im Dialog mit Nietzsche, Möbius, Groddeck und anderen Antifeministen vergangener Zeiten, die so vergangen gar nicht scheinen, wenn – wie diese drei auf der Bühne es tun – unter anderem statt dessen der Name Eva Herman eingesetzt wird.

Leidenschaftlich bieten (in alphabetischer Reihenfolge, um – irgendwelchen, wie auch immer gearteten- Mißverständnissen vorzubeugen) Buurmann, Müller und Rohner mit ihrer ‚Femmage an Hedwig Dohm: „Aber – ich soll ein echtes Weib sein?“’ ein wunderbares ‚Best of’ der Dohm dar, mit dem sie derzeit durch Deutschland touren. Zitate und Ausschnitte der Dohmschen Werke, mal mit Biographischem unterbaut, mal mit Historischem, werden mal leise, mal laut in Szene gesetzt, mal präsentieren sich die drei im Stile eines literarischen Terzetts, bei dem Buurmann die Herausgeberinnen charmant befragt, mal echauffiert sich Buurmann in der Rolle eines der oben genannten Antifeministen im Gespräch mit der Dohm (Müller und Rohner sich abwechselnd). Bedauerlich wiederum, daß nur knapp 20 Personen sich einfanden am vergangenen Montag, den 29. Januar 2007, im Kölner Eifelturm-Theater/KGB (Kunst Gegen Bares), um dieser unterhaltenden und menschlichen Ehrung einer großen Frau beizuwohnen. Was allerdings –leider- meine eingehende Beobachtung bestätigt, daß niemandem scheinbar mehr dieser Name – Hedwig Dohm – etwas sagt oder sich jemand für sie interessiert. Um so erfreulicher ist es wiederum, daß es in nächster Zukunft so einige Termine dieser szenischen Lesung gibt, so daß ich hoffentlich bald nicht nur ein „ah ja“ Fragezeichen ernten werde, sondern ein „ja klar“ Ausrufezeichen. Schließlich höhlt ja der stete Tropfen den Stein. Ich jedenfalls bin sehr froh darüber, einen anregenden Abend für Hedwig Dohm miterlebt haben zu dürfen und empfehle diesen allen Leser(inne)n meines bescheidenen Beitrages zu dieser Frau.

Wir haben es bitter nötig.

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2 Antworten

Kommentare

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    Amen

    04.02.2007, 00:29 von pirlie
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