Annabel_Dillig 15.04.2008, 15:11 Uhr 0 0

Gut vernetzt

Wir knüpfen permanent Kontakte zu Menschen, die uns noch mal nützlich werden könnten. Hat das NETZWERKEN längst auch unser Privatleben untergraben?

Die Party war eigentlich keine Party. Und genau das war der Fehler. Wir standen höflich herum, hielten uns an Flaschen fest und lächelten tapfer. Party heißt, es besteht die Möglichkeit zum Exzess: laute Musik, viel Alkohol. Mehr Menschen als Platz, mehr Freunde als Feinde. So einfach ist das. Aber der Abend, um den es hier geht, war ein semianstrengendes Herumstehen nach Feierabend, das zufällig in einer Bar stattfand. Die Fortsetzung des Arbeitstags mit anderen Getränken. Ich lehnte an einem Türpfosten und unterhielt mich mit einer jungen Fotografin. Wir sprachen über Aufträge, Geldmangel, über Sorgen, die man als Freiberufler hat. Das Mädel war nett, unser Gespräch schnurrte so vor sich hin. Dachte ich. Ihre Aufmerksamkeit war lange weg, bevor sie es war.

Erst verfolgte ihr Blick irgendetwas im Raum, dann wurde die Fotografin immer unruhiger, schließlich das Unvermeidliche: »Du entschuldige, ich sag nur schnell dem Marc Hallo«. Im Nachhinein dachte ich: Wenigstens hat sie nicht vorgegeben, auf die Toilette zu müssen. In dem Moment dachte ich: Die lässt mich jetzt nicht wirklich hier stehen. Ich kenne kein Schwein hier! Und: Wer ist eigentlich Marc?

Marc war, wie ich zwei Bier später herausfand, Chef einer Grafikdesignfirma und in der Rangliste der für die Fotografin interessanten Gesprächspartner deutlich höher angesiedelt als ich. Ich sah die Fotografin noch lange an dem Abend mit Marc, dem geilen Designhengst, scherzen. Sie lachte, warf den Kopf in den Nacken. Signal an alle: Ich amüsiere mich prächtig. Und morgen habe ich einen Auftrag. Abgesehen von meiner eigenen Eitelkeit, die es nur schwer ertrug, ein nicht ebenso lukrativer Gesprächspartner zu sein, wurmte mich noch etwas anderes: das ungute Gefühl, es selbst schon genauso gemacht zu haben, vagabundierend weitergezogen zu sein, Leute stehen gelassen zu haben - auf der Suche nach mehr Glamour, mehr Nutzen, mehr Kontakt. Seit Jahren predigen Soziologen und Psychologen die Bedeutung von Kontakten für unser Sozialleben.

Sie beten Studien herunter, die beweisen: 37 Prozent aller Beschäftigten in Deutsch land verdanken ihre Stelle einer Art von Netzwerk, dem sie angehören, in den USA sogar 75 Prozent. Sie sagen: Referenzen und Empfehlungen, ob formell oder informell, sind für Personalchefs inzwischen wichtiger als Zeugnisse und Examensnoten. Sie trichtern uns ein: Es geht nicht mehr allein darum, was du kannst, sondern wen du kennst. Anders ausgedrückt: Dein soziales Kapital entscheidet darüber, ob du eine Stelle bekommst. Je größer das Netzwerk und je heterogener die darin enthaltenen Personen, desto wahrscheinlicher ist es, davon irgendwann beruflich zu profitieren. Traditionelle Bindungen haben sich in der individualisierten Gesellschaft aufgelöst.

»An ihre Stelle sind flüchtigere, losere Strukturen getreten, die schnell wieder aufgegeben werden können. Oft geht es nur um kurzfristigen Nutzen«, sagt Hermann Strasser, Professor für Soziologie an der Universität Duisburg-Essen. Großfamilie, Gewerkschaft, Kirche, Sportverein waren Abos auf Lebenszeit, die wir längst gekündigt haben. Zuflucht haben wir in Freundes- und Bekanntenkreisen sowie losen Netzwerken gefunden.

