Grundeinkommen für alle?
Wollt ihr das bedingungslose Grundeinkommen?
Da ist es also mal wieder: Bühne frei für das bedingungslose Grundeinkommen!
Die CDU hat das sozialpolitische Modell schon vor Jahren durchrechnen lassen, große Teile der Grünen sind dafür, die Linke ist es sowieso und selbst einige FDP-Abgeordnete fordern ein Grundeinkommen, wenn auch nur für Kinder. Auf ihrem Parteitag am Wochenende beschloss nun auch die Piratenpartei, sich zukünftig für ein bedingungsloses Grundeinkommen einzusetzen. Die Idee ist so einfach wie radikal: Jeder Bürger erhält vom Staat ein Einkommen überwiesen, das zum Leben reicht, ohne dass er dafür eine Gegenleistung erbringen muss. Die Befürworter sehen viele Vorteile:
Miese Jobs müssten besonders gut bezahlt werden, weil sie niemand mehr machen müsste, um zu überleben. Kein Niedrig-Qualifizierter, für den es schlicht keinen Job gibt, müsste sich vom Jobcenter in irgendwelche sinnlosen Maßnahmen pressen lassen. Menschen (meist sind es Frauen), die bisher völlig unentgeltlich Erziehungs- oder Pflegearbeit leisten, würden von der Gesellschaft endlich einmal dafür kompensiert. Viele Menschen hätten mehr Mut, sich mit einem eigenen Geschäft selbständig zu machen oder auch einfach weniger zu arbeiten. Wodurch wieder mehr Jobs entstünden. Um es zu finanzieren, sagen die Befürworter, müsste man nur sämtliche staatliche Transferleistungen, die es eh schon gibt, bündeln und dazu wohl noch ein klein wenig die Steuern erhöhen. Das würde schon klappen. Genau das wiederum halten die Gegner für völlig ausgeschlossen, ein bedingungsloses Grundeinkommen in existenzsichernder Höhe halten sie für nicht finanzierbar.
Darüber hinaus halten viele das Menschenbild, von dem die Befürworter des Grundeinkommens ausgehen - jeder Mensch hat den natürlichen Drang, sich zu verwirklichen und sich nützlich zu machen - für viel zu optimistisch.
Stattdessen, so die Befürchtung, würde man sich eine Gesellschaft von Faulenzern heranzüchten, die ihr Grundeinkommen in eine Couch und einen großen Fernseher investieren und sich einen schönen Lenz machen.
Wie seht ihr das? Angenommen, ihr würdet jeden Monat 900 Euro überwiesen bekommen, ohne dass jemals jemand fragt, was ihr so treibt, was würdet ihr machen? Trotzdem arbeiten, studieren, lernen? Faulenzen? Wie würde ein bedingungsloses Grundeinkommen unsere Gesellschaft verändern?




Kommentare
Dann investieren die Faulenzer ihr Einkommen eben in Fernseher und Couch.
10.02.2012, 09:52 von somehowamusingSo what? Damit erhält man eine Binnennachfrage, die wiederum Geld in die Kassen spült.
:D
Nein, ernsthaft. Ich halte das Grundeinkommen für einen wichtigen Schritt zur Emanzipation. Aber das kann kaum im Interesse derer sein, die die Geschicke des Landes lenken. Mündige Bürger, mit Zeit zum Nachdenken und der Möglichkeit, Jobs nach Attraktivität und nicht nach Zwang zu wählen...undenkbar.
das wäre schön, dann könnte ich mit meinem Kind 3 statt 1 Jahr @hom bleiben und endlich das lang ersehnte Abitur in der Abenschule finazieren.
