theChaosqueen 18.12.2018, 20:53 Uhr 1 0

Gut, besser, überoptimiert

Nutzenmaximierer, Ultranetzwerker und Fitnessappüberwachte – was nicht passt wird mit Hilfe der Optimierungsschraube passend gemacht.

Nutzenmaximierer, Ultranetzwerker und Fitnessappüberwachte – wir wollen etwas mehr, wir wollen noch mehr, wir wollen das Maximum. In jedem Bereich unseres Lebens und das zack zack. Wir befinden uns in einem Zeitalter, in dem alles möglich ist und wir uns verleiten lassen, alles auch schaffen zu können.


Handelte es sich beim Thema Nutzenmaximierung früher um eine Domäne der Betriebswirtschaft, hat sie heute längst Einzug in den Alltag gefunden – die Optimierung. Mein letzter Post, in dem ich über den Optimierungswahn sprach, sorgte für mehr oder minder hitzige Kommentare. Das Thema entstand, wie sehr viele, aus Gesprächen mit Freunden und das Phänomen entsprang nicht ausschließlich meiner Fantasie.


Bereits der deutsche Soziologe Heinz Bude befasste sich mit dem Thema Optimierungswahn in seinem Buch „Gesellschaft der Angst“ und somit stehe ich mit meiner Meinung nicht gänzlich alleine auf weiter Flur. Es ist auch nicht so, dass der Gedanke alles perfektionieren zu müssen, vielleicht irgendwo auf der Welt omnipräsent wäre und nur Intensivnutzer Sozialer Medien davon heimgesucht werden. Nein, leider. Quer durch die westliche Welt wird optimiert.

„Wir haben alle Möglichkeiten, also haben wir sie auch gefälligst zu erreichen.“ Wie das geht, erklären uns (mehr oder weniger professionelle) Coaches und würde sich nicht so viele Menschen für die Optimierung ihres Lebensstils interessieren, könnte die Branche auch nicht so wachsen.


Bereits vor dem ersten Schultag überlegen Eltern, mit welcher Musik die Intelligenz ihrer Kinder gefördert werden könnte, mit welchen Sportarten sie einen teamfähigen Erwachsener heranziehen und mit welchen Sprachkenntnissen ein Kind die besseren Startchancen in der Schule hätte. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an ein Buch, in welchem es um die Erziehung zur Elite ging. Gepredigt von der „Tigermutter“ und es war ein Bestseller – auch in Europa.


Über Jahre hinweg anerzogener und Perfektionismus macht schlussendlich auch nicht vor Beziehungen halt. Dieses „setz dir Ziele und erreiche sie“, gilt für sämtliche Lebensbereiche und wir sind häufig nicht bereit zu einer fixen Partnerschaft, weil da noch ein besserer Partner kommen könnte. Zugeben freilich tun wir das nicht. Stattdessen schützen wir uns mit Aussagen wie „Tut mir leid, aber ich bin beziehungsunfähig“ oder „Tut mir leid, aber ich habe aus beruflichen Gründen keine Zeit für eine Beziehung“. Ziemlicher Nonsens angesichts der Mitgliederzahlen bei Tinder und ähnlichen„just for fun“ - Datingapps, die geradezu verführen, es gibt immer einen besseren Partner und noch besseren Sex.


Da kann es leicht passieren, dass wir sehenden Auges blind werden für das was uns dauerhaft glücklich machen könnte– auch wenn das bedeutet, eine Beziehung nicht wegen einer sexuellen Durststrecke gleich aufzugeben.


1 Antworten

Kommentare

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    Zur Mitte hin geht Dir die Luft aus.
    Zum Schluss in Fransen.

    30.12.2018, 18:12 von Kokomiko
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