»Freundschaftsbeziehungen rücken als soziales Phänomen an die Stelle traditioneller Bindungen«, sagt auch die Philosophieprofessorin Hilge Landweer. Sie geht davon aus, dass Freundschaft und soziales Kapital ein großes Forschungsfeld im 21. Jahrhundert werden - in der Philosophie und in anderen Wissenschaften. Auf Pseudopartys, auf denen keine Körperflüssigkeiten, sondern allenfalls Visitenkarten getauscht werden, trifft die Fotografin also auf Grafiker, Medienleute, Werber, Künstler und PR-Menschen - auf eine komplette Gerüchtegroßküche, in der sie mit nützlichen Informationen gefüttert wird. Schneller als jede Auftragssuche im Internet, kurzweiliger als ein Gang zur Arbeitsagentur, und bessere Getränke gibt?s auch.

Trotzdem: Das ganze Gerede von Kontaktpflege und Networking ist einem insgesamt doch ziemlich zuwider. Im Schlepptau dieser Begriffe vermuten wir Opportunisten und Menschen, die ihren Lebenslauf als Gesamtkunstwerk betrachten. Wir denken an Vetternwirtschaft und Vitamin B, an Korruption, Schleimscheißer und schreckliche Neffen von schrecklichen Chefs. Der schale Beigeschmack rührt daher, dass soziales Kapital die vorherrschende Arbeits- und Leistungsethik untergräbt. Wir empfinden es als ungerecht, wenn ein gleich oder sogar schlechter qualifizierter Bewerber den Vorzug erhält, nur weil er über bessere Kontakte verfügt. Aber möglicherweise ist diese Vorstellung einer vollkommen »gerechten« Leistungsgesellschaft nicht nur illusionär, sondern auch falsch:

»Wir können das Leben, besonders die Arbeitswelt, doch nicht von menschlichen Beziehungen losgelöst betrachten «, sagt Jörg Fengler, Psychologe an der Universität Köln. »Leben heißt, menschliche Beziehungen zu unterhalten. Es besteht nicht nur aus Leistung. Diese kalten Technokraten, die es nur aufgrund ihrer Einser-Zeugnisse nach oben geschafft haben, die will doch auch keiner «, findet Jörg Fengler. Selbst wer sich noch moralisch ereifert über all die Networker, füllt fleißig seinen Handyspeicher. Längst haben wir verinnerlicht, was der Soziologe Mark Granovetter als »Stärke der schwachen Beziehungen« bezeichnet hat. Schon 1973 fand er heraus: Auf dem Arbeitsmarkt sind vor allem diejenigen erfolgreich, die über viele emotional schwach besetzte Beziehungen verfügen. Wer viele lockere Bekanntschaften hat, kommuniziert viel, und wer viel kommuniziert, hört früher von Gelegenheiten. Der Soziologieprofessor Hermann Strasser sagt: »Es geht dabei nicht um Freundschaft, es geht um Profit.« Profit in Form von Wissen, das Menschen mit großem Bekanntenkreis vor behalten bleibt.

Das einzige Risiko der Sozialkapitalisten ist der Stempel mit der Aufschrift »undankbar«. »Wer nicht in der Lage ist, irgendwann eine Gegenleistung zu erbringen, wird sich in dem Netzwerk auf lange Sicht nicht halten können«, sagt Hermann Strasser. Soziales Kapital, Profit, Risiko - Vokabeln der Ökonomie für das, was wir mal Freundschaft nannten. Sollen wir jetzt auch noch unsere Beziehungen auf Kosten und Nutzen abklopfen? »Natürlich bilanzieren wir. Es ist im Menschen angelegt, nach dem offenen und dem geheimen Nutzen zu fragen«, sagt der Psychologe Jörg Fengler. Sähe das Kalkül nur nicht so hässlich aus. Der zugekehrte Rücken auf der Party, wenn das Alphatier den Raum betritt; das peinliche Sich-gut-Stellen mit Menschen, die wir eigentlich für Volltrottel halten. Neulich, die Geburtstagsfeier meines Freundes Jan. Er hatte einige befreundete Arbeitskollegen und seine Chefs eingeladen. Jan arbeitet seit kurzem fest in einer Agentur, ein guter Job. Er hat sich über eine freie Mitarbeit dort hineingearbeitet, es hat Jahre gedauert. Jans Freund Tobias kam wie immer ein wenig später, er hat gern einen großen Bahnhof. Von dem Moment an, als er den Raum betrat, sah man ihn nur noch im Zwiegespräch, Hände schüttelnd. »Ach, du auch hier, ich bin Tobias, Freund von Jan, ich arbeite gerade an ?«