07.12.2011, 19:48 von Signum-weLoveauch mal ganz menschlich gesehen: ins Bett zu gehen und sich nicht fragen zu müssen, wie man die nächste Rechnung bezahlt, sondern entspannt eine für Klausuren zu lernen und Konzepte erarbeiten. Anstatt zum Amt zu rennen, mit dem Kind in den Zoo gehen, chancengleich Bildung konsumieren , ach die liste würde nie aufhören.... und die faulen wird es immer geben! nur werden die dann unglücklich sein! offene Augen und 'Herzen machen schlauer!
06.12.2011, 14:32 von audiopheliaEs gibt ein kleines Dorf in Kenia mit knapp 100 Einwohnern, in dem die Arbeitslosenquote bei fast 95% liegt und fast alle Alkoholiker sind. In dem Dorf gab es fast nichts, die Grocery musste schliessen, weil keiner Geld zum Einkaufen hatte, das einzig wirklich erfolgreiche Geschaeft im Dorf war die Bar. Es wurde dann probiert, ob sich was aendert, wenn jeder ein bedingungsloses Einkommen von 100 US $ im Monat bekommt. Nach 2 Monaten gab es im Laden eine Baeckerei, eine neue Grocery, einen Kindergarten und so etwas wie eine Schule.
06.12.2011, 07:33 von MissArmedAngelNach einem Jahr wurde das Projekt beendet, die Organisation konnte die Kosten nicht mehr bezahlen.
Aber das zeigt ja, dass wenn du nur die Moeglichkeit hast, risikofrei auszuprobieren, was du moechtest, dass du es auch tust. Also Pro BG!
mhm das klingt ja interessant. Kann man das irgendwo nachlesen?
06.12.2011, 08:14 von Sterling4everdas waere auch meine frage
06.12.2011, 11:26 von Insomnia291986http://www.bignam.org/BIG_publications.html
Ich würde dies mithin als starken Indikator dafür werten, dass die misstrauische Argumentation "Dann liegen die nur auf der faulen Haut" ziemlich falsch ist. Zurück in der Geschichte, wenn auch etwas anders gelagert gibt es da ebenfalls Hinweise, dass Selbstbestimmung/Partizipation nicht zu weniger Produktivität, sondern zu deutlich mehr Produktivität führen und insgesamt deutlich positive Auswirkungen auf die Gesellschaft haben.Ich denke hier zB an die Spanische Revolution, wo seinerzeit die Anarchisten die Produktionsstätten übernommen haben. Hat auch ganz gut funktioniert.
06.12.2011, 11:44 von derHerrMitDemPixel
vielen Dank fürs Posten Pixel!
06.12.2011, 11:53 von Sterling4ever06.12.2011, 12:23 von jeanmidinuit
http://data5.blog.de/media/686/3782686_090b5d605a_d.pdf
Irgendwie hat diese "Alle - bekommen - das - selbe - Regel" auch einen Kommunistischen Beigeschmack. Wer strebt denn nach mehr, wenn er am Ende eh dasselbe bekommt, wie der der Zuhause rumgammelt?
Und wenn etwas den Beigeschmack des Klassenfeindes hat, dann ist es umgehend schlecht, weil es theoretisch aus einer Ecke kommt, die ja per se schlecht sein muss ? Weil man das so gelernt hat ?
06.12.2011, 08:21 von derHerrMitDemPixelWas wir haben ist also alternativlos gut ? Denn Du hast eigentlich nur die Wahl entweder noch mehr Humankapital in den Schlund des goldenen Kalbs (also dem jetzigen Wirtschaftssystem) zu werfen, oder den angeblichen Zwängen und Erfordernissen "der Wirtschaft" zu Gunsten des Menschen entgegenzuwirken.
Es steht, glaube ich, jedem frei, soviel Moos anzuhäufen, wie es seinem persönlichen Wohlbefinden dienlich ist.
06.12.2011, 10:23 von sailorDas Konzept des BGE sieht meines wissens nicht vor, den Monatslohn bei 600 Euro zu deckeln...