Tobias brachte es fertig, sich mit jedem Menschen, der ihm nützen könnte, zu unterhalten - nur nicht mit dem Gastgeber. Er palaverte kurz hier, kurz dort, die Tasche mit dem Geschenk für Jan hielt er die ganze Zeit unter dem Arm. Gratuliert hat er seinem Freund, als sich die Party dem Ende zuneigte. Diagnose: Kontaktzwang im Endstadium. Frauen und Männer sind unterschiedlich geschickt darin, Netzwerke zu bilden und sie für sich zu nutzen. Das zeigt eine im Workforce Magazine veröffentlichte US-Studie: Frauen verdanken ihre Arbeitsstelle häufiger einer Bewerbung auf eine Anzeige, Männer eher einem Netzwerk, dem sie angehören. Man kennt sich vom brancheninternen Fußballtreff oder vom wöchentlichen Stammtisch - Alkohol war schon immer das soziale Gleitmittel, zudem ein Gleichmacher, der Hierarchien einebnet. Klar, können sich Frauen auch mit in die Kneipe setzen.

Aber sie tun?s nicht. Sie klagen lieber über männliche Machtzirkel. Von Forsa nach dem größten Karrierehindernis gefragt, nannten siebzig Prozent von 501 befragten weiblichen Führungskräften nicht die Doppelbelastung durch Familie und Beruf und auch nicht die unterschiedliche Bezahlung für gleiche Leistung, sondern: die Netzwerke ihrer männlichen Kollegen. Seit Jahren beklagen weibliche Mitglieder des Bundestags in einem Tonfall zwischen Bewunderung und Entsetzen, dass sie bei den informellen Runden ausgeschlossen sind. Wenn es um das Knüpfen von Seilschaften geht, haben Frauen häufig auch ein anderes Strickmuster als Männer. Die amerikanische Autorin Kathy Harvey schreibt, dass Frauen egalitärere Bekanntenkreise haben als Männer. Sie solidarisieren sich häufiger mit Menschen auf niedrigeren Hierarchiestufen, haben aber insgesamt weiter verzweigte Netze, wo hingegen Männer gezielter nach Bekannten mit Macht und Einfluss suchen - so wie der kontaktzwanghafte Tobias. Der spielt inzwischen in einer anderen Liga: Seit Jans Geburtstagparty darf er beim Freizeitkicken mit den anderen aus Jans Agentur mitmachen. Ein Kontakt erfordert Arbeit und Aufmerksamkeit. Er muss aktiv bleiben.

Das Kontaktpflegeset für angehende Sozialkapitalisten sind Communities wie XING, MySpace, Studi VZ und Facebook. Der Unterschied der Internetportale liegt nur in der Ebene der Selbstinszenierung: Inszeniere ich mich als Privatperson, gilt es, das eigene Profil mit möglichst humoristischen Notizen zu Freizeit- und Geschmacksfragen zu schärfen. Inszeniere ich mich als leistungsbereiter Arbeitnehmer, warten Ausfüllaufforderungen wie »bisheriger Karriereverlauf « und »aktuelle Position«. Fast fünf Millionen Menschen sind inzwischen bei XING registriert. Die Community war das erste reine Web 2.0-Unternehmen, das in Deutschland an die Börse ging und seit 2006 aus sozialem Kapital echtes schafft. 98 Menschen hat ein durchschnittlicher XING-Nutzer der deutschen Version in seiner Kontaktliste. Fünfzig jeder, der bei StudiVZ registriert ist. Da verliert man leicht den Überblick.

Wichtiges Utensil der akribischen Kontaktpflege deshalb: die Geburtstagserinnerung. Unzählige Birthday-Reminder sind als kostenlose Downloads im Internet erhältlich, auch Portale wie StudiVZ oder Lokalisten bieten das Tool an. Einmal eingetragen, wird der Nutzer bequem per E-Mail benachrichtigt: »Jura-Biene81 hat heute Geburtstag«. Ein kurzer, Verbindlichkeit erzeugender Anruf, und schon ist der Kontakt, der in solchen Netzwerken immer »Freund« heißt, wieder in Schuss. Wobei: Der typische Networker wählt zum Gratulieren lieber E-Mail oder SMS. Es gibt nichts, was sich nicht auch in einem Satzzeichengesicht ausdrücken lässt. Auch daran, dass der Begriff »Freund« in all diesen freizeitverbrauchenden Internetgemeinden anders, amerikanischer, gebraucht wird, mussten wir uns erst gewöhnen. Das Institut für Sozialforschung hat ermittelt: 3,3 Freunde nennt der Deutsche im Schnitt sein eigen. Offenbar zählt er seine Webbekanntschaften noch nicht mit.

Was für Amerikaner schlicht »friends« sind, wurde von Deutschen bislang mit Nachdruck in Freunde, Bekannte und Kollegen differenziert. Doch die Grenzen sind fließender geworden. Mit der Entstehung von immer mehr Kommunikations- und Kreativberufen haben die Sphären Arbeit und Freizeit an Trennschärfe verloren. Es waren vor allem die euphorisierten Vertreter der New Economy, die diese »Entgrenzung der Arbeit« auf die Spitze trieben - mit der Überzeugung, rund um die Uhr Spaß haben zu können: tagsüber, in - dem man mit einer guten Idee Millionen verdient, und abends, indem man mit der ganzen Mischpoke beim After-Work feiert und neue Kontakte knüpft. Das Berufsleben hat sich verändert. Arbeit wird heute nicht mehr nur unter dem Gesichtspunkt materieller Absicherung gesehen. Bei 70 000 Stunden, die man zeitlebens mit Arbeit verbringt, ist es uns wichtiger als je zuvor, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die wir sympathisch finden, mit denen wir mehr teilen als die Abneigung gegen den Kantinenkaffee. Und weil aus jedem Kontakt heute im Handumdrehen ein Kollege wird, glauben wir, es uns gar nicht mehr erlauben zu können, die fein gesponnenen Netze zu zerreißen - und der Partybekanntschaft mit der feuchten Aussprache und dem Charisma einer Betonmischmaschine den Rücken zuzukehren. Am Ende tippen wir auch diese Nummer artig ins Handy. Ein Blick ins Adressbuch genügt, um festzustellen, wie Flüchtigkeit und Masse unserer Beziehungen zugenommen ha ben.

Die Frage, ob man es mit Kontaktpflege nicht übertreibt, ob man die Zombie-Freunde aus der Grundschule wirklich per Internetcommunity zum Leben erwecken muss, ob man nicht wahllos geworden ist im Nummernsammeln und Massenmails-Verfassen, muss jeder selbst beantworten. Aber unsere Vorstellung von Freundschaft müssen wir nicht überdenken. »Die Kommunikationsdichte mag zwar gestiegen sein«, sagt die Philosophin Hilge Landweer, »aber wir haben noch immer ein Gefühl dafür, wer ein wahrer Freund ist. Schon für die Philosophen der Antike hieß Freundschaft, sich nahe sein zu wollen, sich sehen zu wollen. Das macht Freunde noch heute aus, auch wenn vielleicht an die Stelle des Sich-sehen-Wollens das Voneinander-wissen-Wollen getreten ist.« Wenige Tage nach dem Herumsteh-Abend half ich meinem Freund Thomas beim Umzug, als dieser einen seiner erfrischend ehrlichen Momente hatte: »Wenn ich mir meinen Freundeskreis so anschaue, unterscheide ich ganz klar zwischen Freunden und Menschen, die mir nützlich sein können, zum Beispiel im Job - oder eben beim Umzug.« Thomas grinste, und mir fiel fast die Bücherkiste vom Arm. »Ich sage das den Leuten normalerweise nicht, darauf beruht ja der Erfolg dieses Prinzips.«