06.12.2011, 12:15 von jeanmidinuit
Ich würde trotzdem meine beruflichen Ziele weiterhin verfolgen, ganz unabhängig davon ob ich nun 0 Euro, 900 Euro, oder 9000 Euro im Monat vom Staat bekommen würde.
diese bestrebung hat jeder mensch, nicht nur du! doch sozialangst schirmt da auch mal gut ab. hartz4empfänger sein ist ein fulltimejob, da können nur die mitreden, die es erleben dürfen...
06.12.2011, 14:26 von audiopheliaKann sein das ich da nicht mit reden kann, weil ich bisher das Glück hatte von einer solchen Erfahrung verschont worden zu sein. Aber wie meinst du das mit dem "Fulltime-Job"? Meinst du das ernst? Und wenn ja dann Schande über meine Unwissenheit, erkläre es mir bitte trotzdem
10.12.2011, 13:29 von tracyum bei dem ganzen antragswust durchzusehen, und mit dem geld noch über die runden zu kommen, hat man ganz schön rennerei von a nach b und du bist nahezu gläsern. du musst alles nachweisen, belegen, beantragen.
11.12.2011, 01:17 von audiopheliaund wenn das geld nicht reicht, ab zu den tafeln, bewerbungen noch und nöcher, auch wenn die vorgaben völlig unsinnig sind, finger wund schreiben, oder sich gegen menschunwürdige maßnahmen wehren.
nunja ich kann auch nur bedingt mitreden. bin nur teilfinanziert, dank 3/4 stelle im traumjob. aber auch den können sie einem madig machen. wenn du magst erklär ich das gern mal in einem kleineren kreis.
Teilfinanziert ist ja aber auch was anderes als das was man jetzt verstehen würde, wenn man hört : fulltime job hartz4 empfänger. Ich kenne ein paar Leute die "nur" vom Staat leben, zwar auch dies und das nachweisen und ständig zum Amt müssen, aber die haben nicht wirklich ein hartes Leben damit. Das glauben sie nur. Aber ich kenne auch Leute die vom Staat Geld dazu bekommen und da gebe ich dir Recht. Die haben es wirklich schwer. Z.B kenne ich eine allein erziehende junge Mutter, sie hat keine Ausbildung, arbeitet 40 Stunden die Woche, bekommt Geld vom Staat dazu weil ihr eigenes Einkommen nicht reicht, und sie muss zusätzlich noch zu ihrem Vollzeitjob in der Nachtschicht, und ihrem Kind um das sie sich tagsüber kümmern muss, auch noch regelmäßig zum Amt rennen wegen dies und dem. In so einem Fall wäre es natürlich gut, gebe es einfach so 900 vom Staat dazu, doch ich bin nicht dafür das jeder diese einfach so bekommt. Gleichheit hin oder her.
11.12.2011, 12:23 von tracyich schon, da könnwa ewig drüber streiten. es werden nicht alle faul nur weil plötzlich existenzängste genommen werden! auf diese 40h sache würde ich mich gar nicht erst einlassen als mama, das hat nichts mehr mit sozialstaat zu tun.
11.12.2011, 13:00 von audiopheliaund ganz im ernst, du bist als empfänger so etwas von unter informiert, viele wissen gar nicht wo sie sich hinwenden können um beruflich oder perspektivisch angeschubst zu werden, das amt weiß das auch nicht und zuckt mit den schultern... ich war auch mal fulltimehartzi und hab mir meinen job selbst gesucht bin eher aus der elternzeit, du wirst nicht glauben, was für probleme ich hatte die genehmigung vom amt zu bekommen für dieses projekt.
hartz vier ist ein vom staat legitimiertes instrument um sozialstaat zu bleiben, nicht mehr und nicht weniger.... sozial ist da nichts... und leider sprichst du wie so viele aus einer perspektive die scheinbar nun mal kaum ahnung hat, deswegen zurück halten!
kein kindergeld, kein hartz, kein wohngeld , bafög etc... und fürm jedem menschen 1000 auf den tisch. denk mal ohne dieses grollen, dass es schwarze schafe geben wird drüber nach.... denn die gibt es immer.
Ich als "empfänger"?
11.12.2011, 18:06 von tracyhartz empfänger...
11.12.2011, 19:33 von audiopheliaund der trugschluss ist ja, dass man davon dann bombe lebt.... sondern eben existenzsichernd... das ist schon viel wert....
dafür verzichte ich gern auf ämterwillkür, kindergeld und unterhaltsvorschuss, und ich muss weniger gläsern sein. keiner müsste mehr bedürftigkeit nachweisen müssen und sich damit ins gesellschaftliche randgebiet manövrieren lassen....
und wir hätten auch ein paar weniger obdachlose, da bin ich mir sicher!
ich denke, dass vielleicht am anfang eine menge leute erstmal urlaub machen wuerden, aber nach einer gewissen zeit, braucht jeder wieder etwas zu tun, in dem er sich nuetzlich und gebraucht fuehlt. Die leute wuerden sich unter gesicherten sozialen verhaeltnissen mehr darauf konzentrieren, was sie wirklich gut koennen, auch wenn sie in dem job nicht so viel gelde verdienen und wuerden am ende durch spaß an der arbeit qualtativ hoeherwertige erzeugnisse produzieren. ich glaube nicht daran, dass niemand mehr arbeiten wuerde, denn waere diese nutzlosigkeit ein so erstrebenswerter zustand, dann wuerde es nicht so vielen hartz4-beziehern gesundheitlich so schlecht gehen.
05.12.2011, 23:38 von Insomnia291986Das ist nur als Aufruf, nicht mehr arbeiten zu gehen, zu verstehen. Bezahlt wird's von den wenigen Dummen, die noch arbeiten. Wenn wir zu viel Geld haben, könnten wir es auch sinnvoll investieren (mehr Masterplätze, Bahnfarten und andere ÖVM subventionieren, Umweltschutz, ...)
05.12.2011, 20:45 von G3oGr4ph06.12.2011, 08:23 von derHerrMitDemPixel
weil uninformiertes, reflektiertes volk sich untermischt um dann gequirlt zu tage zu treten!
06.12.2011, 14:24 von audiopheliaIch wünsche mir gerade bei diesen Aussagen den Button: "Du laberst scheiße"
13.12.2011, 09:02 von TaneaAls staatliches Zugpferd der europäischen Union darüber zu manieren, "man hätte kein Geld das BGE durchzusetzen" ist in etwa so, als würde Berlusconi sich darüber beklagen, dass ihm die Geliebten ausgehen.
05.12.2011, 20:03 von JohnMoodyVor 3 Jahren hatte man keine 5 Milliarden Euro um das Bildungssystem zu sanieren, vier monate später schnürte man den Banken ein 50 Milliarden Euro Hilfspacket.( 3 Jahre später spannte man einen 1 Billionen Euro umfassenden Rettungsschirm auf).
Ich rechne nicht vor. Ich liste lediglich auf.
Welcher Bürger würde sich über 900€ zusätzlich nicht freuen ?
05.12.2011, 19:54 von Andi_HH"Normal" Leben kann man davon in der heutigen Zeit natürlich nicht,wenn man die Haus / Miet nebst Nebenkosten mit einschliesst.
Ob daduch eine Welle von neuen Unternehmern anrollt,bezweifel ich stark.
Ein Plus hätten aber die vielen neuen Mini Jobber oder Leiharbeiter,die von den geringen Entgelt nicht Leben können und trotzdem staatliche Hilfe also unsere Steuern benötigen und Aufstocken müssen.
Auch die eingesparte Bürokratie dahinter,könnte helfen Steuern zu Sparen.
Auf alle Fälle wären viele Beamte frei für neue wichtige Aufgaben für ihren Arbeitgeber nähmlich WIR alle.
*DAS VOLK*