Mit dem Erfolg, dachte ich, muss er wohl mich und die fünf anderen meinen, die gerade seine Möbel in den dritten Stock hieven. Diagnose: Vitamin-B-Unverträglichkeit im Freundeskreis, frühes Stadium. Natürlich hat fast jeder Freunde, die in bestimmten Situationen hilfreich sind: den angehenden Anwalt, der einen saftigen, mit juristischen Gemeinheiten gespickten Brief schreiben kann, wenn man sich mal wieder einen Vertrag an der Haustür hat aufschwatzen lassen. Den gutmütigen PC-Experten, der auch mal nachts anrückt, um die Festplatte neu zu formatieren. Oder die handarbeitsaffine Freundin, die einem immer, wirklich immer den Saum der zu langen Hose hochnäht, weil man halt doch zu geizig ist, das Stück zum Schneider zu bringen. Die Frage ist nur: Kann man überhaupt von Freundschaft reden, wenn einer von beiden einen Zweck verfolgt? Wie viel Kalkül vertragen Freundschaften? Aristoteles hielt die Nutzenerwägung für einen akzeptablen Grund, jemanden kennen lernen zu wollen. Die Art von Freundschaft, die so entstehe, schrieb er, sei nur nicht so stabil wie die Freundschaft um des Freundes willen. Letztere ist für Aristoteles die vollkommene Form von Freundschaft. »Freunde, die den Nutzen als Zweck verfolgen, trennen sich, sobald der Nutzertrag aufhört. Denn nicht miteinander waren sie befreundet, sondern mit dem Gewinn«, heißt es in »Formen der Freundschaft und der Glückseligkeit«. Zwischen diesem Satz und XING liegen fast 2500 Jahre.

Wenn uns Freunde einen Gefallen tun müssen, steckt dahinter oft unsere eigene Unzulänglichkeit - in der Regel Faulheit oder Unvermögen. Weil wir das implizit oder explizit mit dem Hilferuf eingestehen (»Dieser Vertrag, du musst mir glauben, ich hatte doch keine Ahnung«), sind wir als Freizeitschmarotzer einiger maßen erträglich. Kleine Gefallen strapazieren die Freundschaft, sie gefährden sie aber in der Regel nicht. Der Soziologe Hermann Strasser spricht von Gefälligkeitskonten, die wir uns bei unseren Mitmenschen einrichten. »Wenn sich in der Zeit das Soll nach und nach füllt, immer mehr in Anspruch genommen wird und nichts auf der Habenseite eintrifft, dann wird es eingestellt,« so Strasser. Es kann aber auch Jahre dauern, bis so ein Konto ausgeschöpft wird und Zinsen trägt. Bei mir und Thomas war es anders: Am Ende des Umzugstages saßen wir auf den Kisten und Leitern in seiner neuen Wohnung, tranken Bier und waren so glücklich und zufrieden, wie Freunde sind, wenn sie zusammen etwas geschafft haben. Es hat Spaß gemacht, meinem Freund zu helfen. »Wir tun fast alles aus einer Nutzenerwartung heraus«, sagt der Psychologe Jörg Fengler, »selbst derjenige, der ein Ehrenamt ausübt: Es geht ihm um seine Ehre, er will sich gut fühlen.«

Während wir so saßen und sich meine Ehre ziemlich gut anfühlte, dachte ich noch einmal über Thomas' Geständnis nach. In ein paar Tagen sollten die Bayern gegen Dortmund spielen, die Partie war seit langem ausverkauft. Aber ich wusste: Es gibt genau einen Menschen, der immer eine Dauerkarte zu viel hat. Ich wäre doch blöd gewesen, ihm nicht ein paar Stühle in den dritten Stock zu tragen.

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